Idstein, Hexenturm

Burg Idstein, Hexenturm

Burg Idstein, Hexenturm

Deutschland / Hessen

Burg und Schloss Idstein liegen heute wie damals am nördlichen Ende der Altstadt. Die lang gezogene Anlage besteht aus einem Renaissanceschloss des 16. und des 17. Jahrhunderts und aus den Bauwerken der alten Burg, die heute von der Stadtverwaltung genutzt werden. Bekannteste Sehenswürdigkeit und Wahrzeichen der Stadt ist der 42 m hohe Hexenturm, der zusammen mit dem schönen Schloss zu einem Besuch einlädt. Auch wenn die Burg schon stark an Wehrhaftigkeit verloren hat, lohnt es sich.

Burg Idstein, Hexenturm
Burg Idstein, Hexenturm

Adresse

Burg Idstein, Hexenturm Schlossgasse
65510 Idstein Parken: Parkplatz, kostenpflichtig

Kurzinfo

Punkte:
Zustand: Burg, Schloss
Burgtyp: Spornburg
Nutzung: Schule, Museum
Lage: 270 m.ü.NN.
Sonnenlicht: 05:47-16:37 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten: ganzjährig
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Eintrittspreise: Außenanlage, Burghof: frei
Hexenturm: kostenpflichtig
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Baubestand & Beschreibung

Burg Idstein, Hexenturm

Auf einem lang gezogenen Bergkamm oberhalb des Wörsbachs und des Wolfsbachs liegen inmitten der Altstadt das Schloss und die ehemalige Burg Idstein. Das Schloss beherbergt heute eine Schule. Die Gebäude der ehemaligen Burg dienen der Stadtverwaltung als Herberge. Sehenswert sind vor allem der Hexenturm, das Schloss und das Kanzleitor.

Alte Burg und Topographie
Das Burgareal wird durch einen lang gezogenen Bergrücken gebildet, der sich von Südosten nach Nordwesten zieht. Während das Schloss auf dem nordwestlichen Ende des Sporns steht, nehmen die erhaltenen Gebäude der Burganlage den südöstlichen Bereich ein.
Heute kann man das Burgareal über mehrere Straßen und Wege erreichen, da es mittlerweile Teil der Stadt geworden ist. Ursprünglich gab es nur einen Zugang, der über das Kanzleitor im Süden verlief.

Schloss Idstein
Das Schloss steht am nordwestlichen Ende des Bergkamms auf einem Sporn, der durch einen Halsgraben vom Rest des Burgareals getrennt wird. Zusammen mit der Burg ist es die älteste Residenz der Grafen von Nassau südlich der Lahn. Der Renaissancebau gehört zu den bedeutendsten Anlagen der Nassauer und ist ein Beispiel des einheitlichen Schlossbaus des alten Grafengeschlechts.
Das Schlossareal setzt sich aus drei Schlossflügeln, einem Schlosshof, einem kleinen Vorplatz und einer langen Schlossbrücke zusammen. Das Schloss beherbergt ein Gymnasium.
Der Zugang erfolgt heute wie damals über die Brücke, die über den Halsgraben, bzw. die heutige Hauptstraße führt. Die Schlossbrücke wurde aus Bruchsteinmauerwerk errichtet und besitzt vier Bögen, von denen der letzte mit 5 m Länge erst 1844 entstand. Bis 1790 befand sich an selbiger Stelle eine Zugbrücke und bis 1844 eine Holzbrücke. In jenem Jahr tauschte man den letzten Brückenbogen durch einen Steinbau aus.
Hinter der Brücke eröffnet sich der Blick auf die Südfassade des Schlosses. Der Renaissancebau entstand zwischen 1624 und 1634 durch den Baumeister Jost Höer und seinen Sohn Heinrich Höer. Auftraggeber war Fürst Georg August Samuel von Nassau-Idstein. Erst 1648 vollendete man die Anlage.
Der Zugang erfolgt durch das Hauptportal im Südflügel, das noch mächtige Rustikaquaderungen aufweist. Über dem Portal prangt das von ca. 1630 stammende Wappen von Graf Johann von Nassau-Idstein und seiner Gemahlin Sibylla Magdalena von Baden-Durlach.
Schloss Idstein - Schlossflügel
Ursprünglich war bei dem Schlossbau eine vierflügelige Anlage geplant, die in Form eines Rechtecks mit Innenhof angelegt werden sollte. Zum Bau des vierten Flügels im Westen kam es aufgrund eines Schlossbrandes 1651 nie, sodass Schloss Idstein heute ein dreiflügeliger Bau ist, der sich nach Westen hin öffnet.

