Burg Zimmern, Herrenzimmern

Burg Zimmern, Herrenzimmern

Burg Zimmern, Herrenzimmern

Deutschland / Baden-Württemberg

In einem Seitental des Neckars entspringen aus zwei Quellen die Zuläufe des Schlossbachs, die östlich von Herrenzimmern in Form von zwei Schluchten zusammenlaufen bevor sie in den Neckar mündet. Direkt zwischen den Schluchten bildete sich auf einem Sporn um 1050 die Burg Zimmern. Von der über die Jahrhunderte ausgebaute Anlage haben sich eindrucksvolle Reste, wie z.B. ein Wohnturm erhalten. Die Anlage lädt heute mit Graben, Vorburg, Kernburg und zahlreichen Außenmauern, sowie den eindrucksvollen Schluchten zu einem Besuch ein.

Burg Zimmern, Herrenzimmern 1
Burg Zimmern, Herrenzimmern 2

Baubestand & Beschreibung

Burg Herrenzimmern thront auf einem uneinnehmbaren Bergsporn abseits des Neckartals zwischen zwei Schluchten, die durch die Zuläufe des Schlossbachs gebildet wurden. Die Burganlage besteht aus einer oberen und einer unteren Burg, die sich den schmalen aber langen Bergrücken teilen.
Die beiden Burgen sollen nahezu zeitgleich im 11. Jahrhundert entstanden sein. Die untere Burg nimmt die Spornspitze ein, während die obere Burg zum Bergrücken hin auf eine Felssäule gestellt wurde. Beide Wehranlagen sind wahrscheinlich durch Familienmitglieder der Herren von Zimmern entstanden. Schon kurze Zeit später wurden sie zusammengelegt und bildeten nur noch eine Burg. Zahlreiche Anpassungen an den jeweiligen Stand der Waffentechnik und repräsentative Ausbauten im Stil der Gotik und der Renaissance lassen sich heute noch deutlich erkennen und prägen das Bild der teilweise eindrucksvollen Burg Herrenzimmern.
Die obere Burg errichtete man auf einer Felssäule, die zwischen der unteren Burg und dem Halsgraben liegt. Die Felssäule war ursprünglich Teil des Bergrückens. Sie erlangte erst mit der Entstehung des Halsgrabens ihr heutiges Aussehen. Auf dem Felsblock errichtete man die obere Burg, die aus einem eindrucksvollen Wohnturm mit umliegender Ringmauer bestand. Während die Ringmauer zum größten Teil verloren gegangen ist, haben sich wuchtige Elemente und bis zu vier Stockwerke des Wohnturms erhalten. Deutlich zu erkennen ist, dass sich die Fenster des Bauwerks in Richtung Burg orientieren. Die Mauer zum Halsgraben hin, also die Westmauer, ist fensterlos und diente zeitgleich als Schildmauer für die gesamte Burganlage.
An den Mauerresten der oberen Burg lassen sich zahlreiche Details erkennen. In der Ostecke stößt man auf einen gotischen Gewölbeansatz und abgehende Mauerelemente, die auf eine Unterteilung der Stockwerke hindeuten. Die großen Fenster zeugen von einem repräsentativen Bau, also einem Palas. Alle Stockwerke wiesen unter anderem zur Südseite hin Schießscharten auf, die den Weg zur unteren Burg flankierten. An der Ostseite lassen sich noch die Fundamente des runden Treppenturms erkennen, der die einzelnen Stockwerke miteinander verband. Die Südostecke wurde mit Eckquadern verstärkt und verziert. In dem Bauwerk befand sich ursprünglich eine beachtliche Kunstsammlung, die im 16. Jahrhundert nach Österreich verkauft wurde und heute auf Schloss Ambras zu finden ist (siehe Geschichte).
