Sigmaringen

Burg Sigmaringen

Deutschland / Baden-Württemberg

Schloss Sigmaringen thront auf einem Felsen oberhalb der Donau. Die Anlage geht aus einer mittelalterlichen Burg hervor und gehört heute mit über 450 Zimmern zu den größten Schlossanlagen Deutschlands. Die Führung durch die einzelnen Bereiche und Räume ist sehr zu empfehlen.

Adresse

Burg Sigmaringen
Karl-Anton-Platz 8
72488 Sigmaringen
Parken: im Ort, kostenpflichtig

Kurzinfo

Punkte:
Zustand: Schloss
Burgtyp: Gipfelburg
Nutzung:
Lage: 590 m.ü.NN.
Sonnenlicht: 04:18-18:35 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten: Ganzjährig
Außenanlage: offen
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Eintrittspreise: Außenanlage: frei
Burg: Führung
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Kontakt: Schlossleitung:
Tel.: 07571 / 729-221
Fax: 07571 / 729-255
Website: Schloss-Sigmaringen.de

Baubestand & Beschreibung

Auf einem steilen Weißjurafelsen am nördlichen Ende der Altstadt von Sigmaringen thront direkt oberhalb der Donau das Schloss Sigmaringen. Der Ursprung der Anlage liegt in einer Burg aus dem 12. Jahrhundert, die aufgrund ihrer exponierten Lage nie erobert wurde und schon damals zu den größten Burgen an der Donau gehörte.
Heute beherbergt das Schloss ein Museum und kann im Zusammenhang mit einer Führung besucht werden. Im Inneren stößt man auf eine der größten privaten Waffensammlungen Europas mit über 3000 Objekten. Zudem findet man im Wilhelmsbau eine private Hofbibliothek, die mit 200.000 Bänden zu den größten Privatbibliotheken Baden-Württemberg gehört. Das Museum für Frühgeschichte im Schloss wurde schon 1867 unter Fürst Friedrich von Hohenzollern eingerichtet. Seit 1871 gibt es Schlossführungen. Somit gehört Schloss Sigmaringen zu den ersten deutschen Schlössern, die Führungen angeboten haben.

Burg
Der Ursprung des Schlosses liegt in einer mittelalterlichen Kernburg, der eine Unterburg vorlag. Die Kernburg befand sich auf der höchste Stelle des Weißjurafelsens. Der 200m lange und 35 hohe Felsrücken war nur von Südwesten her angreifbar, so dass man der Kernburg eine Unterburg vorlegte. Die Burg Sigmaringen gehörte schon früh zu den bestbefestigten Burgen der Region und hielt schon 1077 einer Belagerung stand.
Die Kernburg nahm mit der Unterburg die Größe des heutigen Schlosses ein. Somit beruht das Schloss von der Außenkante her auf der Ringmauer des 12. Jahrhunderts. Ursprünglich war die Ringmauer 6 bis 8 m hoch. Sie bestand größtenteils aus Buckelquadern. Teilweise lassen sich in den Außenmauern alte Bereiche der Ringmauer noch erkennen.
Zwischen der Kasse und dem heutigen Hofeingang stehen der alte Bergfried, das rundbogige Tor und das alte Towächterhaus. Alle drei Gebäude stammen aus dem 13. Jahrhundert und wurden in das neue Schloss integriert. Sie weisen noch Buckelquader auf. Das Tor trägt noch heute unverzierte Kämpferkapitelle. An der nördlichen Hoffassade (links vom Hofeingang) ist noch ein Rundbogenfries erkennbar, das zum Palas gehört. Seit dem Umbau gehört die Mauer zum Küchenbau. Der ehemalige Küchenbau befand sich direkt links davon zwischen Torwächterhaus und Palas.
Die Unterburg lag 5 bis 6m unter der Kernburg an der Südostseite (heute portugiesische Galerie). In der Unterburg gab es unter anderem einen Burggarten mit eigenem Ausgang. An der Ostseite ist zur Mühle hin eine kleine Nische erkennbar, die zu diesem Ausgang gehörte. Die Unterburg war nur 10 bis 12m breit. Sie wurde vollständig von der höher gelegenen Kernburg flankiert und konnte von dieser verteidigt werden.

