Plesse

Burg Plesse

Deutschland / Niedersachsen

Die Burgruine Plesse thront auf einem Sporn hoch über der Ortschaft Bovenden. Schon 1500 vor Christus war dieser Ort besiedelt und mit Hügelgräbern versehen. Die heutige Anlage existiert seit 1015 und wurde im Laufe der Zeit immer wieder ausgebaut. Sehenswert ist vor allem der eindrucksvollen Bergfried. Ihm zu Füßen befinden sich die Ruinen zahlreicher Gebäude, sowie ein weiterer wiederaufgebauter Turm.
Die große Anlage, in der sich heute eine Gastronomie befindet, lädt zum Entdecken und Entspannen ein. Durch den nahe gelegenen Parkplatz im Halsgraben ist Burg Plesse schnell erreicht.

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Adresse

Burg Plesse
Rittersteig 99
37120 Bovenden
Parken: Parkplatz, kostenlos

Kurzinfo

Punkte:
Zustand: Ruine
Burgtyp: Spornburg
Nutzung: Gastronomie
Lage: 350 m.ü.NN.
Sonnenlicht: 03:27-19:25 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten: ganzjährig
Außenanlage, Burghof: offen
mehr
Eintrittspreise: Außenanlage, Burghof: frei
Gebäude: Gastronomie

Baubestand & Beschreibung

Auf einem südwestlichen Ausläufer des Wittenbergs thront oberhalb des kleinen Ortes Bovenden die Burg Plesse. Sie liegt auf einem über 350 m hohen Bergsporn mit weiter und schöner Sicht über das Leinetal. Der Name Plesse stammt vermutlich von dem farblosen, blassen (Blässe) Gestein, auf dem sie steht. Eine andere Theorie geht davon aus, dass der Name sich von dem Wort Platz ableitet.
Burg Plesse ist mit einer Gesamtlänge von über 140 m recht groß. Sie wird durch einen mächtigen Halsgraben vom Rest des Berges getrennt und liegt auf einem Bergsporn der zu drei Seiten steil abfällt. Im 15. Jahrhundert wurde sie mit Festungselementen ausgebaut, sodass man heute auf eine Mischung von Gebäuden aus unterschiedlichen Epochen stößt.
Die große Burganlage besteht aus mehreren Abschnitten. Sie besitzt eine äußere Wehranlage, eine große Vorburg und eine Kernburg, die wahrscheinlich unterteilt war. Es gab mindestens drei Tore, die durchlaufen werden mussten, um in das Innere der Anlage zu gelangen. Im Laufe der Jahrhunderte ist relativ viel Bausubstanz verschwunden, doch lassen sich die wesentlichen Elemente durch Sicherung und Konservierung noch sehr gut erkennen.

Äußere Wehranlage
Der Zugang erfolgt heute von Osten her. Die Zufahrtsstraße wurde durch den Graben gelegt, der ursprünglich tiefer war. Von hier eröffnet sich der Blick auf das Untere Tor mit Rondell, vor dem ursprünglich ebenfalls ein Graben lag, über den eine Zugbrücke führte. Der Graben wurde im Laufe der Zeit verfüllt, um einen ebenerdigen Zugang zu bieten.
Über dem spitzbogigen Eingang des Unteren Tors thront das Wappen der Familie von Plesse. Der eigentümliche, rund wirkende Bau diente nicht nur als Tor, sondern auch als Artillerieturm, der für die Benutzung der ersten Feuerwaffen im 15. Jahrhundert errichtet wurde. Das Bauwerk war ursprünglich bedeutend höher als heute. Der Torbau gab die Möglichkeit den Bereich um das Tor zu flankieren und unter Beschuss zu nehmen.
Rechts vom Tor geht Richtung Norden die äußere Ringmauer der Vorburg ab. Auf dem höchsten Punkt lässt sich ein Halbschalenturm erkennen, von dem sowohl Halsgraben, wie auch Bergrücken und der Bereich vor dem Tor mit größeren Geschützen unter Beschuss genommen werden konnte.
Rechts von dem Halbschalenturm beginnt die nördliche Wehranlage. Sie schützte die Burg nach Norden und Nordwesten, da hier das Gelände die Möglichkeit für einen Angriff bot. Die Nordseite wurde durch eine ausgedehnte Zwingeranlage eingenommen, die auch erst im 15. Jahrhundert entstanden ist. Es handelte sich um den sogenannten Catzengarten und den Corridor. Von ihnen lassen sich nur noch Geländespuren erkennen. An der Nordwestecke geht von der Bastion Eichsfeld eine Mauer ab, die auf den äußeren Mauerverlauf und die Dimensionen des Corridors und des Catzengartens hinweisen.

