Schönburg

Burg Schönburg

Deutschland / Rheinland-Pfalz

Burg Schönburg stammt ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert und wurde im Laufe der Zeit immer wieder erweitert. Die Anlage teilte man unter den Erben kontinuierlich auf, sodass sie zeitweise über 95 Besitzer hatte. Mehr als acht Familien lebten auf Schönburg, so dass unzählige Wohngebäude, drei Bergfriede und eine der mächtigsten Schildmauern Deutschlands entstanden.
Obwohl die Anlage im Laufe der Neuzeit sehr stark entfremdet und verbaut wurde, laden die teilweise eindrucksvollen Überreste zu einem Besuch ein.

Adresse

Burg Schönburg
Schönburg
55430 Oberwesel
Parken: Parkplatz, kostenlos

Kurzinfo

Punkte:
Zustand: Halbruine
Burgtyp: Spornburg
Nutzung: Hotel
Lage: 160 m.ü.NN.
Sonnenlicht: 03:17-19:45 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten: saisonal
Außenanlage, Burghof: offen
mehr
Eintrittspreise: Außenanlage, Burghof: frei
Gebäude: Hotel

Baubestand & Beschreibung

Auf einem schroffen Felsrücken zwischen dem Oberbachtal und dem Rheintal thront oberhalb von Oberwesel die Burg Schönburg. Die Anlage stammt ursprünglich aus dem 10. Jahrhundert und wurde aufgrund der schnell wachsenden Familie von Schönburg immer wieder erweitert. Bis heute haben sich zahlreiche eindrucksvolle Überreste erhalten, die seit Ende des 19. Jahrhundert mehrmals restauriert, umgebaut oder verändert wurden. Heute beherbergt die Burg ein Hotel, kann aber zum größtenteils von der Öffentlichkeit besichtigt werden. Highlight der Anlage ist die gigantische Schildmauer, die heute zu den mächtigsten Mauern Deutschlands gehört.
Die Burganlage war ursprünglich eine Garnerbenburg, auf der zu manchen Zeiten mehr als 50 Familienmitglieder wohnten. Sie wurde stetig erweitert, so das heute der gesamte Burgfelsen bebaut ist. Man teilt die Anlage in drei Höfe ein, die Unterer, Mittlerer und Oberer Burghof genannt werden. Während der Untere Burghof als Vorburg diente, wohnten die Mitglieder der Familie von Schönburg im Mittleren und Oberen Burghof.

Zugang
Der Zugang zur Burg erfolgt heute wie damals von Südosten her (Zufahrtsstraße) über den Bergrücken. Hierbei überquert man den tiefen Halsgraben über eine neuzeitliche Brücke, die zum Teil auf alten Fundamenten ruht. Ein weiterer Weg führt von Oberwesel über den auslaufenden Bergkamm (Wanderweg) an der Burg vorbei. Durch zwei Tore mit langen Torzwingern, von denen heute noch Reste erhalten sind, wurde dieser Zugang geschützt. Er lag direkt unterhalb der Burg und konnte von dieser aus beschossen werden. Beide Wege enden direkt vor der Schildmauer bzw. in der Vorburg.

Schildmauer
Die Schildmauer ist heute das eindrucksvollste Bauwerk der Burg Schönburg. Sie ist über 18 m hoch, ca. 60 m lang und mehr als 2,5 m dick. Bis heute gilt sie als eine der wehrhaftesten Schildmauern deutscher Burgen. Erstmals wird sie 1357 erwähnt, nachdem sie unter Erzbischof Balduin von Trier in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet wurde. Seit ihrer Entstehung trägt sie den Namen Hoher Mantel.
Grund für ihre Entstehung war das Gelände im Süden der Burg. Von hier ließ sich ohne Probleme Schönburg belagern und beschießen, so das man zum Schutz der gesamten Anlage die Schildmauer errichten ließ. Sie wurde so konstruiert, dass sie über drei stumpfe Winkel mit nur ca. 60 m Länge alle wichtigen Bereiche der Burg vor Beschuss schützte.
Die Mauer wird heute im typisch rheinländischen Stil durch einen Wehrgang mit Bogenfries auf der Mauerkrone abgeschlossen. Es lassen sich in und auf der Mauer noch Schießscharten erkennen, hinter denen Wehrgänge verliefen. Über diese ließ sich der gesamte Bereich vor der Burg unter Beschuss nehmen und somit der Zugang flankieren.
Der Eingang wird durch ein kleines rundbogiges Tor gebildet, das gut versteckt hinter einer Ecke am östlichen Ende der Schildmauer liegt. Durch die versteckte Lage war gewährleistet, dass das Tor aus der Entfernung nicht eingeschossen werden konnte. [1]

