Burg Maus, Thurnburg, Deuernburg

Burg Maus, Thurnburg, Deuernburg

Burg Maus, Thurnburg, Deuernburg

Deutschland / Rheinland-Pfalz

Burg Maus ist eine gut erhaltene Anlage des 14. Jahrhunderts im Rheintal. Sie wurde zur Sicherung zwischen dem Erzbistum Trier und der Herrschaft der Herren von Katzenelnbogen errichtet. Nachdem die Burg Neukatzenelnbogen den Spitznamen Katz erhielt, wurde Burg Thurnburg, auch Deuernburg oder Peterseck genannt, in Burg Maus umbenannt.
Von der Anlage haben sich nahezu alle Elemente gut erhalten. Trotz der Bauwut der Rheinromantik im 19. Jahrhundert blieb Burg Maus größtenteils Original. Heute befindet sich die Anlage in Privatbesitz und kann nur sporadisch mit Führungen besucht werden, die einmal monatlich stattfinden.

Adresse

Burg Maus, Thurnburg, Deuernburg Wellmich
56346 Sankt Goarhausen Parken: Parkplatz, kostenlos

Kurzinfo

Punkte:
Zustand:Halbruine
Burgtyp:Spornburg
Nutzung:privat
Lage:170 m.ü.NN.
Sonnenlicht:07:19-15:28 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten:privat, geschlossen
Eintrittspreise:Außenanlage: frei
Burg: privat
Website:Burg-Maus.de

Baubestand & Beschreibung

Burg Maus, Thurnburg, Deuernburg

Die eindrucksvolle Burg Maus liegt oberhalb der rechten Rheinseite auf einem steilen Sporn über der Mündung des Wellmicher Bachs. Sie gehörte zu den komfortabelsten und technisch aktuellsten Burgen am Rhein. Heute befindet sie sich in Privatbesitz und kann nur sehr bedingt besucht werden.

Der Name
Ursprünglich hieß Burg Maus Thurnberg. Schon kurze Zeit später tauchen die Namen Peterseck, Deuernburg und Deuernberg auf. Die Anlage entstand im 14. Jahrhundert aus einem Wettrüsten heraus, das zwischen dem Erzbistum Trier und den Herren von Katzenelnbogen stattfand. Sie war zu dieser Zeit auf dem technisch neuesten Stand und sollte als Gegenstück zu Burg Rheinfels die Grenze sichern.
Nach Baubeginn entstand im Süden die Burg Katz durch derer von Katzenelnbogen, sodass das Erzbistum auf der anderen Rheinseite die Burg St. Petersberg errichten wollte, doch kam es nie dazu. Aus dieser Zeit stammt der Name Peterseck. Die Bezeichnungen Maus und Katz sind erst wesentlich später durch die Bevölkerung entstanden.

Allgemein
Burg Maus ist eine klassische Spornburg, die zur Zeit ihrer Gründung auf modernste Art ausgebaut war. Aufgrund von Platzmangel besteht sie nur aus einer Kernburg, die von einer Zwingeranlage, also einer zweiten Mauer, umgeben ist. Eine Vorburg hat es nie gegeben. Zum Bergrücken hin wird sie durch einen großen Halsgraben gesichert, der in den letzten Jahrzehnten als Adler- und Falkenhof genutzt wurde.
Die schöne Burganlage wurde nicht zerstört und auch nur in der Bauwut der Rheinromantik wenig verändert, sodass sich viele Elemente der originalen Bausubstanz erhalten haben.