Vorburg und Vorhof
Hinter dem Unteren Tor mit dem Rondell befindet sich auf der rechten Seite die Vorburg. Der Weg führt weiter an der südlichen Ringmauer entlang zum Mittleren Tor. Vor dem Mittleren Tor befand sich ursprünglich der Vorhof.
Die Vorburg nimmt den höchsten Platz des Burgbergs ein und stellt damit eine Seltenheit dar. Sie wurde im Zuge des 15. Jahrhunderts auf Feuerwaffen ausgelegt und dementsprechend umgebaut. In der Vorburg lassen sich die Reste des ehemaligen Halsgrabens erkennen, der vor Entstehung der Vorburg hier lag.
Einen Großteil der Vorburg nahm der sogenannte Caningarten ein, der sich vermutlich von dem Wort Kanonengarten ableitet. Wahrscheinlich wurde die leere Vorburg, die anscheinend keine Gebäude aufwies, zur Aufstellung von Geschützen genutzt. Ihre hohe Lage gab die Möglichkeit ein größeres Umfeld unter Beschuss zu nehmen. [1]
Zwischen der Vorburg und dem Mittleren Tor befindet sich der Vorhof. Es handelt sich um einen kleinen Torzwinger, der von der Kernburg aus vollständig beschossen werden konnte. Auch die Vorburg konnte von der Kernburg aus vollständig unter Beschuss genommen werden, sollte sie in die Hände des Feindes gefallen sein.

Mittleres Tor und Mittelhof
Das Mitteltor verbindet die Vorburg und den Vorhof mit dem Mittelhof. Es handelt sich um eine spitzbogige Doppeltoranlage in Form eines Torturms. Im Torbau lassen sich noch die alten Torhalterungen und das originale Straßenpflaster erkennen. Eine Treppe führt auf der rechten Seite zu dem wiederaufgebauten Obergeschoss. Im Mitteltor hat man bei Restaurationsarbeiten einen eingemauerten Sarg mit Kinderleiche entdeckt. Es gab den Brauch ein Kind einzumauern, um die Burg vor Unheil zu schützen.

Mittelhof, Burggarten und Eichsfeld
Hinter dem Mitteltor führt der Weg rampenförmig durch eine Zwingeranlage hoch auf den Mittelhof. In der Zwingeranlage wurde der Burggarten angelegt, der aus unzähligen kleinen Beeten besteht, in denen zahlreiche Pflanzen für Heilmittel und Küche wachsen. An der äußeren Ringmauer lässt sich oberhalb des Burggartens ein rekonstruierter Wehrgang erkennen, der wahrscheinlich auf dieser Höhe verlief.
Der Weg mündet hinter dem Burggarten auf dem Mittelhof, auf dem wahrscheinlich nur ein Gebäude stand. An der Westseite zum Tal hin soll sich das Backhaus befunden haben. Der Mittelhof diente hauptsächlich dazu das Mitteltor mit dem Oberen Tor und der Bastion Eichsfeld zu verbinden. Der gesamte Mittelhof konnte vom Kleinen Turm unter Beschuss genommen werden. Im Norden grenzt die ehemalige Kapelle Sankt Peter und Paul an. Direkt neben der Kapelle führt heute der Weg in die Kernburg. Hier stand ursprünglich das Obere Tor.
Die Nordwestseite wird durch die Bastion Eichsfeld eingenommen. Sie ist der Burg zum Tal hin vorgelagert und gab die Möglichkeit das Feuer in diese Richtung zu eröffnen. Am nördlichen Ende steht heute die Goethe-Linde. Sie ist ein Denkmal an die Erinnerung des Besuchs von Goethe am 12. August 1801.

