Cochem

Burg Cochem

Deutschland / Rheinland-Pfalz

Burg Cochem ist die größte Höhenburg an der Mosel. Die schöne Anlage wurde im 19. Jahrhundert restauriert und erhebt sich heute malerisch über der sehenswerten Altstadt. Die Anlage lässt sich nur im Zusammenhang mit einer Burgführung besuchen. Es lohnt sich.

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Adresse

Burg Cochem
Schlossstr. 36
56812 Cochem
Parken: im Ort, kostenpflichtig

Kurzinfo

Punkte:
Zustand: Burg
Burgtyp: Spornburg
Nutzung: Gastronomie, Museum
Lage: 150 m.ü.NN.
Sonnenlicht: 04:23-18:36 Uhr Info

Zugang

Öffnungszeiten: ganzjährig
Nur Führungen
mehr
Eintrittspreise: Außenanlage: frei
Burg: Führung
mehr
Website: Burg-Cochem.de

Baubestand & Beschreibung

Auf einem 100 m hohen Berg im Moseltal thront oberhalb der kleinen Ortschaft Cochem die gleichnamige Burg. Die schöne Anlage ist heute die größte Höhenburg an der Mosel. Sie steht auf einem isolierten Bergkegel, der zum Fluss hin steil abfällt und wurde aufgrund ihrer exponierten Lage bis 1689 zwar mehrmals erobert aber nie zerstört.
Im 19. Jahrhundert war von der Burg nur noch eine Ruine erhalten, die nach Vorlage eines Kupferstichs von Hogenberg von 1576 gemäß ihres spätgotischen Erscheinungsbildes wieder aufgebaut wurde. Heute erstrahlt sie wie zahlreiche andere Burgen an Mosel und Rhein im romantisch-märchenhaften Stil des Historismus.
Im Inneren stößt man auf ein Museum, das unzählige Räume der Burg zeigt. Diese wurden liebevoll mit dem Wiederaufbau im 19. Jahrhundert in verschiedenen mittelalterlichen Stilrichtungen eingerichtet und mit Möbeln aus dem 15.-18. Jahrhundert ausgestattet.

Funktion der Burg
Ursprünglich diente Burg Cochem zur Überwachung der Mosel. Schiffe, die den Fluss benutzen wollten, mussten unterhalb der Burg an einer Anlegestelle Zoll zahlen. An der östlichen Mauer, zur Mosel hin, befand sich ursprünglich eine Verankerung mit einer Haspel, über die man eine Kette über den Fluss spannen konnte. War die Kette hochgezogen, konnte kein Schiff den Fluss passieren. Belege für diese Konstruktion gibt es keine. Es ist nur bekannt, dass Schiffe seit Errichtung der Burg Zoll zu zahlen hatten, wenn sie Cochem passieren wollten.

Außenanlage
Burg Cochem liegt auf einem einzelnen Felsen, der sich auf natürliche Weise vom restlichen Gebirge abtrennt. Heute wie damals führt eine Straße an der Westseite (frühere einzige Angriffsseite) hoch zur Burg.
Auf dem Weg nach oben lassen sich kurz hinter dem Mitarbeiterparkplatz auf der rechten Seite steinerne Pfeiler erkennen, die ursprünglich zum ersten Außentor gehörten. Direkt dahinter begann ein Torzwinger, der zum zweiten Tor, dem sogenannten Gattertor führte.
Das zweite Tor weist unter anderem originale Bausubstanz auf. Die Erker und die Zinnen stammen aus dem Wiederaufbau des 19. Jahrhunderts. Ursprünglich besaß der Torturm ein Fallgitter und eine noch erhaltene rundbogige Durchfahrt. An der Innenseite des Tores lässt sich ein rekonstruierter Wehrgang erkennen, der ursprünglich ähnlich ausgesehen haben soll.
Hinter dem großen Torturm eröffnet sich der Blick auf die Stadt Cochem und den Eingangsbereich zur Vorburg. Der Vorplatz besteht aus einer langen Rampe und einem Graben. Von der Rampe geht eine Brücke über den Graben vor das Eingangstor der Burg.
Die Brücke besteht heute aus Stein und ist ca. 10 m lang. Man geht davon aus, dass ein Teil ursprünglich eine hölzerne Zugbrücke war. Hinter der Brücke betritt man durch das sogenannte Haupttor die Vorburg.

