Stahleck

Burg Stahleck

Deutschland / Rheinland-Pfalz

Burg Stahleck liegt auf einem hohen Sporn oberhalb des Rheins. Ursprünglich stammt die Anlage aus dem 12. Jahrhundert, wurde aber im 20. Jahrhundert auf alten Fundamenten vollständig neu errichtet. Heute beherbergt sie eine Jugendherberge und lädt mit einer Terrasse und einer schönen Aussicht zu einem längeren Besuch ein. Stahleck gehört zu den wenigen Spornburgen, die einen Wassergraben besitzen. Die Burg ist in ihrer Art sehr selten.

Adresse

Burg Stahleck
Burgweg 1
55422 Bacharach
Parken: im Ort, kostenlos

Kurzinfo

Punkte:
Zustand: Burg
Burgtyp: Spornburg
Nutzung: Jugendherberge
Lage: 160 m.ü.NN.
Sonnenlicht: 03:42-19:28 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten: ganzjährig
Außenanlage, Burghof: offen
mehr
Eintrittspreise: Außenanlage, Burghof: frei
Burg: Jugendherbege

Baubestand & Beschreibung

Burg Stahleck thront auf einem Sporn oberhalb der Mündung des Steeger Tals in das Mittelrheintal. Zu Füßen der Anlage liegt der kleine Ort Bacharach, der sich noch heute hinter einer teilweise gut erhaltenen Stadtmauer versteckt. Am Burgberg liegt die Ruine der Wernerkapelle, die in den Sommermonaten zusammen mit der Burg viele Besucher anzieht.
Man sieht es der Burg auf den ersten Blick nicht an, aber Stahleck ist eine Rekonstruktion aus dem 20. Jahrhundert. Aufgrund zahlreicher Kämpfe und Belagerungen im 30-jährigen Krieg und im Pfälzischen Erbfolgekrieg und aufgrund einer Sprengung von 1689 wurde die Anlage schwer beschädigt und größtenteils zerstört. 1925 existierten nur noch 25% der Schildmauer, die Hoffassade des Palas und einige Bereiche der Ringmauer. Es folgte bis 1968 eine akribische Ausgrabung und ein gut durchdachter Wiederaufbau, der heute die Anlage in neuem Glanz erstrahlen lässt. Aus der Gründungszeit haben sich die Fundamente des Bergfrieds, Teile des Palas und einige Abschnitte der Ringmauer erhalten. Mit einer Seitenlänge von 55 auf 24 m und einem typisch regelmäßigen Grundriss gehört sie als Stauferburg zu den ältesten und größeren Burgen des Mittelrheins.

Außenanlage
Heute wie damals besitzt Burg Stahleck drei Zugänge, die durch mehrere Tore gesichert sind. Der Besucher hat die Möglichkeit direkt von Bacharach (aus dem Rheintal) oder vom Berg aus die Burg zu betreten. Beide Zugänge enden vor dem Haupttor.
Ursprünglich war Burg Stahleck in der Stadtmauer integriert, sodass die Anlage einen Zugang vom Ort aus und einen weiteren von außerhalb, also vom Berg aus, benötigte. Der dritte Eingang existiert heute nicht mehr. Es handelte sich um eine leicht versteckte Ausfallpforte an der Südseite (heute Terrasse), über die man die Burg fast unbemerkt verlassen konnte.

Außenanlage - Talzugang
Der Talzugang führt direkt vom Ortszentrum von Bacharach an der Sankt Peterskirche vorbei zur Burg. Hierbei passiert man die Wernerskapelle, die heute als eindrucksvolle Ruine am Fuße des Burgbergs steht. Sie wurde am 15. März 1698 bei der Sprengung der Burg von mehreren Trümmerteilen getroffen und schwer beschädigt. Man ließ sie als Ruine stehen.
Hinter der Wernerkapelle führt der Weg über eine Felsentreppe zu einem Doppeltor und über einen langgezogenen Nordzwinger direkt zum Haupttor an der Südwestseite der Burg. Hierbei passiert der Weg die alte Bastion und durchquert die Stadtmauer, die mit der Burg verbunden war. Die Bastion war auf den Rhein und den Ort gerichtet, um notfalls das Feuer in diese Richtung eröffnen zu können.

