Marburg

Burg Marburg

Deutschland / Hessen

Auf einem Sporn hoch über Marburg liegt das Landgrafenschloss Marburg. Der majestätische Prachtbau geht aus einer mittelalterlichen Burg aus dem 13. Jahrhundert hervor. Marburg war Hauptsitz der Landgrafen von Hessen und gehörte somit zu den wichtigsten Wehranlagen des Landes. Der gotische Fürstensaal im Inneren des Schlosses weist 420 Quadratmeter auf und ist damit der größte, gotische Profansaal Deutschlands. Das Schloss beherbergt heute ein Museum. Ein Besuch lohnt sich!

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Adresse

Burg Marburg
Gisonenweg
35037 Marburg
Parken: Parkplatz, kostenlos

Kurzinfo

Punkte:
Zustand: Schloss
Burgtyp: Spornburg
Nutzung: Museum
Lage: 500 m.ü.NN.
Sonnenlicht: 04:13-18:33 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten: ganzjährig
Apr-Okt:
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Eintrittspreise: Außenanlage: frei
Burg: Museum
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Baubestand & Beschreibung

Hoch über der schönen Altstadt von Marburg thront weit sichtbar das Landgrafenschloss Marburg. Es liegt auf einem Bergsporn im Lahntal und ist heute Wahrzeichen der Stadt. Die mächtige Anlage geht auf eine kleine Burg zurück, die im Laufe der Jahrhunderte immer weiter ausgebaut wurde, sodass man heute auf einen großen Schlosskomplex stößt. Marburg beherbergt ein Museum, das fast das gesamte Schloss einnimmt und unzählige Exponate aufweist.

Schloss Marburg damals
Ursprünglich geht das Landgrafenschloss auf eine kleine Burg zurück, die schon im 10. Jahrhundert existent gewesen sein soll. An der Stelle einer Holzburg entstand im 12. Jahrhundert ein Steinturm, um den zuerst eine Ringmauer und anschließend Gebäude errichtet wurden. Ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde die Burg Stammsitz und hessische Residenz, sodass viel Geld in den Ausbau floss. 1292 zogen die Landgrafen von Hessen auf die Anlage, wodurch Schloss Marburg zur Keimzelle des heutigen Bundeslandes wurde. In der Folgezeit wurde das Landgrafenschloss immer mehr erweitert.
Während des Mittelalters war der Sporn, auf dem die Burg lag, sehr leicht zu verteidigen. Mit der Erfindung der Feuerwaffe kam es zum Umbau zur Festung, die aufgrund der umliegenden Gebirge keine Chance gegen Kanonen hatte und deshalb mehrfach erobert wurde.

Schloss Marburg heute
Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde Schloss Marburg ausgiebig restauriert und herausgeputzt, sodass es heute in neuem Glanz erstrahlt. Die Anlage beherbergt ein Museum und einen weitläufigen Außenbereich, der unzählige Touristen und Einheimische zum Verbleiben und Genießen der Aussicht einlädt.

Außenanlage und Zugänge
Schloss Marburg geht auf eine klassische Spornburg zurück. Die Anlage wird im Norden, Osten und Süden durch steile Hänge und die Stadt geschützt. Im Westen liegt ein ausgedehnter Bergrücken, von dem die Anlage ursprünglich angegriffen werden konnte. Aus diesem Grund errichtete man hier eine große Festungsanlage, die 1974 ausgegraben wurde. Ein mächtiger Halsgraben trennt noch heute die Burg vom Berg.
Das Landgrafenschloss besaß ursprünglich zwei Eingänge, die heute noch partiell existent sind. Es gibt das Westtor vom Parkplatz aus und das Südtor für Fußgänger und Radfahrer von der Altstadt aus.
Das Südtor führt direkt von der Stadt über die Landgraf-Philipp-Straße auf den Platz der Vorburg. Es hat sich ein Torbau erhalten, der ursprünglich aus dem 13. Jahrhundert stammt und ca. 1490 sein heutiges Aussehen erhielt. Dieser Weg war ursprünglich der mittelalterliche Pfad von der Stadt hoch zur Burg. Das Tor wird noch heute durch einen mächtigen Rundturm und die Südterrasse der Burg flankiert. Von beiden Bereichen ließen sich Gegner vor dem Tor ungehindert unter Beschuss nehmen.
Das Westtor verbindet das Schloss mit dem Parkplatz und dem Schlosspark. Es stammt aus dem 15. Jahrhundert. Von dem Schlossparkplatz führt der Weg über zwei Brücken und über den Halsgraben zum Westtor und direkt dahinter in die Vorburg. Die ehemalige Zugbrücke, die sich direkt vor dem Tor befand, wurde im Laufe der Zeit durch eine Steinbrücke ersetzt. Der mittelalterliche Torturm war noch 1632 existent, ist heute aber nur noch bruchstückhaft vorhanden.
Von der Brücke vor dem Tor lassen sich heute noch die mächtigen Kasematten im Graben erkennen.

