Schloss Merseburg

Schloss Merseburg

Schloss Merseburg

Deutschland / Sachsen-Anhalt

Oberhalb der Saale thront inmitten der gleichnamigen Stadt das majestätische Schloss Merseburg. Die Anlage besteht aus einem großen, dreiflügeligen Renaissancebau mit anschließendem Dom an der Südseite.
Schloss Merseburg geht auf eine Königspfalz zurück, die bedeutend größer war als das heutige Gebäudeensemble. Sie nahm ursprünglich eine Fläche von bis zu 5 Hektar ein. Ältester Bau war eine fränkische Burg aus dem 8. Jahrhundert, von der sich nichts erhalten hat.
1015 entstand schließlich der romanische Dom und später der Domgarten und das Schloss Merseburg. Im Norden des Schlosses befindet sich der große Schlossgarten aus dem 17. Jahrhundert, der heute noch durch einen Graben vom Renaissancebau getrennt wird. Die Nordostseite flankiert der Dicke Heinrich, der ehemals zur Verteidigungsanlage des Schlosses gehörte. Nördlichste Punkte der Anlage sind die Orangerie und der Schlossgartensalon, die auf der anderen Seite des Gartens dem Schloss gegeüberstehen.
Schloss Merseburg wird heute vor allem von den eindrucksvollen Schlossflügeln geprägt, die ein meisterhaftes Beispiel der deutschen Spätrenaissance sind. Sowohl ihre Außen- wie auch ihre Hoffassade zeugen von dieser Zeit. Die mächtigen Treppentürme mit ihren hohen, spitzen Dächern prägen das Bild der Fassaden und geben dem Schloss Merseburg seinen speziellen Charakter. Auch die ebenerdigen Hofeingänge sind reich verziert und alle unterschiedlich gestaltet. Mächtige Dachgauben runden das Bild der Fassade ab und unterbrechen spielerisch die langen Dachflächen. Zusammen mit dem Dom, der den Schlosshof nach Süden abschließt, ist dieses Ensemble in seiner Art nahezu einzigartig in Deutschland.
Im Schlossvorhof unweit des Löwentors befindet sich der steinerne Rabenkäfig, der an die bekannte Sage von Bischof Tilo von Trotha erinnert. Bis heute werden hier Raben gehalten.
An die Vorgängerburgen des Schlosses erinnern nur spärliche Reste, die sich in Form von Mauerfragmenten unweit des Krummen Tors, der Grünen Straße, der Domstraße und der Oberen Burgstraße erhalten haben.
Heute lädt Schloss Merseburg mit seinem Ensemble zu einem Besuch ein. Der Besucher kann durch die Gärten flanieren oder sich dem Museum bzw. dem Dom zuwenden. Es gibt viel zu entdecken und zu besichtigen. Ein Besuch lohnt sich!

Schloss Merseburg 1
Schloss Merseburg 2

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Historie

Um 780
An der Stelle der heutigen Anlage steht eine fränkische Burg.

830
Die Befestigung wird unter dem Namen "Mersiburc" erstmals genannt.

Um 906
König Heinrich I. kauft die sogenannte Südburg im südlichen Bereich des ehemals großen Burgareals. Er errichtet eine Königsresidenz mit Wehrmauern bzw. eine Art Pfalz. Zum Schutz gründet er unterhalb der Burg die sogenannte Merseburger Legion. Dabei handelt es sich um Adelige, die Verbrechen begangen haben. Die Armee wird im Krieg gegen die Slawen 936 vernichtend geschlagen.

Mitte 10. Jahrhundert
Merseburg wird zu einer Art Pendant eines Bezirksverwaltungssitzes.

939
Nachdem der Königsbruder Heinrich versuchte seinem Bruder König Otto I. die Macht zu entreißen, belagert Otto die Merseburg für zwei Monate, in der sich Heinrich verschanzt hatte.

968
In Merseburg wird ein Bischofssitz gegründet. Erster Bischof wird Boso. Er wohnt in den Gebäuden der königlichen Pfalz. Otto II. übergibt dem Bistum zahlreiche Besitztümer.

1015
Bischof Thietmar legt den Grundstein zum Neubau des Domes.

1002-1024
König Heinrich II. erklärt Merseburg zu einer Festpfalz. Sie wird sein bevorzugter Wohnort.

1021
Der Dom wird eingeweiht. Kaiser Heinrich II. wohnt der Veranstaltung bei.

1213
In über 280 Jahren finden 21 Reichstage in Merseburg statt. In der Zeit halten sich mehrere deutsche Könige und Kaiser in der Pfalz auf.

Um 1230
Merseburg wird als eine der wichtigsten Pfalzen im Sachsenspiegel aufgezählt.

1245 bis 1265
Bischof Heinrich von Warin lässt das erste Schloss errichten.

1256 bis 1273
Die Bischöfe vom Bistum Merseburg bringen während des Interregnums die Merseburger Pfalz in ihren Besitz.

15. Jahrhundert
Aufgrund der aufkommenden Hussitenkriege wird Merseburg verstärkt.

1430
Die Hohe Mauer und das Krumme Tor entstehen.

Um 1450
Die Nordseite wird verstärkt und mit Eckbastionen und Türmen geschützt. Ein Doppeltor mit Hausmannsturm wird im Eingangsbereich der Altenburg bzw. der Domburg errichtet.

1470
Bischof Tilo von Trotha renoviert das Schloss und lässt es verändern. Die Merseburg wird endgültig zur Bischofspfalz.

