Oberreifenberg, Reifenberg

Burg Oberreifenberg, Reifenberg

Deutschland / Hessen

Burg Oberreifenberg liegt im höchsten Dorf des Taunus. Sie wurde im Laufe der Jahrhunderte ständig erweitert, sodass sich bis heute eindrucksvolle Überreste des Bergfrieds, eines skurrilen Wohnturms und der imposanten Schildmauer erhalten haben. Zudem sind die Reste einer Pulverkammer und eines Rondellturms existent geblieben. Die meisten Elemente stammen aus dem 13. oder 14. Jahrhundert. Die Anlage soll schon im 10. oder 11. Jahrhundert errichtet worden sein. Heute laden die erhaltenen Überreste zu einem kurzen aber schönen Besuch ein. Es lohnt sich.

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Adresse

Burg Oberreifenberg, Reifenberg
Schlossstr.
61389 Schmitten-Oberreifenberg
Parken: Parkplatz, kostenlos

Kurzinfo

Punkte:
Zustand: Ruine
Burgtyp: Gipfelburg
Nutzung: -
Lage: 680 m.ü.NN.
Sonnenlicht: 07:14-15:58 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten: keine Angaben
Eintrittspreise: keine Angaben
Website: Burgverein-Reifenberg.de

Baubestand & Beschreibung

Burg Reifenberg, auch Oberreifenberg genannt, liegt im höchsten Dorf des Taunus auf über 680m Höhe. Ursprünglich sicherte die recht eindrucksvolle Wehranlage eine Handelsstraße an einer Passhöhe über den Taunuskamm zwischen dem Weiltal und Königstein. Sie besaß damit eine strategisch recht relevante Lage.
Bis heute haben sich nur bedingt Elemente erhalten. Zum Ort hin eröffnet sich der Blick auf die eindrucksvolle Schildmauer, hinter der die beiden hohen Haupttürme der Burg in den Himmel ragen. Im Osten und an der Nordostseite sind die Reste der Ringmauer und einiger Wehrelemente erkennbar. Im Norden und Osten stößt man teilweise auf schroffe Felsen und einen Halsgraben, die zusammen die Burg zur Umgebung hin absicherten.

Kernburg
Bis heute haben sich hauptsächlich nur Elemente der Kernburg erhalten. Ob Burg Oberreifenberg eine Vorburg besaß, kann bis heute nicht bewiesen werden. Die Kernburg liegt auf dem höchsten Punkt des Dorfes und nimmt eine Ost-West orientierte, längliche Fläche von ca. 80m Länge auf 40m Breite ein. Aufgrund der zahlreichen Zerstörungen erscheint die Burg heute bis auf die beiden Türme recht leer.

Kernburg - Wohnturm
Skurrilstes und zugleich eindrucksvollstes Gebäude ist der sehr schlanke und hohe Wohnturm. Er steht fast im Zentrum der mittelalterlichen Kernburg und stammt vermutlich aus dem 14. Jahrhundert. Der Turm wirft mit seinem Aussehen bis heute zahlreiche Fragen auf. Mit seiner sehr schlanken Grundfläche von 4,50 m auf 11 m und den 0,8 m dicken Außenmauern war der Wohnturm nicht sonderlich groß und recht fragil. Er bot pro Stockwerk gerade einmal 17 m² Wohnfläche. Der Turm besaß sechs Geschosse und war 19 m hoch.
An der Nordseite befindet sich eine im Stein eingelassene Wendeltreppe, die alle Obergeschosse miteinander verbindet. Es lassen sich beidseitig Kragsteine erkennen, auf denen die Geschossdecken auflagen. Das heutige Erdgeschoss besaß ein Gewölbe, deren Ansätze sich an der Innenseite der Außenmauer erhalten haben.
Zur Südseite hin, also zum ehemaligen Hof, ist das schlanke Gebäude offen. An dieser Stelle befand sich wahrscheinlich eine Fachwerkwand. An der Nordseite, der ehemaligen Außenseite, lassen sich in allen Stockwerken Fenster erkennen. Unterhalb des heutigen Eingangs (Südseite) stößt man auf einen Zugang zum Kellergewölbe des Turms.