Vorburg mit Marstall und Zeughaus
Beide Tore münden in der Vorburg. Es handelt sich um einen ausgedehnten Bereich, der heute zum größten Teil aus einem Parkplatz besteht. Die Nordseite der Vorburg wird durch den Marstall und das Zeughaus begrenzt. Im Südwesten befindet sich das Kommandantenhaus aus dem 17. Jahrhundert, das auf den Grundmauern der alten Schmiede steht. Man geht davon aus, dass die Vorburg im 13. Jahrhundert errichtet und anschließend immer wieder ausgebaut wurde.
Im Norden wird die Vorburg durch den Marstall und das Zeughaus eingerahmt. Der Marstall ist ein viergeschossiger Bau, dessen Eingang heute ein großes Renaissanceportal von 1573 bildet. Das Gebäude stammt wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert und besaß bis 1575 zwei Obergeschosse aus Fachwerk, die nach dem 30-jährigen Krieg durch Steinbauten ersetzt wurden. An der Rückseite des Gebäudes lassen sich noch Spuren und andere Steinarten erkennen, die darauf hinweisen, dass die Rückwand zur Ringmauer der Vorburg gehörte und aus dem 13. Jahrhundert stammt.
Das Zeughaus, das direkt rechts neben dem Marstall steht, ist von den Grundmauern her eines der ältesten Gebäuden der Vorburg. Es wurde im 13. Jahrhundert errichtet und im 14. und 15. Jahrhundert erweitert, um es als Zeughaus nutzen zu können. Neben dem Gebäude befindet sich ein kleines Tor, über das man heute noch auf die Nordterrasse des Schlosses gelangt.

Nordterrasse und Südterrasse
Die Kernburg bzw. das heutige Hochschloss wurde im Mittelalter von einer ausgedehnten Zwingeranlage eingerahmt. Diese Zwingeranlage hat man in späterer Zeit in Nordterrasse und Südterrasse verwandelt.
Die Nordterrasse beherbergt heute noch kniehohe Mauern von Wirtschaftsgebäuden aus dem 16. Jahrhundert, die im 19. Jahrhundert abgebrochen wurden. Unterhalb der Terrasse haben sich Spuren erhalten, die man einem dritten Tor zuordnet, das hier in die Nordterrasse mündete.
Im Süden schließt die ausgedehnte Südterrasse an. Sie entstand unter Landgraf Hermann I. und beherbergt keine Gebäude. Von hier eröffnet sich eine eindrucksvolle Sicht auf die imposante Südfassade und die schöne Schlosskirche. Die Südmauer wird noch heute von Bogensegment stützen getragen, die zu ihrer Bauzeit eine bemerkenswerte Leistung waren.
Sowohl von der Nordterrasse, wie auch von der Südterrasse gelangt man heute in die Kernburg bzw. in das Hochschloss.

