Burg Eketorp

Burg Eketorp

Schweden / Schweden

Inhaltsverzeichnis

Kurz & gut

Eketorp ist eine runde Wallburg, die heute ein Freilichtmuseum beherbergt. Sie wurde aufwendig rekonstruiert und stellt heute das Aussehen einer typischen Burganlage der Region im 7. und im 12. Jahrhundert dar. Der Besucher wird in dem Freilichtmuseum in die Zeit zurückversetzt. Es gibt freilaufende Hühner und Schweine, sowie zahlreiche Handwerksgegenstände zum Ausprobieren. Bei einem Besuch von Öland darf Eketorp nicht fehlen!

Bilder

Burg Eketorp 1
Burg Eketorp 2

Baubestand & Beschreibung

Burg Eketorp liegt auf der Insel Öland und ist eine von achtzehn Burgen, die zum Schutz der Insel in der Zeit vom 4. bis zum 7. Jahrhundert gegründet wurden. Sie wurde durch ihre exponierte Lage im Südosten über die Jahrhunderte stark ausgebaut und gehört zu den am best erforschten Ringburgen Schwedens. In der Zeit von 1964 bis 1984 baute man die Burg auf den Grundlagen alter Vorlagen und Funden wieder auf und gab ihr das Aussehen des 12. Jahrhunderts zurück.

Eketorp damals
Ursprünglich stammt Eketorp aus der Zeit um 300. Die Anlage bestand vermutlich aus einer Ringmauer aus Trockenmauerwerk mit einem kleinen zurückversetztem Tor. Die Burg hatte einen Durchmesser von 60m und beherbergte 20 Häuser, die sich alle an der Ringmauer anlehnten. In der Mitte lag ein kleiner Brunnen und ein Kultplatz. Mit dem Wiederaufbau um 400 verlegte und verbesserte man die Ringmauer in der Breite und in der Höhe. Der Kultplatz verschwand zu Gunsten weiterer Häuser. Die Anlage besaß nun einen Durchmesser von über 80m und beherbergte 53 Häuser, von denen 30 als Wohnhäuser, 10 als Werkstatt und 13 als Ställe dienten. Der Brunnen kam an die Ringmauer. Drei Tore dienten als Ein- und Ausgänge: zwei Tore für Karren und eines für einzelne Personen.
Nach dem Verfall im 8. Jahrhundert wurde Eketorp ein weiteres Mal um 1170 aufgebaut. Man bediente sich der alten Ringmauer und verstärkte diese ein weiteres Mal in Höhe und Breite. Das nördliche Tor wurde verschlossen und das südliche erheblich verstärkt. Das Manntor im Nordosten blieb erhalten und diente wahrscheinlich als Ausfalltor. Im Inneren entstanden kleinere Bohlenfachwerkhäuser, die sich strahlenförmig zur Mitte der Burg hin richteten, wodurch die Bebauungsdichte innerhalb der Burg viel lichter wurde als m 7. Jahrhundert. Um das Tor vor Geschossen zu schützen, erhielt Eketorp eine zweite äußere Ringmauer, die aber bei weitem nicht so hoch und breit war, wie die Mauer der Kernburg. Auch soll sie keine Zinnen gehabt haben. Der Eingang lag versetzt, wodurch sich zwischen den beiden Mauern ein Torzwinger auftat. Das Tor der Kernburg war entweder rundbogig oder eckig und lag in einem Torturm, der wie der Rest der Anlage aus Trockenmauerwerk bestand. Oberhalb des Tores befand sich eine Schießscharte, die das Tor flankierte. Ein sehr breiter Wehrgang führte auf der Ringmauer entlang und endete beim Tor.