Der Wohnturm war ursprünglich das wichtigste Gebäude der Burg. Er diente zeitgleich als Palas und flankierte den Eingang, der an der Nordseite entlangführte. Mit der integrierten Schildmauer und den wuchtigen Außenmauern diente er zeitgleich dazu die Burg vor eingeschlagenen Geschossen zu sichern. Hinter dem Turm wurde auf der Spornspitze ein großes Plateau angelegt, auf dem sich mehrere Gebäude befanden. Hierbei handelte es sich wahrscheinlich zum größten Teil um Wirtschaftsgebäude, Stallungen und Wohnhäuser der Bediensteten. Bis heute wurden bei archäologischen Untersuchungen nur zwei Bauwerke gefunden. Man geht davon aus, dass es weitere Unterbringungen aus Holz gab. Bis heute hat sich nur ein großes leeres Plateau mit einer Wiese erhalten, das am Südhang der Spornspitze die Burgkapelle beherbergt. Teilweise lassen sich Elemente der alten Ringmauer erkennen, die im Zuge der Neuzeit partiell freigelegt wurden.
Die Burgkapelle war neben dem Palas der eindrucksvollste Bau der Burg Herrenzimmern. Sie liegt unüblicherweise am Hang neben der Spornspitze und war von der Burg aus nur über eine gotische Wendeltreppe erreichbar, die den Burghof mit dem Inneren des Sakralbaus verband. Sie wurde vor allem durch den Grafen Wilhelm Werner von Zimmern gegen Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts im Aussehen geprägt. Der Kurfürst von Mainz Erzbischof Albrecht von Brandenburg lagerte hier viele seiner Reliquien ein. Ursprünglich befand sich das Herz von Wilhelm Werner von Zimmern unter der ersten Stufe des Altars. Nach der Zerstörung der Burg im Dreißigjährigen Krieg durch die Franzosen wurde es in die Dominikanerkirche nach Rottweil verlegt. Heute liegt es in der Familiengruft der von Zimmern in Meßkirch. Das Bauwerk soll ursprünglich ein gotisches Gewölbe getragen haben, das blau angemalt war. Über dem Altar befand sich das Wappen der Familie. Die Fenster waren aus Bleifenster, die zum größten Teil unbemalt waren. In der Neuzeit hat man zur Erinnerung einen Altar aufgestellt und die Mauern weiträumig wieder aufgebaut. Balkenauflager und eine kleine Treppe sind die einzigen Details. Der Bodenbelag könnte auch noch aus alter Zeit stammen.
Von der Atmosphäre her ist die Anlage in ihrer urigen Lage zwischen den Schluchten sehr angenehm. Erhaltene Elemente wurden weitestgehend restauriert und weisen zahlreiche Details auf, die zum Entdecken einladen. Durch große fehlende Verbindungsstücke, zwischen dem Erhaltenem wirkt die Burg Zimmern dennoch etwas leer, lädt aber zum Verweilen ein. Ein Besuch lohnt sich!

