Schlosss Oelber am weißen Weg

Schloss Oelber
Deutschland / Niedersachsen

Inhaltsverzeichnis

Kurz & gut

In einem kleinen Seitental, südwestlich von Braunschweig steht inmitten eines ausgedehnten Schlossgartens das Schloss Oelber. Die schöne Anlage ist aufgrund ihrer kreisrunden Form eine absolute Seltenheit in Deutschland. Heute ist sie privat, kann aber zum Teil besucht werden.
Ursprünglich stand Schloss Oelber inmitten von Wassergräben und besaß eine Zugbrücke. Die alte Burg wurde im 16. Jahrhundert gegen den heutigen Renaissancebau ausgetauscht. Der mächtige Turm ist kein Bergfried, sondern ein Treppenturm, der durch den Umbau dem Schloss einen Burgcharakter geben soll.
Schloss Oelber bildet heute das östliche Ende des Ortes. Von außen ergeben sich viele Einblicke in das Grundstück. Vorbeischauen lohnt sich. Da sie privat ist, kann es aber vorkommen, dass eine Begehung des Grundstücks nicht möglich ist.

Best-of-Listen

Schloss Oelber wird in folgenden Artikeln erwähnt:
Die Schlösser und Burgen um Goslar
Die Schlösser und Burgen um Hildesheim
Die Schlösser und Burgen um Salzgitter
Die Schlösser und Burgen um Braunschweig

Bilder

Adresse, Karte & Parken


Schloss Oelber
Rittergut 1
38271 Baddeckenstedt

Parken: Im angrenzenden Ort zu Schloss Oelber gibt es zahlreiche, kostenlose Parkmöglichkeiten. Von hier beläuft sich der Fußweg zur Anlage auf 100 m.

Kurzinfo

Punkte:
Zustand: Schloss
Burgtyp: Wasserburg
Nutzung: Eventlocation, privat
Lage: 125 m.ü.NN.
Sonnenlicht: 06:35-20:04 Uhr Info

Baubestand & Beschreibung

Schloss Oelber

Schloss Oelber liegt in malerischer Lage am östlichen Ende des gleichnamigen Ortes, südwestlich von Braunschweig. Die schöne, kreisrunde Anlage erhielt ihr heutiges Aussehen im 16. und im 19. Jahrhundert. Ursprünglich handelte es sich um eine Wasserburg aus dem 12. Jahrhundert, die schon im Mittelalter die seltene, kreisrunde Form aufwies.

Wie sah Schloss Oelber früher aus?

Schloss Oelber bestand aus einer Kernburg und einer Vorburg, die von Wassergräben geschützt wurden. Die heute verschütteten Gräben haben ursprünglich ihr Wasser vom Oelber Bach bezogen und konnten gestaut werden. Heute präsentiert sich die Anlage als Renaissancebau. Der hohe Turm ist kein Bergfried, sondern ein Treppenturm, der erst im 19. Jahrhundert erhöht wurde.
Schloss Oelber - Der Treppenturm wirkt durch seinen Umbau wie ein Bergfried.
Schloss Oelber - Der Treppenturm wirkt durch seinen Umbau wie ein Bergfried.

Seine mächtigen Mauern weisen im oberen Bereich Rundbogenfriese auf. Aufgrund des Alters des Schlosses wollte man der Anlage mit dem Turm einen Wasserburgcharakter verleihen. Zeitgleich entstand der weitläufige Schlossgarten im Osten.
Alle Gebäude der Kernburg lehnen an der äußeren Ringmauer an. Zwischen ihnen eröffnet sich der Schlosshof. Die mittelalterliche Burganlage wird ähnlich ausgesehen haben. Es ist nicht deutlich geklärt, welche Bauwerke mittelalterlichen Ursprung haben, da bei der Erneuerung der Anlage im 16. Jahrhundert die Burg nahezu vollständig für das Renaissanceschloss Oelber abgetragen wurde. An der Nordseite befindet sich noch eine kleine Tür mit romanischem Rundbogen, die von der ersten Burg stammen könnte.

