Burg Wendelstein

Burg Wendelstein

Burg Wendelstein

Deutschland / Sachsen-Anhalt

Burg des Monats

Burg Wendelstein wurde bei Burgenarchiv.de von den Besuchern zur "Burg des Monats Mai 2015 & April 2018" gewählt.
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Die Burgruine Wendelstein liegt an einem steilen Felswandrand über dem Unstruttal. Die Anlage besteht aus einer mittelalterlichen Kernburg, die im Zuge des 16. Jahrhunderts zu einem Wohnschloss umgebaut wurde und Festungselemente erhielt. Sie diente lange Zeit als Grenzburg der Sachsen gegen die Franken. Die gleichmäßige Anlage mit polygonalem Aufbau lädt heute mit zahlreichen, erhaltenen Elementen zu einem Besuch ein. Die wiederaufgebauten Bereiche sind heute privat. Die ruinösen Elemente können besichtigt werden.

Burg Wendelstein
Burg Wendelstein

Adresse

Burg Wendelstein Theodor-Körner-Str.
06642 Kaiserpfalz Parken: Parkplatz, kostenlos

Kurzinfo

Punkte:
Zustand:Festung, Halbruine
Burgtyp:Randburg
Nutzung:privat
Lage:135 m.ü.NN.
Sonnenlicht:06:32-15:25 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten:privat, offen
Eintrittspreise:frei

Baubestand & Beschreibung

Burg Wendelstein

Auf der Burg herrscht an mehreren Stellen Einsturzgefahr! Halten Sie sich bitte von Mauern fern und besteigen Sie diese nicht! Der Besitzer vertraut darauf, dass sie als Besucher den Baubestand nicht berühren und nicht weiter beschädigen. Ansonsten wird die Anlage zukünftig vollständig für die Öffentlichkeit gesperrt. - Stand: Oktober 2014

Auf einem über 30 m hohen Gipsfelsen oberhalb der Unstrut liegt an der Kante einer Steilwand die Burg Wendelstein. Die lang gezogene und recht eindrucksvolle Anlage diente vermutlich als Grenzfeste der Sachsen gegen die Franken. Sie wirft bis heute zahlreiche Spekulationen auf. So vermutet man beispielsweise, dass sich an dieser Stelle die schon lange gesuchte Ottonische Kaiserpfalz Memleben befunden haben soll.
Burg Wendelstein ist heute in Privatbesitz und immer wieder wegen Absacken des Hofs oder anderer Baufälligkeiten gesperrt.

Außenanlage
Burg Wendelstein besteht aus einer Unterburg und einer Oberburg. Sie wurde von Westen nach Osten gebaut, sodass die ältesten Gebäude westlich und die jüngsten östlich liegen. Durch die steile Felskante im Süden konnte man die Anlage nur von Westen, Norden und Osten aus angreifen. In diese Richtungen wurden im Laufe der Zeit zwei Gräben gezogen, zwischen denen ein hoher Erdwall liegt, der die Burg vor Kanonenbeschuss schützte. In dem Wall verläuft eine Kasematte, die mittlerweile größtenteils eingestürzt ist. Die Grabenanlage ist 6 m tief und 20 m breit.
Durch den Wall führten ursprünglich zwei Tore, die sich bis heute erhalten haben. Im Westen liegt das Querfurter Tor und im Osten das Nebraer Tor. In der Neuzeit schuf man einen weiteren Durchbruch mit einer Brücke im Norden der Anlage, der keinen originalen Ursprung hat. Er führt direkt vom Parkplatz zum Haupttor der Vorburg.

Alte Burg und Reitbahn
Über das Querfurter Tor gelangte man früher zu dem Tor der Unterburg. Vor dem Tor hat sich eine alte Zuckerfabrik erhalten, die ursprünglich auch als Brauerei diente und auf den Grundmauern einer Schmiede stehen soll. Das ruinöse Gebäude liegt zwischen der Unterburg und dem äußersten Westwall. Dieser Bereich wird auch Alte Burg genannt und trägt den Beinamen Reitbahn. Anscheinend befand sich hier zu Zeiten der Pferdezucht eine Reitbahn. Zudem gab es hier Wirtschaftsgebäude und einen Uhrenturm. Der Name Alte Burg leitet sich von dem Felsturm ab, der noch heute die Westseite dominiert. Er trug ursprünglich die erste Burg Wendelstein.

