Tempelhaus, Neckarelz, Elz

Burg Tempelhaus, Neckarelz, Elz

Deutschland / Baden-Württemberg

Die Johanniterburg entstand aus einem Wohnturm aus dem 13. Jahrhundert heraus. Die eigentümliche Anlage hieß urpsrünglich Neckarelz, bevor sie im 16. Jahrhundert den Namen Tempelhaus erhielt. Die ehemalige Wasserburg wurde später vom Johanniterorden übernommen und in seine heutige Form umgebaut. Ältestes Fundstück in der Burg ist eine Grabplatte aus der Gründungszeit der Anlage.
Der Graben wurde mittlerweile trockengelegt und beherbergt heute einen Spielplatz.

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Adresse

Burg Tempelhaus, Neckarelz, Elz
Johannitergasse
74821 Mosbach-Neckarelz
Parken: im Ort, kostenlos

Kurzinfo

Punkte:
Zustand: Burg
Burgtyp: Wasserburg
Nutzung: Kirche
Lage: 140 m.ü.NN.
Sonnenlicht: 07:05-16:04 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten: ganzjähirig
Burghof: offen
mehr
Eintrittspreise: Außenanlage: frei
Burg: nur Führung

Baubestand & Beschreibung

Am westlichen Ende des kleinen Städtchens Neckarelz liegt auf einer Wiese direkt am Neckar die ehemalige Wasserburg Tempelhaus. Ursprünglich hieß die Anlage Neckarelz, wurde aber im 16. Jahrhundert von den Einwohnern in Tempelhaus umbenannt, da sie im 14. Jahrhundert als Ordensburg der Johanniter diente. Sie ist die einzige Johanniterburg in Baden-Württemberg, die ihr ursprüngliches Aussehen fast unverändert beibehalten hat. Zudem ist sie nach Burg Lohrbach die zweitälteste Wehranlage der Region Mosbach.
Um ihre Herkunft ranken sich viele Theorien. Es wird vermutet, dass die Anlage aus der Römerzeit stammt. Zudem vermutet man, dass es sich beim Tempelhaus um die bisher nicht auffindbare Burg Elz handelt, die im 10. Jahrhundert als Verlobungsgeschenk von Kaiser Friedrich Barbarossa an seinen Sohn vermacht wird. Bisher ist bekannt, dass die Anlage ursprünglich Neckarelz hieß und aus dem 12. Jahrhundert stammt.
Ursprünglich handelte es sich bei der Burg um einen Wohnturm, der wahrscheinlich zur Überwachung der Umgebung errichtet wurde. Er diente vermutlich zum Schutz der Pfalz Wimpfen und lag auf dem Territorium der Staufer. 1297 wurde sie schließlich vom Johanniterorden von Konrad von Wölchingen erworben und in der Folgezeit vollständig umgebaut, sodass ihr heutiges Aussehen entstand.

Außenanlage
Heute steht das Tempelhaus auf einer Wiese am nordwestlichen Ende der kleinen Ortschaft Neckarelz. Es ist noch deutlich der Graben erkennbar, der die Burg einst vollständig umgab. Bis nach 1955 verlief die Elz ursprünglich direkt an der Nordseite der Burg vorbei und mündete hier direkt in den Neckar. Der Graben war mit der Elz verbunden und diente als Wassergraben. Die steinerne Brücke wurde wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtet. Da 1606 der Zugang zum Kellergeschoss gelegt wurde, kann man davon ausgehen, dass zwischen 1500 und 1600 irgendwann der Graben trockengelegt oder ein Damm von der Westseite errichtet wurde. [1]
Heute verläuft die Elz 150 m weiter nördlich. Ihre ehemalige Mündung lässt sich noch westlich der Burg unter der Bundesstraße B37 erkennen. Auf Luftbildern aus der Nachkriegszeit von 1950 ist der alte Flussverlauf noch deutlich zu sehen. Der trockengelegte Graben gibt heute die Möglichkeit das Burggelände einmal vollständig zu umrunden und sich das Tempelhaus von allen Seiten anzusehen.
Der Zugang zum Tempelhaus erfolgt heute wie damals über eine steinerne Brücke von Südosten her. Ob es vor der Brücke einen Wirtschaftshof oder eine Vorburg gab, ist unbekannt. Hier entstand 1602 unter dem Kurfürsten von der Pfalz das heute noch erhaltene Langhaus als Kellerei. Es diente zur Lagerung der Naturalien, die die Untertanen als Steuern hier abzugeben hatten.
Hinter der Brücke eröffnet sich der Blick auf einen kleinen Vorplatz mit Steinfiguren von 1752 und die Südfassade des Tempelhauses.

