Zollernschloss

Burg Zollernschloss

Deutschland / Baden-Württemberg

Das Zollernschloss liegt malerisch an der Südostecke der Altstadt von Balingen. Die eindrucksvolle und schöne Wasserburg wurde im Zuge der Jahrhunderte in ein Schloss umgebaut und in der Stadtmauer integriert. Bis heute haben sich der Schlossbau, das Reiterhaus und ein Wehrturm erhalten. Die Bauwerke beherbergen ein Museum und eine Jugendherberge. Die Außenbereiche und der Burghof sind frei betretbar. Ein kurzer Besuch zusammen mit der Altstadt lohnt sich.

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Adresse

Burg Zollernschloss
Schlossstr. 5
72336 Balingen
Parken: im Ort, kostenlos

Kurzinfo

Punkte:
Zustand: Burg
Burgtyp: Wasserburg, Stadtburg
Nutzung: Museum, Jugendherberge
Lage: 515 m.ü.NN.
Sonnenlicht: 07:04-16:07 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten: Ganzjähirig
Burghof: offen
mehr
Eintrittspreise: Burg: frei
Museum: kostenlos

Baubestand & Beschreibung

Direkt an der Mündung des Flusses Steinach in den Fluss Eyach liegt das malerische Zollernschloss. Die Anlage stammt aus dem 13. Jahrhundert und wurde mit der Entstehung der Stadtmauer in diese integriert. Es schützte die Stadt und flankierte die Stadtmauer nach Südosten hin. Heute beherbergt die Anlage ein Heimatkundemuseum und eine Jugendherberge. Es haben sich zwei Gebäude (Schlossbau und Reiterhaus), ein Wehrturm und Teile der Ringmauer, bzw. der Stadtmauer erhalten.
Ursprünglich bestand die Anlage aus mehreren Gebäuden, die innerhalb einer quadratischen Ringmauer lagen. An jeder Ecke standen große, runde Wehrtürme, die die Burg sowohl nach außen, wie auch zur Stadt hin verteidigen konnten. Die Wehrtürme waren außerhalb der Burg und über Wehrgänge erreichbar.
Größtes und eindrucksvollstes Gebäude ist der Schlossbau. Er diente ursprünglich als Palas, bzw. Wohnturm und wurde im Laufe der Geschichte mehrmals umgebaut, da die alte Bausubstanz aufgrund ständiger Vernachlässigung immer wieder baufällig wurde. Der Schlossbau besteht aus einem Steinbau, auf dem ein Fachwerkbau ruht. Der Fachwerkaufsatz und das massive Dach geben dem Bauwerk ein eindrucksvolles Auftreten. Das Gebäude hat eine Grundfläche von 16,7 x 11,7m und 1,0m bis 1,5m dicke Mauern.
Im Inneren befindet sich heute ein Museum, das sich mit Gewichten und Waagen auseinandersetzt. Von den ersten Obergeschoss gehen damals wie heute Türen auf die Wehrgänge ab. Im Südosten führt eine hölzerne, überdachte Brücke in den letzten erhaltenen Wehrturm, der Wasserturm genannt wird.