Unterburg und Felsturm
Die Unterburg nimmt zusammen mit dem Felsturm mit einer Fläche von 80m auf ca. 180m den westlichen Bereich der Anlage ein. Sie beherbergt die ältesten Elemente der Burg und ist stark ruinös. Der Zugang erfolgt von Nordwesten über einen spitzbogigen Torbau, vor dem einst ein Graben lag. Der Torbau trug ursprünglich einen Wehrgang mit Zinnen und ist spätromanisch, bzw. frühgotisch. Links neben dem Tor, also an der Nordseite, steht der Nonnenturm. Er flankierte den Bereich vor dem Tor und sicherte die Möglichkeit alles östlich der Burg unter Beschuss nehmen zu können.

Unterburg - Nonnenturm
Der eindrucksvolle Nonnenturm besitzt über 2m dicke Mauern und ist heute stark einsturzgefährdet. Seit seiner Sprengung durch die Schweden 1640 weist der Turm tiefe Risse auf, die sich dank fehlender Konservierung und Sicherung noch heute erkennen lassen. Im Inneren befanden sich ursprünglich ein Gefängnis und mehrere Geschosse, die überwölbt waren.

Unterburg - Wohnbau, Kapelle und Küchenbau
Hinter dem Tor beginnt die Unterburg. Auf der linken Seite haben sich die kargen Reste eines Wohnbaus und ein langgezogene Gebäude erhalten, das aus der Küche und der Kapelle besteht. Der Küchenbau ist über eine Tür vom Hof aus zugänglich gewesen. Über der Tür waren um 1900 noch zwei Röhren in der Mauer eingelassen. Ihre Funktion ist bis heute unbekannt.
Der Wohnbau steht direkt links neben dem Tor und besaß ursprünglich drei Stockwerke und ein Kellergeschoss. Noch um 1900 war das vollständige Gebäude größtenteils erhalten. Heute sind nur noch Reste des Erdgeschosses vorhanden. Im ersten Obergeschoss gab es vier Gemächer. Alle Stockwerke waren mit Kaminen beheizt.
In der Verlängerung des Küchenbaus befindet sich am östlichen Ende des Hofs die Kapelle. Sie wurde teilweise in den Fels gehauen und stammt aus der Romanik. Um ca. 1540 errichtete man auf den Kapellenbau drei weitere Obergeschosse, die Wohnsitz von Friedrich von Witzleben waren und die Wohnung eines Pfarrers beherbergten. Bei der heute noch erhaltenen Kapelle handelt es sich um einen schmalen Raum, der über zwei Stockwerke geht. Sie war mit einem reich verzierten Netzgewölbe überwölbt, das auf schmalen Säulen ruhte.
Bis heute haben sich drei Wanddienste und zwei Eckdienste erhalten. Die Wanddienste sind profiliert und gedreht. An den zwei Eckdiensten sind noch spätgotische Gewölbeansätze existent. An der schmalen Westseite befand sich ursprünglich eine Herrschaftsempore, die auf drei Säulen ruhte. Sie war reich geschmückt und wies bis 1960 Medaillons aus Sandstein mit den Gesichtern der sächsischen Kurfürsten auf. Darüber war ein Medaillon eines Einhorns zu sehen. Sie sind inklusive des Altars seit mehr als 40 Jahren verschwunden.
Nachdem die Anlage 1640 durch Schweden verwüstet wurde, ist auch die abgebrannte Kapelle umfunktioniert worden. Sie diente unter anderem als Pferdestall.

