Hamburg, Hammaburg, Bischofsturm, Domburg

Burg Hamburg, Hammaburg, Bischofsturm, Domburg

Deutschland / Hamburg

Am 30. August 1962 stieß man beim Bau des neuen Gemeindezentrums von St. Petri auf die Fundamente eines runden Turms. Zuerst ging man davon aus, dass es sich um Reste eines Gebäudes des Erzbischofs Bezelin-Alebrand aus dem 11. Jahrhundert handeln müsse, aber die runde Form mit einem Durchmesser von 19m deutete eher auf eine Befestigung aus dem 12. Jahrhundert hin. Oberflächlich lassen sich heute nur noch Wallreste finden. Der Turm liegt im Untergeschoss eines Museums im Speersort 10.

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Adresse

Burg Hamburg, Hammaburg, Bischofsturm, Domburg
Speersort 10
20095 Hamburg
Parken: im Ort, kostenpflichtig

Kurzinfo

Punkte:
Zustand: ehemalige Burg
Burgtyp: Wallburg
Nutzung: Museum, Café
Lage: 10 m.ü.NN.
Sonnenlicht: 06:20-16:46 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten: offen
Eintrittspreise: Außenanlage: frei
Burg: Gastronomie

Baubestand & Beschreibung

Kaum eine Großstadt kann heutzutage behaupten ihren Punkt der Entstehung zu kennen. Oft ist er durch zahlreiche Stadtbrände, Naturkatastrophen, Expansionen und Kriege vollständig verloren gegangen. In Hamburg ist seit Januar 2014 nach über 50 Jahren archäologischer Untersuchungen genau dieser Standort bekannt. Er liegt mitten im Zentrum der Altstadt am Domplatz.

Heidenwall
Hamburgs Ursprung liegt auf einer kleinen Halbinsel zwischen der Elbe und der Alster. Im 9. Jahrhundert gründete man hier die Hammaburg, aus der sich später der Name Hamburg entwickelte. Die Anlage diente anfangs zur Christianisierung der germanischen Stämme und bestand aus einem Ringwall, in dem eine Kirche aus Holz stand. Um die kreisrunde Anlage und die sich hier entwickelnde Ortschaft gegen Feinde zu schützen, errichtete man nach Osten einen 300 m langen Wall, der die einzige Angriffsseite verschloss. Hammaburg war somit im Norden und im Westen durch die Alster, im Süden durch die Elbe und im Osten durch den Heidenwall geschützt. Vor dem Wall lag mit einem Abstand von 5,5 m ein breiter Graben, der Wasser geführt haben könnte. Auf dem Wall befand sich eine Palisade aus 50 cm dicken Holzpfosten. Der Wall umschloss die Hammaburg nicht vollständig, sondern schützte sie nur nach Osten.

Hammaburg
Auf der Insel hinter dem Heidenwall lag die so genannte Hammaburg. Es handelte sich um eine größere Burganlage mit einer Grundfläche von ca. 130 auf 130 m mit ovalem Ringwall. Der Wall war 5 bis 6 m hoch und 15 m breit. Nach der Zerstörung durch die Wikinger 845 verfiel die Anlage, der Wall blieb aber erhalten. Innerhalb der Anlage lag eine Kirche aus Holz, genannt Marienkirche und mehrere Klostergebäude. Ein Burgvogt verwaltete die Anlage während die meisten Gebäude sakrale Funktionen besaßen und der Kirche untergeordnet waren. Um die Hammaburg entwickelte sich mit der Zeit eine kleine Ortschaft, die hauptsächlich aus Händlern und Handwerkern bestand. An einem Seitenarm der Alster errichtete man schließlich einen Hafen.

Bischofsturm
Am 30. August 1962 entdeckte man bei dem Bau des Gemeindezentrums der Kirche St. Petri die Fundamente eines großen Turms. Man vermutete anfangs, dass es sich hierbei um das steinerne Haus des Erzbischofs Bezelin-Alebrand handelte, der in der Hamburger Kirchenchronik von Adam von Bremen 1074 mit seinem Haus aus Stein erwähnt wird. Mittlerweile geht man davon aus, dass es sich um einen Torbau oder um einen Teil der Stadtbefestigung gehandelt haben könnte. Die Fundamente liegen heute im Untergeschoss einer Bäckerei und können zu den Öffnungszeiten frei besucht werden.
Bei dem Turmfundament handelt es sich um ein rundes Gebilde mit 19 m Durchmesser außen und 11 m innen. Die Mauern waren bis zu 4 m dick und vollständig aus Findlingen. Nach außen lassen sich große Findlinge erkennen, die zur Innenseite der Mauer kleiner werden. An der Westseite schließt ein 4,4 m großer, halbrunder Anbau an, der als Brunnenschacht gedient haben soll, was sowohl für die Region, wie auch für die Zeit des 12. Jahrhunderts eine sehr merkwürdige Konstruktion gewesen wäre.
Der Turm stand nur wenige Meter nordöstlich der ehemaligen Hammaburg und innerhalb des alten Heidenwalls. Von der Größe und der verfügbaren Grundfläche innerhalb des Turms könnte er als Wohnturm gedient haben. Der als heute bezeichnete Brunnenschacht war eventuell ein angegliederter Treppenturm, der erst im ersten Obergeschoss begann oder tatsächlich ein Brunnenschacht, bzw. Abortschacht einer eigenständigen Turmburg. Da keine Backsteine gefunden wurden, muss er vollständig aus Feldsteinen bestanden haben und schon vor dem 12. Jahrhundert existent gewesen sein, da man die benachbarte Domburg zu dieser Zeit mit einer Kirche aus Backstein bebaute. Folglich hätte man den Turm, wäre er im 12. Jahrhundert entstanden, ebenfalls aus Backstein erstellt.
Ein Turm dieser Größe mit integriertem Brunnenschacht ist eher selten. Die Nutzung von Feldsteinen, der merkwürdige Anbau des Brunnenschachts und die dicken Mauern deuten auf einen eindrucksvollen Wehrbau hin, der tatsächlich Sitz eines Bischofs gewesen sein könnte. Hierfür spricht vor allem die Nähe zum Dom und zum Eingang in die Domburg, der dem Turm zugewandt lag[1]
.

