Katz, Neu-Katzenelnbogen

Burg Katz, Neu-Katzenelnbogen

Deutschland / Rheinland-Pfalz

Burg Katz liegt in exponierter Lage hoch über dem Rhein. Die Anlage wurde zur Sicherung der Grenze zum streitlustigen Erzbistum Trier errichtet und galt bis zur regulären Nutzung der Feuerwaffe als uneinnehmbar. Ihr Bergfried besaß ursprünglich eine Höhe von 60 m und war damit mehr als doppelt so hoch wie der deutsche Durchschnitt. Die Anlage ist heute in japanischem Privatbesitz und kann nicht besucht werden. Über einen Wanderweg besteht die Möglichkeit bis vor die Tore der Anlage zu gelangen.

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Adresse

Burg Katz, Neu-Katzenelnbogen
An der Burg Katz
56346 Sankt Goarhausen
Parken: im Ort, kostenlos

Kurzinfo

Punkte:
Zustand: Halbruine
Burgtyp: Spornburg
Nutzung: privat
Lage: 135 m.ü.NN.
Sonnenlicht: 07:12-16:09 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten: privat, geschlossen
Eintrittspreise: nicht zugänglich
Website: Burg-Katz.de

Baubestand & Beschreibung

Auf einem hohen Bergsporn oberhalb des Örtchens St. Goarshausen thront weit sichtbar die Burg Katz. Die Anlage ist heute in japanischem Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. Dennoch eröffnen sich sowohl vom Tal, wie auch vom benachbarten Wanderweg zahlreiche Sichtachsen auf die eindrucksvolle Anlage.

Funktion der Burg
Burg Katz liegt auf der rechten Rheinseite bei St. Goarshausen. Sie gehört zu den kompaktesten Anlagen im Mittelrheintal und galt bis zur regulären Nutzung der Feuerwaffe als uneinnehmbar. Ihr ursprünglicher Name lautete Neukatzenelnbogen, der im Laufe der Zeit durch die volkstümliche Abkürzung Katz ersetzt wurde. Sie bildete zusammen mit Burg Rheinfels eine strategisch gute Möglichkeit den Rhein an dieser Stelle mit wenig Aufwand zu blockieren und Zoll einzunehmen. Zeitgleich war sie eine Trutzburg, die gegen die Burg Maus (Deuernburg) gerichtet war. Burg Maus gehörte zu diesem Zeitpunkt dem Erzbistum Trier, das für sein aggressives Verhalten bezüglich der Rechte am Rhein bekannt war. Burg Katz diente folglich als Beobachtungsposten und zur Sicherung der Grenze, bzw. des rechten Rheinufers.

Zugang
Im Mittelalter galt Burg Katz bis zur Erfindung der Feuerwaffe als uneinnehmbar. Sie lag hoch über dem Rhein und war direkt mit der Stadtmauer von St. Goarshausen verbunden. Zum Landesinneren hin wurde sie durch das tiefe Tal des Forstbachs geschützt.
Zu der Burg gab es zwei Wege. Der eine Pfad führte so wie heute von der befestigten Stadt St. Goarshausen nach oben und konnte nur zu Fuß begangen werden. Ein zweiter Pfad für Pferde und Karren ging über den Bergrücken von Südosten her zur Anlage. Direkt auf diesem Weg lag das Dorf Bornich, das gut befestigt war. Wollte man folglich Burg Katz angreifen, musste man zuerst die Stadtmauern von St. Goarshausen oder die Wälle von Bornich überwinden. Anschließend hätte man noch die gut durchdachte Verteidigungsanlage der Burg passieren müssen. Burg Katz galt folglich nicht umsonst als uneinnehmbar.

