Obermanderscheid, Manderscheider Oberburg

Burg Obermanderscheid, Manderscheider Oberburg

Burg Obermanderscheid, Manderscheider Oberburg

Deutschland / Rheinland-Pfalz

Die Oberburg von Manderscheid, auch Obermanderscheid genannt, ist die kleinere und schlechter erhaltene Burg der Manderscheider Burgengruppe. Sie gehörte jahrhundertelang dem Erzbistum Trier, welches ständig im Streit mit den Herren von Manderscheid lag, die auf der Burg Niedermanderscheid lebten. Bis heute haben sich einige Außenmauern und der mächtige Bergfried erhalten, der mit seinem rautenförmigen Grundriss eine Seltenheit darstellt. Ein Besuch im Zusammenhang mit der Burg Niedermanderscheid lohnt sich!

Burg Obermanderscheid, Manderscheider Oberburg
Burg Obermanderscheid, Manderscheider Oberburg

Adresse

Burg Obermanderscheid, Manderscheider Oberburg 54531 Manderscheid Parken: im Ort, kostenpflichtig

Kurzinfo

Punkte:
Zustand:Ruine
Burgtyp:Spornburg
Nutzung:-
Lage:380 m.ü.NN.
Sonnenlicht:06:01-16:33 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten:offen
Eintrittspreise:frei

Baubestand & Beschreibung

Burg Obermanderscheid, Manderscheider Oberburg

Burg Manderscheid thront auf einer Bergkuppe aus Schiefer 80 m oberhalb des Tals der Lieser. Sie bildet zusammen mit der eindrucksvollen Burg Niedermanderscheid eine kleine Burgengruppe. Die beiden Burgen gehörten unterschiedlichen Besitzern, sodass es ständig zu Auseinandersetzungen kam.
Oberburg Manderscheid war ursprünglich eine Landesburg der Erzbischöfe von Trier. Sie steht auf einer abgeflachten Bergspitze, ca. 280 m nördlich der niedriger gelegenen Burg Niedermanderscheid.
Die Burg stammt aus dem 10. oder 11. Jahrhundert und wurde bei einem Streit 1160 zerstört. Anschließend erfolgte ein Wiederaufbau. Über das Aussehen der ersten Anlage ist heute nichts mehr bekannt.
Die heute frei begehbare Ruine weist einen rechteckigen Grundriss auf, der sich nach Westen hin zuspitzt. Mit einer Größe von ca. 90 m auf 54 m ist sie in etwa genauso breit wie die Burg Niedermanderscheid.
Der Zugang erfolgt heute wie damals von Westen her. Er führt durch einen Torzwinger über zwei Tore an der Nordseite der Burg entlang und wird durch die höher gelegene Burg flankiert. Am nordöstlichen Ende macht der Weg an einem weiteren Turm eine Kehre und führt über ein Tor, das aus der Mauerflucht der Ringmauer hervorsteht, in die ehemalige Burg. Hufeisenförmige Schalentürme flankiert ursprünglich die Tore.
Hinter dem Tor eröffnet sich der Blick auf eine ausgedehnte und recht leere Fläche. Aufgrund der Größe der Burg liegt die Idee nahe, dass sie zum größten Teil als Vorburg genutzt wurde. Am Bergfried lassen sich Reste abgehender Mauern erkennen, was darauf hindeutet, dass nur der südöstliche Part jenseits des Bergfriedes eine kleine Kernburg von ca. 20 auf 30 m beherbergte. [1]
Die ausgedehnte Ringmauer war von innen mit mehreren Gebäuden bebaut. In der Nordwestecke stehen die Reste eines hufeisenförmigen Schalenturms. Die Südwestecke wurde ursprünglich durch ein größeres Gebäude eingenommen, von dem sich unter anderem Reste der Außenmauer erhalten haben. In der Nordostecke stößt man auf die gut erhaltene Ruine eines Wehrturms, dessen Außenmauern das zweite Obergeschoss erreichen. Die Südostecke wird vor allem durch die Überreste des ehemaligen Palas eingenommen, der recht groß ausfiel.
In der Mitte des Hofes stößt man auf den Standort des ehemaligen Brunnens und den mächtigen Bergfried. Der Brunnen war ursprünglich 80 m tief und reichte bis zum Grundwasser unter der Talsohle. Im Laufe der Zeit wurde er verschüttet
Einziges erhaltenes und eindrucksvollstes Bauwerk ist der mächtige Bergfried. Er hat eine Seitenlänge von 8,5 m und 2 m starke Außenmauern, von denen die Ostmauer noch dicker ist.
Der Turm ist mit seinem rautenförmigen Grundriss eine Seltenheit. Ursprünglich war das Bauwerk mit Balkendecken versehen und besaß fünf Obergeschosse. An der Nordwest- und der Südostecke lassen sich noch kleine halbkreisförmige Tourellen erkennen, die wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert stammen. Sie sind typisch für das Mittelrheingebiet. An der Südwand lässt sich noch der höher gelegene ehemalige Eingang erkennen. Zudem haben sich mehrere Schießscharten und kleine Fenster erhalten, die in alle Richtungen ausgerichtet sind.
Im Gegensatz zur Burg Niedermanderscheid ist Obermanderscheid nur sehr bedingt erhalten. Die Mauern lassen sich trotz des stark ruinösen Zustandes gut zuordnen. Von der Burg eröffnet sich ein schöner Blick auf die Burg Niedermanderscheid, die aufgrund ihres imposanten Auftretens und ihrer Lage bedeutend mehr Besucher anzieht als die Oberburg.

