Wildenstein

Burg Wildenstein

Deutschland / Bayern

In einem kleinen unscheinbaren Dorf, östlich von Eschau, liegt die Burg Wildenstein. Die Ruine wurde im 13. Jahrhundert errichtet und in der Neuzeit aufwändig saniert und gesichert. Burg Wildenstein weist einen eigentümlichen Grundriss auf, der mit seiner ovalen Form eher selten ist. Die schöne Anlage ist heute eher unbekannt und daher außerhalb der Tourismuswege. Ein Besuch lohnt sich.

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Adresse

Burg Wildenstein
Wildenstein
63863 Eschau-Wildenstein
Parken: Parkplatz, kostenlos

Kurzinfo

Punkte:
Zustand: Ruine
Burgtyp: Kammburg
Nutzung: -
Lage: 791 m.ü.NN.
Sonnenlicht: 07:09-15:56 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten: offen
Eintrittspreise: frei

Baubestand & Beschreibung

Burg Wildenstein liegt östlich von Eschau auf einem niederen Berggrat oberhalb der gleichnamigen, kleinen Ortschaft. Die knapp 80 auf 60 Meter messende Anlage weist einen sehr eigentümlichen Grundriss auf, der einzigartig ist. Sie besteht aus einer über einen Meter dicken und mehrere Meter hohen Ringmauer, einem Zwinger, der die Ringmauer vollständig umgibt und einem Torzwinger. Nach Westen und Osten trennen zwei tiefe Halsgräben das Gelände vom umliegenden Berggrat. Aufgrund des nur sacht abfallenden Hanges nach Norden und Süden wurden auch hier Gräben in die Erde getrieben. Im Osten lassen sich hinter dem Halsgraben die Reste einer Belagerungsburg erkennen, die aus Holz bestand und von der nur noch Erdwälle erhalten geblieben sind. Die Belagerungsburg stammt aus der Fehde zwischen dem Geschlecht derer von Rieneck und dem Mainzer Erzbistum um 1260. Zudem wurde die Kugel einer Blide gefunden, die einen Durchmesser von 40 cm hat und auf Beschuss der Burg hinweist.
Burg Wildenstein betritt man heute wie damals von Westen her über den Halsgraben. Der Zugang erfolgte über eine Doppeltoranlage, die in einem Torturm untergebracht war. Heute lassen sich gut erhaltene und restaurierte Überreste dieses Turmes erkennen. Balkenauflager in den Seitenmauern deuten auf mehrere Stockwerke hin. Man geht aufgrund der Dicke der Mauern davon aus, dass die oberen Stockwerke aus Fachwerk bestanden. Die Holzbrücke, die heute den Zugang der Anlage ermöglicht und den Halsgraben überspannt, hat eine Zugbrücke als Vorgängerin. Die Doppeltoranlage bestand aus zwei Toren, zwischen denen Türen zu dem Ringzwinger abgingen. An dem linken Torpfeiler des hinteren Tores lässt sich noch eine Türpfanne erkennen, die Teil der Türangel war. Zudem stößt man auf auskragende Steine, die vermutlich Teil einer Treppe waren. An der Außenseite weist der Torturm statisch relevante Strebepfeiler auf.
Hinter der Doppeltoranlage befindet sich ein Torzwinger, der direkt zum Tor der inneren Burganlage führt. Er ist Teil der äußeren Zwingeranlage, die sehr eng an die Ringmauer gebaut wurde. Schon zur Blütezeit fiel sie relativ niedrig aus, um von der Ringmauer über sie hinweg schießen zu können. Zahlreiche Schießscharten und Wehrfenster sind immer wieder in der Ringmauer zu erkennen und deuten auf ihre Nutzung hin.
Die Ringmauer gehört teilweise zu den ältesten Elementen der Anlage. Sie ist staufischer Herkunft und weist im Westen zahlreiche Buckelquader auf. Die Westseite des Berings ist qualitativ besser gearbeitet als die östliche Seite. Während man sich bei der Westseite Zeit ließ, drohten beim Bau der Ostseite Angriffe durch das Mainzer Erzbistum, weswegen man hier eher schnell als präzise arbeitete. Die Unterschiede lassen sich vor allem von der Innenseite her sehr gut erkennen.
Der Zugang zur Kernburg erfolgt heute wie damals über ein Tor im Süden, das nicht mehr existent ist. Es sind nur die Fundamente und Grundmauern der ehemaligen Wachstube erhalten geblieben, die sich direkt neben dem Tor befand.
Burg Wildenstein war in zwei Bereiche aufgeteilt, die durch eine Mauer voneinander getrennt waren. Das Zugangstor mündete in die Ostseite, die vor allem Wirtschaftsgebäude beherbergte. Nicht mehr erkennbar, aber nachgewiesen, ist ein großes Lagerhaus in der Südostecke. Weitere Wirtschaftsbauten bestanden wahrscheinlich aus Holz und waren nach dem Verfall schnell verschwunden.
Während der östliche Bereich den Wirtschaftsgebäuden diente, wurde der westliche zum repräsentativen Part ausgebaut. Der Zugang zu diesem Bereich erfolgte über ein Tor, das sich in der Mauer befand, die die Burg teilte. An der Nordseite wurde an der Verbindungsstelle zwischen Ringmauer und Teilen der Mauer ein kleiner Turm errichtet, der in der allgemeinen Literatur als Bergfried bezeichnet wird, für diese Zwecke aber sehr klein ausfiel. Im herrschaftlichen Part stößt man auf die Überreste eines größeren Gebäudes, wahrscheinlich Palas, das zu den ältesten Elementen der Anlage gehört. Es beherbergt unter anderem alte Kellergewölbe, die vollständig erhalten geblieben sind. Dem Gebäude gegenüber befindet sich in der Nordwestecke eine alte Linde, die in dieser Region nur selten zu finden sind. Man geht davon aus, dass sie ein Nachkömmling einer gepflanzten Linde ist, die als Gerichtslinde gedient haben kann. Ebenfalls denkbar ist die Nutzung im medizinischen Bereich, beispielsweise für Lindentee oder gemahlene Rinde für offene Wunden. In unmittelbarer Nähe der Linde war bis 1925 noch ein Brunnen erkennbar gewesen.
Burg Wildenstein ist von der Atmosphäre sehr angenehm, teilweise auch sehr eindrucksvoll. Die Anlage unterliegt seit 2007 archäologischen Untersuchungen, deren Ergebnisse in der Burg ausgehängt werden und so auf spezielle Details aufmerksam machen, die ansonsten leicht übersehen werden können.