Kernburg
Die Kernburg ist der älteste Bereich der Burg Plesse. Es gab mehrere Gebäude, sowie zwei eindrucksvolle Türme, die sich heute noch erhalten haben. Ihr Ursprung liegt im 10. Jahrhundert doch soll man erst im 12. Jahrhundert mit dem Bau von Steingebäuden begonnen haben. Die Bauwerke haben sich in unterschiedlichen Verfallsstadien erhalten und sind teilweise gänzlich verschwunden.

Kernburg - Bergfried
Der Bergfried, auch Großer Turm genannt, ist das eindrucksvollste Gebäude der Burg Plesse. Ursprünglich war der Turm 30 m hoch, wurde aber 1542 um 7 m gekürzt, sodass er heute noch eine Höhe von 23 m aufweist. Grund für die Kürzung war die Angst, dass der Turm unter Kanonenbeschuss einstürzen und andere Gebäude bzw. die äußeren Wehrmauern der Burg mit seinen Trümmern beschädigen könnte. Im Mittelalter diente er mit seinen 4,24 m dicken Außenmauern als Schildmauer und lag zur Hauptangriffsseite hin.
Der Bergfried hat einen eindrucksvollen Durchmesser von 15,26 m. Sein ursprünglicher Eingang befindet sich auf 10 m Höhe. Er ist dem Hof zugewandt und soll über eine Brücke nur vom obersten Stockwerk des Älteren Herrenbaus zugänglich gewesen sein. Der Zinnenkranz auf der Spitze ist neueren Datums. Auch die Eisenringe, die den Turm heute sichern, sind Produkte der Sanierungs- und Konservierungsarbeiten der Neuzeit. Im Obergeschoss lassen sich nach Nordosten hin ein erhaltener Erker und die Spuren eines weiteren Erkers erkennen, die wahrscheinlich aus der Zeit der Restauration im 19. Jahrhundert stammen.
Von der Kernburg aus sind die unterschiedlichen Steine aus den unterschiedlichen Epochen sehr gut zu sehen. Der untere Bereich stammt aus dem 12. Jahrhundert und besteht aus großen Steinquadern. Der obere Teil wurde wieder vollständig aufgebaut und ist eine Restaurierung aus dem 19. Jahrhundert. Hier lässt sich vor allem Bruchsteinmauerwerk erkennen.
Der Turm ist frei begehbar. Von seiner Spitze eröffnet sich eine weite und schöne Aussicht über das Land. Im April 2014 wurde der Turm aufgrund der einsturzgefährdeten Treppe im Inneren gesperrt. Im Februar 2015 folgte der Entscheid des Bundeslandes die Wiederherstellung der Treppe zu finanzieren.

Kernburg - Kleiner Turm
Der Kleine Turm steht an der Westseite der Kernburg und ist mit seinem weißen Anstrich schon aus weiter Ferne deutlich zu erkennen. Das filigrane Gebäude ist 22 m hoch und hat einen Durchmesser von 7 m. Die Mauern sind 2,25 m dick. Auch sein Eingang lag auf 10 m Höhe und war nur von der Kernburg aus erreichbar. Er diente folglich genau wie der Große Turm auch als Bergfried.
Der Kleine Turm diente ursprünglich zur Überwachung der Umgebung. Es handelte sich also um einen Wartturm. Das oberste Stockwerk wurde durch eine Wachstube eingenommen. Das Dach wurde einer Zeichnung von 1605 nachempfunden, sodass man heute davon ausgehen kann, dass der Turm vor 400 Jahren so ähnlich aussah wie heute. Auch er wurde mit Eisenringen in der Neuzeit gesichert, so wie es bei dem großen Bergfried der Fall ist.

Kernburg - Burgkapelle
Direkt neben dem Kleinen Turm liegt die Burgkapelle Sankt Peter und Paul. Sie verfiel im Laufe der letzten Jahrhunderte, sodass sich nur wenige Elemente erhalten haben. Der Eingang liegt an der Nordwestseite, direkt neben dem Kleinen Turm. Es handelt sich um ein spitzbogiges Tor, an dem sich noch Reste typischer Verzierungen erkennen lassen. Zum Hof hin lässt sich ein Anbau finden, bei dem es sich um die Kanzlei handelte.
Ihr heutiges Aussehen erhielt die Burgkapelle 1486. Zu diesem Zeitpunkt wurde sie gotisch umgebaut, was sich heute teilweise noch erkennen lässt. Neben typisch sakralen Verzierungen haben sich im Mauerwerk an den Ecken Eckquader erhalten. Die Kapelle ruht auf den Fundamenten eines Gebäudes aus dem 7. Jahrhundert vor Christus, die Brandspuren aufweisen. Der Berg war folglich schon in vorchristlicher Zeit an dieser Stelle bebaut.