Kernburg - Bergfried
Westlich des Wohnturms thront der Bergfried. Er gehört zu den ältesten Bauwerken der Burg und stammt aus dem 13. Jahrhundert. Mit 24 m Höhe, einem Durchmesser von 8,5 m und 2,5 m starken Mauern ist er wesentlich solider als der Wohnturm. Der Eingang lässt sich heute noch gut in 8 m Höhe erkennen.
Der Turm war Teil der äußeren Wehrmauer. Es haben sich noch abgehende Mauerreste Richtung Süden erhalten, die auf eine Wehrmauer zur südlichen Schildmauer hindeuten. Man vermutet, dass zwischen dem Bergfried und dem Wohnturm ein Gebäude stand.
Der Felsen, auf dem der Bergfried steht, lässt heute noch zahlreiche Bearbeitungsspuren erkennen. Anscheinend führte an der Ostseite eine Treppe den Felsen hoch, die im oberen Bereich in eine Holztreppe überging.
Zudem findet man an der Nordseite eine Öffnung, vor der ursprünglich vermutlich ein Erker hing, der als Abort diente.[1]
Die Mauerkrone ist mit einem Rundbogenfries verziert, bei dem es sich wahrscheinlich um eine Rekonstruktion handelt.

Kernburg - Schildmauer
Die Südseite der Kernburg wird vollständig durch die eindrucksvolle und gut erhaltene Schildmauer eingenommen. Die ca. 40 m lange und 4 m dicke Mauer war nach Süden und damit zur Hauptangriffsseite hin ausgerichtet. An beiden Enden stößt man auf Rundtürme, über die die Ecken und die Schildmauer flankiert wurden. Das Ensemble (Schildmauer und Rundtürme) stammt vermutlich vollständig aus dem 14. Jahrhundert.

Sonstige Elemente
Ursprünglich nahm Oberreifenberg den gesamten Burgberg ein. Am südöstlichen und am nordöstlichen Ende des Burgareals haben sich die Reste der Pulverkammer und eines Bastionsturms erhalten.
Die Pulverkammer bildet das östliche Ende der Kernburg. Sie war im Felsen verbaut und lag unterirdisch. Abgehende Kammern bzw. Gänge weisen auf eventuell vorhandene Kasematten hin.
Auf der ortsabgewandten Seite Richtung Nordosten stößt man auf die Überreste eines recht eindrucksvollen Bastionsturm. Bei dem Rondell handelt es sich um einen nach hinten offenen Halbschalenturm, der bis heute noch Kanonenschießscharten aufweist. Über diese ließ sich ein großer Bereich nördlich der Burg unter Beschuss nehmen. Links und rechts vom Turm sind noch Geländespuren erkennbar, die auf den Verlauf einer ehemaligen Wehrmauer verweisen. Diese gehörte wahrscheinlich zu einer Zwingeranlage, die die Kernburg nach Norden hin schützte. Vor dem Turmstumpf befindet sich ein schwer überwindbare Abhang.

Fazit
Burg Oberreifenberg ist nur sehr bedingt erhalten, weist aber mehrere eindrucksvolle Elemente auf. Der skurrile Wohnturm und die Schildmauer bilden zusammen mit dem hohen Bergfried ein imposantes Ensemble, das zu einem Besuch und zum längeren Verweilen einlädt. Aufgrund des Baubestands fällt ein Besuch recht kurzzeitig aus. Es lohnt sich dennoch.