Äußere Verteidigungsanlage
Ursprünglich ging der Weg im Norden einmal um die halbe Burg herum und verlief von der Rheinseite (Westseite) unter dem Palas hindurch in die Burg. Der Karrenweg aus Bornich führte über eine steinerne Bogenbrücke im Norden in einen Torzwinger, der von der Burg aus beschossen werden konnte. Hier kam der Fußweg aus St. Goarshausen durch ein kleines Seitentor hinzu. Direkt dahinter ging es durch ein weiteres Tor auf die Spornspitze in eine kleine Dreiecksbastion mit einem großen Rundturm, den man heute noch vom Tal aus sieht. Über eine steile Treppe gelangt man schließlich vor das Tor der Kernburg, hinter dem ein langer Gang unter dem Palas auf den kleinen Burghof führte. Dieser Eingang ist heute zugemauert.
Der Gegner musste folglich die halbe Burg umrunden und mehrere Tore passieren um zur Kernburg zu gelangen. Den gesamten Weg war er dem Beschuss von der Kernburg aus ausgeliefert. Heutzutage kommt man nur bis zum Tor am Zwinger. Ab hier ist die Burg privat und wird für die Öffentlichkeit geschlossen gehalten.

Kernburg
Den größten Bereich der kleinen Anlage nimmt die Kernburg ein. Sie bestand ursprünglich aus einem mächtigen Bergfried, der inmitten der Schildmauer stand und aus einem großzügig angelegten Palas. Dieser wurde bei einem Wiederaufbau in der Neuzeit stark verändert, lässt aber noch die Grundzüge und das ehemalige Aussehen des Vorgängerbaus erkennen.
Burg Katz muss im Mittelalter einen eindrucksvollen Anblick geliefert haben. Die sehr kompakt errichtete Wehranlage besaß unzählige Ecktürme, hohe Dächer, Erker und eine eindrucksvolle Schildmauer auf sehr engem Raum. Vor allem der Bergfried muss mit seiner imposanten Höhe einen einzigartigen Anblick geliefert haben.

Kernburg - Bergfried und Schildmauer
Der Bergfried ist bis heute das markanteste Gebäude der Burg. Der runde Turm mit 11 m Durchmesser besaß vermutlich eine Höhe von 60 m und war damit doppelt so hoch wie der durchschnittliche Bergfried in Deutschland. Landgraf Moritz von Hessen-Kassel beauftragte den Zeichner Dilich 1606 mit der Zeichnung der Burg. Auf den Abbildungen Dilichs von 1607 lässt sich noch die ursprüngliche Höhe von mehr als 50 m erkennen.
Auf dem noch heute 30 m hohen Stumpf befanden sich ursprünglich mindestens noch ein Stockwerk. Das oberste Geschoss hatte einen achteckigen Grundriss, der typisch für die Burgen der Familie derer von Katzenelnbogen ist. Das Dach bestand aus einem sehr steilen Walmdach mit vier Dacherkern, zwischen denen ein Klostergewölbe ruhte. Im obersten Geschoss war ein Kamin, über den bei Bedarf im Turm geheizt werden konnte.
Der ehemals eindrucksvolle Bergfried ist Teil der ehemaligen Schildmauer. Beide sind zum Bergrücken hin ausgerichtet, um die Burg vor Beschuss zu schützen. Die Schildmauer verläuft stumpfwinklig links und rechts vom Bergfried. Sie schützte die Anlage nach Nordosten, Norden, Südosten und Süden. Der Bergfried war Richtung Osten orientiert.
Auf der Schildmauer verlief ein offener Wehrgang, der sich heute größtenteils noch erkennen lässt. Er wurde rekonstruiert und weist die typischen Rundbogenfriese auf, die im Mittelrheintal oft zu finden sind. Der Wehrgang war genau wie der Bergfried nur über einen erhöhten Eingang vom Hof aus erreichbar, für den man eine Leiter benötigte. Hat man die Leiter entfernt, waren Schildmauer und Bergfried nicht mehr erreichbar. Über Treppen, die teilweise im Mauerwerk eingelassen sind, gelangt man zu den oberen Stockwerken des Bergfrieds. Erhaltene Kragsteine erinnern daran, dass an der Außenseite des Turms hölzerne Gänge verliefen, die sich bei Bedarf entfernen ließen.

Kernburg - Halsgraben
Direkt vor der Schildmauer und dem Bergfried wurde ein mächtiger Halsgraben in den Felsen getrieben. Er trennt die Burg vom Bergrücken und war aufgrund seiner Tiefe nahezu unüberwindbar. In späterer Zeit errichtete man hier einen Marstall, der schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts eine Ruine ist. Zudem befanden sich hier unterirdische Kasematten. Heute steht an der Stelle des ehemaligen Marstalls ein Neubau. Zudem hat man in der Neuzeit eine Durchfahrt in die Schildmauer gehauen, die es ursprünglich nicht gab. Der Halsgraben wurde fast vollständig asphaltiert und dient heute als Parkplatz.

