Landskron

Burg Landskron

Deutschland / Rheinland-Pfalz

Auf einer Erhöhung über der Stadt Oppenheim thront in einer Ecke der Stadtmauer die Burg Landskron. Die Anlage ist heute nur noch eine Ruine und weist einen großen Palas und die Reste einiger Gebäude auf. Der Blick über die Rheinebene und zahlreiche Details an den Mauern laden zum Entdecken und Verweilen ein.

Adresse

Burg Landskron
Burgstr.
55276 Oppenheim
Parken: Parkplatz, kostenlos

Kurzinfo

Punkte:
Zustand: Ruine
Burgtyp: Spornburg
Nutzung: -
Lage: 165 m.ü.NN.
Sonnenlicht: 04:19-18:31 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten: offen
Eintrittspreise: frei

Baubestand & Beschreibung

Auf einem Bergsporn oberhalb der Ortschaft Oppenheim thront die Burg Landskron. Ursprünglich hieß die Anlage Oppenheim, wurde aber im 17. Jahrhundert in Landskron umbenannt. Die heutige Burg hat ihren Ursprung im 13. Jahrhundert und wurde wahrscheinlich zusammen mit der Stadtmauer errichtet. Sie liegt auf einem Sporn in einer Ecke der Stadtmauer oberhalb des Ortes und schützt Oppenheim zur Hauptangriffsseite (Berg über der Stadt) hin.
Ursprünglich bestand Burg Landskron bzw. Oppenheim aus einer Kern- und einer Vorburg. Die Kernburg nahm den höchsten Punkt der Stadtmauer ein. Am Hang unterhalb der Kernburg und innerhalb der Stadtmauer befand sich die wesentlich größere Vorburg.
Die Vorburg ist im Laufe der Jahrhunderte vollständig verschwunden. Es erinnern nur noch Mauerzüge und niederes Mauerwerk an die Ausmaße, die sie einst besaß. Die Kernburg hingegen ist bedeutend besser erhalten geblieben. Es haben sich mehrere eindrucksvolle Gebäudeelemente und große Teile der äußeren Wehrmauer erhalten.
Ursprünglich war die Kernburg von einer Ringmauer umgeben, in der sich zwei Tore befanden. Zur Stadt hin gab es einen erhöhten Ausgang mit Zugbrücke und Rampe, der sich heute noch neben dem Palas erkennen lässt. Der Weg führte in die Vorburg und weiter in die Stadt. Das Tor weist einen Rundbogen auf und deutet damit auf ein hohes Alter hin. Es stammt wahrscheinlich aus der Gründungszeit der Anlage und war zusammen mit der Stadtmauer im 13. Jahrhundert errichtet worden. Gegenüber, auf der anderen Seite des Burghofs, befand sich ein weiteres Tor, das heute nicht mehr existent ist. Stattdessen klafft ein großes Loch in der Mauer, über das man die Burg vom Wanderweg aus betreten kann.
Neben dem Loch in der Wehrmauer stehen die Reste des runden Bergfrieds, der gegen Ende des 17. Jahrhunderts von den Franzosen gesprengt wurde. Er flankierte ursprünglich das Außentor, das direkt neben dem Bergfried lag. Vor dem Tor und dem Turm befand sich ein tiefer Graben, der mit einer Zugbrücke überspannt war. Im Laufe der Jahrhunderte wurde er eingeebnet und dient heute als Wanderweg. Der runde Bergfried hat einen Durchmesser von 8 m und nur eine Wandstärke von 1,5 m. Er gehört zu den ältesten Gebäuden der Burg und entstand im 13. Jahrhundert zusammen mit der Stadtmauer. Im 19. Jahrhundert errichtete man auf dem Stumpf eine Aussichtsplattform, von der sich die gesamte Burganlage von oben betrachten lässt. Nach Norden hin geht die Nordmauer vom Bergfried ab. Sie ist bedeutend dicker und diente als Schildmauer zur Hauptangriffsseite hin. Ursprünglich war sie vermutlich wesentlich höher und schützte die Burg zusammen mit dem Bergfried vor feindlichem Beschuss.
Unterhalb des Bergfrieds lässt sich der Brunnen erkennen. Auch er stammt aus dem 13. Jahrhundert und hat eine Tiefe von ca. 40 m. Der Brunnen führt noch heute Wasser mit einer Wassertiefe von 2,5 m. Ursprünglich als Schöpfbrunnen errichtet, befördert heute eine kleine Elektropumpe Wasser nach oben.
Größte Sehenswürdigkeit von Burg Landskron ist der Palas. Das dreistöckige Gebäude hat sich von den Außenmauern her gut erhalten und verweist mit seinen großen Fenstern auf ehemals lichtdurchflutete Räume. Der Bau erhielt seine heutige Form im 16. Jahrhundert. Im Südflügel befand sich ursprünglich der Kaisersaal, in dem viele Könige residiert haben. Der Nordflügel (auf der anderen Seite vom Tor) war ein reiner Wohnbau mit Schlafgemächern und Kemenaten.
Am Südbau lassen sich noch Balkenauflager erkennen, die auf die einzelnen Stockwerke verweisen. Auch ist noch die Giebelwand zum Tal existent, bzw. wieder aufgebaut worden, die mit den niedrigeren Fenstern im Dachgeschoss auf weniger relevante Räumlichkeiten hinweist. Der Nordbau besitzt bis heute einen Keller, der sich aber nicht besuchen lässt. Auch der Südbau war ursprünglich unterkellert, doch sind hier nur noch die Ansätze erkennbar. An den Innenmauern des Südbaus und des Nordbaus sind noch Kaminansätze und Aborte erkennbar. Der Südburg war anscheinend mit der westlichen Wehrmauer direkt verbunden. Hier lassen sich noch Schießscharten erkennen, die auf einen Wehrgang hinweisen.
Im ehemaligen Hof findet man zudem noch die Reste eines Treppenturms, der anscheinend auf den Wehrgang der Schildmauer mündete.
Von der Atmosphäre her ist die Ruine Landskron sehr angenehm. Man erkennt deutlich, dass die Anlage als Residenz für Könige diente und von dem kurfürstlichen Baumeister als Schloss ausgebaut wurde. Die eindrucksvollen Ruinen, die sich erhalten haben, weisen zahlreiche Details auf, die zum Umherwandern und Entdecken einladen. Ein Besuch lohnt sich.