Das Grundstück heute
Im Zuge der letzten 50 Jahre wurden in der Altstadt von Hamburg zahlreiche archäologische Untersuchungen unternommen. Hierbei stieß man auf unzählige Fragmente der alten Wallanlagen und auf den Bischofsturm. Nach den Ausgrabungen von 2006 wurden auf dem Domplatz die gefundenen Wallreste künstlerisch neu dargestellt. Sie sind heute oberirdisch deutlich erkennbar. Die Säulenfundamente des alten Doms, der sich inmitten der ehemaligen Hammaburg befand, wurden mit weißen Sitzmöglichkeiten markiert. Zwei asphaltierte Wege deuten auf die ehemaligen Eingänge hin, die die Wallburg besaß. Der vollständig verschwundene Heidenwall im Osten ist nicht mehr oberirdisch erkennbar. Die Fundamente des Bischofturms wurden in einem kleinen Museum und einer Bäckerei im frei zugänglichen Untergeschoss an der Ecke Speersort / Kreuslerstr. für die Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Ein Besuch des eindrucksvollen Turmfundaments und der benachbarten Wallanlage lohnt sich.

Historie

Domburg und Hammaburg
Im Januar 2014 wurde nach intensiven, archäologischen Arbeiten aus den Jahren 2005 und 2006 bekannt, dass der gefundene Standort am Domplatz der Gründungspunkt der Stadt Hamburg ist. Ursprünglich befand sich im 9. Jahrhundert an dieser Stelle die Hammaburg, aus der sich später die Stadt entwickelte.
Die Anlage wurde durch Bischof Ansgar in Auftrag der fränkischen Kirche errichtet, um von hier aus germanische Stämme in der Region, in Dänemark und Schweden zu christianisieren. 845 kamen Wikinger über die Elbe zur Hammaburg und überfielen die Anlage. Sie wurde geplündert und anschließend angezündet. Ein Wiederaufbau fand vorläufig nicht statt.
Im 11. Jahrhundert errichtete man an der Stelle der ersten Kirche, die durch Bischof Ansgar gebaut wurde und bei dem Brand der Wikinger zerstört wurde einen Dom aus Stein und die sogenannte Domburg. Die Anlage bestand aus dem Kirchenbau und einer runden Wallanlage, die sie umgab. Im 12. Jahrhundert folgte ein eindrucksvoller Dom aus Backstein, der im 15 Jahrhundert seine volle Größe erreichte und bis 1807 das Bild der Stadt prägte. Nördlich der Wallburg entstand später schließlich die St. Petrikirche. Der Platz blieb nach dem Abriss des Doms unbebaut.

Heidenwall
Bis ca. 1200 wurde Hamburg durch den so genannten Heidenwall geschützt. Er verlief östlich der Domburg und sicherte die Insel zum Festland hin. Er war 300m lang und führte von der Schopenstehl zur Rosenstraße. Ursprünglich stammte er aus dem 9. Jahrhundert und besaß einen Graben. Im 13. Jahrhundert wurde er schließlich aufgrund der Stadtmauer und der wachsenden Stadt abgetragen. Gefundene Pfosten mit bis zu 50 cm Durchmesser deuten darauf hin, dass es auf dem Wall Palisaden gab.
Bischofsturm
Der Bischofsturm hat seinen Namen von der Theorie, dass er im 11. Jahrhundert Wohnturm des Erzbischofs Bezelin-Alebrand gewesen sein soll. Diese Theorie wurde spätestens Januar 2014 widerlegt. Das Gebäude befand sich direkt hinter dem Heidenwall und stammt vermutlich aus dem 12. Jahrhundert. Heute geht man davon aus, dass er Teil eines Stadttors oder einer Stadtbefestigung war. Das Fundament aus Feldsteinen und der Brunnenschacht deuten auf eine andere Funktion hin (siehe Beschreibung zur Burg).

Events in der Nähe

Zu dieser Burg und den Nachbarburgen liegen uns keine Veranstaltungen vor. Sie können hier gerne eine eintragen:

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Anfahrt

Über die A7 Ausfahrt "Bahrenfeld" auf die B431 und weiter auf die B4 oder über die A255, die direkt in die B4 übergeht Richtung Stadtmitte fahren. Der B4 bis zur Domstr. folgen und in diese einbiegen. In der lang gezogenen Rechtskurve liegt auf dem großen Domplatz die Burg.

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Literatur

- http://amh.de - Letzter Besuch: 13.05.2014

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Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 13.05.2014

Fußnoten

[1]Der in Kursiv geschriebene Textabschnitt basiert auf eigenen Beobachtungen. Literaturhinweise oder Informationen im Internet wurden dazu nicht gefunden. Das Veröffentlichen und Verbreiten der Informationen ist sowohl in digitaler Form, wie auch in Printform oder im Internet nur als Zitat mit Verweis auf den Autoren und die Website, bzw. die App erlaubt.

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