Stolpen

Burg Stolpen

Deutschland / Sachsen

Stolpen ist eine 220 Meter lange, eindrucksvolle und sehenswerte Burg auf einem ehemaligen Vulkan oberhalb des gleichnamigen Ortes. Die Anlage stammt ursprünglich aus dem 13. Jahrhundert und erhielt ihre Ausmaße um 1550. Heute beherbergt sie ein kleines Museum und lädt mit ihrer Größe, den zahlreichen Ruinen, der gut durchdachten Abwehranlage und den überall erkennbaren Überresten des Vulkans zu einem ausgiebigen Besuch ein. Es lohnt sich!

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Adresse

Burg Stolpen
01833 Stolpen
Parken: im Ort, kostenlos

Kurzinfo

Punkte:
Zustand: Ruine
Burgtyp: Gipfelburg
Nutzung: Museum
Lage: 343 m.ü.NN.
Sonnenlicht: 06:51-15:39 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten: Ganzjährig:
Apr-Okt:
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Eintrittspreise: Vorburg: frei
Burg:kostenpflichtig
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Baubestand & Beschreibung

Burg Stolpen befindet sich auf einem ehemaligen Vulkan, inmitten des kleinen, gleichnamigen Ortes. Über die Jahrhunderte bildete sich auf einem Felsgrat eine langgezogene Burganlage, die über mehrere getrennte Bereiche verfügt. Die Anlage weist zu den meisten Seiten steile Felswände auf, so dass ein Angriff nur über die Zugangsseite erfolgen konnte.
Die Anlage besteht heute aus drei hintereinander liegenden Burghöfen mit gemeinsamer Vorburg. Der Zugang erfolgt durch den Torturm der Vorburg, die heute bis auf die Mauern eines Gebäudes nur das Feldtor, die Frontfassade des Kornhauses und die äußeren Wehrmauern beherbergt. Zu erkennen sind die Basaltgesteinserhebungen des Vulkans, die zum Teil als natürliche Wehrmauer genutzt wurden und geologisch in dieser Form nur selten zu finden sind. Von der Vorburg steigt der Weg weiter an und führt direkt in das Kornhaus, das neben der Aufbewahrung als Nahrungsmittellager auch als Trennung zwischen der Vorburg und dem ersten der drei Burghöfe diente. Im Kornhaus befinden sich heute die Kasse und einige Räumlichkeiten des Museums. Das Museum beherbergt alte Gewölbedecken, einen Raum, der aus Basalt besteht und zahlreiche Ausstellungsgegenstände. Unter den Exponaten ist neben Kanonen, Foltergeräten und Feuerwehrwagen auch ein Modell zu entdecken, das ein Pumpverfahren zeigt, mit dem um 1563 die Burg mit Wasser versorgt wurde. Im Tal befand sich ein Wasserrad, das durch einen Fluss angetrieben wurde und somit weiteres Wasser zur Burg pumpte, eine sehr interessante und einmalige Konstruktion.
Hinter dem Kornhaus befindet sich der erste von drei Burghöfen. Hier standen einst Gebäude, die nur noch von den Fundamenten her erhalten sind. Ein kleiner Teich und weiteres Vulkangestein zeugen von der brachialen Naturgewalt, die den Berg formte. Neben einer herrlichen Aussicht stößt man auf das Tor zum nächsten Hof und den Johannis-Cosel-Turm, sowie auf den Schösserturm.
Der Schösserturm beherbergt heute in den Untergeschossen zwei Verliese, die man nicht mehr besichtigen kann und im Obergeschoss eine Ausstellung über die Stadt und dessen Geschichte in Form von Informationstafeln, sowie weitere Ausstellungsstücke. Beide Türme flankierten das Tor des ersten Burghofs und konnten den Gegner über die Mauer hinweg unter Beschuss nehmen.