Vorburg
Hinter der Brücke beginnt die Vorburg. An dieser Stelle befindet sich das sogenannte Haupttor, das aus zwei Toren besteht, die 7,6 m auseinanderliegen. Die Bausubstanz des Tores ist größtenteils original. In dem Tor führt eine Tür in das rekonstruierte Verwaltungsgebäude, ehemals Burgmannshaus, das heute Büro, Kasse und Restaurant beherbergt. Von hier beginnen die Führungen durch die Burg.
Burg Cochem besteht aus der eben beschriebenen Außenanlage, einer Kernburg und einer Vorburg. Die Kernburg liegt auf einem kleinen Felsen auf dem höchsten Punkt in der Mitte der Burg und ist vollständig von der Vorburg umgeben. Sowohl von der Vorburg, wie auch von der Kernburg haben sich mittelalterliche Baubestände erhalten.
Ursprünglich umschloss eine Ringmauer die gesamte Burganlage. Sie war höher als heute. Im 19. Jahrhundert wurde die Mauer nicht wieder auf ihre ursprüngliche Höhe gebracht, um von allen Teilen der Burg die herrliche Aussicht genießen zu können. Alle Gebäude der Vorburg lehnen damals wie heute an der Ringmauer an.
Hinter dem Haupttor beginnt die Führung. Sie folgt nicht dem ursprünglichen Weg, über den man Burg Cochem betrat, sondern führt direkt zur Kernburg, um nach Besichtigung einiger Räumlichkeiten im hinteren Bereich der Vorburg zu enden.
Ursprünglich führte der Weg gegen den Uhrzeiger um die Kernburg herum und wurde durch diese flankiert. Hinter dem Haupttor in der Nordostecke eröffnet sich der Blick auf den ehemaligen Burggarten, der heute noch im Schatten der Kernburg liegt und von dieser aus beschossen werden konnte. Am südöstlichen Ende des Burggartens trifft man auf das Löwentor, dass das vierte und letzte Tor der Vorburg war. Es handelt sich hierbei um einen Neubau aus dem 19. Jahrhundert.
Direkt neben dem Löwentor nehmen der Rittersaal, der Waffenraum, der Söller, die Burgkapelle und das Kavaliershaus das südliche Ende der Vorburg ein.

Vorburg - Rittersaal und Waffenraum
Der eindrucksvolle Rittersaal ist eine Rekonstruktion des 19. Jahrhunderts. Er ruht auf einem Gewölbekeller von 7 m auf 14 m, der ursprünglich für die Lagerung von Weinfässern genutzt wurde. An der Stelle des Rittersaals stand einst ein Wirtschaftsgebäude. Unter dem Architekten Raschdorff wurde im Zuge des Wiederaufbaus der Rittersaal geschaffen, der sich während der Führung besichtigen lässt. Direkt daneben grenzt der Waffenraum an.

Vorburg - Kapelle
Die südlichste Spitze des Burgbergs wird durch die Burgkapelle eingenommen. Es handelt sich um einen einschiffigen Bau, der erst im 19. Jahrhundert entstanden sein soll. Man vermutet, dass sich an selbiger Stelle ursprünglich eine kleine Bastion oder ein Wehrbau befand, der die Burg nach Süden hin schützte.
Die einschiffige Kapelle besitzt einen dreiseitig eingezogenen Chor und ein Dach, das die Form eines auf dem Kopf liegenden Schiffsrumpfs aufweist. Das sakrale Gebäude lässt sich für Hochzeiten mieten.

Vorburg - Kavaliershaus
Neben der Burgkapelle steht das sogenannte Kavaliershaus. Ravené nutzte es nach dem Wiederaufbau als Gästehaus, damit sich der Besuch zurückziehen konnte. Vor der Zerstörung 1689 befand sich an selbiger Stelle ein Wirtschaftsgebäude, das als Kornspeicher, Pferdestall und Kelterhaus gedient haben soll.

