Nassau

Burg Nassau

Deutschland / Rheinland-Pfalz

Burg Nassau ist die Stammburg des alten Adelsgeschlechtes von Nassau. Heute lädt die schöne Ruine mit einer Gastronomie und wiederaufgebauten Gebäuden zu einem Besuch ein. Vom Bergfried eröffnet sich eine herrliche Sicht über das Lahntal und die Umgebung. Ein Besuch lohnt sich.

Adresse

Burg Nassau
Burgbergweg
56377 Nassau
Parken: Burg, kostenlos

Kurzinfo

Punkte:
Zustand: Halbruine
Burgtyp: Gipfelburg
Nutzung: Gastronomie
Lage: 180 m.ü.NN.
Sonnenlicht: 03:41-19:28 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten: ganzjährig
Burghof: offen
mehr
Eintrittspreise: frei

Baubestand & Beschreibung

Auf einem ca. 120 m hohen Berg an der Lahn thront oberhalb des kleinen Städtchens Nassau die gleichnamige Stammburg des ehemals mächtigen Geschlechts von Nassau. Die Gipfelburg besteht aus einer Kernburg, die von einer Zwingeranlage umgeben ist. Ältester Teil ist der mächtige Wohnturm von ca. 1100, der heute im wiederaufgebauten Zustand weit sichtbar aus dem Wald ragt.

Außenanlage
Der Zugang zur Burg Nassau erfolgt heute wie damals von Nordwesten über eine Zwingeranlage mit rundbogigem Tor. Dieses wird noch heute vom mächtigen Bergfried und einer erhöhten Wehrplattform auf der rechten Seite (Süden) flankiert.
Hinter dem Tor führt der Weg durch einen Zwinger direkt zur Kernburg. Den Eingang zur Kernburg bildete ursprünglich ein Torhaus, dessen Reste sich heute noch zum Teil erkennen lassen. Ursprünglich ruhte auf dem Torbau ein Obergeschoss, welches die St. Johanneskapelle beherbergte.
Vor dem Torbau lässt sich der Ringzwinger erkennen, der die Kernburg einmal vollständig umgibt. Im Norden vor dem Tor verbreitert sich der Zwinger, so das man heute davon ausgeht, dass sich hier Wirtschaftsgebäude befanden. Somit diente der Zwinger gleichzeitig zum Teil als Vorburg.
In der schwer einsehbaren Südostecke des Ringzwingers hat sich ein dreiviertelrunder Schalenturm erhalten, der ursprünglich eine der Schwachpunkte der Burg flankierte. Er ist ein sehr frühes Beispiel für runde Flankierungstürme.

Ringmauer
Die Kernburg ist von einer fast rechteckigen Ringmauer umgeben. Sie wurde nach Ausgrabungen 1970 größtenteils rekonstruiert und ist nur partiell original. Ihre rechteckige Form ist typisch für Burgen am Rhein und im Hunsrück des 12. Jahrhunderts. Mit einer Seitenlänge von ca. 70 m umschließt sie die oberste Spitze der Bergkuppe und damit die Kernburg.
Die spätromanische Ringmauer besaß ursprünglich einen Wehrgang, der auf Blendarkaden ruhte. Vor allem an der Nordseite haben sich die Bögen der Blendarkaden erhalten und verweisen auf die ehemalige Höhe, die die Ringmauer einst hatte. Der Burghof ist heutzutage teilweise verfüllt, sodass die Mauer niedriger wirkt, als sie ursprünglich war.

Kernburg
Burg Nassau war ursprünglich recht großzügig gestaltet. Ein länglicher Hof verbindet alle Gebäude miteinander. Sie besaß zwei Bergfriede und mindestens einen Palas, sowie weitere Gebäude an der Nordseite. Die heutigen Bauwerke stammen größtenteils aus der Zeit nach 1970 und ruhen nur partiell auf alten Grundmauern.