Vorburg, Unterer Burghof
Direkt hinter der Schildmauer lag ursprünglich die Vorburg, die auch Unterer Burghof genannt wird. Hier lassen sich mehrere Gebäudereste und Spuren der alten Wehrgänge erkennen. Der Bereich diente vor allem für Wirtschaftsgebäude, die für die Nahrungsmittelproduktion verantwortlich waren. An der Mauer zeugen noch Kragsteine und Gebäudespuren von anlehnenden Bauwerken. Heute stößt man hier auf Fachwerkbauten, die im Zuge des Wiederaufbaus seit Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sind. Der Weg führt direkt durch die Vorburg zum Tor des Mittleren Burghofs.

Mittlerer Burghof
Vom Unteren Burghof führt der Weg über einen Torturm in den Mittleren Burghof. Der Torturm ist 25 m hoch und diente zeitgleich aufgrund seiner Maße als Wohnturm. Er entstand vermutlich im 13. Jahrhundert und beherbergte seit seiner Entstehung Familienmitglieder derer von Schönburg. Am Tor lassen sich von der Vorburg aus zahlreiche Schießscharten und ein Gusserker erkennen, die Rekonstruktionen des 19. Jahrhunderts sind. Seit April 2004 beherbergt der Wohnturm ein Museum zur Burg.
Hinter dem Torturm eröffnet sich der Blick auf den Mittleren Hof. Der nördliche Bereich des Burghofs (links gesehen vom Eingang) wird durch den ehemaligen nördlichen Wohnkomplex eingenommen, der einen eigenen Bergfried aufwies. Es handelte sich um die ursprüngliche Nordburg, die aus dem 12. Jahrhundert stammt und somit der älteste Bereich der Burg Schönburg ist. Bevor der Obere und Untere Burghof errichtet wurden, diente der Mittlere Burghof als tiefer Halsgraben. Erst im 13. Jahrhundert wurde er eingeebnet, da er nicht mehr benötigt wurde. [1] Heute ist die ehemalige Nordburg wieder aufgebaut und stark entfremdet. Es lassen sich der Palas und die Ruine des Bergfrieds erkennen.
Der Palas wurde ursprünglich als Jugendburg wieder aufgebaut und trägt heute den Namen Kolpinghaus. Es handelte sich ursprünglich um ein trapezförmiges, mächtiges Gebäude, das in sich noch einmal unterteilt war. 1953 und 1962 wurde das Bauwerk restauriert und dabei entfremdet.
Ältestes Gebäude der Burg ist der ehemals fünfeckige, heute siebeneckige Bergfried. Zweitältester Bau war eine Schmiede, die sich direkt daneben befand. Der Turm hatte ursprünglich einen Durchmesser von 7,5 m und 2,2 m dicke Mauern. Bis heute hat sich nur die Hälfte des Turms erhalten, die aber noch sehr eindrucksvoll wirkt. Der Turm ist 1880 eingestürzt und wurde nicht wieder aufgebaut. Ursprünglich stammt aus dem 12. Jahrhundert und war höher als heute.
Die Südseite (rechts gesehen vom Eingang) wird von der Kapelle und der äußeren Wehrmauer des Oberen Burghofs eingenommen. Die heutige Kapelle ist eine Rekonstruktion von 1983. Es handelte sich um einen gotischen Sakralbau mit rippenlosem Chor. Das kleine Gebäude diente im Mittelalter als gemeinsame Kirche und durfte von allen Bewohnern der Burg gleichermaßen benutzt werden. Neben der Kirche führt eine Treppe in den Oberen Burghof.