Vorburg - Brunnen
Die Südwestseite der Vorburg beherbergt heute eine große Freifläche, auf der sich das Brunnenhaus erkennen lässt. Im Südwesten grenzt die Ringmauer an, die hier größtenteils rekonstruiert ist. Der Brunnen wurde ursprünglich im 19. Jahrhundert zugedeckt und war lange Zeit unter dem Boden des Hofs verdeckt. Das heutige Brunnenhaus stammt von 1984. Der Schacht ist 50 m tief und hat einen Durchmesser von ca. 1,75 m. Bei Ausgrabungen fand man im Brunnen Steinmetzarbeiten und Elemente aus dem 11. Jahrhundert, die heute Hinweise auf die Gründungszeit der Burg geben (siehe Geschichte).

Vorburg - Spielhaus
Im Norden wird der große Burghof der Vorburg durch das sogenannte Spielhaus eingerahmt. Das Gebäude steht direkt am ehemaligen Eingang zur Kernburg und nimmt den südwestlichen Bereich der Burg ein.
Ursprünglich befand sich an der Stelle des Spielhauses ein Wehrturm und ein größeres Wirtschaftsgebäude mit drei Kellern. Der Wehrturm ragt noch heute aus der Ringmauer heraus und diente zum Flankieren und Beobachten des Zugangsweges zur Burg im Westen.

Vorburg - Ausfallpforte und Theaterhof
Nördlich des Spielhauses schließt der sogenannte Theaterhof an. Die Bezeichnung Theaterhof stammt aus der Zeit des Wiederaufbaus im 19. Jahrhundert. An der Nordwestseite lässt sich eine Treppe erkennen, an deren Stelle sich ursprünglich eine Ausfallpforte befunden haben soll. Heute ist der Durchgang 3 m breit. Man kann davon ausgehen, dass er im Mittelalter bedeutend schmaler oder nicht existent war. Direkt daneben befindet sich das sogenannte Eifelhaus.

Kernburg
Die Kernburg liegt auf einem Felsen in der Mitte der Vorburg. Im Zuge der Wiederaufbauarbeiten des 19. Jahrhunderts wurden viele Bereiche der Vorburg auf ein einheitliches Niveau gebracht, sodass diese heute höher sind als damals. Die Kernburg lag somit ursprünglich höher als die Vorburg und konnte eingedrungene Feinde in alle Richtungen unter Beschuss nehmen.
Die Kernburg ist der älteste Bereich der Anlage. Sie bestand ursprünglich aus dem Bergfried einem Palas, die zusammen von einer kreisrunden Mauer umgeben waren. Von der Mauer haben sich kaum Reste erhalten. Erst später entstand die heutige Ringmauer.
Der Eingang in die Kernburg liegt heute wie damals an der Westseite. Über eine überdachte Treppe gelangt man im Zusammenhang mit der Burgführung in die Kernburg. An selbiger Stelle lag ursprünglich eine Außentreppe, die sich vom Bergfried aus flankieren ließ. Oben endet die Treppe direkt im Palas. Im Mittelalter war hier ein Tor in der Ringmauer, das sich aufgrund der engen Treppe nicht mit einem Rammbock bearbeiten ließ.

Kernburg - Bergfried
Der Bergfried ist das älteste Gebäude der Burg und stammt wahrscheinlich aus der Gründungszeit. Man vermutet, dass er in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts errichtet wurde. Ursprünglich besaß er einen viereckigen Grundriss, der im 14. Jahrhundert durch den Erzbischof Balduin von Trier ummantelt wurde und seitdem eine achteckige Form aufweist. Die Mauern wurden aufwendig verstärkt, um ihn gegen Beschuss zu verstärken.
Der frühromanische Turm hat eine Innenfläche von 5,4 auf 5,4 m. Die Außenmauern sind im Durchschnitt 1,8 m dick. Im Sockelbereich wurden die Mauern auf bis zu 3,5 m verstärkt und aus dunklem Schieferbruchstein gefertigt. Das oberste Stockwerk ruht auf einem Rundbogenfries und besitzt vier runde Ecktürmchen mit zwei Geschossen. Das Dach, das oberste Stockwerk und die Obergeschosse der Ecktürmchen stammen aus der Zeit des Wiederaufbaus im 19. Jahrhundert und sind nicht original. Nur die unteren Bereiche der Ecktürme sind aus dem Mittelalter und weisen auf das ehemalige Aussehen hin. Im Inneren waren die einzelnen Stockwerke mit Balkendecken versehen.