Außenanlage - Bergzugang, Geschützplattform
Der Bergzugang ist der ältere Eingang. Er war schon vor der Eingliederung der Burg in die Stadtmauer im 14. Jahrhundert existent. Heute wie damals wird er durch die Geschützplattform aus dem 15. Jahrhundert, durch die Vorburg und den Halsgraben geschützt. Vor dem Haupttor befand sich eine Zugbrücke, an deren Stelle im 20. Jahrhundert eine Steinbrücke errichtet wurde.
Burg Stahleck war auf dem Sporn oberhalb der Stadt gut geschützt, konnte aber von der Bergseite aus ungehindert beschossen werden. Dies wurde vor allem mit der Erfindung der Kanone ein Problem, sodass im 15. Jahrhundert vor der Burg eine Geschützplattform errichtet wurde. Dieses heute frei zugängliche Plateau war ursprünglich vermutlich mit höheren Mauern versehen und trug Kanonen, die auf den Berg ausgerichtet waren. Das Plateau wurde so angelegt, dass es den gesamten Weg zur Burg flankierte. Ein Angreifer, der sich auf die Burg zu bewegte, musste das Plateau passieren und bergab laufen. Vom Plateau konnte man ihm dabei direkt in den ungeschützten Rücken schießen.

Außenanlage - Halsgraben
Der Halsgraben von Burg Stahleck ist bis heute eine Seltenheit in Deutschland. Burgen auf Bergen hatten ursprünglich trockene Gräben, die nur davor schützen sollten, dass keine Rammböcke, Brandgefäße oder sonstige Belagerungswaffen an die Mauer gebracht werden konnten. Zudem schützten diese Gräben gegen Tunnel und Unterminierung.
Der Halsgraben von Burg Stahleck führt Wasser, was nahezu einzigartig für eine Spornburg ist. Es handelt sich um ein Auffangbecken, in dem sich Wasser aus drei Quellen sammelt. 4 m unter der Wasseroberfläche führt ein Tunnel unter der Schildmauer hindurch, der auf der anderen Seite in einem Brunnen endet. Aus diesem Brunnen gewann die Burgbesatzung bei Belagerungen ihr Trinkwasser (mit Wein gemischt).
Das Becken führt bis heute Wasser. Es hat eine Größe von 18 auf 13 m und knapp 500 m³ Volumen. Im Mittelalter wurde es nur von einer Quelle gespeist. 1929 hat man zwei weitere Quellen angeschlossen.
Neben dem Wasserbecken geht eine steinerne Brücke über den Halsgraben. Das letzte Drittel dieser Brücke war ursprünglich eine Zugbrücke, die bei Bedarf hochgezogen werden konnte. Direkt dahinter befindet sich das Haupttor in die Kernburg, über dessen Öffnung man einen Gusserker erkennen kann.

Schildmauer
Da die Burg wie bereits erwähnt niedriger als der Bergrücken liegt, konnte sie ungehindert vom Berg aus beschossen werden. Aus diesem Grund errichtete man schon recht früh eine Schildmauer, die die Anlage wie ein Schild vor Beschuss schützen sollte.
Die sehr hohe und 2,6 m dicke Mauer trägt heute einen rekonstruierten Wehrgang, der an den Enden in zwei kleine Türmchen übergeht. Die Südseite der Schildmauer ist original, während der linke Bereich vollständig neu aufgebaut wurde. Nach der Sprengung und den heftigen Belagerungskämpfen im 17. Jahrhundert ist nur ein Viertel erhalten geblieben.
In der Mauer lassen sich zahlreiche Schießscharten erkennen, aus denen alle Bereiche vor der Burg unter Beschuss genommen werden konnten. Zum Teil handelt es sich um schmale, lang gestreckte Fischschwanzscharten, die im Nachhinein noch verändert wurden um Feuerwaffen einhaken zu können. Die Feuerwaffen waren zu dieser Zeit noch recht groß und hatten einen heftigen Rückstoß, so dass sie in der Mauer eingehakt werden mussten. Für diese Zwecke wandelte man die Schießscharten um.
Die beiden Türmchen sind Rekonstruktionen nach altem Vorbild. Sie haben einen polygonalen Grundriss und sind teilweise mit Schiefer verkleidet. Die ursprünglichen Türme waren rund. Unter der Mauer verläuft heute ein Tunnel zwischen dem Wasserbecken und dem Brunnen in der Kernburg.

