Gößweinstein

Burg Gößweinstein

Burg Gößweinstein

Deutschland / Bayern

Hoch über dem Wallfahrtsort Gößweinstein liegt die gleichnamige Burg. Die Anlage aus dem 11. Jahrhundert bildet zusammen mit der Basilika der Heiligen Dreifaltigkeit ein Pendant aus Sehenswürdigkeiten, das jährlich zahlreiche Touristen anzieht. Die auf steilen Felsen errichtete Anlage wurde gut durchdacht und war nur schlecht einnehmbar. Heute ist sie ein Museum mit möblierten Innenräumen, die unter anderem schöne Wand- und Deckenmalereien aufzuweisen haben.

Burg Gößweinstein
Burg Gößweinstein

Adresse

Burg Gößweinstein Burgstraße 30
91327 Gößweinstein Parken: im Ort, kostenlos

Kurzinfo

Punkte:
Zustand:Halbruine
Burgtyp:Gipfelburg
Nutzung:Museum
Lage:463 m.ü.NN.
Sonnenlicht:05:42-16:16 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten:Saisonal
mehr
Eintrittspreise:kostenpflichtig

Baubestand & Beschreibung

Burg Gößweinstein

Burg Gößweinstein liegt auf einem auslaufenden Bergrücken westlich des gleichnamigen Ortes und bildet aufgrund des guten Erhalts eine imposante Silhouette.
Heute wie damals betritt man das Burgareal über eine Straße vom Ort aus. Man vermutet, dass sich hinter den letzten Häusern, zwischen den Felsgruppen ein Tor befand, das nach der Zerstörung 1525 nicht wieder aufgebaut wurde. Die Straße führt in einer Spitzkehre über die ehemalige Vorburg zur heute noch erhaltenen Kernburg. In der Spitzekehre ist im Westen noch ein sehr tiefer und breiter, zum größten Teil natürlicher Halsgraben zu erkennen. Andere Grabenanlagen wurden vollständig beseitigt und mit Bauschutt aufgefüllt, so dass sich die Grenzen der Vorburg nicht mehr erkennen lassen.
Das Tor zur Kernburg liegt gut versteckt und abgewandt von der Angriffsseite in einer Ecke der äußeren Ringmauer. Durch seine Lage war es nicht einsehbar und konnte nicht eingeschossen werden. Es führt in den südlichen Zwinger, von dem ein weiteres Tor in den Westzwinger mündet, der heute dank einer fehlenden Mauer Teil des Hofes der Kernburg geworden ist. Der Westzwinger war ebenfalls durch eine Mauer und ein weiteres Tor von der Kernburg getrennt gewesen. Die Konstruktion bestand folglich aus zwei Torzwingern, die erst passiert werden mussten um in die Kernburg zu gelangen.
Bis heute ist der Weg über die zwei Zwinger erhalten geblieben. Der Südzwinger wurde im Laufe der Jahrhunderte zum Garten umfunktioniert. Ein Weg gibt die Möglichkeit die Außenmauer zum Ort hin abzulaufen und einen Blick über das Tal und die Basilika schweifen zu lassen. Am Südostende der Mauer trifft man auf einen polygonalen, zinnenbewehrten Wehrturm mit Schießscharten. Es eröffnet sich der Blick auf die Südfassade der Kemenaten und der Kernburg.