Kernburg - Palas und Hexenturm
Die Kernburg wird im Süden vor allem durch den mächtigen Palas eingenommen. Das Gebäude ist ein Neubau aus dem 19. Jahrhundert. Wie der romanische Vorgänger aussah, ist heute unbekannt. Einige Fundamente sollen noch aus der Gründungszeit stammen und verbaut worden sein.
Der Hexenturm an der Nordostecke der Kernburg hat sich bedeutend besser erhalten. Er ist der einzige noch existente Wehrturm. Heute trägt das Bauwerk einen Rundhelm statt Zinnen. Der runde Turm war für die Verteidigung der Burganlage von großer Bedeutung. Er flankiert den nordöstlichen Bereich der Vorburg und hatte direktes Schussfeld auf jeden, der durch das Haupttor kam.
An den Mauern haben sich Freskenmalereien erhalten, die in der Neuzeit restauriert wurden. Das Gebäude besitzt drei Geschosse. Das runde Kegeldach mit Schieferplatten stammt aus dem 19. Jahrhundert. Ursprünglich gab es eine Wehrplattform, die auf Rundbogenfriesen ruhte und einen Zinnenkranz aufwies. Der mittelalterliche, erhaltene Putz aus dem 14. Jahrhundert weist auf farbige Malereien hin, die ursprünglich die gesamte Burganlage verziert haben sollen. Die Malereien am Bergfried sind neueren Datums.

Burgführung
Burg Cochem lässt sich heute nur noch im Zusammenhang mit einer Burgführung besuchen. Diese gibt Einblicke in zahlreiche Räume der Burg. Der Rundgang beginnt am Haupttor und führt durch die wichtigsten Bereiche der Anlage. Unter anderem wird auf die Geschichte und das Leben auf der Burg Cochem eingegangen.

Burgführung - Speisesaal im Palas
Zu Beginn der Besichtigung gelangt man nach einer kurzen Einleitung auf dem Hof direkt in die Kernburg. Der erste Raum ist der Speisesaal im Palas. Der lang gezogene Saal weist eine strenge Symmetrie auf. An der Westwand lässt sich ein mächtiger Kamin erkennen. Die hölzerne Balkendecke wird von einem Doppelanlage verziert, der auf die Beständigkeit der deutschen Könige und Kaiser hinweist, die über die Jahrhunderte mit der Burg in Verbindung gebracht werden.

Burgführung - Gotisches Zimmer im Palas
Der nächste Raum der Führung ist das Gotische Zimmer, auch Kemenate genannt. Im Zuge der Restauration im 19. Jahrhundert entstand hier ein typisches, gotisches Spitzbogengewölbe, das auf den Namen des Raums verweist. Die Kacheln des Ofens stammen aus Delft. Der wertvolle Tisch ist aus Ebenholz, Nussbaum und Elfenbein. Der Raum soll eine typische Einrichtung des gehobenen, niederländischen Wohnstils des 17. und 18. Jahrhunderts widerspiegeln.

Burgführung - Romanisches Zimmer im Palas
Das Romanische Zimmer ist der letzte Raum, der im Palas besichtigt wird. Man stößt hier auf ein neu eingezogenes Kreuzgratgewölbe und einen weiteren Ofen mit Kacheln aus Delft im Stil des 16. Jahrhunderts. Die Wandvertäfelungen sind aus Holz und stammen aus dem 17. Jahrhundert. Sie ist aus Brettern von Truhen zusammengesetzt, die speziell für die Anfertigung des Raums gesammelt und auseinander genommen wurden. An der einen Wand lassen sich zwei Geheimtüren entdecken, die zur Bibliothek und in einen geheimen Tunnel unter der Burg führen. Der Geheimgang ist heute zugemauert und soll Gerüchten zufolge in die Stadt führen.