Kernburg
Hinter dem Haupttor eröffnet sich der Blick auf einen lang gezogenen Zwinger, der durch ein zweites Tor (das innere Tor) auf den Burghof mündet. Zwischen 1925 und 1968 wurden hier nahezu alle Gebäude auf alten Fundamenten neu errichtet. Heute beherbergt die Kernburg eine Jugendherberge, die sich über alle Bereiche erstreckt. Der Burghof ist für die Öffentlichkeit zugänglich, während die Gebäude nur den Jugendherbergsgästen vorbehalten sind.

Bergfried
Der Bergfried ist heute das größte Gebäude der Burg. Ursprünglich befand sich an selbiger Stelle ein Turm, der 1689 gesprengt wurde. Zwischen 1925 und 1967 wurde auf den Fundamenten des Gebäudes ein neuer Turm errichtet, der heute zahlreiche Zimmer der Jugendherberge aufweist.
Die Grundmauern des Turms gehören zu den ältesten Elementen der Burg. Man vermutet, dass der Ursprung im 12. Jahrhundert liegt. Zu dieser Zeit waren runde Bergfriede noch sehr selten.
Die Mauern sind teilweise bis auf eine Höhe von 3 m erhalten geblieben und wurden in den Neubau verbaut. Sie stehen auf einem soliden Felssockel. Ursprünglich hatte der Turm eine Mauerstärke von 4 m, die beim Wiederaufbau auf 2 m reduziert wurde. Der Gang um den Turm im Erdgeschoss ruht auf dem 4m dicken Fundament.
Der Durchmesser des Bergfrieds beträgt heute 7,5 m. Auf dem Turm ruht ein 16 m hohes Kegeldach. An der Steinfarbe lässt sich erkennen, dass das oberste Geschoss erst bedeutend später aufgemauert wurde. Ursprünglich trug der Turm eine kleinere Spitze, die vier Gauben aufwies. Ein Kupferstich von Merian aus dem 17. Jahrhundert zeigt das damalige Aussehen des Turms.
Zwischen dem Turm und der Schildmauer steht auf den Grundmauern eines Fachwerkhauses die Mädchenherberge mit Pultdach.

Palas, Langhaus, Küchenbau
Am nordöstlichen Ende der Kernburg, also auf der anderen Hofseite des Bergfrieds, steht heute ein größerer Bau, der auf den Grundmauern des alten Palas ruht. Von dem Palas, der zu den ältesten Gebäude der Burg gehört, haben sich Teile der Hoffassade und Kellergewölbe erhalten, die beim Wiederaufbau verbaut wurden. Man vermutet, dass das Gebäude von Konrad von Hohenstaufen errichtet wurde. Es wurde durch Herzog Karl Ludwig von Bayern 1666 teilweise erneuert und 1689 gesprengt. 1925 war nur noch ein Teil der Hoffassade vorhanden.
Das Gebäude wurde beim Wiederaufbau verändert. Ursprünglich hatte es im Nordwesten und Südosten zwei Giebelwände mit Treppengiebeln, wie ein Kupferstich von Merian zeigt. Die Nordostseite (Talseite) war ursprünglich mit einem Erker im ersten Obergeschoss versehen, der als Kapellenerker gedient haben kann. Eine Burgkapelle wird 1371 urkundlich genannt. Bei Grabungen hat man frühgotische Gewölbebögen und ein gotisches Kapellenfenster gefunden, die aber nicht mehr zugeordnet werden konnten. Heute beherbergt der Palas im Erdgeschoss die Rezeption der Jugendherberge.
Links vom Palas, also Nordseite, steht das sogenannte Langhaus, das ursprünglich aus dem 17. Jahrhundert stammt. Es lehnt von innen an die Ringmauer und bildet zusammen mit der Überdachung des Wehrgangs ein Dach. Ursprünglich befand sich hier die erste Jugendherberge. Das Erdgeschoss ist aus Bruchstein, während das Obergeschoss ein Fachwerkaufsatz ist. Das Bauwerk steht auf alten Fundamenten ist aber gänzlich erst im 20. Jahrhundert entstanden.
Rechts vom Palas, also Südseite, steht der wieder aufgebaute Küchenbau, der im 20. Jahrhundert in anderer Form als sein Vorgänger errichtet wurde. Ursprünglich stand hier ein kleines Gebäude, das im Erdgeschoss aus Stein und im Obergeschoss aus Fachwerk mit großem Dach war. An der Außenseite befanden sich zwei hohe Turmerker. Daneben begann die Ringmauer, die heute aufgrund der Terrasse auf voller Länge fehlt.

