Glimmingehus

Burg Glimmingehus

Burg Glimmingehus

Schweden / Schweden

Glimmingehus ist eine der besterhaltenen Burgen Schwedens. Die Anlage bestand früher nur aus einem Gebäude, das mit zahlreichen Fallen, Abwehranlagen und ausgeklügelten Systemen nahezu uneinnehmbar war. Heute ist die Anlage ein Museum und kann besucht werden. Glimmingehus sollte bei einem Schwedenurlaub nicht fehlen.

Burg Glimmingehus 1
Burg Glimmingehus 2

Baubestand & Beschreibung

Burg Glimmingehus liegt nahe der Ostküste zwischen Simrishamn und Ystad. Bei der Anlage handelt es sich um eine typische schwedische Hausburg, die in dieser Form regional öfters vertreten sind. Glimmingehus zählt weltweit zu den besterhaltenen Burg Skandinaviens. Heute besteht die Anlage aus der Hausburg und einem Gebäudering, der im Laufe des 16., des 17. und des 18. Jahrhunderts errichtet wurde. Die Burg war ursprünglich von einem sehr breiten Ringgraben umgeben, der im Laufe der Jahrhunderte vollständig verlandet war und im 20. Jahrhundert wieder ausgegraben wurde. Die Giebelwände und Fundamente im Boden weisen darauf hin, dass Glimmingehus eine Ringmauer besaß, die anscheinend weitere Gebäude einrahmte.
Der Ursprung von Glimmingehus liegt in dem großen steinernen Haus, das am 2. Mai 1499 begonnen wurde. Das Bauwerk besitzt drei Stockwerke und ein Dachgeschoss, die alle über eine Treppe erschlossen waren. Da man anscheinend die äußeren Verteidigungsanlagen, bestehend aus Graben, Wälle und einer Ringmauer nicht für ausreichend hielt, wurde der Bau mit zahlreichen Fallen und Abwehrmaßnahmen versehen, die anschließend in anderen, regional gelegenen Burgen übernommen wurden. Auch nach außen hin entwarf man eine defensive Fassade, die bis unter das Dach nur sehr wenige und kleine Fenster aufweist.
Zur Angriffsseite hin, also nach Süden, stößt man auf die Kragsteine zweier Aborts. Balkenlöcher im obersten Stockwerk weisen auf einen vorgehängten Rundgang hin. Die Hoffassade beherbergt den Zugang, der mithilfe einer Treppe leicht erhöht liegt. Über dem Eingang installierte man im obersten Geschoss einen Erker, durch den man brennende und heiße Flüssigkeiten, aber auch Steine auf den Gegner werfen konnte. Heute ziert ein Wappenstein das Eingangsportal des Gebäudes. Der Stein zeigt drei Wappenschilde von Jens Holgersen Ulfstand (Mitte) und seinen beiden Ehefrauen Holmgerd Axelsdatter Brahe (links) und Margarete Arvidsdatter Trolle (rechts).
Im Inneren des Gebäudes befinden sich auf vier Stockwerken zahlreiche Räume, die über eine Treppe erschlossen sind. Direkt hinter dem Eingangstor, das unter anderem durch ein Fallgitter gesichert war, gehen nach links und rechts die Treppen in das Kellergeschoss ab. Im Kellergeschoss liegt die Burgküche, die bis heute eine große Feuerstelle für die Zubereitung der Mahlzeiten beherbergt. Oberhalb der Feuerstelle befindet sich ein Kuppelschornstein. Von der Küche führte ein kleiner Tunnel unter die Treppe, in den man die heißen Überreste des Feuers schüttete. Die warme Luft dieser Überreste stieg durch Kanäle in die einzelnen Räume und beheizte diese.
Direkt neben der Küche befindet sich der ehemalige Gesinderaum, der als Herberge für die Bediensteten diente. Aufgrund der Größe des Raums stößt man in der Mitte auf einen oktogonalen Pfeiler, der die Stockwerke über dem Gesinderaum trägt. Zu erkennen ist noch ein Brunnen, der durch seine Lage im Gebäude selbst bei einer Belagerung die Bewohner mit ausreichend Wasser versorgte.
Die Stockwerke oberhalb des Kellergewölbes sind nur über eine zentral gelegene Treppe erreichbar, die für die damalige Zeit sehr modern war. Das Treppenhaus wurde mit zahlreichen Abwehrmaßnahmen ausgerüstet und war für seine Zeit nahezu einzigartig. Die Stufen werden von Stufe zu Stufe immer höher und steiler, wodurch sie vor allem in Rüstung schwer zu laufen waren. Der Gegner war, sofern oben ankommen, schon stark geschwächt. Die Treppen liegen übereinander und beherbergen zahlreiche lose Steine, die herausgenommen werden konnten um dem Gegner, der eine Treppe tiefer lief, in den Nacken schießen zu können. Die Helme aus der Zeit der Erbauung besaßen keinen Nackenschutz, wenn der Gegner nach unten schaute (z.B. Schaller). Wurflöcher