Schloss Oelber - Der Eingang zur kreisrunden Kernburg weist noch am Portal Reste einer Zugbrücke auf.
Schloss Oelber - Der Eingang zur kreisrunden Kernburg weist noch am Portal Reste einer Zugbrücke auf.

Schloss Oelber heute

Heute präsentiert sich Schloss Oelber als runde Anlage mit einem kleinen Innenhof, der von dreigeschossigen Gebäuden umgeben ist. Diese sind teilweise aus Fachwerk. Eine Baulücke wurde mit einer Mauer geschlossen. Im Süden befindet sich eine Tordurchfahrt mit Tonnengewölbe und rundbogigen Portalen. Von der Vorburg hat sich ein schlichter, zweigeschossiger, rechteckiger Bau im Renaissancestil erhalten, der 1594 erstmals genannt wird.
Im Mittelalter spielte Schloss Oelber eine Nebenrolle. Sie lag in einem Seitental abseits der großen Heer- und Handelsstraßen. Erst mit dem Einzug in das Herzogtum Braunschweig wurde sie zu einer Grenzburg, die größtenteils von fremdem Territorium umgeben war.

Fazit

Schloss Oelber weist eine seltene architektonische Form auf, die man gesehen haben sollte. Die Anlage ist in ihrer Art sehr interessant. Wenn das Grundstück im Zuge einer Veranstaltung der Öffentlichkeit zur Verfügung steht, sollte man dies nutzen und sich Schloss Oelber ansehen. Es lohnt sich!

Historie

Im frühen 12. Jahrhundert wurde vermutlich die Burg Oelber durch die Edelherren von Meinersen errichtet. Diese Burg galt zu dieser Zeit wahrscheinlich als altes Hildesheimer Lehen. Im Jahr 1253 übertrug Bernhard von Meinersen, zu dieser Zeit Domherr von Magdeburg und Hildesheim, die Burg mit allem Zubehör an Heinrich III., den Fürstbischof von Hildesheim.
Im Verlauf der Geschichte wechselten die Besitzer mehrmals. Die Edelherren von Meinersen verkauften die Burg im Jahr 1274 an die Familie von Krebs. Irgendwann vor 1296 werden die Ritter von Cramm Eigentümer der Burg Oelber. Anfangs ist die Anlage an die Herren von Cramm noch verpfändet. In beiden Jahren werden sie in Urkunden als Besitzer erwähnt. Burgmannen sind zu dieser Zeit Ludolf und Burghard von Cramm. Über Jahrhunderte gibt es Ansprüche anderer Adelsfamilien, sodass die Herren von Cramm nie alleinige Besitzer sind.
Die Herren von Steinberg gelten 1390 als Mitinhaber, wobei sie 1395 ihren Anteil an die Familie von Bortfeld abtraten. Die Besitzverhältnisse wurden in Oberhof und Unterhof aufgeteilt, die sich auf die Kernburg und die Vorburg bezogen.
Bis 1523 übte das Hochstift Hildesheim die Lehnshoheit über Burg und Ort Oelber aus. Danach ging der Ort an das Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel über. Dies brachte die abgelegene Burg in eine territorial gesehen sensible Lage. Sie befand sich im äußersten südwestlichen Bereich des Fürstentums und war größtenteils von fremden Territorien umgeben. Dennoch gelang es den Herzögen von Braunschweig die Anlage in ihrem Besitz zu behalten.
Im Zeitraum von 1580 bis 1588 wertete Burghard VI. von Cramm die alte Burg zu Schloss Oelber auf. Es kam zu umfangreichen Umbaumaßnahmen. Burg Oelber wurde nahezu vollständig für den Bau einer Renaissanceschlossanlage niedergelegt. Burghard war zu dieser Zeit landgräflich-hessischer Statthalter an der Lahn und in Marburg. Das neue Renaissanceschloss lehnte vom Aussehen an das Marburger Schloss an.
Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurde Schloss Oelber stark beschädigt, als der kaiserliche Feldherr Graf Tilly 1626 sich hier für drei Monate einquartierte und es zu ausgiebigen Plünderungen kam. Ein Raum auf der Anlage trägt heute noch den Namen Tilly-Saal. Nach seinem Abzug verwüstete das dänische Heer unter Graf Philipp Reinhard von Solms Schloss und Ortschaft. Die Truppen von Graf Tilly treffen 15 km südlich von Oelber auf die Dänen unter König Christian IV. und schlagen sie am 27. August 1626 in der Schlacht bei Lutter am Barenberge.
Während Burg Oelber im Besitz der Familie Cramm war, wird der Ort bis 1643 als Teil des Herzogtums Braunschweig verzeichnet. Als derer von Bortfeld, ehemalige Mitbesitzer der Burg,1686 ausstarben, begannen Streitigkeiten innerhalb der Familie von Cramm in Bezug auf die Besitzverhältnisse. Noch bis in das 18. Jahrhundert ist Schloss Oelber aufgrund der schwierigen Besitzverhältnisse aus vier Rittersitzen immer wieder Streitpunkt. Erst 1766 entspannt sich die Situation, als die Herren von Cramm erstmals Alleinbesitzer werden. 1771 sind entgültig alle Besitzansprüche geklärt.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Schloss Oelber im Stil der Neuzeit restauriert und umgebaut, wobei neogotische Elemente wie der Bergfried hinzukamen. Seit 1974 ist Egbert Freiherr von Cramm der Schlossherr von Schloss Oelber. Seine Frau Helena, geborene Gräfin von Wolf-Metternich, gründete zusammen mit Anna von Veltheim eine Firma, die bis heute Events auf der Schlossanlage organisiert.