Tempelhaus
Die Burg hat ihren Ursprung in einem Wohnturm, aus dem später das Tempelhaus entstand. Das längliche Gebäude mit ca. 35 m Länge, 11 m Breite und 18 m Höhe (bis Dachtraufe) wirkt aufgrund seiner länglichen Form wie eine überdimensionale Kirche. Heute besitzt das Bauwerk zahlreiche Fenster, die ursprünglich Schießscharten waren und erst 1928 vergrößert wurden. Andere Fenster wiederum, wie zum Beispiel die fünf hohen gotischen Spitzbogenfenstern im Chor, sind zum Teil original, wurden aber im Zuge des 20. Jahrhunderts verändert. Alle Ecken des Tempelhauses sind seit der Errichtung des Gebäudes mit Eckquadern verstärkt.
An der Südwestecke des viergeschossigen Gebäudes (links von der Brücke gesehen) erkennt man einen polygonalen Treppenturm, der heute noch alle Stockwerke miteinander verbindet. Sein zwiebelförmiger Turmhelm stammt von 1740.

Innenbereich
Das Innere des Tempelhauses kann man sich heute nur noch im Zusammenhang mit einer Führung ansehen. Das Bauwerk besitzt vier Geschosse, die über den Treppenturm miteinander erschlossen sind. Das Untergeschoss diente ursprünglich als Wirtschaftsbereich. Hier wurden Lebensmittel gelagert und hergestellt. Über das erste und zweite Obergeschoss ziehen sich die Kapelle und der ehemalige Spitalbereich. Das dritte Obergeschoss wird von dem Kapitelsaal bzw. dem Dormitorium und dem Refektorium eingenommen. Hier arbeiteten, schliefen und versammelten sich die Johanniter. Während der Schlafraum die Westseite einnahm, befand sich das Refektorium oberhalb des Chors.
Der Chor stammt noch aus der Zeit, als die Burg gegen Ende des 13. Jahrhunderts in den Eigentum des Johanniterordens überging. Zeitgleich entstand die Burgkapelle, die heute noch Fenster mit gotischem Maßwerk und ein Kreuzgewölbe aufweist. Im Kreuzgewölbe haben sich schmuckvolle Schlusssteine erhalten. An der Südwand lässt sich eine Darstellung des Heiligen Christophorus erkennen. An der Fensterseite wird das Kirchenschiff durch Adelswappen geschmückt. Die Kanzel, die Empore, die Fenster und die Türen stammen aus dem 18. Jahrhundert. Das Altarbild wurde von dem Würzburger Maler Leunenschloss erschaffen und zeigt die Mariä Himmelfahrt. Die Rückwand der Kapelle ist wahrscheinlich spätgotisch. Die sakralen Räume waren über Öffnungen mit den Herbergen für Kranke und Pilger verbunden, sodass diese auch im Liegen akustisch am Gottesdienst teilnehmen konnten. Im Obergeschoss haben sich Kreuzrippengewölbe und ein alter Altar erhalten.
Sehenswert ist vor allem der Conradusstein des am 21. April 1302 verstorbenen Konrad von Wölchingen. Er war Priester von Köln und Kaplan von Boxberg und soll Gründer des Tempelhauses gewesen sein.

Fazit
Burg Neckarelz, bzw. das Tempelhaus ist zwar meistens für die Öffentlichkeit geschlossen, kann aber vollständig umrundet werden. Die Anlage ist durch ihre Bauform eine Einzigartigkeit in Baden-Württemberg und nur selten in dieser Form erhalten. Ein Besuch lohnt sich, wenn man mal in der Nähe ist.