Eketorp heute
Mit den Ausgrabungen und dem Wiederaufbau der Burg von 1964 bis 1984 wurde Eketorp ein berühmtes Ausflugsziel in die Vergangenheit. Heute beherbergt die Burg ein Freilichtmuseum, das sich aus der Burg und einem etwas entfernt gelegenem Sanitär- und Kassenbereich zusammensetzt. Die Anlage erhielt bei der Rekonstruktion ein Aussehen, das zum Teil das Eketorp des 7. Jahrhunderts und das des 13. Jahrhundert widerspiegelt. Man entfremdete die Anlage ein wenig um die einzelnen Epochen deutlich zeigen zu können. Ein Fußweg führt von Süden her kommend zum Südtor, das im Stil des 12. Jahrhunderts errichtet wurde. Vor dem Tor sind noch deutlich die Grundmauern der ehemaligen äußeren Ringmauer erkennbar, die im Zuge des Verfalls nach 1400 vollständig verloren ging. Eine Zugkraftschleuder, ähnlich einem Tribock steht vor dem Tor und deutet auf die alte Belagerungsmaschinerie hin.
Die Kernburg betritt man heute über das Südtor. Das Tor beherbergt weit in die Burg gezogene Mauerwangen, die vollständig überdacht sind und somit einen kurzen Tunnel bilden, ähnlich einer Poterne. Der Torturm, in dem sich das Tor befindet, ist höher als die Ringmauer und unterbricht an dieser Stelle den Wehrgang, der im Zuge der Restauration wieder vollständig aufgebaut und mit Zinnen bewehrt wurde. Der Turm und die Ringmauer wurden vollständig aus Trockenmauerwerk gebaut und weisen zwischen der Innen- und der Außenschale Füllwerk auf, dass sich im Norden in einem Stück fehlender Mauer sehr gut erkennen lässt.
Im Zuge des Wiederaufbaus errichtete man auch das Nordtor aus dem 7. Jahrhundert, das nur aus einem Stück fehlender Mauer bestand. Das Loch war gerade einmal für einen Karren groß genug und war allem Anschein nach mit Türen aus Holz verschlossen. Flankiert wurde es von dem Wehrgang von der Ringmauer aus.
Das Innere der Burganlage wurde teilweise im Stil des 7. bzw. 8. Jahrhunderts wieder aufgebaut. Ursprünglich standen zu dieser Zeit Steinhäuser und Holzhäuser mit steinernen Grundmauern in der Burg, die an der Ringmauer anlehnten. Den mittleren Part nahm eine weitere Häusergruppe ein, die ebenfalls rekonstruiert wurde. Die mittelalterlichen Bauten, die im 11. bis 13. Jahrhundert das Bild der Burg prägten, bestanden aus Holz und sind somit vollständig verschwunden. Von den Steinhäusern aus dem 4. bis 7. Jahrhundert lassen sich hingegen noch die Grundmauern und Positionen erkennen, sofern diese nicht wieder aufgebaut wurden.
Das Innere der Burg wird heute durch das Freilichtmuseum sehr effizient genutzt. Die einzelnen Gebäude sind alle zugänglich und beherbergen Ausstellungsstücke und archäologische Funde, sowie zahlreiches Bild- und Textmaterial in Schwedisch, Englisch und Deutsch. Nachgebaute Möbel und Werkgegenstände, sowie möblierte Zimmer nach altem Vorbild lassen die Gebäude authentisch wirken. Die Hofsituation wird durch frei laufende Hausschweine und Hühner, sowie Museumsangestellte und Ehrenmitarbeiter in zeitgenössischer Tracht geprägt und geben dem Besucher die Möglichkeit in die ehemalige Zeit einzutauchen. Zahlreiche Spiele und alte Handwerkskunst können frei erprobt und ausprobiert werden. Bogenschießen und Hufeisenwerfen gehören zu den Hauptattraktionen der jungen Besucher. Ein kleines freigegebenes Stück Wehrgang auf der Ringmauer soll zudem die damalige Wehrhaftigkeit der Mauern verdeutlichen. Große Zinnen, die rekonstruiert wurden, gaben dem Schützen auf der Mauer ausreichend Schutz. Ein rekonstruierter Brunnen und ein kleiner Gewürzgarten deuten auf die Selbständigkeit der Anlage im Falle einer Belagerung hin.
Vom touristischen Aspekt her ist Eketorp ein Muss bei einem Besuch Ölands. Die Burg und ihre engagierten Mitarbeiter, die in verschiedenen Sprachen jede Frage beantworten, sind ein relevantes kulturhistorisches Gut zur Entschlüsselung der alten Lebensweise und des damaligen militärischen Bauwesens.