Kernburg - sonstige Gebäude
Zwischen dem Kleinen Turm und dem Großen Turm befindet sich die Kernburg, die aus zahlreichen Gebäuden bestand. An der Nordseite lagen der Marstall, der Mittelbau und der Ältere Herrenbau. An der Südseite standen die Holzhalle, der Küchenbau und der Jüngere Herrenbau. Die Ostseite nahmen Wirtschaftsgebäude ein. Alle Bauwerke außer den Türmen lehnten an der äußeren Ringmauer an. Zwischen ihnen eröffnete sich ein großer Hof.
An der Stelle des Älteren Herrenbaus steht heute die Gaststätte. Die Hoffassade besitzt im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss gleichmäßige Fenster. Das zweite Obergeschoss unter dem Dach weist nur Schießscharten für Feuerwaffen auf. Die Hoffassade ist eine verfälschte Rekonstruktion. Ursprünglich stand hier laut einer Zeichnung von Wilhelm Dilich von 1605 ein kleineres Gebäude mit Satteldach. An der Südostecke befindet sich zwischen Älterem Herrenhaus und dem Bergfried ein kleines Tor, das wahrscheinlich ebenfalls ein verfälschter Wiederaufbau ist. [1]
An der Westseite des Älteren Herrenhaus (links vom Hof aus gesehen) stand der Mittelbau. Es lässt sich an der äußeren Westwand des Älteren Herrenbaus noch ein Kamin erkennen, der zum Obergeschoss des Mittelbaus gehörte. Rekonstruierte Fundamente verweisen auf die Größe des Gebäudes.
Der daneben liegende Marstall ist das jüngste Gebäude der Burg. Er entstand 1605 und war die letzte bauliche Tätigkeit auf Burg Plesse während ihrer militärischen Nutzzeit. Von dem Gebäude haben sich nur Schutthügel und wieder aufgebaute Fundamentmauern erhalten. Das Bauwerk soll laut einer Zeichnung von 1605 ein sehr hohes Dach gehabt haben, was auf die Nutzung als Fruchtkasten oder Speicher hindeutet.[1]
Die Südseite der Kernburg wird vor allem durch den Eingangsbereich am ehemaligen Oberen Tor eingenommen. Zwischen dem Tor und dem Großen Turm fehlen Teile der äußeren Ringmauer der Kernburg. Hier befanden sich ursprünglich der Jüngere Herrenbau, anscheinend später als Frauenhaus genutzt, der Küchenbau und die Holzhalle. Alle drei Gebäude sind bis auf wenige Fundamente vollständig verschwunden. Es soll sich um Bauwerke mit mindestens zwei Stockwerken und einem Fachwerkaufsatz gehandelt haben, die unterkellert waren. Von hier zog sich wahrscheinlich ein Gebäudeschlauch um den Großen Turm herum. Zumindest vermutet Justus Harth dies 1979 in einer Rekonstruktionszeichnung.

Kernburg - Brunnen
Über den Brunnen der Burg Plesse gibt es zahlreiche Sagen und Legenden. Einer Sage nach soll der Brunnen so tief gewesen sein, dass die Eimerkette von der Burg bis zur Ortschaft Bovenden reichte. Einer anderen Sage nach führte an der Stelle des Brunnens ein Gang zur Quelle Mariaspring, die nordwestlich der Burg liegt. Eine weitere Legende erzählt davon, dass im Brunnen ein unterirdischer Weg zum Ort Eddigehausen verlief. Tatsächlich gibt es Akten von 1802, die besagen, dass ein unterirdischer Geheimgang von der Burg in den Keller eines der Gebäude in Eddigehausen führen soll. Bis heute sucht man archäologisch den legendären Brunnen, der im Laufe der letzten Jahrhunderte verschüttet wurde. Sein Standort ist bisher unbekannt (zumindest unserer Recherche nach. Über genauere Infos würden wir uns sehr freuen).