Schloss Idstein - Südflügel
Schon von der Brücke aus eröffnet sich der Blick auf die Südfassade des eindrucksvollen Südflügels. Er wurde auf den Resten der alten Burganlage errichtet und stammt zum Teil aus dem 12. Jahrhundert. Man vermutet, dass ein zweigeschossiger, mittelalterlicher Steinbau in den Südflügel integriert wurde, der um ca. 1550 mit einem Fachwerkgeschoss erhöht wurde.
Die Fassade des Südflügels weist eine typische Grundstruktur der Renaissance auf. In der Mitte steht ein viergeschossiger, rechteckiger Erker mit hohem Haubendach. Beidseitig schließen zahlreiche Kreuzstockfenster an.
An der Ecke zwischen dem Süd- und im Ostflügel befindet sich heute ein integrierter Treppenturm mit Wendeltreppe aus der Zeit um 1590. Nach 1614 wurde der Südflügel mit einem Arkadengang Richtung Westen versehen. Die Erweiterung trägt heute irritierenderweise den Namen Westturm, Westpavillon oder Westflügel. Im Erdgeschoss der Westerweiterung wurde 1719 eine Schlosskapelle mit barocker Stuckdecke geschaffen. Heute lässt sich der große Südflügel mit seinen Kreuzstockfenstern seine Ursprünge von außen kaum noch anmerken.

Schloss Idstein - Ostflügel und Schlosshof
Der Weg mündet hinter dem Hauptportal im Südflügel auf dem Schlosshof. Er dient als Pausenhof für das Gymnasium und ist von drei Seiten von den Schlossflügeln eingerahmt. Im Westen entstand im ehemaligen Zwinger ein Neubau, der heute als Erweiterung des Gymnasiums dient. Ursprünglich sollte an der Westseite ein Westflügel entstehen, der aber nach einem Brand von 1651 nicht mehr realisiert wurde.
Vis-a-vis des geplanten Westflügels befindet sich der sogenannte Ostflügel. Es handelt sich um einen zweigeschossigen Bau, der einen partiellen Fachwerkaufsatz trägt. Dieser Fachwerkaufsatz ist heute mit Schiefer verkleidet und als solcher nicht mehr erkennbar.
In der nordöstlichen Hofecke steht zwischen Nord- und Ostflügel ein Treppenturm mit Eingangsportal.

Schloss Idstein - Nordflügel
Der Nordflügel schließt das Grundstück des Schlosses nach Norden hin ab. Das Bauwerk trägt auch den Namen Saarbrücker Bau. Im Inneren stößt man auf den großen Saal, der den Beinamen Rittersaal trägt und im zweiten Obergeschoss auf das sogenannte Kaiserzimmer.
Der Rittersaal ist mit einem Kreuzgewölbe überzogen, das von vier dicken, runden Pfeilern in der Mitte des Raums getragen wird. Fünf Joche überspannen den Raum und unterteilen ihn. Das Gebäude wurde nach 1614 durch Graf Ludwig II. von Nassau-Idstein geschaffen. Gegen 1714 folgte der Ausbau im Stil des Barock durch Maximilian von Welsch im Auftrag von Georg August Samuel von Nassau-Idstein. Bis heute besitzt das Gebäude zahlreiche Stuckarbeiten, wie zum Beispiel im Kaisergemach, die unter anderem von Carlo Maria Pozzi stammen. Die Deckenmalereien werden Valentin David Albrecht und Luca Antonio Colomba zugeschrieben.