Terrasse
Die heutige Terrasse liegt auf dem ursprünglichen Südzwinger. Von ihr eröffnet sich heute eine weite Aussicht über das Rheintal. Hier befand sich zwischen den Mauerresten neben dem Bergfried und dem Küchenbau eine mehrere Meter hohe Wehrmauer. An der Stelle der heutigen Außenmauer der Terrasse lag eine weitere Wehrmauer, die die Anlage in diese Richtung schützte. Ein Blick nach unten zeigt, dass die alte Stadtmauer unterhalb der Burg weiter Richtung Süden verläuft. Von der Burg aus konnte man Angreifern in den Rücken schießen, die sich hier der Stadtmauer näherten. Vor der Außenmauer der heutigen Terrasse lag ein tiefer Graben, der im Laufe der Jahrhunderte verschwunden ist. Am südlichen Ende ist noch eine Turmruine erhalten geblieben. Von diesem Flankierungsturm konnte man den Halsgraben, die Außenseite der Stadtmauer, die Südmauer der Geschützplattform und das freie Feld vor dem Turm unter Beschuss nehmen und flankieren.

Fazit
Burg Stahleck beherbergt heute eine gern genutzte Jugendherberge. Die Burganlage wurde im 20. Jahrhundert vollständig neu errichtet und besitzt nur wenige oberirdische Mauern aus alter Zeit. Dennoch versprüht sie dank des recht authentischen Wiederaufbaus einen Charme, der jährlich unzählige Menschen anzieht. Mit der wunderschönen Aussicht, ihren zahlreichen Elementen und den eindrucksvollen, wieder aufgebauten Mauern und Türmen lädt sie heute zum Entdecken, Erkunden und Verweilen ein.