Hinter dem Doppeltor befindet sich der nächste Hof der Anlage. Hier trifft man auf eine nachgebaute kleine Schmiede für Alltagswerkzeuge des Mittelalters, auf den Zugang des Johannes-Cosel-Turms mit seinem prächtigen Wappen über der Tür, weitere Basaltgesteinsformationen, sowie einige Rundbögen. Der Burghof ist der älteste der Burganlage und auch bekannt als Kapellenhof. Er stellte den repräsentativen Teil der Burg dar, wurde mehrfach umgebaut und diente als Residenz für Burgherren, den meißnischen Bischhöfen, den sächsischen Kurfürsten und auch Kurfürst August, der diesen Part zum Schloss umbauen ließ. Die äußeren Wehrmauern waren überall in der Burg einst so hoch wie der hier stehende Seigerturm und hinterließen wahrscheinlich einen imposanten Eindruck. Die Gebäude im Hof lehnten sich an die Wehrmauern an und besaßen im Durchschnitt zwei Stockwerke und Säulengänge. Von den prächtigen Gebäuden lassen sich heute nur noch die Dimensionen erahnen und an den äußeren Wehrmauern erkennen. Keines der Bauten ist mehr vorhanden, was den Hof leer aber sehr freundlich und zum Verweilen einladend erscheinen lässt. Es wurden mehrere Wege angelegt, die die einzelnen Elemente zeigen und unter anderem zum Eingang des Johannis-Cosel-Turms führen.
Der Johannis-Cosel-Turm besteht aus zwei Türmen, die miteinander verbunden sind. Unter anderem führen die Türme ein gotisches Treppenhaus, das sich im Uhrzeigersinn nach oben windet und auf jeder Etage die Möglichkeit bietet, sich der beherbergten Ausstellung zu widmen. Neben zahlreichen Möbeln, Öfen und Einrichtungsgegenständen trifft man wie überall in der Anlage auf Informationstafeln. Der Turm beherbergt im Untergeschoss ein nicht zugängliches Hungerloch, d.h. ein Verlies und in den oberen Stockwerken Informationen zum Aufenthalt der Bischöfe in Stolpen, das Leben und die Gefangenschaft der Gräfin Cosel, sowie zahlreiche Illustrationen über die Festung Stolpen. Im obersten Geschoss stößt man auf eine geschlossene Wachstube mit Aussichtsmöglichkeiten auf Burg und Umgebung.
Der nächste Burghof ist über ein weiteres Tor auf alter Basis zugänglich. Neben einem großen Tor für Karren stößt man auf ein kleineres für einzelne Personen, das schneller geöffnet und geschlossen werden konnte. Direkt hinter dem Tor befindet sich der Seigerturm, der drei Ausstellungsetagen beherbergt, die unter anderem Informationen über das später entstandene Schloss Stolpen (im Kapellenhof), den Uhrenturm und eine Aussicht über Burg und Land preisgibt.
Der darauf folgende Hof ist der größte der drei Burghöfe. Er beherbergt in einem Seitenteil eine Cafeteria und vis-avis eine Aussichts- und Verteidigungsplattform. Im hinterem Part sind noch die Reste der Burgkapelle zu finden, die teilweise bis zu drei Meter hoch sind und noch Verzierungen und Gewölbeandeutungen aufweisen. Der Altarbereich sowie das Grab von Gräfin Cosel sind noch frei begehbar.
Abgeschlossen wird der Hof und somit das westliche Ende der Burg vom Siebenspitzenturm. In ihm stößt man auf eine rekonstruierte und sehr detaillierte Kräuterküche und auf eine Treppe, die auf eine Aussichtsplattform führt. Direkt vor der Kapelle befindet sich der 84m tiefe Burgbrunnen, der bis zum Grundwasser der Talsohle reicht.
Das Beeindruckenste von Burg Stolpen liegt unter dem Siebenspitzenturm und ist nahezu vollständig erhalten. Sowohl vom Turm wie auch durch einen Eingang im Fuße des Turmes stößt man auf ein uraltes Kellergewölbe, das zum Teil restauriert wurde und wie ein Labyrinth sich in alle Richtungen erstreckt. Es wurde ein Weg freigelegt, der zwar nicht betreten werden, aber eingesehen werden darf. Es handelt sich um einen Geheimgang, der angeblich ins Tal führt. Ähnlich wie beim Brunnen verliert auch er sich in den schwarzen Tiefen des alten Vulkans.
Burg Stolpen ist eine imposante und große Anlage für wahre Burgenfreunde. Auch wenn sie teilweise aufgrund des schlechten Erhalts etwas leer wirkt, bildet sie einen interessanten Punkt in der Burgengeschichte und weist eine eher selten zu sehende Burgentypologie auf. Von der Atmosphäre her ist sie sehr angenehm, da sich die Menschenmassen auf dem große Grundstück gut verteilen und so ein jeder die Möglichkeit hat, die urige, herrschaftliche und angenehme Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Die herrliche Aussicht lädt aus allerlei Blickwinkeln, die sich in der Anlage auftun, vielerorts zum Genießen ein.

