Burg Fort de Largoet

Burg Fort de Largoet

Frankreich / Bretagne

Inhaltsverzeichnis

Kurz & gut

An einem See und dem Fluss Kerbiler errichtete man im 11. Jahrhundert eine Burg, die bis in das 15. Jahrhundert großzügig ausgebaut wurde. Die Wasserburg bestand vor ihrer Aufgabe aus einer äußeren Wehranlage und mehreren Gebäuden. Highlight und in dieser Form kein zweites Mal weltweit erhalten ist ein eindrucksvoller, imposanter und einzigartiger Wohnturm überdimensionalen Ausmaßes. Der 45 Meter hohe Turm mit oktogonalen Grundriss gehört von der Grundfläche und der Höhe zu den höchsten Wehrtürmen der Welt. Bis heute haben sich nahezu alle Stockwerke, Treppen und Räume erhalten. Ein Besuch dieser Anlage ist ein Muss.

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Baubestand & Beschreibung

Die Burg Largoet, auch Tour d´Elven (Turm von Elven) genannt, liegt in einem tiefen Wald an einem kleinen See westlich der Ortschaft Elven. Ursprünglich bestand die Anlage aus einer polygonalen Kernburg und einer nur noch bruchstückhaft existenten Vorburg.
Die Kernburg setzt sich heute noch aus der ehemaligen Toranlage, den Resten zweier Wohngebäude, einem Wehrturm, der Ringmauer und einem imposanten Bergfried (Donjon) zusammen. Vor dem Tor der Kernburg standen anscheinend mehr als ein Gebäude. Es ist bis heute fraglich ob es sich um eine Vorburg oder nur vereinzelte Gebäude gehandelt hat. Erhalten geblieben ist nur eine Fassade eines größeren Bauwerks. Die Fassade teilt man im allgemeinen einer Kapelle zu, da sich in der Mauer ein sakral aussehendes, spitzbogiges Fenster erhalten hat.
Die Kernburg ist heute noch in einem beachtlichen Zustand erhalten geblieben. Highlight bzw. Hauptattraktion der Burg ist der gewaltige ,45 m hohe Donjon, der sowohl von der Grundfläche, wie auch von der Höhe her zu den größten Türmen Frankreichs gehört. Der Donjon bildet den zentralen Wohnbau der Burg. Er hat einen oktogonale (achteckigen) Grundriss. Im Gegensatz zu den Bergfrieden deutscher Burgen befand sich sein Eingang auf Bodenniveau und war durch eine Zugbrücke und ein Tor gesichert. Ein Ringgraben trennte ihn zu allen Seiten hin von der Umgebung ab. Im Laufe der Jahrhunderte verschwand der Graben und nur die Lauflöcher für die Ketten der Zugbrücke erinnern an eine eigene Wehranlage.