Historie

Die Burg Eketorp stammt ursprünglich aus dem 4. Jahrhundert nach Christus und ist die am südlichsten gelegene Anlage auf der Insel Öland. Man vermutet, dass der mittelalterliche Name Gräsgaard war. Im 4. Jahrhundert herrschte auf Öland ein großer Wohlstand, den es zu verteidigen galt. Etwa 20 Familien, die in der Nähe ansässig waren, errichteten zusammen diese Fluchtburg und bauten sie zu einem Sammelplatz für die umliegende Bevölkerungen aus. Der Sammelplatz, bestehend aus einer kleinen Rundburg mit kleinem Tor existierte nur wenige Generationen und wurde anschließend zu einem befestigten und größeren Bauerndorf erweitert. In der Zeit der Völkerwanderung waren plötzliche Angriffe keine Seltenheit, weswegen man das Bauerndorf gut befestigte. Es existierte in etwa von 400 bis 700 nach Christus und war eine von sechzehn bekannten Burgen, die zu dieser Zeit auf Öland entstanden. Innerhalb der schützenden Ringmauer, die zu diesem Zeitpunkt schon aus Trockenmauerwerk gewesen sein soll, wohnten 150 bis 200 Menschen mit Haus- und Nutztieren. Im 7. Jahrhundert schien in der Region die Zeit ruhiger geworden zu sein und man überließ Eketorp dem Verfall.
Zum Ende des Wikingerzeitalters in der Mitte des 11. Jahrhunderts wurde Eketorp erneut aufgebaut und um 1170 wieder in Betrieb genommen. Die Zeit war durch kriegerische Auseinandersetzung zweier Thronanwärter von 1130 bis 1250 geprägt. Öland erfuhr immer wieder Überfälle durch slawische und baltische Seeräuber und wurde somit stark ausgebaut. Heute ist die Insel die Region mit der größten Burgendichte in Schweden.
Die Anlage existierte bis in das 13. Jahrhundert, wurde aber schließlich zu Gunsten der modernen Festungen Kalmar und Borgholm wieder aufgegeben. In der Zeit vom 11. zum 13. Jahrhundert war die Anlage kontinuierlich bewohnt und besaß ein völlig neues Aussehen. Die Gebäude lagen dicht an dicht an den Außenwall gelehnt und es existierte eine zweite Ringmauer, ähnlich einem Ringzwinger. Zudem nutzte man effizientere Bohlenfachwerkhäuser, die heute noch in einigen öländischen Reihendörfern zu sehen sind. Man geht davon aus, dass die Burg eine Garnison aufwies und die südöstlichste Grenzfestung und Vorposten des Reiches Svear war. Zahlreiche gefundene Hufeisen weisen auf den Aufenthalt einiger Ritterverbände hin.
Im Jahre 1964 kam es zu den ersten Ausgrabungen. 1974 beginnt man mit dem Wiederaufbau und 1984 eröffnet der König das Museum.

Events in der Nähe

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Anfahrt

Eketorp liegt im südöstlichen Teil von Öland und ist weiträumig ausgeschildert. Die Anlage befindet sich nahe der Verbindungsstraße zwischen Grönhögen und der östlichen Schnellstraße, südlich von Gräsgard.

Buchtipp: Burgen in Baden-Württemberg

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Burgenarchiv.de
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Querverweise

Bei folgenden Burgen wird Eketorp erwähnt:

Burg Triberga

Aktualisierung

Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 14.05.2009


Burgen in der Umgebung

Burg Träby Borg

ehemalige Burg
380 6 Degerhamn-Träby
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380 6 Degerhamn-Triberga
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