Historie

Die Oberburg von Manderscheid ist die ältere der beiden Anlagen. Sie stammt wahrscheinlich aus dem 10. Jahrhundert. Die Ortschaft wird 973 erstmals schriftlich in einer Schenkungsurkunde von Otto II. an den Erzbischof von Trier genannt. Es gibt die Vermutung, dass Obermanderscheid zu diesem Zeitpunkt schon existierte. Zu Beginn des zwölften Jahrhunderts wird sie spätestens errichtet.
1133 kommt es erstmals zu Nennung des gleichnamigen Geschlechts durch Richard von Manderscheid, der wahrscheinlich Vogt auf der Burg war. In diesem Zeitraum entsteht vermutlich auch Niedermanderscheid als Vorburg im Tal. Das Geschlecht besteht zu dieser Zeit schon aus mehreren Herren. 1142 tauchen derer von Manderscheid erneut in einer Schenkungsurkunde als Zeugen auf.
Zur Mitte des 12. Jahrhunderts beginnt eine langjährige Fehde zwischen Erzbischof Albero im Namen der Abtei Sankt Maximin und Heinrich von Luxemburg-Namur. Der Erzbischof erobert bei der Auseinandersetzung die Oberburg Heinrichs und darf sie nach Friedensschluss 1147 behalten. Damit geht Obermanderscheid in den Eigentum des Erzbistums Trier über.
Nach dem Tod von Albero ergreift Heinrich von Luxemburg-Namur 1152 erneut die Gelegenheit und der Ober zusammen mit Richard I. von Manderscheid die Oberburg. Der Erzbischof Hillin, Nachfolger von Albero, holte zum Gegenschlag aus und belagert Burg erneut. Infolgedessen wird sie 1160 geschliffen und durch den Erzbischof Hillin 1166 erneut wieder aufgebaut. Hierbei entstehen Türme, die zur Verstärkung der Anlage dienen sollen.
Ab Ende des 13. Jahrhunderts wird die Oberburg von Manderscheid Sitz des Amtes von Kurtrier. Bis zur Säkularisation 1803 bleibt sie Eigentum des Erzstifts Trier.
Da die Spannungen zwischen dem Erzbistum und den Grafen von Luxemburg nicht abbrechen, erteilt Kurfürst Balduin von Trier 1332 der Ortschaft Obermanderscheid (heutiges Manderscheid) Stadtrechte. Mit dieser Idee versucht er die kleine Ortschaft mitsamt der Burg besser zu sichern. Sie ist zu dieser Zeit fast vollständig vom Hoheitsgebiet von Luxemburg umgeben. Die direkte Verbindung zwischen der Oberburg und der Ortschaft wird durch die Burg Niedermanderscheid stark gestört Klärung.
Ab dem 15. Jahrhundert beginnt mehrfach eine Verpfändung der Anlage. So wird sie 1438-1452 an Johann Hurt von Schöneck, ab 1461 an Dietrich von Lontzen und bis 1504 an Hermann Boos von Waldeck und die Pfalzgrafen bei Rhein vergeben.
Im 30-jährigen Krieg wird Oberburg Manderscheid mehrfach stark beschädigt. 1673 zerstören französische Truppen die wir Anlage gänzlich. Heute deuten Spuren darauf hin, dass anschließend ein Wiederaufbau begonnen aber nicht beendet wurde.
1790 wird Obermanderscheid vom kurtrierischen Amtsmann als unbewohnbar und verfallen bezeichnet. 1803 enteignet man aufgrund der Säkularisation das Erzbistum Trier. 1870 erwirbt der Graf von Brühl, Nachkomme derer von Manderscheid, die Burg. 1921 geht sie in den Eigentum der Gemeinde Manderscheid über und wird anschließend gesichert.

Events in der Nähe

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Anfahrt

Von der A1 Ausfahrt "Manderscheid" über die L16 Richtung Manderscheid. An der Niederburg vorbeifahren und der Straße bis in den Ort folgen. Hinter der Linkskurve am Ortseingang befindet sich auf der rechten Seite ein Parkplatz. Dort parken und vom Parkplatz der Ausschilderung zur Oberburg bzw. Obermanderscheid folgen.

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Querverweise

Bei folgenden Burgen wird Obermanderscheid, Manderscheider Oberburg erwähnt:

Niedermanderscheid

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Aktualisierung

Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 22.10.2015


Fußnoten

[1]Der in Kursiv geschriebene Textabschnitt basiert auf eigenen Beobachtungen. Literaturhinweise oder Informationen im Internet wurden dazu nicht gefunden. Das Veröffentlichen und Verbreiten der Informationen ist sowohl in digitaler Form, wie auch in Printform oder im Internet nur als Zitat mit Verweis auf den Autoren und die Website, bzw. die App erlaubt.

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