Mägdeburg, Mägdeberg

Burg Mägdeburg, Mägdeberg

Deutschland / Baden-Württemberg

Die Mägdeburg liegt auf einem ehemaligen einzelnen Vulkan. Die Burg stammt aus der Zeit zwischen 1235 und 1240. Heute ist sie eine eindrucksvolle Ruine, die teilweise gut erhalten geblieben ist. Sehenswert sind vor allem der Rondellturm am Tor und die Überreste in der Kernburg. Die Burg ist heute teilweise stark verwuchert. Von der Kernburg eröffnet sich eine weite und schöne Aussicht über die Umgebung, die den Bau der Burg an dieser Stelle erklärt. Burg Mägdeburg lädt heute mit ihrem urigen Auftreten zum Erkunden und Verweilen ein.

Adresse

Burg Mägdeburg, Mägdeberg
78259 Mühlhausen-Ehingen
Parken: Parkplatz, kostenlos

Kurzinfo

Punkte:
Zustand: Ruine
Burgtyp: Gipfelburg
Nutzung: -
Lage: 660 m.ü.NN.
Sonnenlicht: 03:48-19:13 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten: offen
Eintrittspreise: frei

Baubestand & Beschreibung

Burg Mägdeburg, auch Mägdeberg genannt, liegt auf einem Bergkegel unweit der großen Festung Hohentwiel. Ursprung der Anlage war eine kleine Kernburg, die auf dem höchsten Punkt des Berges lag. Der Kernburg war eine Vorburg vorgelagert, die im Laufe der Jahrhunderte vergrößert wurde. Mit den letzten Ausbauten erhielt die Burg vier Zwinger, die die Kernburg vor allem nach Süden und Westen hin einrahmten und zu den Angriffsseiten schützte.
Burg Mägdeburg ist heute nur noch partiell erhalten. Vor- und Kernburg lassen noch Gebäudereste und Wehranlagen erkennen. Die Zwinger hingegen sind größtenteils verschwunden. Zum Tal hin wies die Burg an der Zugangsseite einen Zwinger mit Torhaus und Torzwinger auf, der fast unkenntlich geworden ist. Gut erhalten hingegen sind die Tore in den inneren Zwingern, in der Vorburg, sowie in der Kernburg. Das Tor zwischen Weg- und innerem Zwinger wird heute noch durch einen Flankierturm gesichert. Der Turm wurde als Schalenturm ausgebaut und war von der Rückseite mit Holz verkleidet um den Turm anzünden zu können, sofern sich der Gegner in diesem verschanzt hat. Über zwei dahinter liegende Torzwinger führt der Weg über gut erhaltene Tore in die Vorburg.
Die Vorburg entstand mit der Kernburg zusammen um 1240. Um 1479 wurde sie von den Württembergern ausgebaut und vergrößert. Um 1490 und 1500 entstand ein Batterieturm, bzw. ein Rondell an der Südostecke, der heute neben dem Schalenturm an der Westseite zu den besterhaltenen Elementen der Burg gehört. Der Geschützturm ist größtenteils erhalten und lässt sich von der Vorburg aus genauer betrachten. Noch sehr gut zu erkennen sind die Kanonscharten, sowie die dicken Außenmauern. Daneben lassen sich Gebäudereste zweier Bauten erahnen, die vor allem zur Hoffassade hin nur noch kniehoch erhalten sind. In der äußeren Wehrmauer, an der die Bauten lehnten, sind noch Fenster vorhanden. Der Rest der Vorburg wirkt leer und weist keine weiteren Reste von Gebäuden auf. Fensterlaibungen und Balkenlöcher deuten an den äußeren Wehrmauern auf weitere Bauten hin. Von dem Schloss, das in späterer Zeit in der Vorburg entstanden ist, fehlt heute jede Spur.
Die Kernburg von Mägdeburg bildet den höchsten Punkt der Wehranlage. Der Weg führte über einen Torturm von der Vorburg auf den Hof der Kernburg. Durch zahlreiche eingestürzte Kellergewölbe weist die Kernburg heute keinen gleichmäßigen ebenen Boden auf und ist somit teilweise schwer nachvollziehbar. Noch gut zu erkennen ist der Torturm, der bis in die 1820er eine Burgkapelle in seinem oberen Stockwerk trug, von der noch die Fensteröffnungen mit Bögen erhalten geblieben sind. Ebenfalls gut erkennbar ist der Palas, bzw. dessen Grundmauern und Fundamente. Der Rest der Kernburg wirkt größtenteils leer und ist wie viele Elemente der Burg leicht verwuchert.
Von dem touristischen Aspekt her ist Burg Mägdeburg angenehm. Die Anlage liegt auf einem hohen Berg und weist in alle Richtungen weite Aussichten auf. Mit zahlreichen erhalten Elementen sorgt die Anlage an verschiedenen Stellen für kleine Überraschungen.