Der ehemalige Westzwinger, der als zweiter Torzwinger diente, beherbergt einen aus der Mauerflucht stehenden Wehrturm, der die Möglichkeit bot die Mauer zu bestreichen und Gegner am Tor von hinten zu beschießen. Er war einst durch eine nicht mehr existente Mauer, die an der Nordwestecke der Kemenate anfing von der Kernburg getrennt gewesen. Ein Tor nahe der Kemenaten eröffnete den Zugang zum Burghof.
Die Kernburg besteht heute aus einem l-förmigen Gebäudekomplex, der sich der topographischen Gegebenheit des Felsens anpasst. Die Gebäude wurden 1877, nach dem Ausbau zum Schloss, größtenteils umfunktioniert und beherbergen unterschiedliche Einrichtungen. Der Palas (die Kemenaten) ist das älteste Gebäude der Kernburg. Der Bau hat die stärksten Außenmauern und war nur über einen Eingang im ersten Stockwerk zugänglich gewesen. Eine Holztreppe vor dem Eingang konnte schnell zerstört werden, sofern der Gegner bis in die Kernburg eingedrungen war. Vor dem Gebäude, im Hof, befindet sich der über 40 m tiefe Brunnenschacht zur Zisterne, in der Regenwasser gespeichert wurde. Der Schacht wurde in der Neuzeit überdacht und aus Holz funktionsfähig wieder aufgebaut.
Nach Norden schließt am Palas ein längerer Gebäudekomplex an, der wesentlich niedriger ausfällt als die Kemenaten. Die Gebäude beherbergen heute eine kleine Kapelle mit Sakristei und das ehemalige Burgverlies mit Tonnengewölbe. Die Kapelle entstand erst in der Romantik und wurde mit Wandmalereien und Fresken im Stil des 15. Jahrhunderts bemalt. Man stößt unter anderem auf ein Bleifenster mit Glasmalereien und dem Wappen der ehemaligen Besitzerin Freifrau von Redwitz. In der Kapelle wurden drei Generationen der Freiherren von Sohlern getraut, die heute noch im Besitz der Burg sind.
Direkt neben der Kapelle befindet sich das alte Burgverlies, das 8 m tief in den Felsen gehauen wurde. Der Zugang erfolgte über ein kleines viereckiges Loch. Heute sind dort Totenschädel zu finden, die man mit der Renovierung 1890 im Bauschutt im Verlies fand. Rechts vom Verlies führt ein Weg in die Kemenaten und zum alten Steingang, der heute zahlreiche Waffen und Rüstungen ausstellt. Unter anderem findet man hier kleine Geschütze, genannt Böller, die im vorigen Jahrhundert für Salutschüsse benutzt wurden. Die Kemenaten beherbergen heute Räume, die man besichtigen kann. Darunter fällt das Burgfrauenzimmer, auch romanisches Zimmer genannt, das im Stil des Mittelalters eingerichtet wurde. Nördlich davon steht ein Treppenturm, der im Zuge der Restaurationen wesentlich erhöht wurde und ein zinnenbewehrtes Dach erhielt, weshalb er oft irrtümlicherweise für den Bergfried gehalten wird.
Vom touristischen Aspekt her ist Burg Gößweinstein zusammen mit der Basilika einen Ausflug wert. Die sehr gut erhaltenen Anlage und die großzügige Bewegungsfreiheit, sowie die seltene Konstruktionen wie zum Beispiel die Lage des Tores laden zum Entdecken und Verweilen ein.