Bergfried
Der Bergfried ist das markanteste Gebäude des Schlosses. Er sticht aus dem Gebäudekomplex heraus und wurde vollständig in den engen Bebauungsplan des Schlosses integriert. Ursprünglich stand er direkt neben dem mittelalterlichen Tor und flankierte dieses. Mit seinen 2,65 m bis 3 m starken Mauern diente er als Frontturm, also als Schildmauer zur Hauptangriffsseite hin. Er hat eine Grundfläche von 8,23m auf 8,34m und ist 26m hoch. Er besitzt vier Obergeschosse und besteht aus randbeschlagenen Bossenquadern aus Kalkstein. Sein Ursprung ist im 12. Jahrhundert zu finden.
Der Turm besaß ursprünglich einen Eingang in 8m Höhe. Eine kleine Öffnung in Richtung Norden ist Teil eines ehemaligen Geheimgangs zur Donau, der teilweise nur kriechend passiert werden konnte. Im Falle einer Belagerung konnte man durch den Geheimgang fliehen. Von unten war ein Zugang aufgrund der Enge nur ungerüstet möglich.

Schloss
Das Schloss entstand über mehrere Bauphasen auf den Grundmauern der Burg. Mit 450 Zimmern ist es das zweitgrößte Stadtschloss Deutschlands. Schloss Sigmaringen ist heute ein eindrucksvoller Gebäudekomplex, der sich aus unzähligen Bauwerken zusammensetzt, die zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert entstanden sind (siehe Geschichte). Die meisten Veränderungen fanden unter den Grafen von Hohenzollern-Sigmaringen statt.
Heute beherbergt der Schlossbau ein Museum. Im Inneren stößt man auf zahlreiche Räume, die unterschiedlich eingerichtet sind. Sehenswert ist die Waffenkammer, in der während der Führung der Gebrauch der einzelnen Langwaffen deutlich erklärt wird. In anderen Bereichen des Schlosses, wie zum Beispiel den Prunkräumen, wird auf das Benehmen und das damalige Leben eingegangen.
Erwähnenswert ist vor allem die Führung für Kinder, die zusammen mit zahlreichen anderen Themenführungen die Geschichte des Schlosses verständlich erklärt. Auch die normale Führung geht über die Geschichte des Schlosses hinaus und sorgt bei vielen Besuchern für eine kleine Zeitreise.

Fazit
Schloss Sigmaringen gehört zu den schönsten Schlössern Baden-Württembergs. Die Anlage auf dem eindrucksvollen Felsen ist weit über die Grenzen des Ortes sichtbar und lädt schon aus der Ferne zu einem Besuch ein. Es lohnt sich!

Historie

Erste Bauphase
Der Ursprung von Schloss Sigmaringen liegt in einer Burg aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Sie soll auf bereits vorhandenem Baubestand errichtet worden sein. Da es sehr viele archäologische Funde aus der Römerzeit im Umland gibt, geht man davon aus, dass dieser Baubestand einen römischen Ursprung hatte. Errichtet wurde die Anlage des 11. Jahrhunderts durch die Edelfreien von Sigmaringen-Spitzenberg. Das Adelsgeschlecht gehörte zusammen mit derer von Helfenstein zu den einflussreichsten Hochadelsfamilien der Schwäbischen Alb und bestand aus treuem Gefolge der Staufer.
1077 begann Rudolf von Schwaben, der Krieg gegen Kaiser Heinrich IV. führte, mit einer Belagerung der Burg Sigmaringen. Diese verlief aber erfolglos, da Sigmaringen schon zu dieser Zeit zu den uneinnehmbarsten Burgen an der Donau gehörte.
1083 werden Ludwig und Manegold von Sigmaringen-Spitzenberg genannt. Ludwig wird in jenem Jahr mit Richinza, Tochter von Berthold von Zähringen, verheiratet.

Zweite Bauphase
In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts findet der Neubau der Burg aus Buckelquadern statt. Es entstehen der Bergfried, ein Palas, die Ringmauer und eine Toranlage. Es wird angenommen, dass Gottfried Graf von Sigmaringen-Helfenstein für den Bau verantwortlich war. Er wird 1209 bis 1258 mehrmals urkundlich genannt.
1258, nach dem Tod von Gottfried, geht die Burg an seinen Vetter Graf Ulrich II. von Helfenstein. Seine Tochter bekommt die Anlage als Mitgift zu ihrer Hochzeit 1272 mit Graf Ulrich I. von Montfort. Ulrich I. von Montfort verkauft 1290 die Anlage an Albrecht und Rudolf von Habsburg. In der Folgezeit werden 1325 eine Verpfändung an Herzog Luipold von Habsburg und 1395 eine Verpfändung an Graf Ulrich von Württemberg genannt.