Historie

Burg Stolpen ist gute 220m lang und erstreckt sich in Ost-West-Richtung. Sie folgt der Ausbruchsspalte eines Vulkans, der vor ungefähr 30 Millionen Jahren diese Region formte. Heute gehört die Burg zu der Kategorie der Abschnittsburgen. Um 1586 verfügte jeder der Höfe über eine eigene Abwehranlage. Nach dem Tod von Kurfürst August galt die Anlage 1586 als ausgebaute Kernburg mit drei Befestigungsabschnitten. Zum Ende der Blütezeit war Stolpen bis zur Festung ausgebaut. Neben einem Tiergarten, aus dem das Wasser gewonnen wurde, gab es zahlreiche externe Felder und städtische Einrichtungen, die zur Bildung des Ortes um Burg Stolpen führten.
Seinen Ursprung findet Stolpen im Mittelalter, wurde aber erst um 1550 zur heutigen Größe ausgebaut. Aus der Gründungszeit stammt der dritte Hof und der Kapellenhof, der in nachmittelalterlicher Zeit zum Schloss umgebaut wurde.
Im Jahre 1565 kam es unter Martin Planer, ein Freiberger Baumeister, zum Bau der Wasseranlage, die aus dem 715m entfernten Flüsschen Wasser zur Burg hochpumpte. Die Anlage bestand aus einer Pumpe, die durch ein Wasserrad angetrieben wurde und das Wasser so hoch zur Burg durch ein Rohrsystem aus Holz und Metall pumpte. Der Antrieb war 200 Jahre in Gebrauch, auch wenn er immer wieder durch Kriege und kleinere Katastrophen zerstört wurde.
Die erste urkundliche Erwähnung fand die Burg um 1100. Sie diente als Grenzburg zwischen der Markgrafenschaft Meißen und der slawisch besiedelten Gebiete, östlich der Elbe. Unter anderem gab es Fernhandelswege wie z.B. die Salzstraße und die Böhmische Grasstraße. 1121 wird die Burg in einer Nachricht erwähnt. Sie soll aus Holz gewesen sein. Der meißnische Bischof Bruno II. von Porsendorf wird 1218 erwähnt, wie er Stolpen vom sorbischen Lehnsherrn Moyko de Stulpen wieder an sich zog. Der Name „Stolpe" ist dem altwendische Wort "stolpno" nicht unähnlich, das soviel bedeutet wie Säulenort. Für die folgenden 340 Jahre herrschen 24 Bischöfe über das Amt Stolpen.
1222 wird Stolpen erstmals urkundlich mit Namen erwähnt. In dem Grenzvertrag zwischen dem Bistum Meißen und dem Königreich Böhmen kommt es zu einer weiteren Erwähnung. Um 1320 wird die Anlage zum Verwaltungsmittelpunkt als Amt Stolpen. 100 Jahre später wird die Burg 1429 von Hussiten belagert, aber nicht eingenommen. Anschließend kam es in den Jahren von 1451 bis 1537 zum grundlegendem Umbau um neuen Waffentechniken standzuhalten. 