Felsturm, Alte Burg
Um 1900 wird der Felsturm in der Literatur oft als Reitbahn bezeichnet. Dieser Fehler wurde im Laufe der Zeit ständig übernommen, sodass er bis heute überall im Internet zu finden ist. Der Felsturm trug vermutlich die erste Burganlage von Wendelstein. Die Reitbahn liegt, wie anfangs bereits erwähnt, zwischen dem Felsturm und dem Westwall.
Bei dem Felsturm handelt es sich um einen 11 m hohen Gipsfelsen, die einen Durchmesser von 33 m aufweist. Der Zugang erfolgte bis vor wenigen Jahren über einen Wendeltreppenturm, der direkt rechts hinter dem Tor der Oberburg steht. Ein zweiter Treppenturm lag ursprünglich an der Aussichtsplattform im Südosten.
Man geht davon aus, dass auf dem Felsturm die erste Burg stand. Der 11 m hohe Felsen weist in alle Richtungen Steilwände auf und war nur über die beiden Treppentürme zugängig. Von dem Treppenturm neben dem Tor gab es zudem die Möglichkeit auf den Wehrgang auf dem Tor zu gelangen und von dort weiter in die Obergeschosse des anliegenden Wohnbaus. Unter dem Treppenturm führte ursprünglich ein Geheimgang nach Westen ins Freie.
Heute ist der Felsturm nicht mehr zugänglich. Aufgrund fehlender Forschungen ist relativ unbekannt, was auf dem Felsturm stand. Seit ca. 1900 gibt es zahlreiche Vermutungen, wo sich beispielsweise der Bergfried befand. Auf dem Felsturm sollen sich ursprünglich ein Wohnturm oder ein Palas mit drei Stockwerken befunden haben. Der Felsen wurde später in den Festungsbau mit einbezogen, da er sich hervorragend als Schildmauer Richtung Westen eignete.

Unterburg - Südbau
Die Unterburg verengt sich nach Süden und wird von dem Felsturm und der Oberburg eingerahmt. An der Südspitze, zur Steilwand zur Unstrut hin, haben sich die Reste eines Gebäudes erhalten, dessen Funktion bis heute unbekannt ist. Der Bau dient heute als Aussichtsplattform und liefert eine uneingeschränkte Sicht gen Süden. Direkt vor der Hoffassade des ehemaligen Gebäudes lassen sich auf der rechten Seite (Westen) der behauene Fels des Felsturms erkennen, der an dieser Stelle einst einen Treppenturm beherbergte. Auf der linken Seite eröffnet sich der Blick auf die große Oberburg.

Oberburg
Die Oberburg ist heute ein privater Gutshof, dessen Hof der Öffentlichkeit zur Verfügung steht, sofern er aufgrund von Einsturzgefahr nicht gesperrt ist. Sie ist im Laufe des 15. Jahrhunderts entstanden und wurde in der Folgezeit immer wieder ausgebaut. Die letzten Gebäude stammen aus dem 18. Jahrhundert. Heute beherbergen die wiederaufgebauten Fachwerkbauten Wohnungen.
Die auffällig rechteckige Oberburg ist circa 90m lang und 45m breit. Sie wird im Süden durch den steilen Abhang zur Unstrut und im Norden und Osten durch einen mächtigen Graben geschützt. Vor dem Graben liegt ein Festungswall mit weiterem Graben.

Oberburg - Nebraer Tor
Der Zugang zur Burg erfolgte damals über ein Tor im Osten, genannt das Nebraer Tor. Es liegt im Festungswall und war über eine Brücke zugänglich. Steinbrücke und Tor haben sich bis heute erhalten. Während die Unterburg das Querfurter Tor als Haupteingang aufwies, besaß die Oberburg das Nebraer Tor. Hinter dem Tor führte der Weg am Graben entlang und endete vor dem Haupteingang der Oberburg. Das Nebraer Tor war die einzige Möglichkeit die Oberburg von Norden her zu betreten.
Das Nebraer Tor ist heute in einem relativ schlechten Zustand, kann aber noch besichtigt werden. Es handelt sich um einen tunnelartigen Bau, quasi eine Poterne im Wall, hinter der der Weg ungeschützt am Graben entlanglief. Ist ein Gegner durch dieses Tor eingedrungen, war er dahinter dem Beschuss von der Oberburg schutzlos ausgeliefert. Er musste dann noch ein Viertel der Burg umrunden, damit er zum Haupttor der Oberburg kam.

Oberburg - Haupteingang
Der Haupteingang zur Burg Wendelstein liegt heute wie damals mittig an der Nordseite der Oberburg. Vor dem Tor hat man in der Neuzeit den Wall durchbrochen und eine neue Einfahrt gelegt. Ursprünglich gab es nur den Zugang durch das Nebraer Tor. Der Wall vor dem Tor war geschlossen, damit das Tor aus der Ferne nicht eingeschossen werden konnte.
Vor dem Haupteingang befand sich ursprünglich eine Zugbrücke, die im Laufe der Zeit durch eine Steinbrücke ersetzt wurde. Hinter der Brücke schließt direkt vor dem Tor ein halbrunder Platz mit Grundmauern an. Hierbei handelt es sich um einen Turm in Form eines ehemaligen Rondells von 1540, von dem sich der Eingang in alle Richtungen verteidigen ließ. Über ein Tor verlief der Weg durch eine Poterne (langer Tunnel) unter dem Rondell und dem Nordflügel hindurch auf den Burghof. Ein schweres Fallgitter schützte den Durchgang. In der Poterne befindet sich eine Wachstube, die den Namen Harnischstube trägt. Direkt dahinter beginnt der Hof der Oberburg.