Historie

Die Ortschaft Bacharach war vermutlich schon ab 1000 im Besitz der Kölner Erzbischöfe. Man geht davon aus, dass Burg Stahleck in der Zeit darauf, also zu Anfang des 11. Jahrhunderts, zur Sicherung der Region um Bacharach errichtet wurde, da die Ortschaft zu den südlichsten Bereichen des Erzbistums gehörte.
Die heutige Anlage entstammt der Zeit zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert. Die ältesten Elemente werden in das 12. Jahrhundert datiert. Sie gehört zu den ältesten Burgen am Mittelrhein nördlich von Bingen.
Erstmals taucht das Geschlecht 1120 in einer Urkunde auf. Ein Gozwin von Stahleck wird schriftlich erwähnt, der sich nach der Burg benannt haben soll und ursprünglich den Namen Gozwin von Falkenburg trug. 1135 taucht er ein weiteres Mal als Cuzwinus de Staelechae auf. Er ist der erste urkundlich erwähnte Lehensnehmer der Burg Stahleck. Dieses hat er der Heirat mit Luitgard von Hengerbach, der Witwe von Heinrich I. von Katzenelnbogen (1102 verstorben) zu verdanken.
Sein Sohn Hermann von Stahleck heiratete 1120 Gertrud von Schwaben, die Schwester des Königs Konrad III. Er wurde 1140 erneut Lehensnehmer der Burg Stahleck, sodass die Familie von Stahleck weiterhin auf der Burg wohnen blieb. 1142 erhielt er von König Konrad III. zusätzlich noch die Pfalzgrafschaft bei Rhein als Lehen. Hermann gehörte somit zu den einflussreichsten Personen des Reiches. Sein Einfluss und das Vertrauen des Königs sorgten dafür, dass König Konrad III. Hermann von Stahleck das Amt des Reichsverwesers übertrug, als er zum zweiten Kreuzzug aufbrach.
1156 starb Hermann von Stahleck. Kaiser Friedrich Barbarossa übergab die Pfalzgrafschaft seinem Halbbruder Konrad von Hohenstaufen. Dieser hatte nur eine Tochter namens Agnes, die die einzige Erbin war. Es war also nicht gewährleistet, dass das Erbe in der Familie bleibt, sodass der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg 1189 das Lehen in ein Erblehen verwandelte.
Als Konrad für einige Zeit nicht anwesend war, heiratete seine Tochter 1193 heimlich Heinrich den Älteren von Braunschweig. Dieser war der Sohn des Welfenherzogs Heinrich des Löwen. Der Erzbischof Johann I. von Trier vermählte die beiden. In den Chroniken wird die Hochzeit als "Hochzeit von Stahleck" bezeichnet. Die beiden Familien lagen schon seit Jahrzehnten im Streit, sodass die Hochzeit zur Eskalation hätte beitragen müssen. Stattdessen kam es aber zur Beilegung des Streits zwischen den Welfen und den Staufern, der aber mit der Doppelwahl 1198 nach dem Tod von Heinrich VI. wieder voll entfachte.
Konrad von Stahleck stirbt im November 1195. Der Mann ihrer Tochter, Heinrich der Ältere, erbt die Pfalzgrafschaft und den gesamten Besitz um die Burg. Er verzichtet aber 1212 auf den Titel als Pfalzgraf und die damit verbundenen Rechte zugunsten seines Sohnes Heinrich der Jüngere.
Heinrich der Jüngere stirbt schon 1214, sodass die Burg an seine jüngere Schwester Agnes geht. Die restliche Pfalzgrafschaft geht zurück an die Krone und anschließend als Lehen an den bayerischen Herzog Ludwig I. von Wittelsbach.
Agnes, die Erbin von Burg Stahleck, wird mit Otto dem Erlauchten verheiratet, woraufhin die Burg ebenfalls in den Besitz der Familie von Wittelsbach geht. Otto der Erlauchte ist der Sohn von Pfalzgraf Ludwig I., der durch die Hochzeit 1222 umfangreiche Ländereien als Mitgift seiner Frau erhält. Mit dabei ist Burg Stahleck mit der Vogtei Bacharach.
Bacharach und Umland sind seit Jahrzehnten den Kölner Erzbischöfen ein Dorn im Auge, sodass es seit 1156 immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den Burgherren und den Bischöfen kommt. Dieser Streit wird unter Otto II. 1243 endgültig beigesetzt. In der Folge erhält Otto II. Burg Fürstenberg und Burg Stahlberg als Lehen. Zu dieser Zeit ist Burg Stahleck schon seit 30 Jahren kein adeliger Wohnsitz mehr, da Ludwig I. die Residenz 1214 nach Heidelberg verlegt hat. Ein Burggraf verwaltet seitdem Burg Stahleck und wird in Urkunden öfters als Ritter von Stahleck bezeichnet. Es folgen zahlreiche weitere Burgvögte, bis man ab dem 15. Jahrhundert Amtmänner für die Verwaltung einsetzt. Unter anderem sind Familienmitglieder der Familien derer von Katzenelnbogen, derer von Sponheim und derer von Waldeck verzeichnet.
Obwohl die Residenz nach Heidelberg verlegt wurde, finden noch zahlreiche Fürstenversammlungen auf Burg Stahleck statt. Unter anderem wurden hier die Königswahl von Ludwig IV. im Mai 1314 und die Hochzeit von Kaiser Karl IV. mit Anna (Tochter des Pfalzgrafen Rudolf II.) am 4. März 1349 abgehalten.