Eintritt und Öffnungszeiten

Eintrittspreise oder Öffnungszeiten nicht mehr aktuell? Hier bitte einreichen.
Öffnungszeiten: privat, offen
Eintrittspreise: Außenanlage, Burghof: frei
Gebäude: privat
Website: Schloss-Oelber.de
Buchtipp: Burgen in Baden-Württemberg

Das heutige Baden-Württemberg weist eine der höchsten Burgendichten Europas auf. Wie haben sich die Burgen in Baden-Württemberg ausgebreitet? Mehr dazu in diesem Buch.

Burgenarchiv.de
VER Verlag
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Sonstige Einrichtungen

Wer ist der Besitzer von Schloss Oelber?

Schloss Oelber ist seit Jahrhunderten im Besitz der Herren von Cramm. Es handelt sich also um Privatbesitz, der heute bewohnt ist. Die Anlage ist bei Veranstaltungen größtenteils für die Öffentlichkeit zugänglich. Bitte beachten Sie die Privatsphäre der Besitzer.

Sonstige Bemerkungen

Der Tennisbaron

Zu den größten Persönlichkeiten der Neuzeit der Herren von Cramm gehört Gottfried von Cramm. Er stand dreimal im Finale des Tennisturniers von Wimbledon. Nach einem tödlichen Autounfall in Ägypten wurde er in der Schlosskapelle begraben.

Veranstaltungen

Seit 1974 dient Schloss Oelber als Eventlocation für zahlreiche, große Veranstaltungen. Dazu gehören Ausstellungen, Musikkonzerte, Messen zu den Themen Kunst und Antiquitäten und Weihnachtsmärkte. Bis vor einigen Jahren wurden zudem Ritterspiele im Sommer durchgeführt. Heute lädt vor allem der harmonische Weihnachtsmarkt zu einem Besuch ein.

Welche Filme wurden auf Schloss Oelber gedreht?

In dem Film “Das Spukschloss im Spessart“ von 1960 wird vor allem die Außenfassade mehrmals gezeigt. Der Film versucht an den Kinoerfolg “Das Wirtshaus im Spessart“ anzuknüpfen. In dem Film geht es um mehrere Gespenster, die vor Jahrhunderten als Räuber eingemauert wurden und nun ihr Unwesen auf dem Schloss treiben, während ein Investor versucht das Schloss der verarmten Schlossbesitzerin abzukaufen und in ein Luxushotel zu verwandeln .

Aktualisierung

Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 09.02.2020


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