Kernburg - Palas
Das erste Gebäude, das beim Betreten der Kernburg ins Auge springt, ist der Palas. Er steht schräg gegenüber vom ehemaligen Torhaus und stammt aus der Zeit von 1220-1230. Heinrich der Reiche ließ das prächtige Bauwerk errichten. Der heutige Palas ist ein Wiederaufbau aus der Zeit nach 1970.
Ursprünglich stand an dieser Stelle ein kleinerer Wohnbau, der größtenteils spätromanisch war. Bei archäologischen Untersuchungen 1979 fand man spätgotische Fensterarkaden, die als Vorbild für die heutigen Fenster dienten.
Zum Hof hin weist der heutige Palas romanische Zwillingsfenster auf. An der Außenseite, also Richtung Süden, wurden dreifache Arkadenfenster nach romanischem Vorbild eingesetzt. Das rechteckige Bauwerk mit einer Länge von ca. 20 m auf ca. 8 m beherbergt heute eine Gaststätte, die vor allem in den Sommermonaten mit einem ausgedehnten Außenbereich Besucher anlockt. Im Inneren befindet sich ein eindrucksvoller Stammbaum der gesamten Familie von Nassau.

Westlicher Bergfried
Imposantestes und höchstes Gebäude der Burg Nassau ist der westliche Bergfried. Ihm gegenüber stand ursprünglich der östliche Bergfried, von dem sich bis heute nur ein Stumpf erhalten hat.
Der westliche Bergfried hat eine Seitenlänge von 8,5 m und eine Mauerstärke von 2,5 m. Zum Hof hin besitzt er an der Ostseite einen zentral gesetzten Treppenturm, dessen Ecken im oberen Bereich abgeflacht sind. Der Treppenturm ist für Bergfriede eine Seltenheit. Im Gesamtbild ähnelt der Turm dem Mäuseturm am Rhein in Bingen und weist somit auf eine eventuell vorhandene Beziehung zwischen den Bauherren hin.
Der Bergfried ist im Grundriss fünfeckig. Die fünfte Ecke befindet sich an der Westseite und ist kaum auffallend, da der Turm nach oben hin viereckig wird. Man geht davon aus, dass das heutige Gebäude eventuell schon vor 1300 errichtet wurde und auf den Resten eines Vorgängerbaus aus dem 13. Jahrhundert ruht.
Seit dem Wiederaufbau nach 1970 ist der Bergfried 33 m hoch. Der nachweisbare Originalbestand reicht nur bis auf eine Höhe von 19 m. Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurde der Bau mit einem Obergeschoss versehen. Hierbei sind ein Wehrgang mit Zinnen, vier vorkragende Ecktürmchen (Scharwachtürme oder Wichhäuschen genannt) und ein spätmittelalterliches Walmdach entstanden. Als Vorlage diente ein Merianstich aus dem 17. Jahrhundert, der den Turm in diesem Zustand zeigt.
Abgesehen von der Südseite besitzt das Bauwerk in alle Richtungen Spitzbogenfenster. Im Inneren stößt man heute auf drei Obergeschosse, von denen zwei Stockwerke 6 m hohe und ein Stockwerk 8 m hohe Räume aufweisen. Alle Räumlichkeiten wurden mit Kreuzgratgewölbe überwölbt. Das Eingangsgeschoss beherbergt einen Kamin.
Den unteren Teil des Turms bestimmt ein Verlies, das ursprünglich nur über ein Angstloch in der Decke des Eingangsgeschosses zugängig war. Heute beherbergt der Bergfried das Trauzimmer des Standesamtes Nassau und kann für Hochzeiten gemietet werden. Die Aussichtsplattform auf dem Turm ist über ca. 100 Stufen erreichbar und steht der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung.

Östlicher Bergfried
Ursprünglich stand auf der gegenüberliegenden Hofseite im Osten der Kernburg der östliche Bergfried. Das Bauwerk wird 1346 erstmals in einer Urkunde erwähnt. Bis heute hat sich nur ein Teil seiner Außenmauer erhalten.
Der Turm besaß eine Seitenlänge von 9,5 m und war damit ein Meter breiter als sein Bruder an der Westseite. Er steht direkt im Mauerverlauf und war vermutlich viereckig. Über sein Alter lässt sich heute nur spekulieren. Es gibt die Theorie, dass er nach der Teilung der Familie in die Walramische und Ottonischen Linie entstand. Bei den meisten Burgen wurde nach der Teilung der Familie ein weiterer Palas und ein Bergfried errichtet, damit beide Parteien ihren eigenen Bereich innerhalb der Garnerbenburg hatten. Mittlerweile ist bekannt, dass beide Türme, die Toranlage, der Burghof, der Kaplan und der Burgbrunnen der gemeinsamen Nutzung unterlagen. Nur die Wohngebäude waren den unterschiedlichen Linien der Familie vorenthalten.