In der Folgezeit kommt es immer wieder zu Verpfändungen der Burg. 1314 geht sie für 58.300 Pfund Heller an König Johann von Luxemburg und den Kurfürsten Balduin von Trier. Im Juli 1328 ist Stahleck eine Bürgschaft an Gräfin Loretta von Sponheim, die die Anlage zur treuhänderischen Verwaltung an Graf Wilhelm I. von Katzenelnbogen gibt, bis eine Summe von 15.000 Pfund Heller erstattet wird.
1346 wird für Burg Stahleck dem Mainzer Erzbischof Gerlach von Nassau das Öffnungsrecht ausgesprochen. 1353 fällt die Anlage während der pfälzischen Landesteilung an Ruprecht den Jüngeren.
Zwischen 1344 und 1366 entsteht eine Erweiterung der Stadtbefestigung von Bacharach, in der die Burg als höchster Punkt zum Berg hin einbezogen wird. Die Anlage wird im Zuge dessen umgebaut.
Im Jahre 1400 wird König Wenzel von Luxemburg abgesetzt. Sein Nachfolger Rupprecht feiert seine Wahl zum König auf Burg Stahleck. 1408 kommt es durch Rupprecht I. zu einem weiteren Fest, bei dem zahlreiche Reichsfürsten auf die Burg Stahleck eingeladen werden. 1442 kommt es erneut zu einer Versammlung der Reichsfürsten, die von Pfalzgraf Ludwig IV. ausgelegt wurde. Prominentester Gast war König Friedrich von Österreich, der sich auf der Durchreise nach Aachen befand.
In der Folgezeit verliert Burg Stahleck stark an Bedeutung. Sie entspricht nicht mehr dem repräsentativen Stil ihrer Besitzer. Trotz der Errichtung einer Geschützplattform zum Berg hin ist Stahleck im 16. Jahrhundert militärisch veraltet. Erst im 30-jährigen Krieg wird sie mehrmals Mittelpunkt mehrerer Kämpfe.
Am 4. Oktober 1620 werden Bacharach und Stahleck von spanischen Truppen unter Generalfeldmarschall Ambrosio Spinola eingenommen. Am 9. Januar 1632 rücken Schweden an, die die Burg belagern und dabei stark beschädigen. Im Juli 1630 übernehmen kaiserliche Truppen unter dem General Matthias Gallas, Graf von Campo, die Anlage. Sie werden im Juli 1639 von sächsisch-weimarischen Truppen vertrieben. März 1640 sind schließlich bayerische Soldaten auf der Burg untergebracht, die nach ihrem Abzug wieder durch sächsisch-weimarische ersetzt werden.
Im Herbst 1640 kommt es erneut zu einer Belagerung durch Spanien, die 14 Tage andauert. Im September 1644 fallen Stadt und Burg nach zehntägiger Belagerung an die Franzosen, die im Oktober von kurkölnischen Truppen zum Rückzug auf die Burg gedrängt werden. Der General der kurkölnischen Truppen, genannt Oberst Constantin von Nievenheim ließ Stahleck längere Zeit beschießen, wagte es aber nicht die Burg zu erobern. Er zieht anschließend mit seinen Truppen weiter.
Die Franzosen bleiben bis zum 24. Juli 1650 auf Burg Stahleck. Zu dieser Zeit kommt es zur Vereinbarung des Westfälischen Friedens, bei dem die Anlage an den Pfalzgrafen Karl Ludwig geht. In der Zeit darauf werden 1666 die Beschädigungen beseitigt und das Innenlebens neu gestaltet. Zwischen dem Palas und der nördlichen Wehrmauer entsteht beispielsweise ein kleines Gebäude mit Fachwerkaufsatz. Der Palas wird nach den zahlreichen Eroberungen und Plünderungen vollständig verändert.
Im pfälzischen Erbfolgekrieg übergibt der Kommandant von Dachenhausen am 11. Oktober 1688 die Burg an französische Truppen. Diese zünden am 15. März 1689 Pulverfässer in den Gewölben, deren Explosionen die Ringmauer und den Bergfried fast vollständig zerstören. Die anderen Gebäude brennen aus. Die herumfliegenden Teile und Steine zerstören unter anderem die Wernerkapelle unterhalb der Burg. Es erfolgt kein Wiederaufbau.
Nach dem Krieg geht die Ruine 1697 wieder zurück an die Kurpfalz. Knapp 100 Jahre später, 1794, ist sie erneut durch französische Revolutionstruppen besetzt. Durch das Friedensabkommen von Lunéville ist sie ab 1801 im Besitz Frankreichs. Erst durch den Wiener Kongress 1815 geht sie zurück in den Besitz des Königreichs Preußen.
1828 kauft der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. Burg Stahleck und macht sie 1829 seiner Frau Elisabeth Ludovika von Bayern zum Geschenk. Elisabeth von Bayern war eine Prinzessin aus dem Hause Wittelsbach, deren Vorfahren lange Zeit auf der Burg lebten. Die erhoffte Freude über das Geschenk blieb aus. Kronprinz Friedrich Wilhelm dachte, dass seine Gemahlin die Anlage restaurieren würde. Sie hingegen interessierte sich für die Burg nicht und so ließ sie nur einen Weg anlegen. Nach 1850 besucht sie dennoch die Anlage, weshalb im Voraus zahlreiche einsturzgefährdete Mauern abgebrochen und auf dem Burghof aufgeschüttet wurden. Unter anderem verfüllte man auch den Halsgraben mit den Gebäuderesten. Es blieben nur die Hoffassade des Palas, ein Teil der nördlichen Ringmauer und ein kleines Stück der südwestlichen Schildmauer erhalten.