Kernburg, Hochschloss
Wichtigstes Element des Landgrafenschlosses Marburg ist das Hochschloss. Es liegt auf der höchsten Stelle des Berges und besteht aus einem hufeisenförmigen Gebäudekomplex, der nach Osten geöffnet ist. In dem Hufeisen liegt ein schmaler Innenhof, über den die Gebäude erschlossen sind. Vor dem Eingang im Osten entstand gegen Ende des 15. Jahrhunderts der Wilhelmsbau, der noch heute mit einer einzigartigen Brücke mit dem Hochschloss verbunden ist.
Die Kernburg, bzw. das Hochschloss setzt sich aus dem Küchenbau (Leutehaus) und dem Saalbau im Norden (rechte Hofseite), dem Westflügel im Westen und dem Landgrafenbau (Südflügel) und der Schlosskapelle (links im Hof) im Süden zusammen. Im Osten befindet sich das Eingangstor, das ursprünglich aus dem 13. Jahrhundert stammt, heute aber keinerlei Abwehranlagen mehr aufweist, da das Obergeschoss durch die Sakristei der Kirche eingenommen wird.
Besonderheiten sind die Schlosskapelle und der Saalbau, die einzigartige Profanbauten der Gotik bilden. Im hinteren Bereich des Hofs (Westseite) lassen sich zwei Treppentürme erkennen, die vermutlich von 1486 bzw. 1567 stammen. Der Zugang zum Museum erfolgt über den Küchenbau im Nordosten. Ein Rundweg führt durch alle Gebäude des Schlosses und zeigt die wichtigsten Räume der Anlage.

Hochschloss - Küchenbau, Leutehaus
Der Haupteingang zum Museum liegt heute im Erdgeschoss des Leutehauses. Bei dem Bauwerk handelte es sich ursprünglich um den Küchenbau, in dem neben der Zubereitung der Speisen auch das Gefolge wohnte. Es wurde im 14. oder 15. Jahrhundert errichtet und steht an der Stelle eines schlanken Wehrturms, der gegen 1220 die Burg nach Nordosten hin schützte. Der Rundweg durch das Museum geht von hier in den Saalbau über, der zu den eindrucksvollsten Gebäuden des Schlosses gehört.

Hochschloss - Saalbau
Der Saalbau wurde vermutlich um 1292 errichtet. Er beherbergt einen kleinen Saal im Untergeschoss und einen großen Saal im Obergeschoss. Der kleine Saal ist hochgotisch. Seine Decke besteht aus Gewölben, die sich aus sechs Jochen zusammensetzen.
Der Große Saal, auch Fürstensaal genannt, weist über 420 qm auf und ist wesentlich größer als der kleine Saal. Er ist 33 m lang, 14 m breit und 8 m hoch. Die Decke des eindrucksvollen Raums besteht aus einem Kreuzgratgewölbe mit zehn Jochen, die auf vier achteckigen Pfeilern ruht. Es handelt sich um einen der schönsten und wichtigsten Säle der Gotik in Deutschland.
Vom Küchenbau führen zwei kleine spitzbogige Portale in den Großen Saal, damit direkt das Essen aus der Küche in den Festraum gebracht werden konnte. An der gegenüberliegenden Seite stößt man auf eine große Renaissancetür, die in den Westflügel führt. Die Tür wurde durch Nikolaus Hagenmüller 1573 geschaffen und trägt das Doppelwappen von Landgraf Ludwig IV. und seiner Gemahlin. In dem Raum hat sich an der Stelle eines ehemaligen Ofens ein eindrucksvoller Bau erhalten, der ursprünglich als Heizkammer diente.

Westflügel, Frauenbau
Der Westflügel ist vor allem für Archäologie-Freunde besonders interessant. Das Gebäude stammt aus der Zeit von 1230-1240 und diente als Wohnbau. Unter dem Gebäude fand man Reste der alten Burg, die sich heute durch eingelassene Glasscheiben im Fußboden bewundern lassen. Ursprünglich stand an derselben Stelle ein rechteckiger Bau aus der Zeit um 1120 oder älter. Es handelt sich hierbei um die ältesten Grabungsfunde der Burg. Durch die Löcher im Fußboden lassen sich Teile des Turms und Teile der Ringmauer bzw. der Anschluss an die Stadtmauer erkennen. Das Bemerkenswerte daran ist, dass es sich hierbei nicht um kleine Fundamente handelt, sondern um mehr als 3 m hohe Mauern, die einfach mit Sand zugeschüttet wurden, um den Westflügel darüber zu errichten - eine Einzigartigkeit in Deutschland.
Damit man die archäologischen Funde besser zuordnen kann, wurden die einzelnen Bauphasen der Burg in Form von Modellen im Westbau ausgestellt. Von außen lassen sich am Bau weitere Mauerreste des 13. Jahrhunderts erkennen. Der Rundweg führt weiter in den Landgrafenbau.