Historie

An der Stelle des heutigen Ortes Neckarelz befand sich in der Römerzeit ein Verkehrsweg, der hier die Uferseite des Neckars wechselte. Im Ort verweisen zahlreiche archäologische Funde auf einen Siedlungspunkt der Römer und vorher der Kelten. Bislang nahm man immer an, dass das Tempelhaus römischen Ursprung haben könnte. Diese Theorie wird heute durch die Erkenntnis widerlegt, dass die Römer keine Bauwerke in Hochwassergebieten errichteten. Das Tempelhaus steht aber direkt im ehemaligen Hochwasserbereich von Neckar und Elz. Eine archäologische Untersuchung der Fundamente des Tempelhauses würde hier Aufschluss geben.
Wann genau das Tempelhaus errichtet wurde, ist heute unbekannt. Man geht davon aus, dass sie auf dem Standort der ehemaligen Burg Elz errichtet wurde. Eine Burg Elz wird als staufische Reichsburg in einer Urkunde im Jahre 976 genannt, die Kaiser Friedrich Barbarossa seinem Sohn als Verlobungsgeschenk macht. Ob es sich dabei um das Tempelhaus handelte, ist unbekannt.
Das Tempelhaus wird erstmals am 11. Juni 1300 schriftlich erwähnt. Damals hieß die Anlage noch Neckarelz. Es handelte sich um einen Wohnturm, der in den Besitz des Johanniterordens überging. Ein Konrad von Wölchingen soll die Ordensburg 1297 gegründet haben. Seine Grabplatte ist in der Kirche ausgestellt.
Die Johanniterorden verkauften Burg Neckarelz, bzw. das Tempelhaus am 5. Februar 1350 an Engelhart von Hirschhorn. 1377 erwirbt die Pfalzgrafschaft die Anlage. 1422 ist sie Eigentum des Grafen von Mosbach und 1499 Teil der Kurpfalz.
Im 16. und 17. Jahrhundert dient sie vor allem als Kornspeicher der kurpfälzischen Amtskellerei. 1582 folgt eine schriftliche Erwähnung als Lager und Kellerei unter Hans Albrecht Eysenmenger. In jenem Jahr wird sie auch erstmals als Tempelhaus bezeichnet. Auch die Brücke scheint zu dieser Zeit entstanden zu sein, da sie erstmals schriftlich auftaucht. Der Name Tempelhaus ist den Einwohnern zu verdanken, die die Anlage mit den Templern in Verbindung brachten, weil sie zeitweise als Ordensburg diente.
1606 wird der ebenerdige Zugang geschlagen in die Westwand, um die Lager im Untergeschoss besser beliefern zu können. Ein Hinweis darauf, dass der Graben zu diesem Zeitpunkt schon trocken war und die Anlage nicht mehr militärisch genutzt wurde.[1]
1688 wird die Burgkapelle für eine neu gegründete katholische Gemeinde eingerichtet. Der Rest des Bauwerks dient weiterhin als Fruchtkasten. 1698 erwirkt Kurfürst Johann Wilhelm, dass die Martinskirche auch für katholische Messen genutzt werden darf, doch wird dieser Entscheid 1705 wieder rückgängig gemacht, sodass der Ostteil des Tempelhauses zukünftig als katholische Kirche genutzt werden darf. 1707 kommt es zur feierlichen Einweihung.
1731-1734 folgt der Umbau der Kirche. Die Kapelle reicht für die Gemeinde nicht mehr aus, sodass Lagerräume für die sakrale Nutzung umfunktioniert werden. 1737 sind die Umbauten abgeschlossen und die sakralen Räume werden der Mariä Himmelfahrt geweiht.
1740 entsteht die heutige Turmspitze. 1803 geht das Tempelhaus in den Besitz des Fürstentums Leiningen über, die die Anlage 1872 an einen katholischen Pfarrer verkaufen. Dieser richtet bis 1879 eine Sakristei ein. 1903 werden Räume teilweise gewerblich vermietet, sodass beispielsweise im Untergeschoss zeitweise eine Gärtnerei einzieht. Es folgt zwischen 1926 und 1929 der Ausbau des Gewölbekellers zur Unterkirche und der Bau einer zweiten Empore im oberen Kirchenraum.
Nach dem Zweiten Weltkrieg folgt 1955 der Bau der Marienkirche im Ort, wodurch das Tempelhaus seine Nutzung verliert. Zwischen 1963 und 1965 wird der Innenraum großflächig saniert. 2001 folgte eine weitere Renovierung, bei der vor allem statische Probleme in den tragenden Wänden behoben wurden. Das Gebäude erhielt zudem die Farben, die es im 14. Jahrhundert aufwies.

Events in der Nähe

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Anfahrt

Von der A6 Ausfahrt HeilbronnNeckarsulm auf die B27 und über Neckarsulm, Bad Friedrichshall, Offenau, Gundelsheim und Neckarzimmern nach Mosbach. Vor Ortsanfang beim Industriegebiet abfahren und der Heilbronner Straße bis ins Zentrum folgen. Hinter dem Kreisverkehr links in die Martin-Luther-Straße abbiegen und gleich wieder rechts in die Johannitergasse. Nach ca. 200 m auf der linken Seite parken.

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sonstige Bemerkungen

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Literatur

- Diverse, Herausgeber: Karl Seith, Max Miller, "Historische Stätten VI- Baden-Württemberg- 6. Band", Alfred Kröner Verlag, 1965, Stuttgart, Seite 460
- Informationstafel
- http://www.kloester-bw.de/klostertexte.php?kreis=&bistum=&alle=&ungeteilt=&art=&orden=&orte=&buchstabe=&nr=291&thema=Geschichte - letzter Aufruf: 07.01.2015
- http://www.tempelhaus-neckarelz.de - letzter Aufruf: 07.01.2015
- http://www.ebfr.de/html/neckarelz_tempelhaus904.html?t=& - letzter Aufruf: 07.01.2015

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Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 07.01.2015

Fußnoten

[1]Der in Kursiv geschriebene Textabschnitt basiert auf eigenen Beobachtungen. Literaturhinweise oder Informationen im Internet wurden dazu nicht gefunden. Das Veröffentlichen und Verbreiten der Informationen ist sowohl in digitaler Form, wie auch in Printform oder im Internet nur als Zitat mit Verweis auf den Autoren und die Website, bzw. die App erlaubt.

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