Fazit
Burg Plesse ist eine in ihrer Art einzigartige Anlage. Sie wurde im Laufe der Burgenromantik und der Zeit danach wieder aufgebaut, wodurch es teilweise zu Verfälschungen kam. Ihre Weitläufigkeit, die eindrucksvollen Türme und die schöne Aussicht laden sehr zum Verweilen ein. Ein Besuch lohnt sich.

Historie

In der Bronzezeit zwischen 1500 vor Christus und 1000 vor Christus diente der Bergsporn Plesse als Bestattungsort mit Hügelgräbern. 1855 fand man bei archäologischen Untersuchungen zwei Beile aus Bronze. 1983 wurden bei Ausgrabungen in der Kapelle Mauern entdeckt, die auf einem Brand in der Zeit um 600 vor Christus hindeuten. Der Berg war folglich zu dieser Zeit schon bebaut.
Die heutige Burg Plesse stammt aus der Zeit um ca. 1000 und wurde vermutlich durch die Grafen von Reinhausen-Winzenburg errichtet. Am 15. September 1015 kommt es zur ersten urkundlichen Erwähnung. Die Anlage befindet sich zu diesem Zeitpunkt im Besitz von Bischof Meinwerk von Paderborn, der die Burg bei der Weihe der Domkirche zu Paderborn der Kirche übergibt.
1138 wird ein Hermann II. von Winzenburg als Graf von Plesse schriftlich genannt. Zwischen 1150 und 1170 sterben derer von Winzenburg aus und die Herren von Höckelheim übernehmen Plesse als Verwalter. Sie erklären sie zu ihrer Stammburg.
1192 erhält Kaiser Heinrich VI. die Wehranlage, nachdem er sie gegen die Burg Desenberg eingetauscht hat. 1195 wird das Tauschgeschäft rückgängig gemacht und die Anlage wechselt aus dem Besitz der Kirche wieder in den Besitz des Kaisers. Zeitgleich benennen sich derer von Höckelheim in derer von Plesse um.
Nach 1200 kommt es zu ständigen Auseinandersetzungen über die Besitzverhältnisse der Plesse. Man weigert sich sich dem Herzogtum Braunschweig anzuschließen, sodass die Herrschaft Plesse zu einem eigenständigen Herzogtum, also reichsfrei, wird. Die Größe der damaligen Herrschaft entsprach der heutigen Gemarkung Bovenden und war ca. 60 qkm groß.
1247 geben derer von Plesse (ehemals von Höckelheim) ihre alte Stammburg in Höckelheim auf und lassen sie in ein Zisterzienserinnenkloster umbauen. Zeitgleich wird es ihre Familiengrablege. 1447 übertragen derer von Plesse (ehemals von Höckelheim) die Burg an den Landgrafen von Hessen, der als Gegenleistung den Herren von Plesse die Burg als Erblehen übergibt. Derer von Plesse sind den Handel eingegangen, da sie einen starken Partner gegen das Herzogtum Braunschweig benötigten, das die Ländereien um Plesse vollständig besaß.
Um 1480 beginnt der Ausbau der Anlage gegen Feuerwaffen. Es entsteht an der Stelle eines Vorgängerbaus der Kleine Turm. Zudem wird von 1485-1486 die Burgkapelle im gotischen Stil umgebaut. Zur gleichen Zeit, also in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, entsteht das Torrondell am Unteren Tor.
1542 wird der Große Turm um 7 m gekürzt, damit er nicht durch Artilleriebeschuss einstürzen kann. Am 22. Mai 1571 stirbt mit Dietrich IV. von Plesse der Mannesstamm der Familie aus. Am 24. Mai geht das Erbe der Herren an den Landgrafen Wilhelm IV. von Hessen-Kassel. 1584 folgte die Auflösung des Klosters in Höckelheim. Das alte Kloster wird abgebrochen und ist heute nicht mehr existent.
1605 kommt es zu letzten baulichen Änderung der Burganlage. Es entsteht der Marstall neben dem Mittelhaus. Ab 1624 verweilte der Landgraf Moritz von Hessen öfters auf der Burg und nimmt im 30-jährigen Krieg die Dorfbewohner in der Anlage auf. 1627 kommt es zu einer Belagerung durch kaiserliche Truppen, nach der Plesse an Georg II. von Hessen-Darmstadt fällt.
Ca. 1660 zieht das Amt von der Burg in den Ort Bovenden. Die Burg überlässt man dem Verfall. In der Folgezeit dient sie als Steinbruch für die umliegenden Bewohner. Erst 1760 entdeckt man sie als romantisches Ausflugsziel, sodass immer mehr Touristen die Burg aufsuchen. 1801 wird von dem Philosophieprofessor Christoph Meiners der erste Burgführer veröffentlicht. Am 12. August 1801 verweilte auch Johann Wolfgang von Goethe auf der Anlage.
1807 wird die Plesse nach französischer Besetzung dem Kanton Bovenden des Königreichs Westfalen zugesprochen. 1813 geht sie nach dem Zusammenbruch des Königreichs Westfalen an das Kurfürstentum Hessen, wird aber 1815 durch Bestimmung des Wiener Kongresses dem Königreich Hannover übergeben. Am 1. Mai 1817 tritt die Absprache in Kraft. Es folgen anschließend erste Sicherungsmaßnahmen.
1821 wird erstmals die Anlage saniert. Der Kleine Turm wird gesichert. Am 19. September 1853 besuchen der blinde König Georg V. und die Königin Marie von Hannover die Burg Plesse und sind von der Anlage dermaßen begeistert, dass sie für ihren Erhalt und ihre Restaurierung Gelder fließen lassen. Otto Prael führte das Königspaar durch die Burg. Bis 1864 kommt es zu mehreren Eingriffen in der Bausubstanz. Auf ausdrücklichen Wunsch des Königs wird auch eine Gaststätte errichtet. Am 27. Juni 1866 geht das Königreich Hannover nach verlorenem Krieg an Preußen. Somit wird auch die Burg preußisch.
1909 kommt es zu weiteren Sicherungsarbeiten. 1946 wird die Burg Eigentum des Landes Niedersachsen. Der Förderverein wird 1978 gegründet. In jenem Jahr wird die Burg auch unter Denkmalschutz gestellt. Es folgt 1980 die Restauration des Herrenbaus und die Freilegung der Gewölbe. Auch die Gaststätte wird renoviert. Zwischen 1993 und 1996 kümmert man sich um den Großen Turm.
2005 wird das Restaurant ein weiteres Mal restauriert und neu eröffnet. Im April 2014 ist im Bergfried die Treppe einsturzgefährdet. Im Februar 2015 folgt der Entscheid, dass das Land Niedersachsen für die Sanierung des Großen Turms 600.000 € bereitstellt.