Außenanlage
Burg Maus besteht aus einer Kernburg, die von einer Zwingeranlage umgeben wird. Zum Bergrücken hin, also nach Osten, wird sie durch einen Halsgraben geschützt. Der Weg führt an der Nordseite an der Burg vorbei und mündet an der westlichen Hangseite in ein Torhaus. Vor dem Torhaus befand sich ursprünglich ein Graben und eine Zugbrücke, die heute vollständig verschwunden sind. Von der Zwingeranlage ließen sich sowohl der Halsgraben, wie auch der gesamte Weg zur Burg problemlos flankieren und unter Beschuss nehmen.
Hinter dem Tor beginnt die Zwingeranlage, die die Burg vollständig umgibt. Die äußere Wehrmauer ist heute niedriger als damals und bietet die Möglichkeit die schöne Aussicht über den Rhein zu genießen.
Der Zwinger ist in drei Bereiche aufgeteilt: Der Eingangsbereich trägt den Namen Garten. Er diente wahrscheinlich ursprünglich als Burggarten. Der Bereich im Osten, also zum Halsgraben hin, wird Unterer Hof genannt. Da sich hier die Hauptangriffsseite befand, ist die Mauer in einem spitzen Winkel ausgerichtet, damit Geschosse abstreifen und keine Frontaleinschläge erzielen konnten.

Kernburg
Der Zugang zur Kernburg erfolgt über eine Treppe an der Westseite. Die Kernburg ist heute privat und kann nur im Zusammenhang mit Führungen besucht werden. Genau wie der Rest der Anlage wurde auch sie aus Bruchstein aus Schiefer aus der Umgebung geschaffen. Sie ist fast quadratisch und weist eine Ringmauer der Seitenlänge von ca. 50 auf 50 m auf. Quadratische Burgen in Spornlage sind selten.
Die Kernburg war zur Zeit ihrer Gründung hochmodern. Nahezu alle Gebäude waren beheizbar und besaßen große Sitzbänke in den Fenstern. Zudem gab es um die Kernburg herum keine Stellen, die sich von den Dächern und Wehrgängen der Kernburg nicht verteidigen und unter Beschuss nehmen ließen.
Ihren Ursprung hat Burg Maus in der Zeit von ca. 1362. Die ältesten Gebäude sind der Bergfried, die Schildmauer, der Wohnbau und ein Teil des Wohnturms. Nach dem 14. Jahrhundert folgten nur noch wenige Veränderungen, sodass sie bis auf die Innenräume und die Dachformen den typischen Stil dieser Zeit widerspiegelt.

Kernburg - Ringmauer
Die Kernburg von Burg Maus wird heute wie damals von einer Ringmauer umgeben. Die Mauer ist 1,4 m dick und gleichbleibend drei Stockwerke hoch. Im Osten, zur Hauptangriffsseite hin, wurde sie verstärkt und diente als Schildmauer.
Auf der Ringmauer ruht ein Wehrgang, der in regelmäßigen Abständen große Öffnungen aufweist und an den Ecken mit Ecktürmen verbunden ist. Anstelle von Schießscharten nutzte man die großen Öffnungen um die Burg zu verteidigen. Es handelte sich wahrscheinlich um verschließbare Luken, die nur bei Bedarf für einen kurzen Moment geöffnet wurden um beispielsweise eine Armbrust abzufeuern. Die heute vorhandenen Zinnen waren im Mittelalter nicht existent.
Der Wehrgang führt unter anderem auch durch die Gebäude. Im Obergeschoss des Palas lässt sich sein Verlauf deutlich erkennen.

Kernburg - Palas und Wohnbau
Burg Maus besaß ursprünglich drei bewohnte Gebäude. Es handelte sich um den Palas an der Südseite, einen Wirtschaftsbau an der Nordseite und den alten Wohnturm an der Westseite. Zwischen den Bauwerken spannt sich ein größerer Hof auf, über den alle Gebäude der Anlage erschlossen sind.
Die Bauwerke der Burg lehnen heute wie damals von innen an der Ringmauer an. Nur der Wohnturm und der Bergfried stehen aus der Mauerflucht heraus. Während der Wirtschaftsbau an der Nordseite nur noch ruinös erhalten ist, hat sich der Palas aufgrund von Restauration und Sanierung recht gut erhalten.
Der Palas besitzt ein Erdgeschoss, auf dem zwei weitere Stockwerke ruhen. Darüber liegt ein Wehrgang mit Ecktürmen, der sich an der Außenseite durch den typisch regionalen Rundbogenfries absondert. In dem Bauwerk ist eine Burgkapelle im Obergeschoss untergebracht. In einem Erker hat sich ein Kreuzgewölbe erhalten. Bis in das 17. Jahrhundert besaß der Palas, wie alle anderen Gebäude in der Burg auch, ein sehr steiles Walmdach, das mit Schiefer gedeckt war. Das Aussehen aus dieser Zeit wird durch einen Stich von Matthäus Merian überliefert. In der Zeichnung lässt sich zudem erkennen, dass die gesamte Burg ursprünglich verputzt wurde und nicht wie heute das blanke Mauerwerk sichtbar war. Der Palas weist seit der Neuzeit ein Flachdach auf, was das ehemalige Aussehen des Gebäudes verfälscht.