Historie

Burg Mägdeburg wurde auf einer ursprünglichen Kultstätte errichtet. Der Berg trug früher den Namen "Berg der Jungfrauen". Zwischen 1235 und 1240 wird die Anlage als "castrum Megideberc" nach einem Brand des Klosters Mühlhausen durch den Abt von Reichenau erbaut und urkundlich erwähnt. Ab 1337 war Mägdeburg im Besitz der Reichenauer Ministerialfamilie von Dettingen. Nach 1343 wollten die Grafen von Württemberg und die Herzöge von Österreich die Anlage kaufen um ihre Macht im Hegau zu sichern. Der Abt Eberhard verkaufte 1358 die Burg und das Land an die Herzöge Rudolf, Friedrich, Albrecht und Leopold von Österreich. Ein Jahr später, 1359 verkaufte er Graf Eberhard und Graf Ulrich von Württemberg die Burg samt Land. Es kam so zu einem Doppelverkauf der Anlage zeitgleich an zwei Parteien. Dieses illegale Geschäft blieb folgenlos, die Württemberger übernahmen die Burg. 1376 lag der Graf von Württemberg in einer Fehde mit den oberschwäbischen Städten. Diese zogen, vor allem Konstanz, 1378 in den Krieg gegen die Burg und zerstörten sie. Die Städte setzten dabei erstmals Feuerwaffen auf einer Burgbelagerung ein. Bis 1479 blieb Mägdeburg eine Ruine.
1479 kam es zu einer Fehde zwischen den Herren von Fridingen-Krähen und dem württembergischen Herzog. Der Herzog ließ Hohenkrähen belagern und baute Mägdeburg zur Belagerungsburg aus. Kurze Zeit später forderte Sigmund von Österreich die Übergabe der Mägdeburg an Österreich aufgrund des 1358 abgeschlossenen Kaufvertrags. Württemberg weigerte sich, es kam zu einer Belagerung durch 3.000 Österreicher und 400 Reiter. Die Belagerung blieb erfolglos. 1481 verzichtete der Herzog Eberhard von Württemberg auf die Burg. Ab 1485 begann Österreich mit dem Ausbau der Burg. Für den Ausbau wurde Ritter Jörg von Trebessen ausgesucht, der die Anlage auf Kosten des Erzherzogs von Österreich wieder herstellen ließ.
1497 verpfändete Kaiser Maximilian I. die Burg an Hofkanzler Dr. Konrad Stürzel für einen Darlehen von 1.900 Gulden. Das Geld wurde zum weiteren Ausbau verwendet. Um 1500 war die Anlage fertiggestellt. 1512 wurde Hohenkrähen (die benachbarte Burg) zerstört. Das dazugehörige Land fiel 1518 an Österreich und somit in das Gebiet Mägdeburgs. Österreich vergab Land und Burg als Lehen. Anschließend gab es mehrere Besitzer. Ab 1528 waren die Herren von Reischach, 1657 die Herren von Rost und 1774 die Grafen von Enzenberg Besitzer. Noch vor 1528 soll ein Schloss in der Südostecke im Zwinger entstanden sein. 1633 plünderten schwedische und württembergische Soldaten die Burg. 1634 ließ Kommandant Widerhold von Hohentwiel aus Mägdeburg und Hohenrkähen niederbrennen und schleifen, um Sammelplätze für gegnerische Truppen von der Festung fern zu halten. Ab 1650 wurde die Burg notdürftig wieder aufgebaut und um 1700 endgültig aufgegeben. Die Inhaber derer von Rost zogen nach Mühlhausen. Zwischen 1770 und 1774 wurde das Schloss in der Burg abgebaut. Die Burgkapelle im Torturm war noch bis zu ihrem Einsturz ca. 1820/1830 in Betrieb. Anschließend begann der Abbruch der Burg durch die Bevölkerung.

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Anfahrt

Burg Mägdeburg / Mägdeberg liegt westlich der Ortschaft Mühlhausen-Ehingen. Über die A98 Ausfahrt "Singen", direkt hinter dem Autobahnkreuz Hegau A81/A98 auf die L191 nach Mühlhausen-Ehingen. Innerorts von der Hauptstraße in den Duchtlinger Steig abbiegen. Dieser geht in die Straße "Mägdeberg" über. Der Parkplatz befindet sich unterhalb des Burgbergs.

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Burgenarchiv.de
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Literatur

- Friedrich-Wilhelm Krahe, "Burgen des deutschen Mittelalters- Grundriss-Lexikon", Stürtz Verlag, 2000, Würzburg, ISBN: 3-88189-360-1
- Diverse, Herausgeber: Karl Seith, Max Miller, "Historische Stätten VI- Baden-Württemberg- 6. Band", Alfred Kröner Verlag, 1965, Stuttgart
- Diverse, Herausgeber: Dt. Burgenvereinigung, "Burgen in Mitteleuropa- Ein Handbuch", Konrad Theiss Verlag GmbH, 1999, Stuttgart, ISBN: Bestellnummer 14464-3
- Dr. Michael Losse und Hans Noll, "Burgen, Schlösser Festungen im Hegau", Michael Greuter Verlag, 2006, Hilzingen, ISBN: 3-938566-05-1

Aktualisierung

Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 26.01.2012


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