Burg Idstein
Vor der Entstehung des Schlosses wurde der gesamte Bergrücken von der mittelalterlichen Burg eingenommen. Zu den bis heute erhaltenen Resten gehören der Hexenturm, das Alte Amtsgericht, das Kanzleitor und weitere kleinere Gebäude. Die meisten Bauwerke unterliegen der Stadtverwaltung und können nur von außen besichtigt werden. Das schöne Ensemble lädt aber zu einem kleinen Rundgang ein. Vor allem der Hexenturm ist einen Besuch wert.

Hexenturm
Der Hexenturm wurde ursprünglich Schlossturm, Dicker Turm, Hoher Turm, Uhrturm oder Bergfried genannt. Sein heutiger Name stammt erst aus der Burgenromantik aus dem 19. Jahrhundert und hat mit der Hexenverfolgung im 17. Jahrhundert nichts zu tun.
Heute ist das eindrucksvolle und vor allem hohe Bauwerk Wahrzeichen und ältestes Gebäude der Stadt. Der Turm steht auf einem abgesonderten Felsen auf dem höchsten Punkt des Bergrückens direkt vor der Schlossbrücke. In der allgemeinen Literatur geht man davon aus, dass der Hexenturm als Bergfried diente, weswegen auch die Vermutung nahe liegt, dass sich unterhalb des Turms die Kernburg und an der Stelle des Schlosses die Vorburg befand.
Bei dem Hexenturm handelt es sich um einen runden Butterfassturm mit einem Durchmesser von 11,4 m. Das Bauwerk hat eindrucksvolle 3,5 m dicke Außenmauern und ist stolze 42 m hoch. Es unterliegt der Haager Konvention und darf in kriegerischen Auseinandersetzungen weder angegriffen noch zur Verteidigung genutzt werden.
Insgesamt besitzt das Bauwerk sechs Ebenen. Die unteren drei Geschosse stammen vermutlich aus der Zeit um 1170 und 1240. Nach 1500 wurde der Turm bis zum Ende des 16. Jahrhunderts erhöht. In der Folgezeit gab es nur noch kleinere bauliche Veränderungen.

Hexenturm - Vorbau
Der Eingang in den Hexenturm liegt heute wie damals in ca. 8 m Höhe. Ursprünglich befand sich vor der Türöffnung eine abwerfbare, 8 m hohe, freistehende Leiter mit Handlauf. Erst 1733 entstand der heutige Vorbau mit Walmdach. Er besteht aus Fachwerk und ist mit Schiefer verkleidet.

Hexenturm - Unteres Stockwerk, Verlies
Die Treppe des Vorbaus mündet im sogenannten Eingangsgeschoss. In der Mitte des Raums lässt sich im Boden eine kleine Luke von 60 cm auf 60 cm Größe erkennen, über die ursprünglich Gefangene in das darunterliegende Verlies abgeseilt wurden. Diese Luken werden oft als Angstlöcher bezeichnet.
Unter dem Eingangsgeschoss liegt das 7,2 m tiefe Verlies. Es wird von einem Klostergewölbe überdacht, auf dem heute das Eingangsgeschoss ruht. Im Laufe der letzten Jahre wurde das Verlies freigeräumt, wobei man 30 Kubikmeter Müll, bestehend aus Vogelkot, Hausmüll und Dreck entfernte. Es wurden keine Hinweise darauf gefunden, dass jemals Menschen oder sogar der Hexerei angeklagte Personen hier eingesperrt wurden. Es ist bekannt, dass Hexen und Hexer in Idstein geköpft und nicht verbrannt wurden. Über ihren Verwahrungsort bis zur Hinrichtung weiß man nichts.

Hexenturm - Eingangsgeschoss und 2. Geschoss
Den Turm betritt man seit seiner Erbauung im 12. Jahrhundert über das Eingangsgeschoss. Es ist zusammen mit dem Verlies der älteste Bereich des Bauwerks. Ursprünglich wurde der Raum durch einen Kamin an der Südseite geheizt. An der Nordseite befindet sich ein zugemauertes Doppelfenster mit Rundbogen, auch Biforium genannt. Auf 3,5 m Raumhöhe lag ursprünglich das zweite Obergeschoss. Hier war eine Holzdecke eingezogen, die nicht mehr existent ist. Heute führt an dieser Stelle eine Holztreppe zu der gemauerten Treppe in der Außenmauer, die im zweiten Obergeschoss begann.