Burgführung - Löwentor Übergangszimmer
Vom Palas führt seit dem 19. Jahrhundert ein Weg in das Obergeschoss des Löwentors. Das Löwentor steht in der Vorburg, unterhalb der Kernburg. Der Pfad wurde angelegt, um bei Regen trockenen Fußes in den Rittersaal zu gelangen. Im Mittelalter war eine Konstruktion dieser Art nicht vorhanden, da der direkte Durchgang zwischen Palas und Vorburg eine Schwachstelle in der Verteidigung gewesen wäre.
An der Decke des Übergangszimmers hängt eine Lampe mit Lüsterweib aus dem 17. Jahrhundert. Die Lampe soll Böses von der Burg abhalten, wie beispielsweise Belagerungen und Zerstörungen.

Burgführung - Jagdzimmer
Am anderen Ende des Übergangszimmers befindet sich das sogenannte Jagdzimmer. Es handelt sich hierbei um den Vorraum des Rittersaals. Der Raum besitzt keinen Vorgängerbau und stammt aus dem 19. Jahrhundert. Im Inneren stößt man auf ausgestopfte Tiere aus der Eifel und im Hunsrück. Zudem lassen sich alte Jagdwaffen und Schränke aus dem 15. und 16. Jahrhundert besichtigen. Ein Wappen verweist auf Burggraf Kuno von Schonenberg, der als romantisierter Raubritter dargestellt wird. Auf einem Tisch befinden sich Zinnkrüge, die zwischen 3-5 l Volumen aufweisen. Sie stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert und dienten ursprünglich zur Messung der Tagesration Wein eines jeden Burgbewohners.

Burgführung - Rittersaal
Einer der eindrucksvollsten und größten Räume der Burg ist der sogenannte Rittersaal. Er ist ein Neubau aus dem 19. Jahrhundert, der auf dem Keller eines mittelalterlichen Wirtschaftsgebäude steht. In der Zimmertür wurde ein originales Schloss verbaut.
Der lange Raum besitzt eine Stucktonnendecke im Stil der Gotik und des Barocks, die auf zwölf mächtigen Säulen ruht. Das Mobiliar wurde im Stil der Renaissance gehalten, während der Kamin an der Nordwand neogotisch ist. Die beiden Löwen im Raum tragen die Wappen der Pfalzgrafen und der Erzbischöfe von Trier, die die Burg im Laufe der Geschichte stark geprägt haben. Die Gemälde stammen von Schülern des berühmten Malers Rubens.

Burgführung - Waffenraum
Über eine aufwendig kunstvoll gestaltete Holztreppe im Stil der Neorenaissance gelangt man in den sogenannten Waffenraum. Hier stößt man auf einen süddeutschen Fassadenschrank aus dem 16. Jahrhundert, spätmittelalterliche Rüstungen aus dem 15. und 16. Jahrhundert, auf eine Streitaxt und Waffen aus dem 19. Jahrhundert aus der Zeit der Ritterromantik. Highlight des Raums ist die Maßanfertigung einer Rüstung, die einem 2,38 m großen Mann gehörte. Über eine Tür gelangt man auf einen großen fünfeckigen Söller (Balkon), der eine herrliche Aussicht auf die Mosel freigibt.
Nach einem anschließenden kurzen Rundgang über den Hof endet die Führung wieder am Haupttor.

Fazit
Burg Cochem liegt malerisch oberhalb der sehenswerten Altstadt Cochem. Die Anlage ist ein bunter Mix aus mittelalterlichem Baubestand und romantischem Wiederaufbau des 19. Jahrhunderts. Die Führung verläuft durch die meisten Gebäude der Anlage und ist größtenteils recht interessant, auch wenn teilweise längst wissenschaftlich widerlegte Mythen und Halbwahrheiten über das Mittelalter erzählt werden. Führung und Burg sind kinderfreundlich. Ein Besuch lohnt sich.