1485
Im Zuge der Leipziger Teilung wurde Merseburg dem albertinischen Herzogtum Sachsen vergeben.

1562
Das Bistum Merseburg wird aufgelöst, nachdem der letzte katholische Bischof gestorben ist. Die Anlage wird wieder weltlich und kommt in den Besitz der Herzöge von Sachsen.

1604-1608
Herzog Johann Georg I. von Sachsen baut Schloss Merseburg grundlegend um. Es entsteht ein ausgeprägter Renaissancebau. Baumeister ist Melchior Brenner. In dieser Zeit wird auch der Neptunbrunnen im Innenhof errichtet.

1656
Schloss Merseburg wird Residenz der Herzöge von Sachsen-Merseburg. Bis 1738 bleibt es in deren Besitz.

1661
Der Schlossgarten entsteht.

19. Jahrhundert
Die preußische Bezirksverwaltung zieht auf dem Schloss ein.

1822
Das Krumme Tor wird abgerissen.

1848
Die Domstufen entstehen.

1888
Das Krumme Tor wird in zeitgenössischer Neogotik wieder aufgebaut.

1887 bis 1890
Das gesamte Schloss wird restauriert und erneuert.

1945
Schloss Merseburg brennt vollständig aus. Es bleiben nur die Außenmauern stehen.

1972
Die Beseitigung der Schäden des Zweiten Weltkrieges ist abgeschlossen. Am schlimmsten war der Ostflügel betroffen, der bis 1971 wieder hergestellt wurde.

2019
Im Schloss sind Kreismuseum und Verwaltung untergebracht.

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Sonstige Einrichtungen

Heutige Nutzung

Schloss Merseburg ist heute im Besitz des Ladkreises Saalekreis. Die Kreisverwaltung hat ihren Sitz in der Anlage. Zusammen mit Führungen kann man Schloss Merseburg besuchen. Hof, Garten und Außenanlage stehen der Öffentlichkeit frei zur Verfügung.
Zudem sind in dem riesigen Gebäudekomplex die Kreismusikschule Johann-Joachim Quantz und seit 1906 das Kulturhistorische Museum untergebracht. Im Museum werden Glasperlarbeiten der letzten 250 Jahre und historische Zündgeräte und Feuerzeuge präsentiert. Auf 1800 Quadratmeter zeigt das Kulturhistorische Museum die Geschichte und Entwicklung der Stadt Merseburg. Diese reicht bis in die Ur- und Frühgeschichte zurück. Größter Bereich der Ausstellung ist aber die Ausstellung zu der Nutzung des Schlosses als barocke Residenz der Herzöge von Sachsen.

Schloss Merseburg als Filmkulisse

Im April 2013 diente Schloss Merseburg als Kulisse für den Film "Monuments Men - Ungewöhnliche Helden" von George Clooney.

Geschichten & Legenden

Die Raben von Merseburg

Bischof Thilo von Trotha vermisste eines Tages seinen Pitzschier-Ring. Da nur sein Kammerdiener Zugang zu seinen Gemächern hatte, ging er recht schnell davon aus, dass dieser ihn gestohlen habe. Er ließ den armen Mann kurzerhand hinrichten.
Als dann eines Tages im Schieferdach des Domturmes Ausbesserungsarbeiten ausgeführt werden mussten, fand man im Nest eines Rabens den Ring. Bischof Thilo war so tief bestürzt über seine ausgeübte Ungerechtigkeit dem Kammerdiener gegenüber, dass er zukünftig den Raben mit dem Ring im Schnabel in sein Wappen aufnahm. Zudem entstand auf Schloss Merseburg der steinerne Rabenkäfig, der allen als ein Mahnmal für zu schnelle Verurteilung und Schuldzuweisung dienen soll.
Die Geschichte wurde schon vor 400 Jahren in das Reich der Mythen aufgenommen. Georg Möbius schreibt 1668, dass in alten Chroniken die Geschichte nicht erwähnt wird und dass das Wappen mit dem Raben schon lange vor Bischof Thilo von Trotha geführt wurde und sich auf sämtlichen Leichensteinen seiner Vorfahren finden lässt.

Eine traurige Geschichte zum Schloss Merseburg

Ewald Adam Gustav Paul Constantin von Ungern-Sternberg begann 1893 in Estland mit dem Bau des Lindenhofs bei Haapsalu. Es handelte sich um eine Kopie des Schlosses Merseburg, die er aus Liebe zu einer Tochter der Herren von Merseburg errichten ließ. Die Dame war so ihrem Schloss Merseburg verbunden, dass sie eine Ehe mit Ewald ablehnte. Erst als er versprach ihr eine Kopie des Schlosses in seiner Heimat zu errichten, stimmte sie einer zukünftigen Vermählung und einem Umzug zu.
Ewald machte sich ans Werk und begann eine Kopie in Estland zu bauen. Kurz vor Fertigstellung der Innenräume verstarb seine zukünftige Ehefrau. Tief getroffen ließ er den Bau fast fertig stehen und besuchte ihn nicht einmal. 1908 starb er schließlich selber während einer Reise nach St. Petersburg. Sein letzter Wunsch war es im Schloss für eine Nacht aufgebahrt zu werden, bevor man ihn in seinem entfernt gelegenen Familiengrab bestattete. So verbrachte er doch noch eine einzige Nacht nach seinem Tod auf dem Schloss.
Die leerstehende und herrenlose Anlage verfiel anschließend schnell. Der erste Weltkrieg ließ nach Plünderungen nur noch die Mauern stehen.

Querverweise

Bei folgenden Burgen wird Merseburg erwähnt:

Düben, Kohren, Rochlitz

Aktualisierung

Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 21.05.2019


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