Landgrafenbau, Südflügel
Im Südflügel haben sich rundbogige Türöffnungen erhalten, die auf die Bauzeit verweisen. Das Gebäude stammt ursprünglich aus der Zeit um 1250 und wurde vermutlich zeitgleich mit der Vorburg und der Schlosskapelle errichtet. Anfangs handelte es sich um einen Wohnbau aus dem 12. Jahrhundert, der zum Südflügel erweitert wurde. Im 14. Jahrhundert erfolgte noch eine Erweiterung. An der Hoffassade lassen sich teilweise noch romanische Elemente erkennen. Es haben sich ein rundbogiges, romanische Portal und daneben spitzbogige Portale aus dem 13. Jahrhundert erhalten.
Das Gebäude war ursprünglich zweigeschossig und diente als reiner Wohnbau. An der Südfassade zur Südterrasse hin lassen sich im unteren Geschoss noch Teile der Ringmauer des 12. Jahrhunderts erkennen, die hier verbaut wurden. Die Maßwerkfenster sind Rekonstruktionen des 19. Jahrhunderts. An der Grenze zur Kapelle findet sich an der Südseite ein Abortturm.
Das viergeschossige Bauwerk lässt heute noch erkennen, dass es in drei Phasen errichtet wurde. Innerhalb des Gebäudes hat der Fußboden drei unterschiedliche Höhen in jedem Stockwerk. Das oberste Geschoss bestand ursprünglich aus Fachwerk und war von 1476. 1745 wurde es aus Stein neu errichtet. Das Gebäude grenzt direkt an die Schlosskapelle an.

Schlosskapelle und Rentkammer
1567 baute Ludwig IV. an die Südseite der Kapelle die Rentkammer an. Es handelt sich um ein kleines Gebäude, das sich nur bedingt in das Bildnis der schönen Kirche einfügt.
Die Schlosskapelle nimmt die Südecke des Hochschlosses ein. Sie ist von ihrer Bauart sehr markant und kann mit den Kapellen vieler Kaiserpfalzen mithalten. Das Bauwerk wurde 1288 der Heiligen Katharina geweiht und beherbergt heute einen Innenraum, der nach altem Vorbild rekonstruiert wurde. Der Raum ist mit den Farben Weiß, Geld, Gold, Blau, Rot, Grün sehr bunt gestaltet und in seiner Art einzigartig. Ein riesiges, hochgotisches Bildnis des heiligen Christophorus ziert eine Wand. Die Decke ist gewölbt und besteht aus drei Jochen mit bunten Schlusssteinen. Der Fußboden wurde aus unzähligen kleinen, glasierten Tonplättchen geschaffen.
Von der Kapelle führt der Rundweg in die Sakristei, die direkt über dem Tor der Burg liegt. Auch hier haben sich ein Bildnis des Heiligen Georgs und farbige Bodenfliesen erhalten, deren Farbe original ist. Über einen Gang gelangt man von der Sakristei in den Küchenbau und über die Brücke in den Wilhelmsbau.