Der Obere Burghof beherbergt heute das Hotel und ist daher für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Ursprünglich teilten sich zwei Familien den Oberen Burghof, so das auch zwei Bergfriede entstanden sind. Der südöstliche Turm diente ursprünglich als Gefängnisturm. Der südwestliche Bergfried wurde 1980 mit einem neuen Dach versehen und trägt seit Jahrhunderten den Namen Barbarossa-Turm. Er wurde nach Kaiser Barbarossa benannt, der mehrmals auf der Burg verweilte.
Der Obere Burghof ist heute durch das Hotel und den Wiederaufbau im 19. Jahrhundert stark entfremdet. Die Gebäude ruhen auf den Fundamenten älterer Bauwerke, so das man auf die Kemenate und den Palas stößt.
Der Palas wurde von Rhineländer gegen Ende des 19. Jahrhunderts restauriert. Durch seinen eigenwilligen roten Anstrich mit den weißen Fugen hebt sich das Bauwerk stark vom Rest der Burg ab. Historische Befunde und Reste der Bemalung an einer der Giebelwände beweisen aber, dass das Bauwerk ursprünglich in genau dieser Form bemalt war. Bei dem Wiederaufbau versuchte man sich entfernt an die alte Gestaltung zu halten, so das man heute beispielsweise auf neogotische Fenster stößt.

Flaggenwiese
Da der Felsrücken, auf dem Burg Schönburg steht, im Norden weitergeht, entstand im Laufe der Zeit ein kleines Vorwerk in diese Richtung. Vom Mittleren Burghof gelangt man über einen Pfad vorbei an der alten Schmiede auf das Vorwerk, das heute den Namen Flaggenwiese trägt. Auf der Wiese steht heute ein Flaggenmast, der dem Platz seinen Namen gab. Von hier eröffnet sich eine weite und schöne Aussicht auf Oberwesel und das Rheintal.

Fazit
Burg Schönburg gehört mit ihrer eindrucksvollen Schildmauer und den drei Bergfrieden zu den mächtigsten Burgen der Region. Sie zeigt deutlich, dass es hier zwischen den Lehnsherren und Herrschaften immer wieder angespannte Verhältnisse gab und man sich vor einem spontanen Überfall oder einer Fehde schützen musste.
Leider ist die Anlage heute durch die zahlreichen Umbauten und die gewerbliche Nutzung sehr stark entfremdet. Dennoch laden die herrlichen Aussichten, die eindrucksvollen Überreste und die verwinkelten Wege zum Entdecken und Besuchen ein. Die Schildmauer ist sehenswert!