Oberburg - Nordflügel
Der Haupteingang zur Oberburg verläuft unter dem Nordflügel hindurch. Zum Hof hin wird das Tor beidseitig von Freitreppen eingerahmt, die in das erste Obergeschoss des Nordflügels führen.
Der Nordflügel ist ein langer Bau aus der Renaissance, der um 1540 entstand. Das Gebäude besaß ursprünglich vier Stockwerke und ist seit der Zerstörung durch die Schweden 1640 eine Ruine. Bis heute hat sich der Bau nur bis zum Eingangsgeschoss erhalten. Dennoch ist das Bauwerk vor allem von der Hofseite aus sehr eindrucksvoll. Über dem Tor befand sich das Frauenzimmer.

Oberburg - Kornhaus
Im Westen, links vom Nordflügel, befindet sich das Kornhaus. Während alle anderen Bauwerke sich an der Außenmauer orientieren und an dieser anlehnen, ragt das Kornhaus in den Hof hinein. In der Vergangenheit beherbergte das Kornhaus die Nahrungsmittelvorräte der Oberburg und war in mehrere Geschosse unterteilt. Bis heute haben sich nur die Außenmauern als Ruine erhalten, die einen eindrucksvollen Anblick liefern. In dem Gebäude begann ursprünglich ein Gang, der unter dem Schlosshof hindurchführte. In älterer Literatur aus der Zeit um 1900 werden die Gänge unter dem Hof als Dürre Henne und Grüner Esel bezeichnet.

Oberburg - Südflügel
Der südliche Gebäudetrakt setzt sich aus dem Ebenlebensche Schloss, dem Mittleren Schloss und mehreren Wirtschaftsgebäuden zusammen. Ursprünglich bestanden alle Bauwerke aus Stein und besaßen mehrere Stockwerke. Nach der Zerstörung durch die Schweden 1640 wurden sie nur mithilfe von Fachwerkaufsätzen wiederhergestellt.
In der Vergangenheit dienten die Gebäude als Wohnungen und für wirtschaftliche Zwecke. Heute beherbergen sie Mietparteien. Die südöstlichen Gebäude unterlagen unterschiedlichen wirtschaftlichen Funktionen. In der Mitte befindet sich das Mittlere Schloss. Die Westseite wird durch das Ebenlebensche Schloss eingenommen.

Oberburg - Mittleres Schloss
Das Mittlere Schloss diente ursprünglich dem Lehrer und dem Verwalter als Wohnung. Es steht direkt gegenüber von der Toreinfahrt. Unter dem Gebäude befindet sich ein Keller mit schmaler Tür, in dem ein großer Steinzuber steht. Bis heute ist ungeklärt, wie der große Steinzuber in den Raum kam. Seit einigen Jahren ist keine Besichtigung mehr möglich.

Oberburg - Ebenlebensche Schloss
Das Ebenlebensche Schloss nimmt das östliche Ende des langen Südflügels ein. Es soll zu den ältesten Gebäuden der Oberburg gehören, wurde aber mehrmals verändert. Der heutige Bau stammt von den Fürsten von Sachsen-Weißenfels und diente als Jagdschloss. Das Erdgeschoss wird von einem riesigen Stall mit angrenzenden Lagerräumen eingenommen. In den oberen Stockwerken waren eine Kapelle und ein Bankettsaal untergebracht, die im Stil des Rokoko mit Stuckdecke verziert waren. Zur Hofseite hin hat sich ein Treppenturm erhalten, der heute noch die einzelnen Stockwerke miteinander verbindet. Das Gebäude ist heute bewohnt.

Oberburg - Neues Schloss
Das Neue Schloss schließt die Burg zur Ostseite hin ab. Es wurde 1596 durch Wolff Dietrich von Witzleben fertiggestellt, nachdem es von seinem Vater begonnen wurde. Baumeister war Heinrich Fuß, der den Schlossflügel im Stil der Renaissance schuf. Zum Hof hin hat sich der Stumpf eines Treppenturms erhalten, der ursprünglich 70 Stufen besaß. In Erinnerung an seinen Vater ließ Wolff Dietrich von Witzleben ein prachtvolles Hauptportal durch Friedrich Fuß errichten. Neben dem Wappen zeigt es mehrere Steinmetzzeichen aus dieser Zeit.

