Altes Schloss Gaildorf

Burg Gaildorf

Gaildorf

Deutschland / Baden-Württemberg

Das Gaildorfer Schloss liegt inmitten der gleichnamigen Ortschaft nahe des Ufers des Kochers. Die Anlage steht auf den Grundmauern einer Wasserburg aus dem 12. Jahrhundert und wurde im 15. Jahrhundert zu einem eindrucksvollen Schloss aus Fachwerk umgebaut. Bis heute haben sich nahezu alle Elemente des zweiten Schlosses erhalten. Der Besucher hat die Möglichkeit die Burg einmal zu umrunden und den Hof aufzusuchen, der mit seinen Malereien einen schönen Anblick darstellt. Sehenswert ist das Eingangstor der Burg, das durch zwei Flankierungstürme geschützt wird. Ein Besuch lohnt sich. Die eindrucksvolle Anlage weist an der Stirnseite im Osten 6 Stockwerke aus Fachwerk auf.

Adresse

Burg Gaildorf Schloss Straße
74405 Gaildorf Parken: im Ort, kostenlos

Kurzinfo

Punkte:
Zustand:Burg, Schloss
Burgtyp:Wasserburg
Nutzung:Rathaus, Museum
Lage:335 m.ü.NN.
Sonnenlicht:07:07-15:25 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten:ganzjährig
mehr
Eintrittspreise:Burg: frei
Museum: kostenpflichtig

Baubestand & Beschreibung

Burg Gaildorf

Schloss Gaildorf liegt inmitten des gleichnamigen Ortes direkt am Kocher. Die Anlage geht auf eine alte Wasserburg zurück, die ursprünglich mit ihren Wassergräben direkt mit dem Kocher verbunden war. Auch das Schloss, das aus dem 15. Jahrhundert stammt, besaß Wassergräben, die zugunsten von Straßen und der umliegenden Ortschaft zugeschüttet wurden. Grünflächen erinnern an die Verläufe der Gräben.
Das heutige Schloss ist ein schöner Renaissancebau, der im Untergeschoss aus Stein besteht und mehrere Stockwerke aus Fachwerk aufweist. Heute unterliegt die eindrucksvolle, vierflügelige Anlage unterschiedlichen Nutzungen. Im Inneren befinden sich städtische Einrichtungen, Ateliers von Künstlern, und ein kleines Museum. Der schöne Schlosshof ist jederzeit frei besuchbar.
Der Zugang erfolgt heute wie damals von Südwesten her. Er ist zur mittelalterlichen Altstadt hin ausgerichtet. Vor dem eindrucksvollen Torbau, der durch zwei große, runde Wehrtürme flankiert wird, befindet sich eine Brücke aus Stein, die eine Zugbrücke als Vorgängerin hat. Unter der Brücke lässt sich noch der Graben erkennen, der ursprünglich Wasser führte.
Über das örtliche Straßennetz gibt es die Möglichkeit das Schloss einmal vollständig zu umrunden. Hierbei passiert man das so genannte Kaffeehaus (ein schöner Fachwerkbau) und die evangelische Kirche des Ortes. Bei der Umrundung bekommt man Schloss Gaildorf in voller Pracht zu sehen. Der eindrucksvolle Fachwerkbau weist zu jeder Seite unterschiedliche Fassaden auf.
Die Nordostecke wird heute noch durch einen herausstehenden, runden Wehrturm flankiert. Im Turm lassen sich noch unter dem Dach und im ersten Obergeschoss zahlreiche Schießscharten erkennen, die die Möglichkeit boten beide angrenzenden Seiten des Schlosses zu flankieren und zu verteidigen. Direkt daneben befindet sich die östlichen Giebelwand des Nordflügels, die an dieser Stelle eindrucksvolle sechs Stockwerke aus Fachwerk aufweist. Am Fuß des Turms ragen noch verwitterte Buckelquader aus dem Putz, die wahrscheinlich zu den Fundamenten der mittelalterlichen Wasserburg gehören, auf denen das Schloss errichtet wurde.[1]
Die Südseite wird heute leider durch einen großen steinernen Bau verdeckt. Die Ostfassade dieses Gebäudes gehört zur alten Stadtmauer, die zwischen 1404 und 1480 durch den Schenk Friedrich III. und Conrad IV. von Limburg errichtet wurde. Sie besaß ursprünglich vier Ecktürme, drei Stadttore und einen überdachten Wehrgang, der an dieser Seite erhalten geblieben ist. Hinter der Stadtmauer endet der Weg wieder vor dem Tor des Schlosses.
Das Zugangstor ist als einziges Bauwerk im ersten Obergeschoss und im Erdgeschoss gemauert. An der Außenseite lassen sich mehrere Schießscharten, ein rundbogiges Tor mit daneben liegendem Manntor und die Lauflöcher für Zugbrücken erkennen. Auf dem Tor ruhen zwei Fachwerkgeschosse. Direkt über dem Tor lassen sich Wappen erkennen. Die Schießscharten wurden so angeordnet, dass man sowohl den Bereich vor dem Tor, wie auch vor der Brücke flankieren konnte.
Hinter dem Tor eröffnet sich der Blick in den wunderschönen, malerischen Innenhof. Die Hoffassade des Nordflügels wurde um die Fenster und die Türen herum reich verziert bemalt. Die Nordostecke nimmt ein polygonaler Treppenturm ein, über dessen Eingang ein weiteres Wappen thront. Die Ost- und Südseite werden durch einen offenen Gang im ersten Obergeschoss und eine große Tür im Erdgeschoss dominiert. Direkt neben dem Tor befindet sich ein weiterer Treppenturm, der rund ist.
Die Rückseite des Tors verweist auf mehrere Umbauten. Es ist scheinbar älter als das Schloss und wurde in sehr eigentümliche Art in den Schlossbau integriert.
Von der Atmosphäre her ist Schloss Gaildorf sehr eindrucksvoll. Der riesige Fachwerkbau, der an jeder Ecke anders aussieht und teilweise sechs Stockwerke aufweist, ist eine absolute Meisterleistung des 15. Jahrhunderts. Die Statik des Gebäudes hält bis heute ohne größere Probleme. Im Inneren befinden sich noch Stuckdecken, die reich verziert sind. Unter den Stuckdecken sind Kassettendecken aus Eichenholz, die noch aus dem 15. und 16. Jahrhundert stammen. Damit sie nicht beschädigt werden, hat man die Stuckdecken freitragend konstruiert, was zur damaligen Zeit eine Meisterleistung war. Sehenswert ist vor allem der Wurmbrandsaal, der der größte und schönste Saal des Gebäudes ist.
Schloss Gaildorf sollte man auf jeden Fall besuchen, wenn man in der Nähe ist. Selbst eine Besichtigung von außen und vom Hof ohne die Innenräume ist lohnenswert. Die Konstruktion aus Fachwerk ist in ihrer Art einzigartig.