Historie

Schon in der Bronzezeit befand sich an der Stelle der heutigen Ortschaft eine keltische Siedlung. Auf dem Tumelchen fand man Münzen und alte Grabhügel aus dem 4. Jahrhundert. Weitere fränkische Gräber aus der karolingischen Zeit weisen auf eine dauerhafte Besiedlung von Cochem hin.
Erstmals wird die Ortschaft am 20. Dezember 866 in einer Schenkungsurkunde an die Abtei Prüm genannt. Wann die Burg errichtet wurde, ist unbekannt. Man vermutet dass sie in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts unter Pfalzgraf Ezzo (gestorben 1034), seinem Sohn Otto I. (gestorben 1047) oder unter dem Neffen Heinrich I. (gestorben 1061) errichtet wurde.
Heinrich I. war in einem Verbrechen verwickelt, von dem eine Urkunde 1180 erzählt. Er griff 1160 Erzbischof Anno II. von Köln von der Siegburg aus an, woraufhin er mit dem Kirchenbann belegt wurde. Nach verlorener Schlacht übergibt Heinrich Burg Siegburg an den Erzbischof und geht in das Kloster Gorze bei Metz. In der Folgezeit startet er einen erneuten Angriff gegen Köln und zieht sich nach erfolglosem Ausgang 1060 auf Burg Cochem zurück, um neue Truppen auszuheben.
Auf der Burg schlägt er im Wahnsinn in einer Nacht seiner Ehefrau mit einer Streitaxt den Kopf ab, woraufhin er von seinen eigenen Truppen gefangen und anschließend auf das Kloster Echternach gebracht wird. Er stirbt dort am 29. Juli 1061.
Aufgrund dieser Geschichte geht man davon aus, dass Pfalzgraf Ezzo die Burg um ca. 1020 errichtet haben muss, da unter dem wahnsinnigen Heinrich I. die Anlage bereits voll bewohnbar war und zur Aushebung von Truppen diente. Romanische architektonische Steinarbeiten, die im Burgbrunnen gefunden wurden, weisen auf einen Ausbau nach 1056 hin.
1064 wird Hermann II. Nachfolger des wahnsinnigen Heinrich I.. Er bleibt kinderlos, sodass das Geschlecht mit ihm 1085 ausstirbt. Bis 1088 übernimmt Hermann von Salm Burg Cochem. Ihm folgt von 1088-1095 Heinrich von Laach und von 1099-1113 Siegfried von Ballenstädt.
Siegfrieds Sohn Wilhelm von Ballenstädt wohnt ab 1129 auf der Burg. Er bekommt keine Kinder, woraufhin er viele Rechte und Teile der Herrschaft an Klöster vergibt. So erlässt er beispielsweise am 17. März 1130 dem Kloster St. Matthias bei Trier und 1136 der Abtei Springiersbach den Schiffszoll in Cochem.
Die großzügigen Tätigkeiten Wilhelms gefielen König Konrad III. nicht, sodass er nach dessen Tod 1140 Burg Cochem nur noch als Reichslehen vergibt. 1149 ermordet Graf Hermann von Stahleck Otto den Jüngeren von Reineck und erobert 1150 Burg Cochem. König Konrad III. duldet dieses Verhalten nicht und erobert die Burg 1151 zurück. In der Folge vergibt er die Anlage nur noch als Reichsgut an Reichsministeriale, die für die Verwaltung zuständig sind. Burg und Herrschaft waren kein Lehen mehr. Da die Anlage direkt dem König unterstand, feierte Kaiser Friedrich I. Barbarossa das Pfingstfest 1174 auf Burg Cochem.
In der Folgezeit kommt es öfters zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Immer wieder werden Burggrafen zu Raubrittern oder es werden nicht autoritäre Eroberungen durchgeführt, wie zum Beispiel durch den Erzbischof Siegfried von Köln, der Burg Cochem im 13. Jahrhundert einfach an sich reißt. Auch hier musste wieder von Seiten des Königs eingegriffen werden. König Rudolf I. von Habsburg erobert 1282 die Burg erneut.
Nach dem Tod König Rudolfs I. 1291 wird Adolf von Nassau Nachfolger, nachdem er zahlreiche Stimmen Adeliger für seine Wahl kaufen musste. Aus diesem Grund verpfändet er Burg und Stadt Cochem mit 50 weiteren Dörfern 1294 an den Erzbischof Boemund I. von Trier. In der großen Schlacht bei Göllheim 1298 gegen Albrecht I. von Österreich, Sohn von Rudolf I. von Habsburg, findet Adolf von Nassau den Tod.