Kernburg - Palas
An der Stelle des ehemaligen Palas steht heute ein Neubau, in den man viele Teile des mittelalterlichen Gebäudes integriert hat. Beim Wiederaufbau hat man sich teilweise an die Zeichnung von Wilhelm Dilich von 1607 orientiert, sodass sich das Aussehen nicht gänzlich vom Original unterscheidet. Das heutige Gebäude ruht größtenteils auf der originalen Bausubstanz des Kellers des mittelalterlichen Palas.
Ursprünglich verlief der Eingang in die Burg durch das Untergeschoss des Palas und mündete direkt dahinter auf dem Burghof. Im Inneren wurde das Gebäude durch zwei große Säle eingenommen, die direkt übereinander lagen. Unzählige Zimmer und Kammern grenzten an den Sälen an.
Die Außenmauern des Palas waren im Norden, im Westen und im Süden gleichzeitig die äußere Wehrmauer. Damit man die Anlage auch in diese Richtungen erfolgreich verteidigen konnte, verlief der Wehrgang auf der Ringmauer direkt unter dem Dach des Palas weiter. An den Gang grenzten Schlafräume an, von denen aus sich der Wehrgang sofort bemannen ließ. Man erkennt heute noch vor allem vom Tal aus die zahlreichen Türme, die am Palas angrenzen. Auch sie waren im Obergeschoss mit dem Wehrgang verbunden und gaben die Möglichkeit die Umgebung im Auge zu behalten und besser unter Beschuss zu nehmen.

Kernburg - Hof
Innerhalb der sechseckigen Ringmauer lagen neben dem Palas und dem Bergfried noch weitere Gebäude, die heute nicht mehr existent sind. Durch ihr Fehlen wirkt der Hof heute größer, als er einst war. Da Burg Katz keine Vorburg besaß, mussten alle Wirtschaftsgebäude in der Kernburg integriert werden. So stieß man ursprünglich auf ein Brunnenhaus mit integriertem Brunnen und einen Küchenbau. Weitere Wirtschaftsgebäude entstanden später im Halsgraben.

Fazit
Burg Katz wirkt durch ihre exponierte Lage vor allem vom Tal her recht eindrucksvoll und imposant. Über einen 20-minütigen Fußweg gibt es die Möglichkeit vor das Tor der Burg zu gelangen, das aber aufgrund des Privatbesitzes immer geschlossen gehalten wird. Dementsprechend lohnt sich ein Aufstieg nicht. Die meisten Elemente bekommt man vom Rheintal aus bestens zu sehen.