Historie

In der Zimmerischen Chronik wird Burg Herrenzimmern schon in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts in eine obere und in eine untere Burg unterteilt. Das Adelsgeschlecht zur Burg gab es von 1030 bis 1594. Die Burg soll um 1050 entstanden sein, nachdem die nahe gelegene Burg Nussburg zerstört wurde. Das Geschlecht nutzte Herrenzimmern lange Zeit als Stammburg. Erstmals tauchen derer von Zimmern in einer Schenkungsurkunde von 1030 auf, in der Kuno von Zimmern der Stadt Rottweil die Pilagiuskirche schenkt.
Das Geschlecht ist im Laufe der Jahrhunderte sehr aktiv. Sie bekleiden zahlreiche Ämter und stiften viel an die geistliche Institution. Albrecht, Friedrich und Konrad von Zimmern nahmen an Kreuzzügen teil. Bis in das 16. Jahrhundert geht die Burg nahezu unbeschadet an den Ereignissen vorbei. Nur 1312 wird sie im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen den Reichsstädten und den Rittern der Region beschädigt. Nachdem sie wieder aufgebaut wurde, erwerben die Herren von Zimmern 1354 die Herrschaft Meßkirch und 1400 die Burg Wildenstein an der Donau.
In der Fehde der Werdenberger im 15. Jahrhundert wird sie im Besitz von Gottfried Freiherr von Zimmern genannt. Er übergibt sie seinem unehelichen Sohn Heinrich von Zimmern, den er als legitim anerkennt. Heinrich von Zimmern setzt die Anlage 1504 versehentlich in Brand, als er sich Badewasser aufheizt. In der Folgezeit lässt er die Anlage wieder errichten. Das Geld wird ihm von seinem noch lebenden Vater zur Verfügung gestellt.
Am 10. Mai 1508 stirbt der Vater Gottfried. Heinrich von Zimmern muss sich anschließend gegen andere Erben durchsetzen, behält aber die Burg als Herrensitz nach vertraglicher Vereinbarung. Kurze Zeit später verschuldet er sich so sehr, dass er die Anlage an Wilhelm Werner von Zimmern abtritt.
Wilhelm Werner von Zimmern baut die Burg weiter aus und es entsteht eine umfangreiche Bibliothek, sowie eine Kunstkammer. Froben Christoph von Zimmern, der in Meßkirch wohnte, reiste öfters zu seinem Onkel Wilhelm Werner auf die Burg um Recherchen für seine Zimmerische Chronik zu tätigen. Mit dem Sohn von Froben Christoph von Zimmern, genannt Wilhelm von Zimmern, stirbt die männliche Linie schließlich aus. Noch vor seinem Ableben verkaufte er die Kunstkammer an Ferdinand II. Erzherzog von Österreich. Sie ist heute wichtigster Bestandteil der Sammlung auf Schloss Ambras in Österreich. Die acht Schwestern von Froben Christoph einigen sich auf den Verkauf der Burg, so dass diese am 10. Mai 1594 an die Stadt Rottweil veräußert wird. Rottweil entschied sich gegen eine Verstärkung und gegen einen Ausbau zur Festung. Die Anlage lag strategisch ungünstig und konnte von drei Seiten durch Artilleriebeschuss zerstört werden. Es begann der Verfall. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Anlage durch die Franzosen unter General Guebriant stark beschädigt. Da die Burg zu diesem Zeitpunkt schon unbewohnt war, wurde nur die Kapelle geplündert.
1805 wird die Anlage zur Errichtung einer Gastwirtschaft erworben. Einige Bereiche wiesen zu diesem Zeitpunkt noch Dächer auf. Schon 1810 geht sie für 1700 Gulden an die Gemeinde Herrenzimmern zurück. Nachdem große Bereiche durch Steinraub und Erdrutsche verloren gegangen sind, stellt man die Burg 1920 unter Denkmalschutz. Zwischen 1956 und 1987 kommt es zu zahlreichen Sanierungen durch das Denkmalamt und die Gemeinde.

Events in der Nähe

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Anfahrt

Die Burg Zimmern, Herrenzimmer liegt unweit des Ortes Herrenzimmer bei Rottweil. Über die A81 Ausfahrt "Rottweil" Richtung Rottweil und nach 200m auf die B14 Richtung Villingendorf. In Villingendorf der Ausweisung nach Herrenzimmern folgen. In Herrenzimmern geht von Süden her kommend in der scharfen Linkskurve am Hotel Sonne die Kirchstraße nach rechts ab. In diese Straße abbiegen und auf dem Parkplatz des Friedhofs parken. Zu Fuß dem Weg Richtung Osten, der bergab in das Tal führt, folgen. Nach knapp 500m erreicht man die Burgruine.

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Querverweise

Bei folgenden Burgen wird Zimmern, Herrenzimmern erwähnt:

Burg Burgberg, Burg Falkenstein, Burg Weiberzahn, Burg Wildenstein

Aktualisierung

Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 29.04.2014, 14.03.2005


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