Linde, Brunnenhaus und Wasserturm
Hinter dem Neuen Schloss befand sich ursprünglich ein Brunnenhaus. Das Gebäude lag nah am Steilhang zur Unstrut hin und ist heute nicht mehr existent. Es haben sich unterirdische Fundamente erhalten, die um 1900 noch sichtbar waren. Abseits davon wuchs eine große Linde, die in jedem Burgenführer vor dem Zweiten Weltkrieg als sehenswert beschrieben wird. Aufgrund fehlender Forstwirtschaft ist die Linde heute nicht mehr existent und nur noch ein Stumpf erinnert an den prächtigen Baum.
Unterhalb der Linde steht der sogenannte Wasserturm. Er diente dazu Wasser aus der Unstrut über Leitungen in die Burg zu pumpen, da auf dem Gipsfelsen der Bau eines Brunnens nicht möglich war. Aufgrund der Technik, mit der das Wasser hochgepumpt wurde, trug der Wasserturm den Beinamen Turm der Wasserkunst. Durch seine unerreichbare Lage am Hang drohte er schon mehrmals abzustürzen, wurde aber bisher davor bewahrt.
Ursprünglich war der Wasserturm höher und wahrscheinlich über eine Brücke mit der Oberburg verbunden. Damit er nicht unter seinem eigenen Gewicht einstürzt, wurde er im 20. Jahrhundert gekürzt. Vor Einrichtung der Pumpanlage handelte es sich wahrscheinlich um einen Wasserturm, wie er auf Burg Trifels zu finden ist. Die Lage des Turms sorgte dafür, dass die Wasserquelle nur schlecht eingenommen und von der Burg abgeschnitten werden konnte.[1]
In alten Urkunden wird das Wasser aus dem Wasserturm oft als ungenießbar und nicht verwendbar beschrieben, sodass man auf der Burg auf die Bierreserven zurückgreifen musste. Grund hierfür war die Unstrut, die zu dieser Zeit noch nicht kanalisiert war und dementsprechend sehr sumpfiges Wasser mit sich führte.

Fazit
Burg Wendelstein befindet sich heutzutage in einem desolaten und teilweise katastrophalen Zustand (Stand: Oktober 2014). Die große Anlage, die mehr als vier Jahrhunderte Bausubstanz aufweist, verfällt zusehends. Einzigartige Elemente wie zum Beispiel die Sandsteinmedaillons in der Kapelle verschwinden oder verfallen irreparabel. Viele Bereiche sind wegen Einsturzgefahr schon gesperrt und teilweise vollständig verschwunden. Die Bausubstanz, die in Burgführern um 1900 beschrieben wird, ist teilweise nicht mehr vorhanden. Durch ihren fortgeschrittenen Verfall wirkt die nicht konservierte, nicht restaurierte und ungesicherte Bausubstanz teilweise eindrucksvoll und urig.