Der Turm bildete sozusagen eine Burg in der Burg.
Hinter dem Tor des Donjons, das noch mittelalterliche Verzierungen aufweist, beginnt ein längerer Korridor, von dem die Wege zu den Treppen und zu den beiden untersten Räumen abgehen. Im Erdgeschoss sind noch links neben dem Eingang die alte Wachstube und am Ende des Korridors die ehemalige Küche zu erkennen, die noch Überreste eines Ofens und einer Feuerstelle aufweist. Die Decken zwischen den einzelnen Stockwerken waren aus Holz und sind heute nicht mehr existent, so dass sich ein imposanter Blick über alle Stockwerke eröffnet. Auffallend ist, dass die Küche vom Grundriss her achteckig, das Geschoss darüber sechseckig und die oberen Geschosse quadratisch sind. Die anliegenden, kleineren Räume im Westen weisen jeweils einem gleich bleibenden polygonalen Grundriss auf. Jeder Raum besaß einen eigenen Kamin, von denen einige noch sehr gut erhalten geblieben sind und teilweise vom Aussehen her sehr unterschiedlich ausfallen.
Im Mittelalter unterlagen die Räume verschiedenste Nutzungen. Im ersten Stockwerk, oberhalb der Küche, diente der große Raum Francoise de Malestroit als Gemach und der anliegende kleine Raum dem Grafen von Richemont als Gefängnis. Die Räume waren jeweils über zwei Treppen erschlossen, die heute noch vollständig erhalten geblieben sind und beide genau 177 Stufen aufweisen. Von den Treppen aus waren alle Räume erschlossen, so dass die Bewohner von jedem Raum zwei Möglichkeiten hatten das Stockwerk zu verlassen (wahrscheinlich als Fluchttreppen). Von den Korridoren, die von den Treppen auf den einzelnen Stockwerken abgingen, schlossen sich teilweise mehr als vier Räume pro Stockwerk an, die alle jeweils einen eigenen Kamin hatten. Die Größe und Form der Räume variieren sehr stark.
Das oberste Stockwerk, das eine wunderbare Aussicht über die Umgebung liefert, ist aufgrund von Einsturzgefahr nicht betretbar. Es beherbergt einen kastellartigen Aufbau mit vier Bastionen, die aber erst im 16. Jahrhundert hinzugefügt wurden. Im fünften Stockwerk, direkt unterhalb der Bastionen, sind noch die Überreste einer Kapelle erkennbar. Zudem stößt man hier verstärkt auf Steinmetzzeichen, die die Wände der Korridore und der Treppenaufgänge prägen. Zahlreiche Fenster weisen vor allem in den oberen Stockwerken noch ihre Fensterlaibungen, Sitzbänke und Verzierungen auf.
Neben dem gewaltigen Donjon beherbergt die Kernburg die Überreste mehrerer Wohngebäude, einen Wehrturm und das Torhaus. Alle Gebäude lehnten an der ursprünglichen Ringmauer an, die zum Teil noch gut erhalten geblieben ist und eine beachtliche Dicke aufzuweisen hatte. Von den Wohngebäuden sind nur noch Außenmauern erhalten, die zum Teil große Fensteröffnungen, Balkenlöcher und Balkenauflager, sowie die Löcher von Rüsthölzern aufzuweisen haben. Der größte Wohnbau befand sich an der Nordostseite, besaß wahrscheinlich mehr als zwei Stockwerke und stand wie alle anderen Gebäude auch aus der Mauerflucht der Ringmauer heraus. Die Nordwestecke nahm ein runder Wehrturm ein, der unter anderem auch als Wohnturm diente. Im Zuge der Zeit baute man ihn 1905 zum Jagdhaus aus. Vom Aufbau her weist er den Baustil typisch französisch-bretonischer Wehrtürme von Wasserburgen auf. Auf seiner Spitze befindet sich heute ein achteckiger Aufbau und im ersten Geschoss sind die Schießscharten von Kanonen zu erkennen.
Neben dem Wehrturm befand sich ein kleinerer Gebäudekomplex, der zum Teil nur noch von den Grundmauern her existent ist. Auch er lehnte an der Ringmauer an. Hier standen wahrscheinlich Ställe bzw. Scheunen. Balkenlöcher in der Ringmauer weisen auf mindestens ein Stockwerk hin.
Der Zugang zur Kernburg erfolgte über ein großes Torhaus und eine Brücke, die im letzten Teil in eine Zugbrücke überging. Brückenpfeiler im Graben deuten auf die Größe der Zugbrücke hin. Das Torhaus wurde von links und rechts durch zwei Wehrtürme flankiert, von denen heute noch Stümpfe existent sind. Vor dem Torhaus befanden sich zwei Zugbrücke, die unterschiedlich groß ausfielen. Es gab eine für Karren und Pferde, sowie eine andere für einzelne Personen. Von den Zugbrücken sind heute noch die Lauflöcher der Ketten existent. Oberhalb des Tores befindet sich an der Außenseite das leicht verwitterte Familienwappen der Familie Rieux, die bis 1643 auf der Burg lebte.
Die Kernburg von Largoet war zur Blütezeit von einem Ringgraben umgeben, der durch einen See im Norden mit Wasser gespeist wurde. Heute führt ein kleiner Weg um die Burg herum und gibt die Möglichkeit sich diese und den Ringgraben von außen anzusehen. Der Ringgraben ist heute größtenteils verlandet und weist kein Wasser mehr auf. Vom Rundweg eröffnet sich der Blick auf die imposanten Fundamente des Donjons, sowie auf die Außenmauern der einzelnen Gebäude und der Ringmauer. Zu erkennen sind in vielen Gebäuden Schießscharten, die die Ringmauer flankierten. Vom See eröffnet sich ein malerischer Blick auf die Nordseite der Anlage und auf den mächtigen Donjon und dessen Bastionsartiger Aufbau.
Vom touristischen Aspekt her ist Burg Largoet sehr interessant. Sowohl kulturhistorisch wie auch bauhistorisch hat die Burg viel zu bieten. Der imposante und urig wirkende Donjon ist sowohl vom Grundriss, wie auch von der Höhe her eine Einzigartigkeit.

Historie

Die Burg wird erstmals 1020 als Eigentum des Barons Derrien I. von Elvin genannt. Die heutigen Gebäude stammen aus dem 13. und dem 15. Jahrhundert. Im 13. Jahrhundert ist Largoet im Besitz der Familie Malestroit, die zusammen mit den Geschlechtern Blois und Montfort in den bretonischen Erbfolgekriegen kämpfen. Im 15. Jahrhundert ist die Familie Rieux im Besitz der Anlage. Jean IV. von Rieux hielt zwischen 1474 und 1476 Henry Tudor, Herzog von Richmond und zukünftiger König (Henry VII.) von England hier gefangen. 1490 wird Lagoet durch Charles VIII. von Frankreich zerstört, aber durch Anne de Bretagne wieder aufgebaut.
1656 kaufte Nicolas Fouquet das Schloss. Nach seinem Tod ging es an Michel de Trémeurec, in dessen Familie es längere Zeit blieb. Im 19. Jahrhundert war die Burg schließlich stark verfallen und man begann darüber zu diskutieren sie vollständig abzureißen bzw. zum Abbruch freizugeben. Prosper Mérimée rettete die Anlage im Jahre 1862, indem er sie als historisches Monument für die Denkmalpflege (monument historique) einschreiben lässt. Seit 1970 wird die Anlage restauriert und instand gehalten.

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Anfahrt

Die Burg Largoet liegt nordöstlich von Vannes bei Elven. Über die N166 Ausfahrt "Elven" Richtung Stadtmitte und gleich an der langen Rechtskurve der Hauptstraße am Ortsanfang nach links in die Avenue de Largoet abbiegen. Der Straße folgt man bis diese direkt außerorts neben der Schnellstraße verläuft. Dort biegt man links in die Largoet ab. Die Straße führt direkt zum Burggelände. Die Anlage ist weiträumig ausgeschildert.

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Aktualisierung

Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 15.12.2008


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