Wilhelmsbau
Zwischen 1493 und 1497 erweiterte Wilhelm III. das Schloss nach Osten und errichtete den Wilhelmsbau. Dieses Gebäude war zu Zeiten der Entstehung hochmodern eingerichtet. Es besitzt drei Obergeschoss und einen großen Keller. Die äußeren Mauern sind aus Bruchquadermauerwerk. An der Westseite befindet sich ein Treppenturm von 1512 mit Portalwappen und der Jahreszahl der Grundsteinlegung 1493. Es wurde von dem Bildhauer Ludwig Juppe geschaffen.
Eine Brücke verbindet den Wilhelmsbau mit dem Küchenbau, sodass man sich trockenen Fußes zwischen dem Hochschloss und dem Wilhelmsbau bewegen konnte. Der heutige Arkadengang bzw. die Brücke ist ein Wiederaufbau von 1870.
Neben dem Gebäude befindet sich unterirdisch die alte Brunnenkammer mit einem tiefen Brunnen, der wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert stammt. Ursprünglich soll ein Brunnenhaus an dieser Stelle gestanden haben.
Das Erdgeschoss ist mit einem Kreuzgratgewölbe auf Achteckpfeilern überwölbt. Die Ausstellung in diesen Räumen bezieht sich hauptsächlich auf die kirchliche Kunst Hessens. Im ersten Obergeschoss haben sich die Spuren eines Kamins erhalten. Alle Fenster weisen Sitznischen auf, was auf eine hohe Wohnqualität in dieser Zeit hindeutet.

Hexenturm
Die mittelalterliche Burg, die vor Entstehung des Schlosses Marburg an dieser Stelle stand, war durch ihre Lage nur schwer einnehmbar. Mit der Erfindung der Feuerwaffe konnte man Schloss Marburg von den umliegenden Höhen im Westen unter Beschuss nehmen. Aus diesem Grund entwickelte man eine Festungsanlage, die die Burg in diese Richtung schützte.
1478 wurde der Hexenturm, auch Weißer Turm genannt, vollendet. Er sollte das Schloss in Richtung Nordwesten schützen. Der Turm steht direkt hinter dem Halsgraben und nimmt den nordwestlichsten Punkt ein.
Damaliger Baumeister war Jakob von Ettlingen, der den Hexenturm als dreigeschossigen Geschützturm konzipierte. Im 17. Jahrhundert wurde er von allen Seiten zugeschüttet, sodass heute nur noch die beiden Obergeschosse aus der Erde schauen. Er sicherte mit ca. 20 Schießscharten die Nordwestecke und so konnte man aus dem Turm mit Handfeuerwaffen jeden Feind angreifen, der sich näherte. Seine Mauern sind 4 m dick und waren auf Beschuss ausgelegt. Schon im 16. Jahrhundert verlor er seine Funktion und diente ab 1550-1864 nur noch als Gefängnis.

Schlosspark und äußere Festung
Im 17. und 18. Jahrhundert folgte der Ausbau zur Festung. Seit 1974 legt man die Reste der unter Napoleon gesprengten Festungsanlage frei und forscht seit über 25 Jahren an den archäologischen Fundstellen.
Der Festungsring liegt vor dem Halsgraben und damit außerhalb der eigentlichen Schlossanlage. Um 1620 kam durch den Festungsbaumeister Wilhelm Dilich die Idee das Grundstück in diese Richtung zu vergrößern. Es entstanden zwei weitere Brücken (also insgesamt drei), von denen die hintere und die mittelalterliche heute noch erhalten sind und passiert werden müssen, wenn man vom Parkplatz zur Burg geht. Die dritte Brücke wurde 1807 beseitigt.
Der gesamte Schlosspark war ursprünglich eine riesige Bastion mit Kasematten im Süden und im Norden. Wie groß und eindrucksvoll diese Kasematten waren, kann man heute noch am Halsgraben erkennen. Zudem gab es zahlreiche Geschützstände, die die umliegenden Gebirgszüge unter Beschuss nehmen konnten. So wurde beispielsweise an der Nordflanke 1720 ein Geschützstand eingerichtet, der den Hügel Augustenruhe uneingeschränkt bestreichen konnte.
Im Park befand sich nahe der heutigen Bühne auch ein Pulverturm des 17. Jahrhunderts, in dem zentral das Schießpulver und die Munition für die gesamte Bastion gelagert wurden. Heute lädt der ausgedehnte Park mit seinen zahlreichen Ausgrabungen zu einem Spaziergang ein.