Der Wasserturm soll nahezu so alt wie das Schloss sein. Das Dachwerk stammt von 1483 und ist zum Teil original erhalten. Ursprünglich besaß der Turm nur einen Eingang im ersten Obergeschoss, der wie bereits erwähnt mit einer Brücke mit dem Schlossbau verbunden ist. Die unteren vier Geschosse wurden aus Schichtenmauerwerk errichtet. Das oberste Stockwerk besteht aus Fachwerk, auf dem ein spitzes Zeltdach ruht.
Im dritten Obergeschoss befand sich eine Kapelle mit Sternenrippengewölbe, deren Kapellenfenster noch von der Ostseite aus zu sehen sind. Es ist die einzige große Öffnung. Der Turm besitzt in nahezu alle Richtungen Schießscharten, die mit sauberen Werksteinen in die 1,7 m dicke Außenmauern eingearbeitet wurden. Anhand der Öffnungen erkennt man, dass man über den Turm sowohl die Wehrmauern, wie auch die Bereiche vor der Stadt unter Beschuss nehmen konnte. Die anderen drei Türme, die heute nicht mehr vorhanden sind, sahen wahrscheinlich identisch aus. Im 19. Jahrhundert diente der Wasserturm als Gefängnis.
Vor dem Wasserturm fließen die Flüsse Steinach und Eyach zusammen. Sie bildeten an dieser Stelle einen natürlichen Wehrgraben, der die halbe Stadt nach Süden und nach Osten umschloss.
Direkt neben dem Schlossbau steht im ehemaligen Burghof das Reiterhaus. Das Bauwerk weist ein Erdgeschoss, zwei Stockwerke und ein großes Dach auf. Es wurde vollständig aus Fachwerk errichtet und ruht nach außen hin auf der alten Wehrmauer. Heute beherbergt der Bau eine Jugendherberge.
Direkt neben der Jugendherberge erstrahlt heute in glänzendem Weiß die Zehntscheuer. Das Gebäude entstand nach Errichtung der Stadtmauer unter den Grafen von Württemberg vor 1495. Es wurde 1607 und 1672 durch die schweren Stadtbrände beschädigt. Ursprünglich lag die Zehntscheuer außerhalb der Kernburg nahe der Ringmauer und dem Graben. Der Bereich westlich des Schlosses, also zur Stadt hin, beherbergte das herzogliche Gestüt, wo vor allem Zuchthengste gehalten wurden.
Von der Atmosphäre her ist das Zollernschloss sehr angenehm. Es liegt leicht abseits der Altstadt und kann von außen frei erkundet werden. Die eindrucksvollen Gebäude mit großem Anteil an Fachwerk sind gern gesehene Fotomotive und laden zum genauen Betrachten ein. Durch hervorragende Restaurations- und Konservierungsarbeiten erstrahlt der Schlosskomplex in hervorragendem Zustand und lässt sich seine Geschichte als ständig baufällige Halbruine nicht mehr anerkennen. Die Anlage, die schöne Altstadt und die angrenzenden, kleinen Grünflächen laden heute zum Spazieren und Entdecken ein.

