Reichenstein, Falkenburg

Burg Reichenstein, Falkenburg

Deutschland / Rheinland-Pfalz

Auf einem lang gezogenen Sporn oberhalb der Mündung des Morgenbachs in das Rheintal liegt die im 19. Jahrhundert restaurierte Burg Reichenstein. Die erste Burg aus dem 13. Jahrhundert thront oberhalb der heutigen Anlage in Form eines Turms (von der Gastronomie aus zu sehen). Diese wurde 1282 zerstört und mit einem Wiederaufbauverbot belegt. Es entstand die heutige Anlage, die das Museum beherbergt. Die eindrucksvolle Burg wurde im 17. Jahrhundert gesprengt und im 19. wieder aufgebaut. Heute beherbergt sie zahlreiche Ausstellungsstücke und kann besucht werden. Es lohnt sich.

Adresse

Burg Reichenstein, Falkenburg
55413 Trechtingshausen
Parken: Burg, kostenlos

Kurzinfo

Punkte:
Zustand: Halbruine
Burgtyp: Spornburg
Nutzung: Museum, Gastronomie
Lage: 109 m.ü.NN.
Sonnenlicht: 04:18-18:35 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten: Saisonal
März-Okt:
mehr
Eintrittspreise: Burg: kostenpflichtig
Kontakt: Tel: 06723 / 61 17
Website: Burg-Reichenstein.de

Baubestand & Beschreibung

Burg Reichenstein thront am südlichen Ende des Ortes Trechtingshausen auf einem Bergsporn. Die Straße führt bis in einen Halsgraben und endet dort auf einem Parkplatz. Beim Erblicken des Tores mit dem nebenstehendem Wehrturm lässt sich anhand reicher Verzierungen erkennen, dass auch Reichenstein in neogotischer Form wieder aufgebaut wurde.
Hinter dem Tor eröffnet sich der Blick auf eine neu errichtete Vorburg. Vorhanden sind das Tor mit anliegendem Wehrturm, ein Gebäudekomplex, der ein Hotel und ein Restaurant mit Terrasse beherbergt, ein kleiner Wehrturm und ein neogotischer Bau, aussehend wie eine separate Wachstube, in dem sich heute die Kasse befindet. Zum Rhein hin wurde die Mauer niedrieg gehalten, so dass sich eine Aussicht über das Rheintal eröffnet. Zum Hang hin kann man die ehemalige mittelalterliche Kernburg erkennen, die einst als Raubritterburg diente und schon früh ihr Ende fand. Nach ihrer Zerstörung entstand, etwas niedriger gelegen, die heutige Kernburg von Reichenstein. Die ältere Wehranlage besteht aus einem fünfeckigen Wohnturm und zwei Zwingeranlagen, die sich besichtigen lassen.
Burg Reichenstein ist ein wertvolles Beispiel für Wiederaufbauarbeiten aus der Neogotik und so erstrahlt sie schon vom Rhein aus in neuem Glanz. Durch den regen Ausbau bis in das 16. Jahrhundert lassen sich zahlreiche mittelalterliche Elemente erkennen. Die Anlage ist heute noch durch einen tiefen, gemauerten Halsgraben von der Angriffsseite getrennt. Eine Brücke verbindet das Burgtor mit der Zugangsseite und gibt einen Blick auf die imposante und sehr hohe Schildmauer frei, die die Burg zum Hang und zur Vorburg hin schützte und einrahmt. Hinter dem Tor eröffnet sich der Blick auf den lang gezogenen Zwinger, der zur Überwachung des Rheins diente. Ein Weg führt in den neogotischen Burghof. Dieser weist für Hochzeiten und Veranstaltungen, die in der Burgkapelle und im Palas stattfinden, mehrere Tische und Stühle auf.
In den Gebäuden Reichensteins befindet sich heute ein Museum. Zahlreiche Gänge, Flure und Treppen führen auf den unterschiedlichen Ebenen in verschiedene Bereiche der Burg. Im Erdgeschoss sind unter anderem mittelalterliche Möbel und vor allem eine große Rüstungssammlung zu finden, die vom 11. bis in das 16. Jahrhundert reichen und sich über alle Kontinente erstrecken. So findet man unter anderem auch eine Samurairüstung. Zudem gibt es eine Kapelle und mehrer Räume, die stark an die Neogotik anlehnen.
Interessant ist das Treppenhaus, das einen rekonstruierten Doppellauf aufweist, der mit Gewölbedecken und schlichten Säulen perfektioniert wurde. Im Gegensatz zu der normalen mittelalterlichen Wendeltreppe stößt man hier auf ein wunderschönes, eckiges Treppenhaus, das neben einem filigranen Steingeländer hunderte von Jagdtrophäen (Geweihe) aufweist. Über die Treppe gelangt man in unterschiedliche Stockwerke, die alle Exponate aus unterschiedlichen Epochen aufweisen. Die meisten Zimmer sind neogotisch eingerichtet und stammen aus der Zeit der Umbauten der Burg um 1850.
Nach oben hin werden die Räume eher funktional genutzt und weisen neben Zimmern, die man mieten kann, Möbel und Inventarbücher aus dem industriellen Zeitalter auf. Im Gegensatz zu den anderen Burgen in der Umgebung werden die meisten Räume durch natürliches Tageslicht belichtet, was ihnen ein gewisses Flair gibt. Auch das Treppenhaus, das durch dieses Licht so imposant wirkt, wird durch mehrere Oberlichter im Dach belichtet.
Im obersten Stockwerk führt eine Treppe, die bei der Restauration an die ehemalige Außenmauer angebracht wurde und sich nun als Innenraum bezeichnen lässt, hoch zum Dach. Sie mündet auf die Schildmauer, die links und rechts jeweils einen kleinen Wehrturm aufweist und sich über den eineinhalb Meter breiten Wehrgang bequem begehen lässt . Mannshohe Zinnen rahmen den Wehrgang links und rechts ein und geben hier und da die Möglichkeit Blick über Burg und Umgebung schweifen zu lassen. Es eröffnet sich eine hervorragende Aussicht auf den Rhein, die Grabenanlage sowie die ältere, obere Burg und lädt so zum Verweilen ein.
Von der Atmosphäre her ist Burg Reichenstein sehr angenehm und teilweise urig. Durch die Größe und die vielen Räume verläuft sich der Touristenandrang, so dass man die Burg alleine erkunden kann. Zahlreiche Fenster und interessante Dinge bieten Blickfänge und einen Bezug nach außen. Durch die Belichtung mit Tagelslicht ist die Burg wohltuend beleuchtet und lädt zum Umherwandern und Entdecken ein.