Fazit
Das Landgrafenschloss Marburg ist einzigartig. Sowohl das umfangreiche Museum, wie auch die Terrassen und die Umgebung laden zu einem ausgiebigen und langen Besuch ein. Das Schloss bildet von außen ein gern gesehenes Fotomotiv und bietet innen eindrucksvolle Räume und interessante Einblicke in die einzelnen Jahrhunderte. Vor allem die Glasböden im Westflügel, unter denen mehr als 3 m hohe Mauern der ersten Burganlage liegen, ziehen viele Besucher in ihren Bann. Als Wiege und Keimzelle Hessens sollte das Schloss auf jeden Fall einmal besucht werden. Es lohnt sich!

Historie

Das Marburger Schloss geht auf eine mittelalterliche Burg zurück, die vermutlich aus dem 9. oder 10. Jahrhundert stammt. Scherben, die man unter der heutigen Anlage gefunden hat, verweisen auf diesen Zeitraum. Vermutlich liegt der Ursprung in einer Holzburg aus dem 10. Jahrhundert, die durch die Grafen Werner aus Schwaben oder die Grafen Giso errichtet wurde. König Konrad II. belehnte die Grafen Werner zu dieser Zeit mit der Grafschaft Hessen.
1121 sterben die Grafen Werner aus. Das Lehen geht an die Grafen Giso, die ein Jahr später ebenfalls erlöschen. In der Folgezeit sind Herrschaft und die damals noch recht kleinen Burg im Besitz der Grafen von Thüringen.
Um 1140 beginnt ein Streit zwischen den Landgrafen von Thüringen und dem Hochstift Mainz. Die Thüringer bauen ihre Burg in Marburg aus und werten Stadt und Markt auf. Es handelt sich hierbei um die erste bekannte nachgewiesene Baumaßnahme auf der Burg. Eine gefundene Münze aus dieser Zeit zeigt eine Abbildung des Ortes mit Burganlage.
Im Zuge des 13. Jahrhunderts heiratet Landgraf Ludwig IV. von Thüringen die ungarische Königstochter Elisabeth. Er stirbt 1227 auf dem Weg zum fünften Kreuzzug in Italien, sodass seine Frau die Geschäfte übernimmt. Sie gründet in Marburg ein Hospital und wird nach ihrem Tod 1231 im Jahre 1235 heiliggesprochen. In Folge entsteht eine neue Niederlassung des Deutschen Ordens in Marburg. Es kommt zum Bau der Kirche - dem ersten hochgotischen Kirchenbau in Deutschland.
1247 sterben die Landgrafen von Thüringen mit Heinrich Raspe aus. Es folgt ein großer Erbfolgestreit. Die Tochter von Elisabeth, genannt Sophie, heiratet daraufhin den Herzog von Lothringen und Brabant und erkämpft sich mithilfe kriegerischer Auseinandersetzungen die Landgrafschaft Hessen. Sie übergibt die Macht ihrem Erstgeborenen Sohn Heinrich, der ab 1264 erster hessischer Landesherr wird.
Heinrich baut seine Macht weiter aus, sodass er 1292 von König Adolf von Nassau die Boyneburg als erbliches Reichslehen erhält. Zeitgleich wird er in den Reichsfürstenstand erhoben und beginnt mit der Errichtung neuer Gebäude auf der Burg Marburg. Es entstehen gegen 1288 die Schlosskapelle und um 1292 der Saalbau.
Otto, der Sohn von Heinrich, verlegt seine Residenz nach Kassel, wodurch Marburg an Relevanz verliert. Erst 1479 wird die Anlage durch den Wilhelmsbau erweitert. Wilhelm III. ließ das Gebäude errichten, nachdem er die Grafschaft Katzenelnbogen geerbt hat. Katzenelnbogen warf durch die Burgen am Rhein große Zolleinnahmen ab, mit denen das Gebäude finanziert werden konnte.
Philipp der Großmütige führte 1526 die Reformation in Hessen ein. Er war großer Verfechter der Religion und verbrachte schon 1495 den Wormser Reichstag zusammen mit Martin Luther. 1540 heiratete er Margaretha von der Saale, womit er die Familie seiner ersten Frau Christine von Sachsen sehr verärgerte. Derer von Sachsen stellten sich daraufhin auf die katholische Seite und vernichteten die Protestanten 1547 im Schmalkaldischen Krieg. Hessen wird bis auf die Festung Ziegenhain vollständig eingenommen und Landgraf Philipp der Großmütige wird in Bayern inhaftiert. Sein Sohn Wilhelm übernimmt die Geschäfte.