in den Decken gaben die Möglichkeit Steine zu werfen. Die einzelnen Podeste am oberen Ende einer jeden Treppe wurden zum Teil einseitig, zum Teil beidseitig mit Schießscharten versehen, durch die man ankommende Gegner aus sicheren Räumen heraus unter Beschuss nehmen konnte. Das recht enge Treppenhaus machte den Einsatz von Schilden so gut wie unmöglich. Das Verfahren der Abwehrtechnik im Treppenhaus zieht sich bis unter das Dach. Aufgrund der Möglichkeit sich in dem Gebäude so gut verschanzen zu können, überlegten die Schweden im Schonischen Krieg die Burg abzureißen, damit sie nicht in die Hände der Dänen fallen kann.
Im ersten Stockwerk oberhalb der Küche und des Gesinderaums befinden sich die Burgstube, die Wohnstube und die Schatzkammer. Die Burgstube diente dem Burgherren als Repräsentationsraum, bzw. Empfangsraum. Der Pfeiler in der Mitte und das aufwändig gestaltete Gewölbe sprechen dafür. Eine andere These geht davon aus, dass der Raum den Soldaten als Herberge diente. An den Fenstern, die relativ klein ausfielen, lassen sich noch Löcher erkennen, in denen einst Balken eingespannt waren. Auf diese Balken legte man Hagelbüchsen oder kleine Kanonen, mit denen man auf anrückende Gegner schoss. Zur äußeren Verteidigung war dieser Raum hervorragend geeignet, da er mit seinen Fenstern drei Richtungen abdeckte. Man konnte folglich die Burg von hier nach Osten, nach Süden und zum nördlich gelegenen Hof hin verteidigen.
Auf der anderen Seite des Treppenhauses befand sich die Wohnstube, die einen Kamin und eine Warmluftzufuhr aus der Küche aufwies. Oberhalb der Tür stößt man auf das Wappen von Jens Holgersen Ulfstand. Dieser war nur selten auf seiner Burg, da er Statthalter auf Gotland und Sölvesborg sowie Admiral der dänischen Flotte war. Neben dem Kamin lässt sich noch ein Waschplatz erkennen, der einen direkten Abfluss nach außen hat. Direkt neben der Wohnstube lag die Schatzkammer, in der alle Wertsachen und das Burgarchiv gelagert wurden. Zeitgleich beherbergte der Raum Schießscharten zum Treppenhaus hin und einen Abort, von dem nur noch die Kragsteine erhalten geblieben sind.
Im zweiten Stockwerk befinden sich der Rittersaal und das Frauengemach, die wieder nur über die Treppe zugänglich sind. Der Rittersaal ist der größte Raum der Burg. Erhalten sind noch zahlreiche Fenster und ein Kamin an der Giebelwand. Jens Holgersen Ulfstand soll hier oft Feste gefeiert haben. Der Raum beherbergte einst einen Abort, auf dem zwei Personen gleichzeitig sitzen konnten. Die Wände lassen erkennen, dass der Raum im 16. Jahrhundert stark unterteilt war. Auf der anderen Seite des Treppenhauses stößt man auf das Frauengemach, das der Wohnstube ein Stockwerk tiefer sehr ähnlich sieht. Adam van Düren gab dem Raum ein höheres Gewölbe und ließ es einer Kapelle ähnlich sehen. Zwei Steinreliefs zeigen biblische Motive, wie zum Beispiel Maria mit dem Kind. Ein drittes Relief mit einem Kampfbild wurde erst später hinzugefügt und stammt nicht von Düren. Der hintere Teil des Raumes wird durch ein Portal abgetrennt, das aus dem 13. Jahrhundert von der Insel Gotland stammt.
Oberhalb des zweiten Stockwerks befindet sich der Schützenboden, der die gesamte Fläche des Stockwerks einnimmt. Der Schützenboden beherbergt im westlichen Part einen Steinfußboden, auf dem schwere Artillerie stehen konnte. Mit dieser konnte man anrückende Feinde unter Beschuss nehmen. Der Schützenboden weist in alle Richtungen Fenster auf, wodurch sich der Bau in alle Richtungen verteidigen ließ. Oberhalb des Eingangs liegt ein Pecherker, der vom Schützenboden aus zugänglich war. An der Außenfassade lassen sich Balkenlöcher erkennen, die einst einen vorgehängten Wandelgang hielten. Der große Speicher mit dem hohen Dach diente wahrscheinlich als Getreidespeicher, um im Falle einer Belagerung in der Küche Brot backen zu können.
Burg Glimmingehus ist baugeschichtlich und touristisch gesehen sehr interessant und gehört durch den guten Erhalt zu den Einzigartigkeiten Schwedens. Das ausgeklügelte System, bestehend aus Abwehrtechnik und Wohnen, sowie die gegebene Selbstständigkeit im Falle einer Belagerung machen Glimmingehus zu etwas besonderem. Ein Besuch lohnt sich!