Hexenturm - 3. Geschoss
Das dritte Obergeschoss ist das oberste Stockwerk der ersten Bauphase aus dem 12. und dem 13. Jahrhundert. Das Stockwerk wird von einer schönen Kuppel überwölbt, die eine interessante Akustik aufweist. Über eine Treppe im Mauerwerk gelangt man in den jüngeren Bereich des Turms.

Hexenturm - 4. Geschoss
Über dem dritten Obergeschoss wird der Turm schmaler, sodass sich zu allen Seiten der Platz für einen Wehrgang eröffnet. Der verjüngte Aufsatz entstand erst um 1500, wodurch der Turm um 19,2 m erhöht wurde.
Der Wehrgang besitzt eine eigene Außenmauer, die auf Rundbogenfriese ruht und über das Mauerwerk des Turms hinausragt. Auf Höhe des Wehrgangs hat der Hexenturm einen Durchmesser von 12 m. Auf dem Wehrgang ruht ein Schrägdach, dass die Türmer vor Wind und Wetter schützen sollte.
Der Wehrgang weist in alle Richtungen Fenster auf, um die Umgebung uneingeschränkt beobachten zu können. An der Westseite lassen sich Kragsteine und eine zugemauerte Tür erkennen, die auf einen alten Abort verweisen. Über dem Vorbau befindet sich an der Außenmauer des Wehrgangs ein Gusserker, über den heiße Flüssigkeiten und Gegenstände auf den Gegner vor der Tür geworfen und gegossen werden konnten.
Im Wehrgang lassen sich sowohl an der Außen- wie auch an der Innenmauer Löcher erkennen, durch die man in Kriegszeiten Balken steckte. Die langen Balken ragten aus dem Turm heraus, sodass man auf ihnen einen temporären Wehrgang (Hurde) installieren konnte. Über die Hurde war es einfacher den Gegner am Fuß des Turms unter Beschuss zu nehmen.

Hexenturm - 5. Geschoss
Da der Turm sich dank des Wehrgangs im vierten Obergeschoss verjüngt, ist er im fünften Stockwerk nur noch 6,85 m im Durchmesser breit. Das fünfte Stockwerk existiert heute nicht mehr. Es handelte sich um eine eingezogene Holzdecke zwischen dem vierten und dem sechsten Geschoss.

Hexenturm - 6. Geschoss
Das sechste Obergeschoss wird genau wie das dritte Stockwerk von einer Kuppel überwölbt. Die Kuppel ist aus Backstein und beherbergt heute Nistkästen für Turmfalken. Über eine kleine Treppe gelangt man zu der Steintreppe, die in der Außenmauer des Turms in die siebte Geschossebene führt.

Hexenturm - 7. Geschoss
Das siebte Obergeschoss beherbergte den Wohnraum der Türmer. Der Raum besitzt drei Fensternischen mit Podesten, durch die die Stadt beobachtet werden konnte. Schon im 16. Jahrhundert waren die Fenster verglast. Für die nötige Wärme sorgte ein kleiner Ofen, der neben der Tür stand.
Der Raum war ursprünglich recht karg eingerichtet. Es gab einen Tisch mit drei Stühlen, ein Bett, ein Regal für Küchengeschirr und ein Brett zum Aufhängen von Kleidung und Musikinstrumenten. Im Vorraum befand sich noch ein Kaminblock.
Von außen betrachtet, ragt die Außenmauer wieder hervor. Sie ruht auf einem Rundbogenfries und hat einen Durchmesser von 7,5 m.

Hexenturm - 8. Geschoss
Das achte Geschoss liegt in 32 m Höhe und ist das letzte Obergeschoss. Von hier spielten der Türmer und sein Geselle Blasinstrumente. Bei gutem Wetter reicht der Blick bis in den Westerwald. Anrückende Feinde oder Brände in der Stadt konnten schnell vom Turm aus gesehen werden.