Fazit
Von der Atmosphäre her ist Burg Nassau sehr angenehm. Die schöne Anlage lädt heute mit einem eindrucksvollen Bergfried, einer kleinen Gastronomie und mehreren Resten der Verteidigungsanlage und einiger Gebäude zu einem Besuch ein. Vom Turm eröffnet sich eine weite Aussicht über das Tal der Lahn. Es lassen sich Teile der Stadtmauern von Scheuern und Nassau, sowie die alte Wasserburg von Scheuern und das Stein´sche Schloss erkennen. Nach einer Besichtigung der Burg Nassau lädt vor allem die kleine Altstadt von Nassau zu einem Besuch ein.

Historie

Burg Nassau ist die Stammburg des weit vertretenen Adelsgeschlechtes Nassau. Die Region tritt schon 993 als Eigentum des Wormser Hochstifts in Erscheinung. Sie wird vor allem durch die als Vögte eingesetzte Herren von Laurenburg verwaltet. Bei Nassau führt die Bäderstraße über die Lahn und verbindet Wiesbaden mit Koblenz. Der hohe Berg und die Nähe zur Handelsstraße sorgen zu Ende des 11. Jahrhunderts für die Errichtung der Burg Nassau. Es soll Graf Dudo von Laurenburg gewesen sein, der die Burg vor 1093 errichtet haben soll. Die dazu erhaltene Stiftungsurkunde der Abtei Laach wird heutzutage als Fälschung angesehen.
Burg Nassau soll um 1100 errichtet worden sein. Sie wurde vermutlich 1124 durch die Brüder Rupert I. oder Arnold I. von Laurenburg ausgiebig erweitert. Der Bau, anfangs wahrscheinlich nur ein Wohnturm, war ohne Genehmigung auf dem Land des Wormser Stifts errichtet worden. Dieser legte heftigen Protest ein und forderte die Aufgabe, bzw. die Übergabe der Burg.
Nachdem sich die Familie von Laurenburg weigerte Burg Nassau freizugeben, eskalierte der Streit. Kaiser Lothar gab 1129 in Worms dem Stift Worms recht, doch verließen die Brüder die Burg nicht. Graf Rupert wurde daraufhin 1152 von Papst Eugenius III. exkommuniziert.
Um eine Schlichtung für den Streit zu finden, tauschte der Trier Erzbischof Hillin von Fallemanien Burg Nassau gegen einige Güter in Partenheim ein und belehnte die Herren von Lauenburg 1159 mit Burg und Stadt Nassau. Unter der neuen Herrschaft des Trierer Erzbischofs nannten sich die Herren von Lauenburg zukünftig Herren von Nassau.
Erstmals werden die Grafen von Nassau urkundlich mit Heinrich von Nassau 1160 erwähnt. In der Urkunde erwirbt Heinrich Herrschaftsgebiete des Einrichgau von den Grafen von Isenburg aus dem Erbe der Grafen von Arnstein.
Zwischen 1220 und 1230 wird die Burg erweitert. Unter Heinrich dem Reichen (Heinrich II., Großcousin von Heinrich von Nassau) entsteht der Palas an der Südseite. Am 16. Dezember 1225 teilt sich die Nassauer Linie unter Otto I. und Walram II. auf. Der südliche Teil der Herrschaft geht mit den Herrschaften Wiesbaden und Idstein und den Vogteien Weilburg und Bleidenstadt an die Walramische Linie, während die wesentlich wertvolleren Gebiete nördlich der Lahn zusammen mit Siegen, Herborn, Dillenburg und den Vogteien Dietkirchen und Ems der Ottonischen Linie zukünftig angehören. Burg Nassau, der Einrichgau, die Lauenburg, die Pfandschaften und die Lehen bleiben gemeinsames Erbe.
1292 besteigt Walrams Sohn Graf Adolf von Nassau den Thron als deutscher König. Er regiert nicht lange, da er 1298 in der Schlacht bei Grillheim den Tod findet.
1349 wird zwischen den beiden Linien ein Burgfrieden geschlossen, der nicht lange anhält. 1372 kommt es zum Streit zwischen Ruprecht dem Streitbaren von Nassau aus der Walramischen Linie und Johann I. von Nassau-Dillenburg aus der Ottonischen Linie. Bei der Auseinandersetzung werden die Burgmannenhäuser zerstört.
Zum Ende des 15. Jahrhunderts hin verliert Burg Nassau an Bedeutung. Sie dient nicht mehr als Residenz und verfällt zusehends. 1501-1502 lässt Adolf III. von Nassau-Wiesbaden umfangreiche Ausbesserungen durchführen, die aber bereits 1522 erneut als baufällig beschrieben werden. 1515 und 1530 wird ein Kaplan urkundlich auf der Burg genannt. 1597 soll die Anlage bereits stark verfallen sein. Dies widerspricht sich mit einer Zeichnung von Merian aus dem 17. Jahrhundert, die die Anlage in einem gut erhaltenen Zustand darstellt.
Ab dem 14. Jahrhundert teilen sich die Linien immer weiter auf. Aus der Walramischen Linie entstehen Nassau-Weilburg, Nassau-Usingen, Nassau-Stein und Nassau-Wiesbaden. Die Ottonischen Linie spaltet sich in Nassau-Dillenburg, Nassau-Siegen, Nassau-Hadamar, Nassau-Beilstein und Nassau-Diez. Vor allem in den Niederlanden gewinnt die Ottonische Linie im 15. Jahrhundert stark an Bedeutung. Aus der Linie Nassau-Dillenburg stammt später Wilhelm I. von Oranien (1533-1584).
Ab dem 18. Jahrhundert ist Burg Nassau derart verfallen, dass sie von der Bevölkerung als Steinbruch genutzt wird. Große Teile der Anlage verschwinden gänzlich. 1806 wird das Herzogtum Nassau gegründet, das 1866 wieder aufgelöst und in Preußen eingegliedert wird.
1945 wird zum Ende des Krieges hin Burg Nassau noch einmal stark beschädigt. 1965 übergibt man sie der Staatlichen Schlösserverwaltung Rheinland-Pfalz. 1971-1982 finden umfangreiche Restaurationen statt, bei denen auch der Palas, große Teile der Ringmauer und das gesamte Obergeschoss des Bergfrieds neu entstehen.