Historie

An der Stelle der heutigen Burg stand ursprünglich eine bronzezeitliche Höhensiedlung. Nach der Entdeckung der Himmelsscheibe von Nebra begann man 2006 mit archäologischen Untersuchungen an sämtlichen Orten in der Region, die infrage kämen für eine Höhensiedlung aus dieser Zeit. Man fand auf Wendelstein eine eisenzeitliche Vorratsgrube mit einem Ziegenskelett.
1312 wird die Anlage erstmals im Nachlass der Grafen von Rabenswalde erwähnt. Sie geht mit der gesamten Erbschaft an derer von Weimar-Orlamünde, unter denen es 1332 zum ersten schriftlich erwähnten Ausbau kommt. 1345 übergibt man die Burg an die wettinischen Landgrafen von Thüringen, nachdem der Thüringer Grafenkrieg verloren wurde. Landgraf Friedrich II. von Thüringen verpfändet die Burg an seinen Hofrichter Christian von Witzleben. Damit begann ein dauerhaftes Bewohnen durch derer von Witzleben bis in das 17. Jahrhundert.
1355 vergaben die Söhne von Friedrich II., Balthasar und Friedrich, der Familie von Witzleben die Burg als Lehen. Man begann sofort mit dem Ausbau und der Erweiterung.
1404 kommt es durch Erbschaft zur Aufteilung unter den Familienmitgliedern derer von Witzleben, sodass mehrere Familien hier leben. Im Sächsischen Bruderkrieg 1446 wird Wendelstein durch den Herzog Wilhelm III. von Weimar teilweise zerstört.
In den Bauernkriegen 1525 spielte Burg Wendelstein eine wichtige Rolle. Sie wird zur Zufluchtsstätte der Familien der Adeligen bis der Bauernhaufen bei der Schlacht bei Frankenhausen endgültig besiegt wurde.
In der Folgezeit erweitert man zwischen 1560 und 1590 die alte Burg zu einem Schloss. Zu Beginn des 30-jährigen Krieges geht sie 1619 in den Besitz der Seitenlinie Witzleben-Wendelstein über. Durch Fehlwirtschaft und vermutlich durch den Krieg, wird sie aber schon 1623 an Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen verkauft. Dieser teilt die Anlage dem neu gegründeten Amt Wendelstein zu.
Am 23. Oktober 1632 wird die Festung Wendelstein durch Pappenheim und im Dezember 1640 durch die Schweden stark verwüstet und zerstört. Anschließend baut man auf den Ruinen nur Fachwerkgebäude auf, die als Gutshof dienen.
Nach dem 30-jährigen Krieg gehen Burg und Herrschaft 1662 in den Besitz von Herzog August zu Sachsen-Weißenfels über. 1686 wird sie dem Fürstentum Sachsen-Querfurt unterteilt, bleibt aber bis 1746 Eigentum des Herzogs von Sachsen-Weißenfels. In diesem Zeitraum entsteht eine weltberühmte Pferdezucht auf der Anlage.
In den Freiheitskriegen werden am 26. Mai 1813 alle Pferde von dem Kommandanten Theodor Körner gestohlen. Die Pferdezucht wird aufgegeben. 1815 kommt es beim Wiener Kongress zu der Entscheidung, dass die Anlage zukünftig Preußen gehört. Es beginnt der Verfall.
1981 beginnt man mit Sanierungsarbeiten und dem Bau von Wohnungen im West- und Südflügel. 1993 werden erneut Sanierungsmaßnahmen und Konservierungen durchgeführt. 2004 kauft ein Berliner die Burg und 2006 werden archäologische Untersuchungen in Hinblick auf die Bronzezeit vorgenommen. Seit 1993 gab es nur spärliche Maßnahmen zur Erhaltung, sodass Burg Wendelstein immer mehr verfällt.

Events in der Nähe

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Anfahrt

Von der A38 Ausfahrt "19-Eisleben" auf die B180 Richtung Querfurt. Hinter Querfurt auf die B250 nach Nebra und in Nebra Richtung Roßleben abbiegen. Dem Fluss 10km folgen und bei der Brücke rechts nach Wendelstein abbiegen. In Wendelstein auf der rechten Seite parken und dem Weg zur Burg folgen.

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sonstige Bemerkungen

Bitte beachten
Burg Wendelstein weist eine Menge originale Bausubstanz auf, die sich in einem ungesicherten Zustand befindet. Es ist bisher ungeklärt, wann die Anlage gesichert und konserviert werden kann. Sie wurde bisher auch nur ungenau vermessen. Der Baubestand ist archäologisch nur bedingt festgehalten. Alles, was bis zur Sicherung zerstört oder beschädigt wird, ist für immer verschwunden und lässt sich nicht wieder rekonstruieren. Wir bitten Sie als Besucher sich bei ihrem Besuch von den Mauern und den Steinmetzarbeiten fernzuhalten und diese nicht zu betreten und auch nicht zu berühren, damit der Baubestand weiterhin bestehen bleibt. Vielen Dank!

Querverweise

Bei folgenden Burgen wird Wendelstein erwähnt:

Sondershausen

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Aktualisierung

Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 01.05.2015


Fußnoten

[1] Der in Kursiv geschriebene Textabschnitt basiert auf eigenen Beobachtungen. Literaturhinweise oder Informationen im Internet wurden dazu nicht gefunden. Das Veröffentlichen und Verbreiten der Informationen ist sowohl in digitaler Form, wie auch in Printform oder im Internet nur als Zitat mit Verweis auf den Autoren und die Website, bzw. die App erlaubt.

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