Albrecht I. von Österreich besteigt den Thron und ernennt 1298 die Erzbischöfe von Trier zu den neuen Burggrafen von Cochem, da die Pfandsumme nicht eingelöst werden konnte. In der Folgezeit unterstützen die Erzbischöfe immer wieder die Könige bei der Königswahl, sodass sie die Burg, die eigentlich ein Reichsgut ist, nutzen und behalten dürfen. So gibt beispielsweise Kurfürst Balduin von Trier Heinrich VII. 1310 und König Ludwig der Bayer 1314 seine Stimme.
Unter Kaiser Karl IV. geht die Anlage endgültig in den Besitz von Kurtrier über. Einzige Voraussetzung ist die Einhaltung des Öffnungsrecht dem König gegenüber und die Nutzung durch den König im Kriegsfall.
Erzbischof Kurfürst Balduin von Trier (Regierungszeit: 1307-1354) sorgt für mehrere Erweiterungen der Stadtbefestigung und Teile der Burg. Er vergibt zudem der Ortschaft Cochem 1332 das Stadtrecht, wodurch der Ort wirtschaftlich floriert.
In den folgenden 300 Jahren bleibt es ruhig in der Region. Erst im 30-jährigen Krieg kommt es zu Beschädigungen an Burg Cochem, die 1650 und 1662 ausgebessert werden. Unter dem General Marquis de la Trousse wird die Anlage 1673 beschossen und schließlich 1688 durch die Truppen von Leutnant de Saxis besetzt. Im März 1689 übernehmen die Franzosen zudem die Stadt.
Um ihre Macht zu sichern und keine Rückeroberung durch den Feind möglich zu machen, sprengen die Franzosen am 19. Mai 1689 die Burg. Sie brennt drei Tage lang. Am 25. August 1689 wird die Ortschaft verwüstet und niedergebrannt. Erst 1697 kehrt mit dem Friedensbeschluss und der Rückgabe von Cochem Ruhe ein.
Nur 100 Jahre später, am 24. September 1794, wird Cochem von französischen Revolutionstruppen eingenommen. 1816 wird sie preußischer Staatsbesitz.
1868 kauft der Geheime Kommerzienrat Jakob Luis Frederik Ravené die Burgruine für 300 Goldmark. Noch im selben Jahr beginnt er zusammen mit dem Berliner Architekten Geheimrat Hermann Ende Sanierungsarbeiten und plant einen Wiederaufbau. Man beginnt 1869-1870 mit archäologischen Untersuchungen und der Beseitigung von Schutt. Unter dem Architekten Julius Carl Raschdorff, der später Professor der königlichen Bauakademie Berlins wird und den Berliner Dom entwirft, wird Burg Cochem zwischen 1874 und 1877 wieder aufgebaut. Das Innenleben entsteht größtenteils unter der Leitung von Ernst Ewald.
1943 sind die Nachfahren von Ravené zu einem Verkauf an das Deutsche Reich gezwungen. Nach dem Krieg ist die Anlage ab 1945 Eigentum der Bundesregierung, die sie am 1. April 1978 für 664.000 DM an die Stadt Cochem verkauft. Die Übergabe wird am 5. Mai 1978 gefeiert. In der Folgezeit kommt es zu Restaurationen und zur Sicherung des Hangs zur Mosel hin.

Events in der Nähe

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Anfahrt

Von Norden und Westen über die A48 Ausfahrt Kaisersech auf der Landstraße über Landkern nach Cochem.
Von Osten und Süden hinter Bingen von der A61 Ausfahrt Rheinböllen auf die B50 und bei Kirchberg auf die B421. Der Bundesstraße bis an die Mosel folgen und bei Alf auf die B49 nach Cochem.
Innerorts auf einem der Parkplätze an der Mosel parken und zu Fuß der Ausschilderung zur Burg folgen. Auf dem Burgberg gibt es keine Parkplätze.

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Gastronomie

Auf der Burg gibt es eine Gastronomie.

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Literatur


- Diverse, "Die Reichsburg in Cochem an der Mosel - Burgführer", Cochem
- Informationstafel
- Burg-Cochem - letzter Aufruf: 10.11.2015
- EBIDAT - letzter Aufruf: 10.11.2015

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Letzte Aktualisierungen dieser Seite: 10.11.2015

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