Historie

Der Ort Oppenheim wird erstmals 774 in einer Urkunde als Königsdorf genannt. Karl der Große schenkte Oppenheim in der Urkunde an das Kloster Lorsch. Schon 1008 besaß der Ort Marktrecht.
An dem Standort der heutigen Ruine befand sich ursprünglich eine staufische Burg, die 1118 im Besitz von Heinrich V. genannt wird. Der Mainzer Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken lag seit 1111 mit der Krone im Streit und versuchte zu dieser Zeit mit allen Mitteln sein Territorium zu vergrößern. 1118 gerieten die Streitigkeiten außer Kontrolle und der Erzbischof zerstörte Burg Oppenheim.
Die heutige Burg stammt aus dem 13. Jahrhundert. Sie ist auf der Ruine der damaligen Stauferburg errichtet worden. Urkundlich wird sie erstmals 1244 als Reichsburg genannt. Wahrscheinlich entstand sie um 1220. Zeitgleich mit der Burg wurde vermutlich die Stadtmauer errichtet, da in Urkunden aus der Zeit von Steuererleichterungen der Bevölkerung für die Hilfe beim Bau der Stadtmauer die Rede ist.
Zwischen 1254 und 1273 bestand das bekannte Interregnum. Die Burg Oppenheim war bis zu dieser Zeit immer direkt unter königlicher Hand. Burgmannen verwalteten die Anlage. In der Vergangenheit gab es immer wieder Streitigkeiten zwischen der Oppenheimer Bevölkerung und den Burgmannen. Während des Interregnums unterstanden die Burgmannen keiner Befehlsgewalt und rissen die Herrschaft an sich. Die Oppenheimer Bürgerschaft entschied sich 1254 dem Rheinischen Städtebund beizutreten, wodurch sich die Situation zuspitzte. Nach wiederholten Unterdrückungsversuchen durch die Burgherren griff die Stadtbevölkerung 1257 schließlich zu den Waffen und zerstörte die Burg.
Nachdem Rudolf von Habsburg 1273 zum neuen Regenten wurde, erfuhr er von der Zerstörung der königlichen Burg. Er ließ die Anlage sofort wieder aufbauen. Die Streitigkeiten zwischen den Burgherren und der Oppenheimer Bevölkerung blieb bestehen, sodass die Bürger der Stadt am 21. September 1275 die Burg ein weiteres Mal angriffen. Sie verlangten Freiheit und keine Unterjochung durch die Burgherren mehr.
Rudolf von Habsburg zwang die Bürger zum Wiederaufbau 1276. Der Bau der Kirche, der zu diesem Zeitpunkt in vollem Gange war, musste abgebrochen werden, um der Aufforderung des Königs nachzukommen. Rudolf von Habsburg besuchte Burg Oppenheim 1281, was darauf schließen lässt, dass die Anlage fertig war.
Nachdem die Situation zwischen den Burgmannen und der Bevölkerung sich wieder zuspitzte, handelte Rudolf diplomatisch. Er gab 1287 Stadtrechte und Gerichtsbarkeit der Stadt zurück und forderte dafür einen Teil der Zolleinkünfte zum Erhalt der Burg. Zudem mussten vier Bürger zur Bewachung gestellt werden. Als Gegenleistung war die Stadt nun fast unabhängig.
Ab 1298 wird Burg Oppenheim mehrmals verpfändet. 1375 verpfändet Kaiser Karl IV. die Anlage an Kurfürst Ruprecht von der Pfalz (1353 bis 1390). Da der König seine Schulden nicht bezahlte, ging Burg Oppenheim aufgrund fehlender Rückzahlungen in den Eigentum des Kurfürsten über. Dieser baute sie weiter aus, um ein Zeichen der Macht Kurmainz gegenüber zu setzen. Nach seinem Tod vererbte er die Anlage seinem Enkel Ruprecht III.
Mit König Ruprecht I. war die Burg wieder in königlicher Hand. Zwischen 1402 und 1410 war er zehn Mal in Oppenheim und verstarb auf der Burg am 18. Mai 1410, nachdem er mehrere Tage vor seinem Bett saß und die Testamente verfasst hat.