Historie

Schloss Balingen ist wahrscheinlich als Stadtburg im 13. Jahrhundert entstanden. Man geht davon aus, dass die Anlage zeitgleich mit der Stadtgründung errichtet wurde. Sie nimmt die südwestliche Ecke der Stadtmauer ein und schützte sie in diese Richtung. In einer archäologischen Untersuchung von 1934 stieß man auf Hinweise, dass das Obergeschoss 1372 erneuert wurde.
1403 wurde das Schloss mitsamt der Herrschaft Schalksburg an derer von Württemberg verkauft. Das Geschlecht setzte einen Obervogt ein, der die Herrschaft und die anliegenden Territorien verbreitete. Zu dieser Zeit lebten bis zu 30 Personen auf dem Schloss.
Im Dreißigjährigen Krieg kam es zu Beschädigungen, die das Schloss unbewohnbar machten. Der Obervogt, der zwischen 1649 und 1675 die Verwaltung der Region übernahm, hieß von Kandel. Er schreibt in einem Brief, dass das Schloss in einem furchtbaren Zustand sei und vollständig erneuert werden müsse. Sowohl die Wehranlagen, wie auch die Wohnräume seien nicht nutzbar.
Frühling 1651 waren die Reparaturen abgeschlossen und der Burgvogt zog ein. Sein Nachfolger Georg Ehrenreich von Closen ließ das gesamte Dach erneuern, da es statische Probleme gab, die durch den Wiederaufbau entstanden sind. 1682 war die Anlage schließlich wieder komplett bewohnbar.
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts sollte das Zollernschloss privat verkauft werden, da es sowohl als Wohnresidenz, wie auch als Wehranlage nicht benutzbar war. Unter der Auflage, dass der Burghof dem benachbarten Gestüt zur Ausführung von Pferden bereit stünde, fand man keinen Käufer. Der schlechte Zustand des Fachwerks und bauliche Mängel aus vorhergegangenen notdürftigen Reparaturen schreckten viele Käufer ab. Erst im Mai 1753 kaufte der Patron Johannes Pfeiffer zusammen mit Johannes Hassis das Grundstück für 1800 Gulden unter der Voraussetzung, dass der Burghof nicht dem herzoglichen Gestüt zur Verfügung gestellt wird. Das Reiterhaus diente ab diesem Zeitpunkt als Brauerei und Herberge. Der eigentliche Schlossbau wurde nur noch als Vorratslager und Scheune genutzt.
1911 sollte der gesamte Schlosskomplex versteigert werden. Das Königliche Landeskonservatorium forderte die Stadt Balingen auf das Grundstück zu erwerben. Die Idee war die Gründung eines Heimatmuseums, das hauptsächlich von der Stadt getragen wird.
Im April 1920 erwarb die Stadt schließlich das Schloss und das Reiterhaus für 65.000 Mark. Nach einer Einschätzung eines Sachverständigen durften die Gebäude weder bewohnt, noch als Unterbringung einer öffentlichen Institution genutzt werden, so dass 1922 nach notdürftiger Reparatur eine Jugendherberge im Reiterhaus untergebracht wurde. Schon drei Jahre später, im April 1925, beginnt eine neue Diskussion über den Abriss des Schlosses. Es war wieder baufällig.
Bis 1934 hat man den Wasserturm renoviert. Januar 1935 erhielt man staatliche Zuschüsse von 17.000 Reichsmark, um ein Heimatmuseum einzurichten. Die Restaurierung des Gebäudes kostete 140.000 Reichsmark. Das Geld konnte nur mühsam von der Stadt aufgebracht werden. Die Kosten stiegen nochmals in die Höhe, als man herausfand, dass die Fundamente und die Gewölbedecken des Kellers vollständig erneuert werden mussten.
Bei der Restauration verwendete man zum größten Teil originales Baumaterial, das trotz des schlechten Zustands noch brauchbar war. Im Juni 1936 feierte man Richtfest. Heute weist das Schloss ein Museum für Waagen und Gewichte auf und ist mit über 400 Exponaten eine der größten Sammlungen zu diesem Thema. Im Reiterhaus befindet sich immer noch eine Jugendherberge.

Events in der Nähe

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Anfahrt

Das Zollernschloss liegt in der gleichnamigen Ortschaft nahe der B27. Über die A81 Ausfahrt "Oberndorf am Neckar" nach Rosenfeld und weiter über Geislingen nach Balingen. In Balingen der Ausschilderung zum Freibad folgen und in der Heinzlenstraße auf dem Parkplatz des Freibades parken. Der Einbahnstraße zu Fuß weiter folgen und über die Friedrichstraße rechts in die Schlossstraße. Das Schloss ist von dem Parkplatz aus schon zu sehen.

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Literatur

- Friedrich-Wilhelm Krahe, "Burgen des deutschen Mittelalters- Grundriss-Lexikon", Stürtz Verlag, 2000, Würzburg, ISBN: 3-88189-360-1
- Diverse, Herausgeber: Karl Seith, Max Miller, "Historische Stätten VI- Baden-Württemberg- 6. Band", Alfred Kröner Verlag, 1965, Stuttgart
- Diverse, Herausgeber: Dt. Burgenvereinigung, "Burgen in Mitteleuropa- Ein Handbuch", Konrad Theiss Verlag GmbH, 1999, Stuttgart, ISBN: Bestellnummer 14464-3
- Darius Lenz, "Burgen in Baden-Württemberg- Die geographisch-topographische Ausbreitung zwischen dem 7. und dem 15. Jahrhundert", VER Verlag, 2014, Karlsruhe, ISBN: 978-3-944718-01-9

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Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 10.04.2014

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