Historie

Die Burg Glimmingehus wurde am 2. Mai 1499 begonnen. Sie diente dem Ritter Jens Holgersen Ulfstand und seiner Familie als Wohnsitz und zur Verteidigung der Herrschaft. Baumeister war der deutsche Architekt und Bildhauer Adam van Düren. Anscheinend wurde Glimmingehus direkt nach seinen Plänen angefertigt, da sich in der Raumaufteilung und der Symmetrie ein durchgehend systematisches Vorgehen ablesen lässt. Von außen erscheint der Bau schlicht und mittelalterlich, wies aber im Inneren eine sehr exklusive Einrichtung auf. Ausgrabungen ergaben, dass hier die teuersten Gegenstände, die man in Europa kaufen konnte, vertreten waren. Darunter fiel venezianisches Glas, gepresstes Glas aus dem Rheingebiet und spanische Keramik.
Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts diente Glimmingehus als Wohnstätte. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts entstanden zahlreiche Wohngebäude auf der Burginsel, die bequemer und bauphysikalisch besser waren. Die eigentliche Burg erhielt nur noch Nebenfunktionen und diente unter anderem im 18. und 19. Jahrhundert als Getreidespeicher.
1924 kam die Burg als Geschenk an den Staat und wird bis heute von dem Staatlichen Amt für Denkmalschutz verwaltet.

Events in der Nähe

Zu dieser Burg und den Nachbarburgen liegen uns keine Veranstaltungen vor. Sie können hier gerne eine eintragen:

Veranstaltung eintragen

Anfahrt

Die Burg Glimmingehus liegt nahe der Schnellstraße 9 zwischen Ystad und Simrishamn. Bei Hammenhög verlässt man die Schnellstraße 9 Richtung Vallby. Die Burg ist ausgeschildert und liegt 1,6km hinter Vallby.

Buchtipp: Burgen in Baden-Württemberg

Das heutige Baden-Württemberg weist eine der höchsten Burgendichten Europas auf. Wie haben sich die Burgen in Baden-Württemberg ausgebreitet? Mehr dazu in diesem Buch.

Burgenarchiv.de
VER Verlag
Buchtipp: Burgen in Baden-Württemberg

Das heutige Baden-Württemberg weist eine der höchsten Burgendichten Europas auf. Wie haben sich die Burgen in Baden-Württemberg ausgebreitet? Mehr dazu in diesem Buch.

Burgenarchiv.de
VER Verlag

Querverweise

Bei folgenden Burgen wird Glimmingehus erwähnt:

Burg Bergkvara, Schloss Ekesjö, Burg Grensholm, Burg Krageholm, Burg Lillö, Burg Lycka, Burg Orup, Burg Svaneholms Slott

Aktualisierung

Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 16.02.2009


Burgen in der Umgebung

Burg Valleberga

Burg
276 4 Löderup-Valleberga
Entfernung: 13.33 km

Kommentar verfassen