Historie

Burg Oberreifenberg wird das erste Mal 1331 urkundlich genannt. Zu diesem Zeitpunkt ist sie wahrscheinlich schon bis zu 200 Jahre alt. Man vermutet, dass Oberreifenberg aus dem 10. oder 11. Jahrhundert stammen könnte. Die Burg gehörte ursprünglich den Herren von Reifenberg, die erstmals durch Kuno von Reifenberg 1234 schriftlich erwähnt werden.
Derer von Reifenberg sind mit den Herren von Hattstein verwandt, die die Anlage wahrscheinlich als Zweitburg erbauen ließen. Ihre Stammburg Hattstein liegt nur 1,5 km Luftlinie entfernt und konnte aufgrund ihrer Lage auf einem Felsen nicht erweitert werden.
Ab dem 14. Jahrhundert sind die Herren von Reifenberg ständig in irgendwelchen Fehden verwickelt. Unter anderem starten sie einen Krieg gegen derer von Falkenstein bei Königstein, gegen Stadt und Burg Kronberg, gegen die Reichsstadt Frankfurt (Kronberger Fehde) und untereinander in der eigenen Stammlinie.
Zwischen 1428 und 1435 schlagen sich die Reifenberger auf die Seite von Frankfurt und Kurmainz und unterstützen sie im Kampf in der Hattsteiner Fehde. 1432 erobert man Burg Hattstein. 1467 wird die Anlage schließlich zerstört.
Die Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Linien der Familie brechen nicht ab. 1560 erobert Friedrich von Reifenberg aus der Westerwälder Linie Burg Reifenberg, die bis dahin der Wetterau-Linie gehörte. Schließlich lässt er die Anlage 1587 schleifen. Anschließend wird Burg Oberreifenberg wiederhergestellt und mit Festungselementen ausgebaut.
Im 30-jährigen Krieg ist die Wehranlage Mittelpunkt mehrerer Auseinandersetzungen. Philipp Ludwig von Reifenberg verliert Oberreifenberg 1631 an Hessen. 1632 erobern die Schweden die Anlage. 1644 geht sie an kaiserliche Truppen und wird 1646 durch Hessen zerstört.
Nach dem 30-jährigen Krieg gilt Burg Oberreifenberg 1654 als weitestgehend zerstört. Dennoch wird sie 1655 durch Kurmainz besetzt. Kurmainz muss die Anlage aufgrund des Westfälischen Friedens wieder an Philipp Ludwig von Reifenberg zurückgeben, der die Burg wieder aufbauen lässt.
Im 17. Jahrhundert stirbt die Familie Reifenberg langsam aus. 1665 erlischt die Weller-Linie. 1686 endet mit dem Tod von Philipp Ludwig von Reifenberg die Wetterau-Linie und mit ihm das gesamte Geschlecht.
Infolgedessen erbt Graf Johann Lothar Waldbott von Bassenheim die Burg Oberreifenberg. Er kommt aber nicht dazu sie in irgendeiner Form zu nutzen, da sie 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg endgültig zerstört wird.
1856 wird Oberreifenberg Eigentum des Hauses Nassau. Im Januar 1995 gründet sich der Burgverein Reifenberg, der die Anlage saniert und anschließend für Feste und Konzerte nutzt. Bei den Sanierungsmaßnahmen gab es wegen des Daches des Wohnturms Auseinandersetzungen mit dem Denkmalschutz. Der Verein wollte einen authentischen Aufsatz aus Eichenholz und Schiefer errichten. Der Plan wurde vom Denkmalschutz durch einen Aufsatz aus Metall und Glas ersetzt. Bis heute stößt die moderne Maßnahme auf Widerspruch.

Events in der Nähe

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Anfahrt

Burg Oberreifenberg liegt nordwestlich von Frankfurt zwischen den Autobahnen A5 und A3. Anfahrt A3: Von der A3 Ausfahrt "Idstein" nehmen und der B275 Richtung Waldems folgen. In Waldems auf die B8 wechseln und über Oberems nach Niederreifenberg fahren. In Niederreifenberg nach Oberreifenberg abbiegen.
Anfahrt A5: Von der A5 beim "Bad Homburger Kreuz" auf die A661 Richtung Bad Homburg und weiter geradeaus auf die B455. Von der B455 bei Oberursel abfahren und der Landstraße Richtung Oberreifenberg / Schmitten folgen. Vor Schmitten nach Oberreifenberg abbiegen und der Straße bis in den Ort folgen.
Innerorts befindet sich die Zufahrt zur Burg im Knick der Hauptstraße (Königsteiner Straße / Siegfriedstraße). Hier parken und zu Fuß zur Burg gehen.

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Sonstige Einrichtungen

In der Gertrudiskapelle liegen die Überreste einiger der Herren von Reifenberg.

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Literatur

- Friedrich-Wilhelm Krahe, "Burgen des deutschen Mittelalters- Grundriss-Lexikon", Stürtz Verlag, 2000, Würzburg, ISBN: 3-88189-360-1
- Georg Dehio, "Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler - Hessen", Deutscher Kunstverlag, 1966, München
- Informationstafeln


Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 01.08.2015, 22.09.2015

Fußnoten

[1]Der in Kursiv geschriebene Textabschnitt basiert auf eigenen Beobachtungen. Literaturhinweise oder Informationen im Internet wurden dazu nicht gefunden. Das Veröffentlichen und Verbreiten der Informationen ist sowohl in digitaler Form, wie auch in Printform oder im Internet nur als Zitat mit Verweis auf den Autoren und die Website, bzw. die App erlaubt.

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