1567 stirbt Philipp und teilt das Erbe unter seinen vier Söhnen auf. Es bricht ein Streit um Marburg aus, der dazu führt, dass Bestimmungen im Testament über Religion und Konvertierung in Hessen nicht eingehalten werden. Die Landgrafschaft Kassel übernimmt kurzerhand Marburg, führt aber keine religiöse Zwangskonvertierung der Bevölkerung durch. Die Situation eskaliert und Marburg wird Mittelpunkt der religiösen Konflikte des 30-jährigen Krieges.
1623 erobern die Truppen von Tilly die Stadt. Schloss und Ort sind anschließend im Besitz von Ludwig V. von Hessen-Darmstadt und nach 1626 Eigentum von Georg II. von Hessen-Darmstadt. Zum Ende des 30-jährigen Krieges wird in Friedensverträgen beschlossen, dass Marburg 1648 an die Linie Hessen-Kassel zurückgegeben wird.
Derer von Hessen-Kassel nutzen Kassel als Hauptresidenz, sodass Marburg sehr an Bedeutung verliert. Das Schloss wird nur noch als Verwaltungssitz und militärischer Stützpunkt genutzt. Es folgt der Ausbau zur Festung, die aber schon im Siebenjährigen Krieg 1756-1763 dermaßen veraltet ist, dass sie den Angriffen nicht standhalten kann. Sie wird mehrfach erobert.
1803 wird die Grafschaft Hessen zum Kurfürstentum. 1806 wird die Festung Marburg unter Napoleon aufgegeben und der äußerste Festungsring von der französischen Besatzung gesprengt. Es folgt 1866 die Annexion des Kurfürstentums Hessen durch Preußen, wodurch das Land erneut an Relevanz verliert.
Ab 1869 beginnt man mit aufwendigen Instandsetzungsarbeiten, da das Staatsarchiv in das Schloss ziehen soll. Die bis dahin erhaltenen, mittelalterlichen Dächer werden vollständig abgetragen und neu errichtet. Ludwig Bickell macht 1868 den Vorschlag, dass man die hessischen Altertümer im Schloss sammeln könnte. 1875 wird sein Vorschlag umgesetzt und zahlreiche Kunstschätze des Landes gehen nach Marburg. Zeitgleich entsteht im Schloss das Universitätsinstitut und im 20. Jahrhundert das Universitätsmuseum.
Nach 1974 nimmt man sich dem Schloss wieder an und beginnt mit ausgiebigen Grabungen. Dabei werden die Kasematten und unterirdischen Räume im Schlosspark wieder entdeckt und ausgegraben. 1976 wird das Museum umgebaut. Es wird die spätmittelalterliche Küche, die bis dato in einem hervorragenden Zustand erhalten war, vollständig herausgerissen und entfernt - eine Tat, die bis heute in der Kunsthistorik und der Baugeschichte auf absolutes Unverständnis stößt.
Seit 1998 gibt es den Rundgang mit unzähligen Ausstellungsstücken.

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Anfahrt

Schloss Marburg liegt in der gleichnamigen Ortschaft in Hessen, nördlich von Gießen. Aus Gießen über die B3 Richtung Marburg und innerorts der Ausschilderung zum Schloss folgen. Parkplätze findet man im Gisonenweg. Von hier führt ein ebenerdiger Weg zum Schloss.

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Literatur

- Joachim Rehork, Herausgeber: Rudolf Pförtner, "Unsere Kaiserpfalzen", Band 3, Umschau Verlag, 1985, Frankfurt am Main, ISBN: 3-524-65003-1
- G. Ulrich Großmann, "Schloss Marburg", Schnell und Steiner Verlag, 2006, ISBN: 978-3-7954-1880-9
- Informationstafeln

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Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 24.04.2015

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