Kernburg - Alter Wohnturm
Direkt neben dem Eingang in die Kernburg liegt an der Westseite der Wohnturm. Ursprünglich durch Erzbischof Boemund II. von Warsberg errichtet, wurde er später durch Erzbischof Kuno von Falkenstein erweitert. Es handelte sich vor der Erweiterung um einen Turm mit einer Seitenlänge von 7 m auf 8,5 m, der direkt neben dem Eingang der Kernburg steht und das Tor flankierte.
Erzbischof Kuno erweiterte den Turm um 5,6 m, also auf eine Grundfläche von 14,1 m auf 7 m nach Norden. Zudem baute er an der Nordseite einen Abortturm, der die Wohnqualität deutlich erhöhte. Das Bauwerk war Hauptdomizil beider Erzbischöfe, die hier auch verstarben.
Das Bauwerk besitzt heute wie damals vier Obergeschosse mit jeweils zwei fast quadratischen Zimmern pro Stockwerk. Ursprünglich gab es an jeder Ecke einen Eckturm, von denen sich nur noch die beiden westlichen erhalten haben. Die oberen Abschlüsse der Türme sind polygonal und deuten auf die typische Architektur der Region hin. Die Kreuzstockfenster sind größer als bei dem Palas und lassen etwas mehr Licht in die Räume des Wohnturms.

Kernburg - Bergfried und Schildmauer
Dem Wohnturm gegenüber stehen auf der anderen Hofseite der Bergfried und die Schildmauer. Beide Bauwerke hatten einen rein militärischen Nutzen und schützten die Anlage vor Beschuss vom Bergrücken im Osten. Die Schildmauer ist heute wie damals 13 m hoch und über 2,4 m dick. An den Enden stößt man auf zwei Türme, die zum Flankieren der Burg in alle Richtungen dienten. Während der Südostturm einen quadratischen Grundriss aufweist, wurde der Nordostturm wieder in der typischen achteckigen Form errichtet.
In der Mitte der Schildmauer steht der eindrucksvolle Bergfried. Der Turm ist rund, sodass Geschosse keinen frontalen Treffer landen konnten. Das Bauwerk ist heute noch 33 m hoch und hat einen Durchmesser von 8 m. Seine Wände sind 2 m dick und damit dünner als die Schildmauer. Der schmale Aufsatz, der den Turm wie ein Butterfassturm erscheinen lässt, wurde erst 1924 geschaffen und hat keinen originalen Ursprung. 1605 befand sich an der selben Stelle ein Kegeldach.
Auffallend sind die wenigen Öffnungen, die der Turm besitzt. Es gibt nur einen Zugang und vier Fensteröffnungen in der Wehrplattform im Obergeschoss. Die vier Fensteröffnungen waren wahrscheinlich genau wie beim Wehrgang mit Luken ausgestattet und konnten bei Bedarf geöffnet und geschlossen werden.
Heute betritt man den Turm über eine Leiter von der Schildmauer aus. Wahrscheinlich war der Zugang im Mittelalter ähnlich. Von dem eindrucksvollen Turm konnte man die gesamte Umgebung und weite Strecken des Rheintals einsehen.

Fazit
Burg Maus ist sehr interessant. Die Anlage ist in ihrer Art sehr selten und zu einer Zeit entstanden, wo nur noch wenige Burgen gebaut wurden. Leider ist sie für die Öffentlichkeit gesperrt und kann nur einmal pro Monat im Zusammenhang mit einer Führung besucht werden. Außerhalb der Führungen hat man die Möglichkeit bis vor das Tor zu gelangen. Die bedingte Einsicht in das Grundstück und der lange Fußweg zur Burg sorgen dafür, dass sich die meisten Besucher mit einem Blick und einem Foto vom Rheintal aus zufrieden geben.