Dritte Bauphase
Die dritte Bauphase fand zwischen 1460 und 1526 statt. Nachdem Johann IV. Graf von Werdenberg 1459 Burg Sigmaringen gekauft hat, lässt er die Anlage zu einem Schloss ausbauen. Es entstehen zwei Wohngebäude, ein Treppenturm (schwedischer Turm) 1498 und ein Torbau mit Ecktürmen und Sühnetafel 1526.

Vierte Bauphase
Mit Graf Christoph von Werdenberg stirbt das Adelsgeschlecht aus. Nach seinem Tod belehnt 1535 König Ferdinand I. den Grafen Karl I. von Zollern mit den Grafschaften Sigmaringen und Veringen. Karl I. erklärt Sigmaringen zu seiner Residenz und baut es aus. So entstehen in der vierten Bauphase zwischen 1535 und 1638 mehrere Gebäude.
1535 kommt es durch einen Brand, der durch Karl I. beim Baden mit seiner Mätresse entstanden sein soll. 1539 gibt es einen weiteren Brand.
Sein Nachfolger Karl II. Graf von Hohenzollern-Sigmaringen (regierte 1576 bis 1606) erhielt die Anlage durch Erbteilung. Der Rest der Herrschaft wurde unter Eitelfriedrich IV. (Hechingen) und Graf Christoph (Haigerloch) aufgeteilt.
Karl II. von Hohenzollern-Sigmaringen ließ die Schlosseinfahrt zwischen den beiden Tortürmen überdachen. Unter ihm entstand zudem der Kirchturm 1581 und die Kapelle 1583. Sein Nachfolger Johann Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen (regierte 1606 bis 1638) erhöhte den werdenbergischen Wohnbau und überdachte das Westportal. Zudem ließ er das Westportal bemalen und errichtete die Lackhaienhalle, sowie die Waffenhalle. Es entstand die Zwiebelhaube auf dem Bergfried. Damaliger Architekt war Johann Alberthal aus Krain, der ab 1627 die Pläne des Grafen realisierte.
1632 wird das Schloss durch Schweden besetzt. In Gefechten mit den kaiserlichen Truppen wird von den schwedischen Reitern am 5. März 1633 der Ostbau angezündet.
1634 erbt Karl II. von Hohenzollern-Sigmaringen die Herrschaft Haigerloch von Graf Christoph von Hohenzollern-Sigmaringen.

Fünfte Bauphase
Nach dem Tod von Karl II. von Hohenzollern-Sigmaringen geht das Erbe 1638 an Meinrad I. Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen (regierte 1638 bis 1681). Zusammen mit dem Architekten Michael Beer aus Au (geboren um 1605, gestorben 1666) beginnt er den Wiederaufbau nach dem Brand. Die beiden werdenbergischen Wohnbauten werden mit einem gemeinsamen Dach versehen. Es entsteht ein Prunktreppenhaus.

Sechste Bauphase
Die sechste Bauphase entwickelte sich zwischen 1724 und 1885. Ab 1715 ist Joseph Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen (regierte 1715 bis 1769) Besitzer von Schloss Sigmaringen. Er errichtet den neuen Marstall 1724 und gestaltet sämtliche Räume im Schloss im Stil des Barocks ab 1736 um. Unter ihm entsteht zudem die neue Pfarrkirche zwischen 1756 und 1763.
Zwischen 1815 und 1817 wird der Wilhelmsbau mit fünf Stockwerken errichtet. Ab 1848 übernimmt Karl Anton Fürst von Hohenzollern (regierte 1848 bis 1885) Schloss Sigmaringen. Er beschäftigte den Architekten Josef Laur. Das Schloss wurde um einige Gebäude erweitert. Die Innenausstattung erhielt einen klassizistischen Stil. Karl Anton ließ die heute populärsten Räume schaffen. Dazu gehörten der Ahnensaal, der Altdeutsche Saal, das Königszimmer und das Speisezimmer. Zudem ließ er den Galeriebau errichten und erhöhte den Bergfried mit einer steinernen Haube. Der Speisesaal entstand unter dem Architekten Lambert aus Paris.