Historie

Burg Katz wurde wahrscheinlich in der Zeit zwischen 1350 und 1371 errichtet. Gründer waren die Grafen von Katzenelnbogen, nach denen die Burg benannt war. Ihr ursprünglicher Name lautete Neu-Katzenelnbogen und wurde erst später durch die Bevölkerung verändert. 1371 wird eine Kapelle auf der Burg erwähnt, die durch Graf Wilhelm II. von Katzenelnbogen errichtet und in jenem Jahr geweiht wurde. Ältere Quellen gehen davon aus, dass die Burg erst 1393 unter Johann III. gebaut wurde, nachdem er Anna von Rheinfels, Tochter von Graf Eberhard V. von Rheinfels geheiratet hat. In beiden Fällen gehört sie zu den letzten Burgen , die in der Region entstanden sind.
Burg Katz wurde aus strategischen Gründen errichtet. Sie diente als Trutzburg, bzw. als Gegenburg zur Burg Deuernburg, die heute eher unter dem Namen Burg Maus bekannt ist. Die Deuernburg gehörte damals zum Erzbistum Trier und lag nahe der Grenze. Mit der Errichtung der Burg Katz war das Kräftegleichgewicht an dem Grenzverlauf wiederhergestellt.
Ab ca. 1378 kam es nur noch zum Einsatz von Amtsmännern auf der Burg. Sie wurde ein militärischer Stützpunkt, auf dem in Kriegszeiten mehr als 80 Kriegsknechte mit einem Hauptmann untergebracht waren.
1479 starb das Geschlecht aus. Die Burg ging an die Landgrafen von Hessen und wurde Teil des Amtes Rheinfels. Mit der Aufteilung der Linie kam es bezüglich des Erbes ständig zu Streitigkeiten zwischen den Seitenlinien Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt. Ab 1520 war die Burg nur noch eine rein militärische Unterstützung für die Festung Rheinfels, die sich auf der anderen Rheinseite befindet. Zusammen konnten beide Anlagen den Rhein an dieser Stelle sperren und mit militärischem Einsatz unpassierbar machen.
Im 30-jährigen Krieg wird die Anlage 1626 und 1647 belagert und teilweise schwer beschädigt. Es kommt immer wieder zu Ausbesserungen und Umbauten, um sie auf Feuerwaffen auszulegen. Es haben sich Geschützbatterien aus dieser Zeit erhalten.
Mit dem Pfälzischen Erbfolgekrieg wird die Anlage 1692 ein weiteres Mal belagert und beschädigt. Diesmal waren es die Truppen von Ludwig XIV. von Frankreich. Im Siebenjährigen Krieg kam es wieder zu Auseinandersetzungen mit den Franzosen, die die Anlage 1758 eroberten, sie aber schon 1763 zurückgaben. 1806 erfolgte eine Teilsprengung durch Napoleon.
Ab diesem Zeitpunkt war Burg Katz nur noch eine Ruine, die 1816 im Besitz des Herzogtums Nassau war. In den Jahren darauf folgten zahlreiche private Verkäufe bis 1896 der Landrat von Sankt Goarshausen Ferdinand Berg die Anlage erwarb. Binnen zwei Jahren ließ er bis 1898 Burg Katz in romantisierter Form verfälscht wieder aufbauen. Die Pläne wurden einer Abbildung von Wilhelm Dilich von 1607 nachempfunden. Ausführende Architekten waren Emil Schreiterer und Bernhard Below, die von dem Burgenforscher Bodo Ebhardt unterstützt wurden. Vor allem der Palas wurde vollständig erneuert.
1928 wurde die Burg ein weiteres Mal versteigert. 1936 ging sie an den Reichsarbeitsdienst. Es folgte der Umbau in ein Schulungslager. Nach 1945 war sie Eigentum der Bundesrepublik Deutschland und wurde als Lehranstalt des Instituts Hoffmann genutzt. In der Burg befand sich ab 1948 ein Internat mit Gymnasium, das unter der Leitung der Familie Altgelt stand. Die Schule im Ort war durch den Krieg zerstört, sodass die Schüler auf der Burg unterrichtet werden mussten.
1950 zieht das Gymnasium wieder zurück in den Ort. Das Internat bleibt bis 1966 weiterhin erhalten, zieht aber schon 1964 größtenteils in die Stadt. In der Folgezeit diente die Burg bis 1987 als Erholungsstätte des Sozialwerkes der Bundesfinanzverwaltung. Aufgrund einer fehlenden Feuertreppe musste die Nutzung aus Brandschutzgründen 1987 verboten werden, sodass die Anlage verkauft wurde.
1989 erwirbt Satoshi Kosugi aus Japan Burg Katz für 4,3 Millionen DM. Er hatte die Absicht ein japanisches Hotel zu errichten, das speziell auf die Wünsche und die Kultur japanischer Gäste eingeht. Es kam nie zur Realisierung. Heute befindet sich die Anlage in japanischem Privatbesitz.
2002 erfolgte schließlich die Eintragung in die Liste des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.

Events in der Nähe

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Anfahrt

Von der A61 Ausfahrt "Emmelshausen" über Karbach, Holzfeld und Werlau nach St. Goar fahren. In St. Goar mit der Fähre nach St. Goarshausen die Rheinseite wechseln und der B42 wieder flussaufwärts folgen. Innerorts links in die Forstbachstraße abbiegen und am Anfang der Straße parken. Über den Fußweg zwischen den Häusern gelangt man zur Burg.

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Literatur


- Georg Dehio, "Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler - Rheinland-Pfalz, Saarland\", Deutscher Kunstverlag, 1984, Berlin, ISBN: 3-422-00382-7
- Burg-Katz.de

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Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 25.04.2015

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