Historie

Kaiser Karl erlaubte dem Erzbischof von Trier Boemund II. von Warsberg im Jahre 1356 den Bau einer Burg über Wellmich zur Sicherung des rechten Rheinufers. Die Anlage sollte als Gegenstück zur Burg Rheinfels genutzt werden. Zunächst entstanden der Bergfried, die Schildmauer, ein Wohnbau und der südliche Teil des Wohnturms.
Burg Maus hieß anfangs noch Thurnburg. Sie trug im Laufe der Zeit die Beinamen Deuernburg und Peterseck. Nach der Errichtung von Burg Maus entstand durch die Herren von Katzenelnbogen schnell als Gegenstück die uneinnehmbare Burg Katz (Neukatzenelnbogen) im Süden. Der Erzbischof wollte die Grenzverhältnisse anschließend durch die Errichtung der Burg St. Petersberg auf der anderen Rheinseite wieder dominieren, doch kam es nie zum Bau dieser Anlage.
Burg Maus wurde 1362 beendet. Der Erzbischof Kuno von Falkenstein (im Amt von 1362-1388) erweiterte die Burg durch einen Anbau am Wohnturm. Sowohl für Kuno, wie auch für seinen Nachfolger Werner von Königstein (im Amt von 1388 bis 1418) diente Burg Maus als Hauptaufenthaltsort. Beide starben hier.
Ab 1437 werden Burg und Ort an derer von Helmstadt und später an derer von Nassau-Sporkenburg verpfändet. Um ca. 1580 kommt es zum Einsatz von Amtsmännern der Ämter Boppard, Oberwesel und Wellmich. 1588 bezeichnet sich Philipp von Nassau schriftlich als Herr auf Deuernburg.
Im 17. Jahrhundert scheint der Verfall zu beginnen. 1719 taucht die Anlage als unbewohnt und ruinös in einem Schriftstück auf. Zu dieser Zeit wird auch erstmals der Name Maus als Gegensatz zur Burg Katz populär.
1806 erfolgt die Versteigerung auf Abbruch und Nutzung als Steinbruch. Die kaum abgetragene Anlage wird 1834 durch den Archivar Friedrich Gustav Habel erworben. Streitigkeiten und Auseinandersetzungen sorgen 1848 dafür, dass der Landvermesser Daniel Wagner vor dem Wiederaufbau einen Grundriss der Burg anfertigt.
Zwischen 1900 und 1906 beginnt der Architekt Gärtner aus Köln mit dem Umbau der Burg. Er lässt die Außenfassade nahezu unberührt und gestaltet nur den Innenbereich bewohnbar. Nachdem die Anlage 1923 in den Besitz des Mexikaners Louis Gallopin übergeht, entsteht eine Sammlung exotischer Ausstellungsstücke. Ein Jahr später, 1924, erhält der Bergfried seinen markanten Aufsatz.
Im Zweiten Weltkrieg wird die Anlage leicht beschädigt. Erst 1978 werden die Schäden beseitigt. 2002 folgt die Aufnahme in der UNESCO-Welterbe-Liste Oberes Mittelrheintal. Gegen Ende 2010 verlässt der Adler- und Falkenhof die Burg. Er war Jahrzehnte auf der Anlage ansässig.

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Anfahrt

Von der A61 Ausfahrt "Emmelshausen" über Karbach, Holzfeld und Werlau nach St. Goar fahren. In St. Goar mit der Fähre nach St. Goarshausen die Rheinseite wechseln und der B42 nach Wellmich folgen. Innerorts rechts in die Bachstraße abbiegen und nahe der Tennisplätze parken. Über den ausgeschilderten Fußweg gelangt man zur Burg. Der Weg beträgt ca. 1 km.

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Querverweise

Bei folgenden Burgen wird Maus, Thurnburg, Deuernburg erwähnt:

Katz, Sterrenberg

Aktualisierung

Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 27.04.2015


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