Historie

Schloss Gaildorf steht auf den Grundmauern einer staufischen Wasserburg aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. Die Anlage wird erstmals 1399 in einer Urkunde genannt. Der Ort Gaildorf existiert seit 1255 und wurde durch das gleichnamige Geschlecht Geilndorff gegründet. Von der alten Wasserburg haben sich noch Reste unter der heutigen Anlagen in Form von Kellergewölben erhalten. Die Herren von Geilndorf waren anfangs Ministerialen der Schenken von Limpurg. Diese hatten ihre Stammburg in der damaligen Reichsstadt Hall. Nachdem das Geschlecht Geildorff ausgestorben war, übernahmen derer von Limpurg die Burganlage und nutzten sie als Residenz zum Jagen.
1441 teilte sich die Linie und ein Schenk Albrecht von Limpurg-Gaildorf-Schmiedelfeld übernahm die alte Wasserburg. Er ließ die Anlage abtragen und errichtete ab 1479 bis 1482 das heutige Schloss. Die Seitenlinie blieb bis 1690 auf Gaildorf. Insgesamt lebten acht Generationen nacheinander auf der Anlage. Mit Wilhelm Heinrich von Limpurg-Gaildorf starb die Linie 1690 schließlich aus. Das Erbe ging mitsamt der Herrschaft an die Linie Limpurg-Speckfeld, die in Obersontheim lebte.
Eine der Töchter von Wilhelm Heinrich, genannt Juliane Dorothea von Limpurg-Gaildorf heiratete 1700 den Grafen Johann Wilhelm von Wurmbrand im großen Saal, der heute den Namen des Ehegatten trägt. Schon 1713 starb der letzte männliche Nachfahre Schenk Vollrath von Limpurg-Speckfeld. Von den drei Linien derer von Limpurg gab es zu diesem Zeitpunkt zehn erbberechtigte Frauen, die die Ländereien untereinander aufteilen. Auf dem Schloss lebte anschließend keine von ihnen.
1817 kaufte und erbte Georg Friedrich Karl von Waldeck-Bergheim die Anlage mit umliegender Herrschaft. Er entstammte einer der Linien von Limpurg-Gaildorf. Nach der Übernahme des Schlosses gründete er seine eigene Seitenlinie und nannte sich zukünftig Waldeck-Limpurg. Nach seinem Tod 1826 übernahm seine Witwe Amelith Charlotte Auguste bis 1852 Schloss Gaildorf. Anschließend erbte Richard Kasimir Alexander von Waldeck-Bergheim sie und übergab sie 1868 an seine Schwester Mechthild Caroline Emma, die 1846 den Grafen Karl Anton Ferdinand von Bentinck ehelichte. Somit ging das Schloss in den Besitz derer von Bentinck.
Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Schloss als Flüchtlingslager. Nach 1950 wurde im Wurmbrandsaal eine Textilfirma untergebracht. Vor allem vor und nach den Zweiten Weltkrieg hat das Schloss sehr gelitten, wurde aber nie zerstört oder durch Kriegseinwirkung beschädigt. Das Fachwerk ist in dieser Zeit sehr strapaziert worden, sodass 2002 mehrere Teile am westlichen Torturm in den Schlossgraben fielen. Heute beherbergt das Schloss städtische Einrichtungen und ein Stadtmuseum, das durch den Historischen Verein betrieben wird.

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    Anfahrt

    Von Norden von der A6 Ausfahrt "Kupferzell" auf die B19 über Schwäbisch Hall nach Gaildorf. Von Osten her über die A7 Ausfahrt "Aalen Westhausen" auf die B29 und bei Hüttlingen über die B19 nach Gaildorf.
    In Gaildorf von der B19 hinter der Einbahnstraße rechts in die Schloss-Straße abbiegen. Auf der rechten Seite erscheint nach 200m das Schloss.

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    Gastronomie

    Im Kaffeehaus hinter dem Schloss am Kocher gibt es eine Gastronomie.

    Querverweise

    Bei folgenden Burgen wird Gaildorf erwähnt:

    Comburg

    Aktualisierung

    Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 17.09.2014


    Fußnoten

    [1]Der in Kursiv geschriebene Textabschnitt basiert auf eigenen Beobachtungen. Literaturhinweise oder Informationen im Internet wurden dazu nicht gefunden. Das Veröffentlichen und Verbreiten der Informationen ist sowohl in digitaler Form, wie auch in Printform oder im Internet nur als Zitat mit Verweis auf den Autoren und die Website, bzw. die App erlaubt.

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