Hexenturm - Dach
Auf dem Hexenturm ruht heute ein Pyramidendach. Der Dachstuhl stammt von 1810 und ist ca. 7,5 m hoch. Er wurde vollständig aus dem Holz des Vorgängerbaus von 1501 geschaffen, da dieses sich noch an einem einwandfreien Zustand befand. Die ursprüngliche Turmspitze war 24 m hoch und muss einen imposanten Eindruck geliefert haben.
Die Dachspitze wird heute durch eine Wetterfahne mit Rosette und Zierwerk von 1767 geschmückt. In der Kugel unter der Wetterfahne befindet sich eine Zeitkapsel, in der unter anderem Schriftstücke und zeitgenössische Dinge, wie zum Beispiel Münzen, Postkarten und Dokumente aufgehoben werden. Der heutige Knauf, bzw. die Kugel stammt von 1938. Rosette und Wetterfahne wurden 1982 das letzte Mal verändert.

Schlossgarten
Direkt gegenüber vom Hexenturm liegt auf der anderen Seite des ehemaligen Burghofes der Schlossgarten. Ein Ziergarten wird schon 1560 schriftlich belegt und soll sich an selbiger Stelle befunden haben. Der heutige Garten stammt von 1650 und 1675. 1663 war er bereits umfriedet und besaß ein Portal. Zudem gab es schon zwei Grotten mit Deckengemälde, Wasserspiele, ein Lusthaus am Südende und einen Brunnen an der Ostseite.
Der Schlossgarten wurde 1990 nach historischem Vorbild restauriert. Es ist eine Dreiteilung in Nutzpflanzen, Blumengarten und Rosengarten erkennbar. Die einzelnen Beete werden durch Buchsbäume begrenzt. Ursprünglich stand in dem Schlossgarten die Burgkapelle, an deren Standort ein Drahtgestell für Wein und Efeu erinnert.

Altes Amtsgericht
Direkt zu Füßen des Hexenturms befindet sich ein längerer Gebäudekomplex, von denen der nördlichste Bereich vom Alten Amtsgericht eingenommen wird. Bei dem Gebäude handelt es sich um einen massiven Steinbau, auf dem ein Fachwerkgiebel ruht. Zum Hof hin hat sich ein achteckiger Treppenturm mit welscher Haube erhalten. Das Bauwerk wurde 1588 als neue Kanzlei unter Graf Johann Ludwig I. von Nassau-Idstein errichtet. 1866 wurde Nassau preußisch, sodass das Gebäude bis 1938 als Amtsgericht genutzt wurde. Aus dieser Zeit stammt der Name Altes Amtsgericht. Heute beherbergt es einen Teil der Stadtverwaltung.

Burg Idstein - Westgebäude
Neben dem Alten Amtsgericht haben sich weitere Bauwerke der alten Burganlage erhalten. Der Gebäudekomplex zwischen dem Amtsgericht und dem Kanzleitor entstand zwischen 1562 und 1565 durch Balthasar Graf zu Idstein-Nassau. Die Bauten besitzen ein massives Untergeschoss, auf denen ein Obergeschoss aus Fachwerk ruht. Das Dach wurde mit Erker und Schweifgiebeln verziert. Im Südosten ist der Gebäudekomplex mit dem Kanzleitor verbunden.

Burg Idstein - Kanzleitor
Das Kanzleitor war früher die einzige Verbindung zwischen dem Burgareal und der Stadt. Es wurde 1497 unter Graf Philipp I. von Nassau-Idstein als gräflichen Kanzlei errichtet. Das Bauwerk besteht aus zwei massiven Geschossen aus Bruchstein, auf denen ein Fachwerkgeschoss ruht. Der Fachwerkaufsatz ist heute mit Schiefer verkleidet und daher nur schwer als solcher erkennbar. Bei dem Dach handelt es sich um ein steiles Walmdach.
Das Kanzleitor unterlag uim Laufe der Zeit nterschiedlichen Funktionen. Es diente als Wachstube, Gefängnis, Folterkammer, Getreidespeicher, Beamtenwohnung und seit der Neuzeit als Trauzimmer des Standesamtes.
Zur Stadt hin stößt man auf eine Rampe mit einer Brücke. Man geht davon aus, dass sich hier ursprünglich anstelle der Brücke eine Zugbrücke befand, die im Falle kriegerischer Auseinandersetzungen hochgezogen werden konnte. Die Lücke zwischen der Rampe und dem Kanzleitor diente somit als Graben. Vor dem Kanzleitor eröffnet sich der Blick auf den König-Adolf-Platz.