Events in der Nähe

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Anfahrt

Burg Nassau liegt oberhalb des Ortes Nassau. Durch den Ort führen die B260 und die B417. Von Norden und von Osten her die A3 über Ausfahrt "Limburg Nord" die Autobahn verlassen und der B8 Richtung Diez folgen. Noch in Limburg auf die B54 wechseln und bei Diez auf die B417. Diese führt direkt nach Nassau.
Von Süden nach Wiesbaden fahren und von der A66 bei Wiesbaden-Frauenstein auf die B42 und gleich auf die B260 Richtung Bad Schwalbach wechseln. Der B260 bis nach Nassau folgen.
In Nassau ist die Burg ausgeschildert.

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Sonstige Einrichtungen

70 m unterhalb der Burg Nassau liegen die verfallenen Reste der Burg Stein, ursprünglich Stammburg der Herren vom Stein. An der Auffahrtsstraße zur Burg Nassau befindet sich im Südosten das alte Amtshaus - ein schöner Fachwerkbau. Im nahe gelegenen Ort Scheuern stößt man auf die Überreste der alten Wasserburg Scheuern und Teile der Stadtmauer von Scheuern.

Gastronomie

In der Burg gibt es eine Gastronomie.

sonstige Bemerkungen

Heiraten auf Burg Nassau
Im eindrucksvollen Bergfried befindet sich heute ein Trauzimmer, das dem Standesamt der Stadt Nassau unterliegt. Paare haben die Möglichkeit auf der Burg zu heiraten. Alternativ gibt es im historischen Rathaus ein weiteres Trauzimmer.
Weitere Informationen:
Am Adelsheimer Hof 1, 56377 Nassau, Zimmer 6
Telefon: 02604-970238

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Literatur

- Georg Dehio, "Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler - Rheinland-Pfalz, Saarland\", Deutscher Kunstverlag, 1984, Berlin, ISBN: 3-422-00382-7
- Friedrich-Wilhelm Krahe, "Burgen des deutschen Mittelalters- Grundriss-Lexikon", Stürtz Verlag, 2000, Würzburg, ISBN: 3-88189-360-1

Aktualisierung

Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 06.10.2015


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