Historie

Burg Schönburg wird erstmals 966 in einer Urkunde erwähnt, in der Kaiser Otto I. Burg und Region an das Erzbistum Magdeburg vergibt. Bis heute geht man davon aus, dass die Anlage durch das Erzbistum Magdeburg oder als Reichsburg unter dem Kaiser errichtet wurde.
1149 taucht die Anlage als Lehen von Hermann von Stahleck auf, der auf der Burg Otto II. von Rheineck ermorden ließ. Beide buhlten um das Lehen Pfalzgrafschaft bei Rhein, das Hermann von Stahleck für sich haben wollte.
1166 kaufte der Stauferkönig Friedrich I. (Kaiser Barbarossa) Burg Schönburg zurück und vergab sie an derer von Schönburg als Lehen. Fortan durfte die Adelsfamilie auch Zoll auf dem Rhein erheben, wodurch sie zu den reichsten Familien der Region aufstieg. Mit dem Reichtum wuchs auch die Familie, von der die meisten Mitglieder auf der Anlage lebten. So waren 1237 schon acht Familien der Schönburger vertreten, von denen Otto von Schönburg Verwalter unter König Friedrich II. war.
Im 14. Jahrhundert ging die Anlage in den Besitz von Kurtrier über. Derer von Schönburg blieben weiterhin Verwaltungsbeamte bzw. Reichsministeriale, deren Lehnsherr zukünftig der Erzbischof von Trier war. 1318 übernimmt der Erzbischof Balduin von Trier den Besitz. Unter ihm entsteht in der ersten Hälfte des 14. Jahrhundert der Hohe Mantel (Schildmauer), der die Burg fortan vor Beschuss schützen sollte.
Schon im 14. Jahrhundert war die Burg in drei Wohnbereiche aufgeteilt und besaß drei Bergfriede, die den einzelnen Linien derer von Schönburg gehörten. Die Kapelle wurde seit ihrer Entstehung in der Gotik gemeinsam genutzt. 1340 werden in einer Namensliste 95 Besitzer genannt, von denen einige auf der Burg leben. 1374 übernimmt der Erzbischof Kuno von Trier die Anlage, vergibt sie aber nach wie vor an derer von Schönburg als Lehen.
1531 wird Burg Schönburg als stark verfallen genannt, in der Folgezeit aber wieder repariert. 1689 kommt es zur Zerstörung durch die Franzosen. 1719 stirbt mit Friedrich von Schönburg die Adelsfamilie aus. Die Ruine geht in den Eigentum von Kurtrier über, wird aber 1796 durch die Franzosen erneut eingenommen und besetzt.
1842 ist sie im Besitz von Prinz Albrecht von Preußen, der die Anlage 1866 an seinen Pächter Theodor verkauft. Später wird sie an den Börsenmakler Rhinelander aus Amerika, dessen Familie ursprünglich aus Deutschland stammt, veräußert. Für 2 Millionen Goldmark ließ er zwischen 1885 und 1901 die Anlage wiederherstellen. Nach seinem Tod 1947 verkaufen seine Erben Burg Schönburg 1950 an die Stadt Oberwiese. Zwischen 1951 und 1953 wird das Kolpingwerk zur Jugendburg umgebaut und 1957 das Hotel errichtet. Mit dem Bau des Hotels treten starke Veränderung an der Burg auf.
Im April 2011 wird in dem Torhaus des mittleren Burghofs das Museum eingerichtet. Die Anlage ist heute Teil des UNESCO Welterbes des Mittelrheins.

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Anfahrt

Burg Schönburg liegt über Oberwesel. Von Wiesbaden, Mainz der B9 Richtung Koblenz bis Oberwesel folgen.
Bei Oberwesel der Ausschilderung zur Burg folgen. Vor der Burg parken und zu Fuß dem Weg weiter folgen.

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Gastronomie

Auf der Burg gibt es eine Gastronomie.

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Literatur

- Georg Dehio, "Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler - Rheinland-Pfalz, Saarland\", Deutscher Kunstverlag, 1984, Berlin, ISBN: 3-422-00382-7
- Friedrich-Wilhelm Krahe, "Burgen des deutschen Mittelalters- Grundriss-Lexikon", Stürtz Verlag, 2000, Würzburg, ISBN: 3-88189-360-1
- Flyer
- http://www.loreleytal.com/rheinburgen/links/schoenburg/ - letzter Aufruf: 02.10.2014

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Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 16.01.2015

Fußnoten

[1]Der in Kursiv geschriebene Textabschnitt basiert auf eigenen Beobachtungen. Literaturhinweise oder Informationen im Internet wurden dazu nicht gefunden. Das Veröffentlichen und Verbreiten der Informationen ist sowohl in digitaler Form, wie auch in Printform oder im Internet nur als Zitat mit Verweis auf den Autoren und die Website, bzw. die App erlaubt.

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