König-Adolf-Platz
Direkt nach der Errichtung der Burg Idstein bildete sich vor dem Eingang eine kleine Siedlung, deren Zentrum ein Marktplatz war. Bei diesem Platz handelte es sich um den König-Adolf-Platz, der heute ältester Platz der Stadt ist. Er wurde nach Adolf von Nassau-Idstein benannt, der zwischen 1292 und 1298 deutscher König war. Heute wird der großzügige Platz von allen Seiten von schönen Fachwerkhäusern aus dem 15. bis zum 17. Jahrhundert eingerahmt. Zu den schönsten Gebäuden zählt das Killingerhaus.

Herrenspeicher
Von der Burg haben sich noch weitere Reste in der Umgebung erhalten. Im Osten stößt man in der unteren Schlossgasse auf den sogenannten Herrenspeicher. Das Gebäude entstand um ca. 1745 am neuen Aufgang zum Schloss. Es lag noch innerhalb des umfriedeten Bereichs und war Teil des gräflichen Viehhofes.
Der Herrenspeicher diente ursprünglich als herrschaftlicher Marstall im Erdgeschoss und als Zehntscheune in den Obergeschossen. Von 1819-1834 waren hier eine Tierklinik und ein landwirtschaftliches Institut untergebracht. Seit 1977 dient das Gebäude als Jugendmusikschule Idstein.

Fazit
Burg und Schloss Idstein sind heute Teil der Stadt und beherbergen die Stadtverwaltung. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel der Hexenturm, das Schloss oder auch der König-Adolf-Platz laden zu einem Besuch und zum Spazieren durch die Altstadt ein. Auch wenn die Burganlage einen Großteil ihrer Wehrhaftigkeit verloren hat, lohnt sich eine Besichtigung.