In der Folgezeit verfiel Burg Stahleck immer weiter. 1907 plante Axel Delmar den Wiederaufbau eines der Gebäude, um ein Heim für Künstler unterzubringen. Das preußische Königshaus wollte die Anlage in Sicherheit wissen und verkaufte sie dem Künstler nicht. Stattdessen machten man ein Angebot der Stadt Bacharach gegenüber, die aber kein Interesse an der alten Wehranlage hatte.
1909 wurde sie schließlich an den Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz verkauft. Den Kaufpreis von 5000 Mark finanzierte der Verein über Spenden. Mit weiteren 3500 Mark begann man mit den ersten Sicherungs- und Instandsetzungsarbeiten an der Ringmauer und der Schildmauer. Fünf Jahre später begann der Erste Weltkrieg, woraufhin man die Arbeit an der Burg unterbrach. In der Folgezeit litt sie wieder stark unter Verfall und Steinraub.
1924 wollte der Eigentümer der Villa oberhalb der Burg, genannt Richard Blankenhorn, die Anlage pachten und eine Wirtschaft einrichten. Seine Anfrage an den Verein blieb fünf Jahre lang unbeantwortet. Grund war der Beginn der Planung einer Jugendherberge, die im Frühjahr 1925 begann. Unter dem Architekten Ernst Stahl kam es bis 1926 zum Bau des Langhauses, das Kosten von 30.000 Reichsmark mit sich zog. Im Juli 1927 wurde die Mädchenherberge hinter der Schildmauer fertiggestellt. Ernst Stahl orientierte sich dabei an zahlreichen historischen Ansichten, erhaltenen Elementen und an den Ergebnissen der Ausgrabungen, die seit einigen Jahren stattfanden. Immer wieder wurden Grundmauern freigelegt, die ihn dazu zwangen die Pläne zu verändern. Die Steine, die man ohne archäologische Zuordnung in der Erde fand, wurden für den Wiederaufbau der Ringmauer und des Bergfrieds zur Seite gelegt.
Die meisten Gebäude, die in diesem Zeitraum entstanden sind, ruhen auf den originalen Fundamenten der mittelalterlichen Bauwerke. Es wurden unter anderem auch Kellergewölbe einbezogen. Am 12. und 13. Juni 1926 fand die offizielle, feierliche Einweihung der Jugendherberge statt. < br> Bis 1927 wurden die bereits erwähnte Mädchenherberge, die komplette Ringmauer und die Schildmauer wieder aufgebaut. Die Schildmauer stand zu diesem Zeitpunkt nur noch zu einem Viertel. Es folgte bis 1929 die Sicherung des Turmstumpfs des Bergfrieds auf eine Höhe von 3 m. Der Turm war nach der Sprengung durch die Franzosen zusammengestürzt und nur noch als kümmerlicher Rest erhalten geblieben. Eines der beiden Sprenglöcher diente als Eingang.
Zwischen 1930 und 1931 wurde das Erdgeschoss des Palas wieder rekonstruiert. Es folgte 1932 die Ausgrabung des Halsgrabens, bei der man auch das Becken freilegte. Am 18. November 1934 legte man den Grundstein für den Wiederaufbau des kompletten Palas. Er wurde am 25. Oktober 1935 eingeweiht. Seine Baukosten beliefen sich auf 25.000 Reichsmark.
Zwischen 1937 und 1938 wurde die Schildmauer mit Erkertürmen und einer Überdachung des Wehrgangs versehen. Dies war unter anderem nach alten Bildern mit Abwandlung geschehen. Unter den Nationalsozialisten kam die Idee auf den Bergfried auf eine Höhe von 36 m mit insgesamt sieben Stockwerken neu zu errichten. Der Turm sollte anschließend den Namen Rudolf-Heß-Turm erhalten. Nach statischen Berechnungen stellte sich heraus, dass ein Turm dieser Größe die Fundamente zu sehr belasten würde. Man entfernte schließlich die gesamten Reste des Turms und begann im November 1938 mit dem Bau eines Bergfrieds mit kleineren Maßen. Aufgrund des Zweiten Weltkriegs wurde er aber nicht fertiggestellt.
Während des Zweiten Weltkriegs diente Burg Stahleck zwischen 1940 und 1942 als Wehrmachtslazarett. Anschließend wurde die Burg bis Kriegsende als Jugendumerziehungslager und Straflager für Jugendliche genutzt. Es kam schon 1940 zur Einsperrung mehrerer Demonstranten, die gegen die Wehrpflicht waren, die 1942 eingeführt werden sollte.
Ab 1947 diente Burg Stahleck wieder als Jugendherberge, nachdem sie zeitweise unter französischer Besatzung stand. 1957 war sie die drittgrößte Jugendherberge in Rheinland-Pfalz und mit 32.276 Übernachtungen zeitweise die meistbesuchteste.
Im Oktober 1965 wurde der weitere Ausbau der Burg begonnen. Nach den Plänen des Architekten Ernst Stahl, der 1957 verstorben war, begann man mit der Errichtung eines neuen Wirtschaftshauses und der Anlegung der Südterrasse. Zudem wurden Innenräume großzügig verändert. Ab 1966 erhöhte man den Bergfried um weitere 4 m und schloss ihn mit einem Turmhelm ab. Kostenpunkt der Umbauarbeiten waren 1,8 Millionen DM.
In den 1990ern wurde der Innenraum für 8,3 Millionen DM vollständig modernisiert. 2002 kam es zum Eintrag in der UNESCO. Heute übernachten jährlich rund 42.000 Gäste in der Jugendherberge.