Siebte Bauphase
Die letzte Bauphase entwickelte sich unter Leopold Fürst von Hohenzollern (regierte 1885 bis 1905). 1893 gab es einen Brand im Ostflügel. Zusammen mit dem Architekten Hofbaurat de Pay begann Leopold mit seiner Ehefrau Antonia Infantin von Portugal mit dem Wiederaufbau. Das Schloss erfuhr eine Umgestaltung im Stil des Historismus. Vor allem unter dem Architekten Dr. Ing. Immanuel von Seidl aus München, der ab 1900 mit dem Umbau beschäftigt wurde, kam es zu großzügigen Umgestaltungen. 1902 entstand die portugiesische Galerie für die Ehefrau. Sie befindet sich an der Südseite des Hofs. Die Räume erhielten neue Dekorationen und Ausstattungen. Der Bergfried wurde mit einer oktogonalen Tuffsteinhaube versehen, die heute noch vorhanden ist.

Schloss Sigmaringen - Hauptstadt Frankreichs
Zum Ende des Zweiten Weltkriegs hin war Schloss Sigmaringen kurze Zeit Hauptstadt von Frankreich. Am 8. September 1944 wurde der Fürst von Hohenzollern von der Gestapo aus dem Schloss entfernt, um der nazitreuen Vichy-Regierung Exil zu bieten. Zu dieser Zeit lebten unter anderem mehr als 10.000 Franzosen in der kleinen Stadt, die ursprünglich nur 5600 Einwohner hatte. Politiker, Soldaten, Beamte und Botschafter flohen aus Frankreich und versammelten sich in Sigmaringen.
1944 zog die nazitreue Regierung aus Frankreich ab, da die Alliierten aus der Normandie schnell vorrückten. Der spätere Präsident Charles de Gaulle gründete in Paris eine zweite Regierung. Hitler ließ die Vichy-Regierung in Sicherheit bringen und siedelte sie im Donautal in Sigmaringen an.
Damaliger Ministerpräsident der nazitreuen Regierung war Pierre Laval und der Staatschef Philippe Pétain. Charles de Gaulle nahm die Verfolgung auf und kämpfte sich nach Sigmaringen vor. Als seine Truppen am 22. April 1945 in Sigmaringen eintrafen, war die Vichy-Regierung nicht mehr dort. Von der französischen Regierung ist auf dem Schloss nichts mehr vorhanden. Nach dem Abzug wurde der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt.

Events in der Nähe

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Anfahrt

Schloss Sigmaringen liegt in der gleichnamigen Ortschaft im Donautal, fernab jeder Autobahn. Zur Ortschaft führen die B313, die B463 und die B32. Innerorts parkt man am besten auf dem Parkplatz in der Donaustraße außerhalb der Altstadt und läuft die 200m zu Fuß. In der Altstadt gibt es kaum Parkplätze.

Buchtipp: Burgen in Baden-Württemberg

Das heutige Baden-Württemberg weist eine der höchsten Burgendichten Europas auf. Wie haben sich die Burgen in Baden-Württemberg ausgebreitet? Mehr dazu in diesem Buch.

Burgenarchiv.de
VER Verlag
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sonstige Bemerkungen

Der Text beruht teilweise auf eigenen Beobachtungen. Der geschichtliche Hintergrund wurde der Literatur entnommen.

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Literatur

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- Diverse, Herausgeber: Karl Seith, Max Miller, "Historische Stätten VI- Baden-Württemberg- 6. Band", Alfred Kröner Verlag, 1965, Stuttgart
- Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern Schloss Sigmaringen, "Schloss Sigmaringen und das Fürstliche Haus Hohenzollern", Albstadt, 2008
- http://www.schloss-sigmaringen.de/geschichte-des-schlosses.html (letzter Aufruf: 20.11.2014)
- http://buchhandlung-rabe.de/attachments/article/128/KaiserbergeAdelssitze_SigmaringenAuszug.pdf (letzter Aufruf: 20.11.2014)
- http://www.swp.de/ulm/nachrichten/suedwestumschau/Trikolore-ueber-dem-Schloss-Sigmaringen-als-Hauptstadt-Frankreichs;art4319,2782116 (letzter Aufruf: 20.11.2014)
- http://www.sbg-bawue.de/monumente/schloss-sigmaringen/ (letzter Aufruf: 20.11.2014)
http://www.schloss-sigmaringen.de/ (letzter Aufruf: 20.11.2014)
- Örtliche Informationstafel

Aktualisierung

Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 20.11.2014


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