Historie

Burg Gößweinstein wird das erste Mal urkundlich im Jahre 1076 genannt. In jenem Jahr siegte König Heinrich IV. über die Sachsen. Bischof Burkhard von Halberstadt war damals Gefangener auf Burg Gößweinstein. Die Anlage wurde wahrscheinlich durch den Grafen Gozwin vom Grabfeldgau erbaut (wahrscheinlich aus der Linie von Henneberg stammend). Seine Nachfahren nahmen später die Namen von Höchstadt und von Stahleck an. Teilweise heirateten sie sogar in das Kaisergeschlecht der Staufer ein. Noch vor 1102 geht die Anlage Gößweinstein an das Hochstift Bamberg. Das Hochstift setzte Burggrafen ein, die aus dem Geschlecht Schönfeldt stammten. Am 1. März 1124 wird in einer Urkunde Poppo II. genannt. Ein Teil der Familie nimmt in der Folge den Namen der Burg an. 1140 und 1146 werden die Brüder Bruno II. und Poppo III. von Gößweinstein genannt. Letzte Nennung erfolgt 1174.
Im Jahre 1243 wird die Burg Gößweinstein, immernoch im Besitz der Bamberger Bischöfe, als verpfändet (an Eberhart V. von Schlüsselberg) aufgeführt. 1308 stirbt der letzte Pfandinhaber, Gottfried I. von Schlüsselberg, so dass die Anlage zurück an Bamberg geht. Es folgt die Nutzung als Amt des Hochstifts 1323 und 1327. 1348 ist die Burg wieder als bischöfliches Lehen an adelige Burgmannen vergeben. Das Lehen war unter anderem den Geschlechtern Egloffstein, Stübig-Neckar, Königsfeld, Ochs, Ermreich, Gräfenberg und Hirschaid zugesprochen gewesen.
Zur ersten möglichen Zerstörung kam es wahrscheinlich 1430 im Hussitenkrieg. Der Westteil, heute Vorhof, soll danach nicht wieder aufgebaut worden sein. In den Bauernkriegen 1525 wurde die Anlage stark beschädigt und teilweise abgebrochen. Nach den Bauernkriegen wurden die Einwohner des Ortes dazu gezwungen die Anlage bis 1532 wieder aufzubauen. Den Bergfried hat man im 17. Jahrhundert abgebrochen. Dieser wird 1510 und 1599 schriftlich genannt. 1605 wird Burg Gößweinstein umfangreich umgebaut durch den Fürstbischof Johann Philipp von Gebsattel. Es folgen weitere Bauarbeiten nach einem Blitzschlag im Jahre 1690. Von 1694 bis 1697 errichtete man einen schlanken Rundturm, genannt Schneckenturm. 1712 wird der Eingang, eine Holztreppe am unteren Tor, aufgrund seiner nicht mehr gerechten militärischen Funktion durch eine Erdaufschüttung und eine Steinmauer ersetzt. Die Burgkapelle Sankt Lorenz wird 1720 abgebrochen.
Zwischen 1731 und 1770 diente Burg Gößweinstein nur als Jägerwohnung und Getreidelager und verfiel zusehends. 1747 wurde die Burg notdürftig ausgebessert. 1770 zogen die Vogteien Gößweinstein und Wolfsberg wieder ein. Aufgrund des schlechten Zustands 1785 überlegt man das Schloss vollständig abzubrechen. Bamberg, immer noch Besitzer, entscheidet sich stattdessen für einen gründlichen Wiederaufbau. Es entstand unter anderem ein überdachter Treppenaufgang vom Amtsknechtshaus zu den Kemenaten. 1810 zieht das Rentamt Pottenstein nach einer Renovierung auf der Burg ein. Man ersetzte den Giebel der Kemenate gegen ein Walmdach.
Das Königreich Bayern entscheidet sich 1875 zum Verkauf von Gößweinstein an den Freiherrn Edgar von Sohlern, dessen Nachfahren noch heute Besitzer sind. Der neue Burgherr begann 1890 mit einem Umbau im neogotischen Stil. Es wurden der Treppenaufgang vom Amtsknechtshaus und zwei Zisternen im Vorhof abgebrochen. Die Dachstruktur wurde großflächig verändert. So erhielt beispielsweise der Schneckenturm einen Zinnenkranz.

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Anfahrt

Burg Gößweinstein liegt im gleichnamigen Ort, westlich von Pegnitz. Man erreicht Burg und Ort am besten über die A9 Ausfahrt "Pegnitz" und weiter über die B470 Richtung Pottenstein, Gößweinstein. In Gößweinstein fährt man zur Touristeninformation bzw. Richtung Stadtverwaltung (vor bzw. gegenüber der Wallfahrtsbasilika links abbiegen). Dort gibt es in der Burgstraße und der "An der Wagnershöhe" Parkplätze. Von hier ist die Burg schon zu sehen und der Fußweg ausgeschildert.

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Aktualisierung

Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 20.01.2009


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