Events in der Nähe

Zu dieser Burg und den Nachbarburgen liegen uns keine Veranstaltungen vor. Sie können hier gerne eine eintragen:

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Anfahrt

Von der A7 über die Ausfahrten Nörting-Hardenberg im Norden oder Göddingen-Nord im Süden abfahren. Auf die B3 Richtung Bovenden wechseln und in Bovenden abfahren Richtung Eddigehausen. An Eddigehausen vorbei Richtung Reyershausen und der Ausschilderung zur Burg Plesse folgen.

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Burgenarchiv.de
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Literatur


- Diverse, Herausgeber: Georg Dehio, "Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler - Bremen, Niedersachsen", Deutscher Kunstverlag, 1977, München, ISBN: 3422003487
- http://www.burgen.ausflugsziele-harz.de/ausflugsziele-sehenswertes/burg-schloss/burg-plesse.htm - letzter Aufruf: 09.04.2015
- http://www.schuster-heiligenstadt.de/Burg_Plesse.pdf - letzter Aufruf: 09.04.2015
- Informationstafel

Aktualisierung

Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 10.05.2015


Fußnoten

[1]Der in Kursiv geschriebene Textabschnitt basiert auf eigenen Beobachtungen. Literaturhinweise oder Informationen im Internet wurden dazu nicht gefunden. Das Veröffentlichen und Verbreiten der Informationen ist sowohl in digitaler Form, wie auch in Printform oder im Internet nur als Zitat mit Verweis auf den Autoren und die Website, bzw. die App erlaubt.

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