Historie

Burg Wildenstein wurde wahrscheinlich um 1250 zum Schutz des Klosters Himmelthal errichtet. Der rechteckige Grundriss mit den zwei Kreissegmenten als Abschlüsse ist einmalig auf der Welt. Entstanden ist die Anlage durch die gewollte Grenzsicherung der Grafen von Rieneck des südwestlichen Bereichs ihres Territoriums gegen das Erzbistum Mainz. Durch den Bau zahlreicher Burgen fühlt sich Mainz gefährdet, wodurch es zwischen dem Grafen und dem Bistum zur Fehde kommt.
Zwischen Oktober 1259 und Juli 1260 wird Burg Wildenstein belagert und durch die Mainzer eingenommen. Anschließend kommt es zwischen dem Erzbischof Werner von Eppstein und den Grafen Ludwig III., Gerhard IV. und Heinrich II. von Rieneck am 21. Juni 1260 zum Friedensvertrag. Derer von Rieneck dürfen laut Vertrag keine weiteren Wehranlagen errichten, sehen das nahe liegende Eschau durch die eingenommene Burg Wildenstein aber bedroht und errichten 1260 bis 1261 eine Art Stadtmauer. Mainz sieht dies als Vertragsbruch an und besetzt Eschau. In der darauf folgenden Zeit herrscht Frieden, da Mainz anscheinend mit anderen Fehden beschäftigt war. Derer von Rieneck bauen Burg Wildenstein wieder auf und erweitern sie. Das Erzbistum beginnt eine erneute Belagerung und errichtet 380 m östlich der Burg eine kleine Belagerungsburg, wie sie Werner von Eppstein des Öfteren verwendete.
Am 17. März 1266 kommt es zum Waffenstillstand. Bis 1271 folgen weitere Kämpfe, worauf am 25. Juli 1271 wieder ein Waffenstillstand folgt. In den darauf folgenden Jahren dient die Burg dem Amt Wildenstein und unterliegt weiterhin den Grafen von Rieneck.
1462 und 1463 wird die Grafschaft von Rieneck zwischen den Erben Philipp dem Älteren und Philipp dem Jüngeren aufgeteilt, wobei Wildenstein an den Älteren fällt. Am 31. März 1520 wird in den Anrechten der Pfälzer Lehen festgehalten, dass im Falle des Aussterbens der Familie von Rieneck die Burg an Eberhard Schenk von Erbach fällt. Am 3. September 1559 stirbt Graf Philipp III. von Rieneck als Letzter seiner Linie. Wildenstein geht an die Kurpfalz. Anschließend tritt am 14. September 1559 Graf Georg von Isenburg das Erbe an und erstellt eine Inventarliste aller Einrichtungsgegenstände. In der darauf folgenden Zeit schafft er das Hab und Gut auf die Ronneburg bei Hanau, während Margaretha von Erbach die andere Hälfte erhält. Ein Jahr später setzen die Grafen Eberhard XIV., Georg III. und Valentin II. von Erbach einen Amtsmann ein, der die Burg zukünftig bewohnen soll. Um 1600 verlässt der Amtsmann die baufällige Burg und zieht nach Eschau. Bis in das 19. Jahrhundert sollen Schäfer die Anlage genutzt haben.
1860 verwüsten Schatzjäger die Burg, die nichts finden. Im März 1945 verstecken sich über 100 Menschen in den Kellergewölben der Ruine um den letzten Kämpfen des Zweiten Weltkriegs zu entgehen. Unter ihnen sind auch Soldaten zu finden, die bei der Aushebung von den Amerikanern übersehen werden.

Events in der Nähe

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Anfahrt

Burg Wildenstein befindet sich im gleichnamigen Ort bei Eschau. Zu erreichen ist die Anlage über die A3 Ausfahrt "Rohrbrunn". Von hier fährt man über Krausenbach, Dammbach und Hobbach nach Eschau. In Eschau folgt man der Ausschilderung nach Wildenstein bzw. Lohmühle. In Wildenstein folge man der Hauptstraße bis zum Ende und benutzt anschließend den ausgeschilderten Fußweg hoch zur Burg.

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Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 23.05.2008

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