Historie

Das heutige Schloss mit der weitläufigen vorgelagerten ehemaligen Burg hat seinen Ursprung im 11. Jahrhundert. Die Burg wurde vermutlich durch den Grafen Udalrich von Idstein im Auftrag von König Heinrich IV. errichtet. Zu dieser Zeit war die Region ein Reichslehen. Mit der Entstehung der Burg entstand vermutlich auch eine kleine Siedlung, die im Laufe der Zeit wuchs.
1102 wird erstmals die Ortschaft Idstein schriftlich genannt. 1120 gehen Burg und Ort in den Besitz der Mainzer Erzbischöfe über, die Idstein an die Grafen von Nassau als Lehen übergeben. In der Folgezeit entsteht um 1170 der Unterbau des Hexenturms bis auf eine Höhe von ca. 11 m. 1240 wird er schon auf ca. 20 m Höhe aufgestockt und mit einem Wehrgang versehen.
Nach einer Erbteilung wird Idstein 1255 Residenz der Grafen und Fürsten der Seitenlinie Nassau-Idstein. Auf die Bitte von Graf Adolf von Nassau-Idstein vergibt König Rudolf von Habsburg der Ortschaft 1287 die Stadtrechte. Graf Adolf von Nassau-Idstein wird fünf Jahre später von 1292-1298 deutscher König.
Im Jahre 1449 wird auf dem Hexenturm der Türmerdienst eingeführt. Um 1500 installiert man eine Turmuhr, die in Richtung des Schlosses ausgerichtet ist, da zum Ort hin bereits eine Kirchenuhr existiert. 1501 erhält der Turm ein aufwändiges, ca. 24 m hohes Dach.
Zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert verschwindet die Burg zugunsten eines Schlosses. 1566 wird erstmals ein Lustgarten unterhalb des Hexenturms erwähnt. Zum Ende des 16. Jahrhunderts sind viele Gerber in der Stadt, die Idstein vor allem im Bereich der Lederindustrie stark fördern. Es entsteht inmitten des 30-jährigen Krieges zwischen 1614 und 1634 das Residenzschloss.
Ca. 1650 wird der Schlossgarten durch Graf Johannes von Nassau-Idstein in einen Lustgarten verwandelt. 1651 folgt ein Brand, der die Pläne zum Ausbau des Schlosses vereitelt. Der vierte geplante Flügel auf der Westseite wird nie errichtet.
1721 erlischt die Linie Nassau-Idstein. In der Folgezeit wird der Schloss als nassauisches Zentralarchiv und ab 1866 als preußisches Archiv genutzt. Man beginnt mit Umbauarbeiten im gesamten ehemaligen Burgareal. So wird beispielsweise 1723 das Dach des Hexenturms verändert und die vier Wichhäuser abgetragen.
Im Laufe des 18. Jahrhunderts entwickelt sich eine bedeutende Lederindustrie in Idstein. 1778 wird die Turmuhr des Hexenturms, die im Laufe der letzten Jahrzehnte immer wieder Probleme gemacht hat, endgültig abgebaut. Auch der Türmerdienst findet 1779 sein Ende. 1810 wird schließlich das Dach des Hexenturms auf 7,5 m Höhe reduziert, wodurch der Turm mehr als 15 m an Höhe verliert.
Die Schlossbrücke war bis 1850 zum Teil als Zugbrücke, bzw. als Holzbrücke instand gehalten worden. Es folgte der Umbau zur Steinbrücke. Das Schloss hingegen diente 1866 weiterhin als preußisches Archiv. Erst 1883 wurde das Archiv aufgehoben. Es folgten unterschiedliche Nutzungen wie zum Beispiel als Zentralarchiv, Genesungsheim, Reservelazarett, Kaserne, Landschulheim, Lehrerbildungsstätte und schließlich als Gymnasium.
Ab 1905 errichtete man ein Genesungsheim für Soldaten der königlichen preußischen Armee im Schlossbau. Oktober 1907 schlug der Blitz im Hexenturm ein. Nach dem Ersten Weltkrieg waren Burg und Schloss durch französische Soldaten besetzt.
Im Zweiten Weltkrieg kam der Ort Idstein ohne nennenswerte Zerstörungen davon. Als die Amerikaner die Stadt unter Beschuss nehmen wollten, stieg Albert Kaus am 28. März 1945 auf den Hexenturm und hisste eine weiße Fahne. Anschließend floh er und entkam nur knapp dem Tod durch deutsche Soldaten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Schloss als Reservelazarett. Seit 1946 beherbergt es ausschließlich Ausbildungsstätten. Im Mai 1962 und im Mai 1976 schlug zweimal der Blitz im Hexenturm ein. 1988 errichtet man den zweigeschossigen Anbau des Gymnasiums im Westen unterhalb des Schlosses zum Tal hin.

Events in der Nähe

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Anfahrt

Von der A3 über die Abfahrt Idstein auf die B275 nach Idstein fahren. Innerorts der Ausweisung zum Stadtzentrum / zum Schloss oder Richtung Heftrich folgen. Parkplätze gibt es in den Straßen Am Hexenturm, Schulgasse und in der Schlossgasse.

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Gastronomie

In der Altstadt vor der Burg gibt es zahlreiche Gastronomien.

Querverweise

Bei folgenden Burgen wird Idstein, Hexenturm erwähnt:

Nassau, Oberreifenberg

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Literatur

- Georg Dehio, "Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler - Hessen", Deutscher Kunstverlag, 1966, München
- Flyer "Der Idsteiner Hexenturm"
- Flyer "Stadt Idstein - Stadtrundgang"
- Informationstafel

Aktualisierung

Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 28.05.2015


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2 thoughts on “Idstein, Hexenturm”

  1. Der Artikel ist widersprüchlich. Das Renaissanceschloss wurde nicht von Georg August Samuel errichtet, sondern von dessen Vater Johann von Nassau. Als Georg Samuel zur Welt kam, war das Schloss bereits fertig. Der barocke Umbau des Schlosses (eigentlich nur im Innern zu erkennen) geht dann wieder auf Georg Samuel zurück.

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