Historie

Burg Reichenstein existiert wahrscheinlich schon seit dem 11. Jahrhundert. Zu dieser Zeit gehörte die Gegend dem Kloster Kornelimünser bei Aachen, das unter anderem Vögte zum Schutz der Region einsetzte. Einer der Vögte hieß Rheinbodo. Ein Nachfahre dessen, genannt Gerhard von Rheinbod, trieb sein Unwesen als Raubritter in der Region. 1213 wurde Gehard daher abgesetzt. Mit seiner Absetzung kam es zur ersten urkundlichen Erwähnung der Burg. Ihm folgte Ritter Phillip von Bolanden als Nachfolger. Sein Sohn übernahm 1218 die Burg und nannte sich "von Reichenstein". Er starb 1241 kinderlos. Die Burg ging an einen Verwandten namens Phillip von Hohenfels, der sich dem Lehensherren widersetzte und als einer der schlimmsten Raubritter am Rhein bekannt wurde. Bei einem Angriff im Jahre 1253 durch den Erzstift Mainz und das Heer des rheinischen Städtebunds ergab sich Phillip und schwor sich zu bessern. Er wurde verschont und erhielt die Burg als Lehen zurück. Er baute sie weiter aus und sorgte für eine gewisse Wehrhaftigkeit. Man geht davon aus, dass Reichenstein dezentral neu entstand, d.h. Reichenstein bestand bis zu diesem Zeitpunkt nur aus einem Bergfried mit Zwinger und Vorburg. Am Fuße der Vorburg errichtete man anschließend eine völlig neue Burg. In anschließenden Raubritterzügen überfiel er sogar kirchliche Gesandte und sakrale Gebäude.
1277 starb Phillip und sein Sohn Dietrich übernahm die Burg. Er soll noch mehr als sein Vater gewütet haben und wurde daher durch den neu ernannten König Rudolf von Habsburg 1282 belagert. Ein Einnehmen der Burg war nicht möglich, so dass man sie aushungern ließ. Bei der langfristigen Belagerung entkam Dietrich. Auf König Rudolfs Geheiß wurde die Burg abgebrannt und alle Bewohner am Rheinufer erhängt. Rudolf von Habsburg verhängte Bauverbot über Sooneck und Reichenstein.
Kurz nach 1300 wurde Reichenstein wieder aufgebaut und ging an die Pfalzgrafen, die sich mit dem Erzbistum von Mainz um den Besitz stritten. Kaiser Ludwig IV. sprach die Burg den Erzbischöfen von Mainz zu.
Reichenstein verfiel in den darauf folgenden Jahrhunderte. Mainz überließ die Anlage vier Familien, die Wein auf dem Grundstück anbauen durften. 1834 übernahm ein General Baron Franz Wilhelm von Barfuß die Burg und begann mit Aufbauarbeiten. Turmfalken verleiteten ihn dazu Reichenstein zeitweise in Falkenstein umzubenennen. Sein Erbe errichtete eine kleine Wohnung in der Ruine. 1889 ging Reichenstein an den Konsul Chosodowsky, der ebenfalls große Bereiche der Burg restaurieren ließ. 1899 verkaufte dieser dem Rheinböller Industriekaufmann Nicolaus Kirsch-Puricelli Reichenstein. Bis 1902 gaben er und seine Frau Olga der Burg ihr heutiges Aussehen. Im Laufe der darauf folgenden Jahren entstand eine Jagdtrophäensammlung von über 1200 Exemplaren, die aus allen Kontinenten dieser Welt stammen.

Events in der Nähe

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Anfahrt

Burg Reichenstein liegt inmitten einer Kurve des Rheins, oberhalb des Ortes Trechtingshausen. Durch den Ort führt die Bundesstraße B3, von der man, aus Bingen kommend, gleich nach Ortsanfang die erste Straße nach links abbiegen sollte. Diese führt direkt zu Burg. Von Süden her ist die einfachste Anfahrt über die Autobahnen A60 und A61 Ausfahrten "Bingen".

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Sonstige Einrichtungen

Der Grundriss zeigt den oberen Part der Anlage. Es handelt sich hierbei angeblich um die erste Burg, die 1253 zerstört wurde.

Gastronomie

Das Restaurant befindet sich mitsamt eines kleinen Hotels in der Vorburg.

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Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 04.08.2005

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