1520 erlässt der Bischof Johannes VII. von Schleinitz das erste Mandat gegen Luther, auch bekannt als Stolpener Dekret. Mit der Reformation in Sachsen zogen sich 1539 die Bischöfe von Stolpen zurück, der Kurfürst August übernahm Burg, Stadt und Amt im Jahre 1559. Noch im selben Jahr erhöhte er die Wehrmauern und baute Stolpen nahezu zu einer Festung aus. Durch die Abhängigkeit zu der externen Wasserversorgung ließ Kurfürst Christian II. 1608 den Bau eines Brunnens beginnen, um bei Belagerungen Wasser gewinnen zu können. Das Projekt dauerte 22 Jahre, täglich kam man gute 4 Zentimeter voran. Um einen Wasserkübel zu gewinnen, mussten vier Arbeiter 20 Minuten lang in Laufrädern laufen. Das durch die Länge extrem schwere Seil trug vor allem dazu bei. 1632 kam es zu einer Belagerung durch kaiserliche Truppen der Kroaten. Die tapferen Bürger Stolpens sorgten für eine Vertreibung der Truppen. Teile der Burg wurden dennoch durch Brände zerstört.
Mit der Fertigstellung des Brunnens sorgte man 1634 für eine ständige Stationierung einer Garnison. Es war das schlimmste Pestjahr in Stolpen. Kurze Zeit später, im Jahre 1639 kam es zur Belagerung durch schwedische Truppen. 1675 wurde die Burg von Wolf Caspar von Klengel wieder auf- und ausgebaut 1723 wurden Teile des Ausbaus durch einen verheerenden Stadtbrand zerstört. 1738 gab man den Wildbestand im Tiergarten auf und ließ die Tiere frei. Preußische Soldaten übernahmen 1756 die Burg, nachdem die Garnison nach Königstein abgezogen wurde. Ab 1764 war die Burg unbenutzt und fing an zu verfallen. Man begann sogar mit dem Abriss einiger Elemente im Jahre 1773. Durch Napoleon Bonaparte wurde die Burg weiter ausgebaut, aber 1813 mit dem Abzug der Truppen wieder gesprengt. Österreichische und russische Truppen zerstörten die Burg weiter. Erst im Jahre 1842 nahm man sich der Anlage wieder an und legte einen Park am Südhang an. Mit der Neogotik kam es 1859 zur Restauration durch König Johann von Sachsen. 1874 wurde ein Schlosswärter eingestellt, 1883 der Burgbrunnen geräumt und 1935-39 die Burg touristenfreundlich gestaltet. 1945 war die Anlage Hauptverwaltung der Staatlichen Museen, Schlösser und Gärten Dresdens, da der vorige Sitz zerstört wurde. 1957 kam es zur Übergabe der Rechtsträgerschaft an Stolpen, 1960 zu Filmaufnahmen und noch im Jahr der Wende zu einem Besucherrekord von 199.165 Personen. Seit 1992 versucht man die Anlage gerecht und nach alten Vorlagen zu restaurieren, was bisher auch sehr gut gelungen ist.

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Anfahrt

Burg Stolpen liegt östlich von Dresden. Über die A4 oder die A13 und anschließend über die B6 bei Fischbach Richtung Stolpen abbiegen. Burg Stolpen ist ab der Bundesstraße ausgeschildert. In Stolpen ist der Parkplatz ausgeschildert. Um sich den Weg hoch zur Burg zu sparen, kann man zum Burghotel fahren und auf dem Parkplatz westlich davon parken.

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Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 26.03.2006

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