In den Jahren darauf unterlag Burg Oppenheim wieder unterschiedlichen Burgmannen, die von der Seite des Königs eingesetzt wurden. Letzter Burgmann war Philipp von Dalberg, der 1533 hier verstarb. Am 2. Juni 1613 besuchte Kurfürst Friedrich V. die Burg, übernachtete aber im Dalberger Hof, was ein Hinweis auf den schlechten Zustand der Burg zu dieser Zeit ist. In Hinblick auf den drohenden Krieg inspizierte er Oppenheim und ließ die alte Burg zu einem Schloss ausbauen. Der Ausbau dauerte von 1614 bis 1617 und geschah wahrscheinlich durch Johann Schoch, damaliger kurfürstlicher Baumeister (1601 bis 1619), der unter anderem auch das Heidelberger Schloss umgebaut hat.
Am 14. September 1620 eroberten die Spanier die Stadt. Sie nisteten sich auf der Burg ein. 1621 gab es einen großen Stadtbrand, der weite Teile der Stadt zerstörte. Am 8. Dezember 1631 wurden die Spanier von den Schweden vertrieben, die bis 1635 Ort und Stadt besetzt hielten.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg 1668 tauchte erstmals der Name Landskron auf. Bis dahin hieß die Anlage Oppenheim.
Am 1. Oktober 1688 wird Schloss Landskron von den Franzosen unter Marquis de Breteuil erobert. Die Stadt übergibt man ihm kampflos. Otto Brickmann, der damalige Verwalter der Burg, verteidigt für mehrere Stunden die Anlage, bevor auch er aufgibt. Die Franzosen verweilen mehr als ein halbes Jahr auf der Anlage und sprengen am 13. Mai 1689 den Bergfried. Am 31. Mai 1689 zünden sie die Stadt an und rücken ab.
1720 kommt die Idee des Wiederaufbaus von Burg Landskron auf. Man wollte eine Festung aus der Anlage machen, verwarf aber die Pläne, da die Realisierung zu teuer gewesen wäre. 1764 bis 1765 werden Steine der Burg abgebrochen, um die Straße nach Worms zu bauen. 1797 gehören Burg und Stadt nach den Aktivitäten Napoleons wieder Frankreich.
1808 findet man eine Säule, die aus der karolingischen Kaiserpfalz Ingelheim stammt. Sie sollte ursprünglich zum Heidelberger Schloss transportiert und dort im Brunnenhaus verbaut werden. Heute steht sie als Kriegsdenkmal auf dem Marktplatz von Oppenheim.
1816 gehen Burg und Stadt schließlich in den Eigentum vom Großherzogtum Hessen über. Man errichtet 1875 eine Aussichtsplattform auf der Ruine des Bergfriedes und verwandelt die Wallanlage vor der Stadtmauer in einen Park. 1978 wird Burg Landskron schließlich an Rheinland-Pfalz übergeben. 1990 bis 1994 fanden ausführliche, archäologische Untersuchungen statt. Das gleiche wiederholt sich bei der Erforschung der nördlichen Stadtmauer 2009.
Heute ist die Ruine frei begehbar und wird im Frühjahr für Theaterstücke genutzt. Zudem gibt es das jährliche Burgfest, das viele Besucher selbst überregional anzieht.

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Anfahrt

Von der A63 Ausfahrt "Wörrstadt" B420 Richtung Köngernheim, Undenheim, Nierstein. In Dexheim Richtung Oppenheim. In Oppenheim direkt am Ortseingang links auf die Burgstr. und dort parken. Der Straße weiter durch den Park zur Burg folgen.

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Literatur


- Georg Dehio, "Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler - Rheinland-Pfalz, Saarland\", Deutscher Kunstverlag, 1984, Berlin, ISBN: 3-422-00382-7
- Regionalgeschichte.net - letzter Aufruf: 02.10.2014

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Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 02.10.2014

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