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Anfahrt

Burg Stahleck liegt über Bacharach. Von Wiesbaden, Mainz der B9 Richtung Koblenz bis Bacharach folgen.
Bei Bacharach innerorts parken und der Ausweisung zur Wernerkapelle, bzw. Burg zu Fuß folgen oder über die Bücherstraße hoch zur Burg fahren und in der Kurve bei der Burg parken.

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Sonstige Einrichtungen

Auf der Burg gibt es eine Jugendherberge.

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Literatur

- Georg Dehio, "Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler - Rheinland-Pfalz, Saarland\", Deutscher Kunstverlag, 1984, Berlin, ISBN: 3-422-00382-7
- Friedrich-Wilhelm Krahe, "Burgen des deutschen Mittelalters- Grundriss-Lexikon", Stürtz Verlag, 2000, Würzburg, ISBN: 3-88189-360-1
- Regionalgeschichte.net/index.php?id=598 - letzter Aufruf: 02.10.2014

Aktualisierung

Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 14.01.2015


Fußnoten

[1]Der in Kursiv geschriebene Textabschnitt basiert auf eigenen Beobachtungen. Literaturhinweise oder Informationen im Internet wurden dazu nicht gefunden. Das Veröffentlichen und Verbreiten der Informationen ist sowohl in digitaler Form, wie auch in Printform oder im Internet nur als Zitat mit Verweis auf den Autoren und die Website, bzw. die App erlaubt.

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